10.03.2012
Bokeh-Effekt in Fotos
Zerstreut und scharf
Von Tilo Gockel
Tiefenwirkung: Dank scharfem Vordergrund und Unschärfe dahinter wirkt das Foto räumlich
Was ist denn überhaupt Bokeh? Bokeh bedeutet im Japanischen ursprünglich "Zerstreutheit" und steht im vorliegenden Zusammenhang für die Qualität der Unschärfe. Die Tatsache, dass Objektivhersteller das Bokeh ihrer Linsen nicht exakt quantifizieren können, macht skeptisch und lässt vermuten, dass gutes Bokeh mehr oder weniger Ansichtssache ist. Es gibt aber auch einige absolute Qualitätskriterien:
- Gutes Bokeh beruht auf einer recht extremen Unschärfe. Ist die Unschärfe nicht ausgeprägt genug, so sieht sie nicht "gewollt" aus. Auch zu kleine Zerstreuungskreise (helle Scheibchen um die Glanzlichter) sehen nicht gut aus und wirken eher wie ein Fehler, nicht wie ein Stilmittel.
- Je nach Art und Öffnung der Blende nehmen die Zerstreuungskreise eine kreisrunde oder auch eine unruhige fünf-, sechs- oder achteckige Form an. Laut vagem Konsens unter den Fotografen wirkt rund gut, elliptisch noch okay, zu eckig allerdings unschön. Je nach Bauform der Kamera (genauer: des Spiegelkastens in der Kamera) kann es hier auch zu Anschnitten der Kreise kommen -solche Anschnitte werden generell als wenig ästhetisch wahrgenommen.
- Ein letztes allgemeines Qualitätsmerkmal ist, wie ruhig das Bokeh wirkt. So wird das wenig geschätzte Zwiebelring-Bokeh mancher Linsen als nicht optimal bewertet. Auch der Rand der Zerstreuungskreise sollte scharf, nicht doppelt und ohne Halo (einen Lichthof um eine Lichtquelle herum) abgebildet werden und angenehm klar wirken.
Unschönes Bokeh: Zwiebelringe (links), angeschnittene Flächen (rechts)
Wie schafft man Bokeh mit Kamera und Objektiv? Kann Bildbearbeitung nachträglich ähnliche Effekte schaffen? Die Antworten im Überblick.