08.03.2012
Reaktionen auf das neue iPad
"Wo ist der Fusionsreaktor?"
Als das iPhone 4 S vorgestellt wurde, das fast exakt so aussieht wie das iPhone 4, waren die Reaktionen verhalten. Gut, neuer, schnellerer Prozessor, bessere Kamera, und diese etwas unheimlich wirkende Sprachsteuerung namens Siri. Die Börsen waren enttäuscht, Apples Aktienkurs fiel von 380 auf rund 357 Dollar. Den Kunden war das egal, sie kauften neue iPhones wie die Verrückten. Schwupps hatte sich Apples Quartalsgewinn im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt, genauso wie die Anzahl der verkauften iPhones.
Auch das iPad 2 unterschied sich nicht fundamental vom Vorgänger, auch dieses Tablet galt als langweilig. Aber es verkaufte sich erheblich besser als das Vorgängermodell: Ende 2011 hatte Apple insgesamt 55 Millionen iPads verkauft, davon allein 15 Millionen im letzten Quartal 2011.
Jetzt also das "neue iPad". Schnellerer Prozessor, besserer Bildschirm, ein neuer Datenfunk-Standard - von dem allerdings unklar ist, ob er in Deutschland überhaupt funktionieren wird. Laaangweilig. Sagen manche. Wobei die Kommentatoren inzwischen vorsichtiger geworden sind.
Einige Reaktionen aus der internationalen Technik-Presse:
- "Wenn ein schnellerer Prozessor, mehr Arbeitsspeicher, verdoppelte Bildschirmauflösung, eine bessere Kamera und LTE-Mobilfunktechnik nur als "bescheidene" Verbesserung gelten, was hätte dann ein iPad 3 bieten müssen, um als unbescheidene Neuerung zu gelten? Einen Fusionsreaktor? Teleportation? Eine Kamera, die in die Zukunft blickt?" (John Gruber, Darinfireball.net)
- "Wenn Sie ein iPad 2 besitzen und es weniger als sieben Stunden in der Woche nutzen, sollten Sie meiner Meinung nach kein neues iPad kaufen. Wenn Sie das erste iPad besitzen und es selten nutzen oder noch gar kein iPad haben oder ein anderes Tablet besitzen, könnte das neue iPad es wert sein - wenn Sie den Preis verschmerzen können." (Brian Lam, The Wirecutter )
- "Ja, es sieht im Großen und Ganzen aus wie das iPad 2. Ja, es ist etwas dicker. Beim Gewicht konnte ich keinen Unterschied spüren, obwohl es etwas mehr wiegen soll. Entscheidend ist aber der Bildschirm: Der ist prächtig." (MG Siegler, Techcrunch)
- "Das ist der beste Bildschirm, den ich bisher gesehen habe. Und er verändert die Nutzungserfahrung grundlegend, das ist nicht nur eine neue Spezifikation." (Ryan Block, GDGT)
- "Dieser Artikel bringt Tausende Dollar an Werbeeinnahmen, allein durch die Erwähnung des neuen iPads." (Das Satireangebot The Onion in einem Bericht über das neue iPad, der wenig mehr als den Begriff iPad enthält.)
Eins ist allen Kommentatoren mittlerweile klar: Nur auf Basis der bei einer Präsentation weitergereichten Information lässt sich der Verkaufserfolg eines neuen Apple-Produktes nicht vorhersagen. Die Vorsicht ist gewachsen.
Klar ist aber auch: Ein iPad funktioniert primär als ästhetisches Objekt, als neuer, sehr bequemer Zugangsweg zu digitaler Unterhaltung und Information. Das wichtigste Element dieses extrem reduzierten Objektes ist der Bildschirm - und wenn der überzeugt, werden die Ästheten und Tech-Fanatiker bedenkenlos zugreifen. Im PC-Bereich schien das Rennen um eine immer höhere Auflösung gerade ein bisschen an Hektik verloren zu haben - bei tragbaren Internetgeräten hat es gerade erst angefangen.
lis/cis