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26.11.2012
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Motorola Razr-i

Das ertrunkene Smartphone

Von
Matthias Kremp

Motorola gibt Intel eine Chance: Im neuen Razr-i-Smartphone steckt ein Prozessor des kalifornischen Chip-Herstellers. Auch sonst ist bei diesem Android-Handy einiges anders als bei der Konkurrenz. Ob es wie versprochen Flüssigkeiten aushält, zeigt unser Test.

Das "i" macht den Unterschied. Mit diesem Buchstaben kennzeichnet Handy-Hersteller Motorola, dass sein neues Android-Smartphone Razr-i von einem Intel-Prozessor angetrieben wird. Damit ist es zwar kein Unikat, aber doch etwas Besonderes. Obwohl der weltgrößte Chip-Hersteller seit Jahren versucht, im boomenden Handymarkt Fuß zu fassen, gibt es erst rund ein halbes Dutzend Mobiltelefone mit Intel-Antrieb. Zuletzt wurde in Indien ein Smartphone mit Intel Inside angeboten. Das Razr-i ist eine Chance für den Chip-Konzern, zu zeigen, ob seine Technik es wirklich mit den Konkurrenzmodellen von Qualcomm, Texas Instruments oder Samsung aufnehmen kann.

Motorola baut in das Razr-i einen Atom-Z-Prozessor mit zwei Gigahertz (GHz) Taktfrequenz, einem Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und nur einem Rechenkern ein. Diese Daten verheißen mäßige Leistungswerte. Das Testprogramm Geekbench 2 bestätigt das und bewertet das Motorola-Handy mit nur knapp 1000 Punkten. Zum Vergleich: Ein iPhone 5 kommt mit 1,3 GHz auf 1538 Punkte, Googles Nexus 4 schafft rund 2000 Punkte.

Eine lahme Krücke ist das Intel-Telefon trotzdem nicht. Alle von uns getesteten Apps liefen geschmeidig. Im Browser kann man schnell durch große Seiten scrollen, ohne dass es ruckelt, Spiele funktionieren problemlos. Die geringe Leistung hat allerdings auch einen moderaten Strombedarf zur Folge. Immerhin eineinhalb Tage hält das Razr-i bei normaler Nutzung auf Akkustrom durch. Hält man sich ein wenig zurück, schafft es auch zwei Tage. Die meisten anderen Smartphones machen früher schlapp.

Wenig Speicher, viel Bildschirm

Was es dagegen nicht schafft ist, eine umfangreiche Musiksammlung, viele Fotos oder gar Videos unterzubringen. Laut Hersteller soll das Gerät 4,9 GB frei verfügbaren Speichers aufweisen - beim Testgerät waren es 5,1 GB. Ausgesprochen wenig für ein Smartphone. Gut, dass man per microSD-Karte aufrüsten kann. Schade aber, dass das Handy laut Motorola maximal 32-GB-Karten akzeptiert.

Obwohl das Razr-i kaum größer ist als ein iPhone, bietet es einen 4,3-Zoll-Bildschirm, wo Apple nur 4 Zoll liefert. Allerdings ist die Auflösung des Apple-Handys mit 1136 x 640 Pixeln trotzdem besser als die 960 x 540 Bildpunkte des Motorola-Modells. Im Ergebnis liefert das iPhone 5 ein schärferes Schriftbild, etwas mehr Details. Weil das Display des Razr-i aber in ein so kleines Gehäuse verbaut wurde, muss man seine Finger zwar sehr strecken, um als Rechtshänder mit dem Daumen die linke obere Ecke des Displays zu erreichen, schafft das aber sehr viel leichter als bei anderen 4,3-Zoll-Handys.

Kevlar statt Plastik

Eine gute Idee ist der Rückdeckel aus Kevlar. Das Material hat Motorola 2011 eingeführt, mittlerweile gehört es zum typischen Motorola-Stil. Das Material wird auch für beschusshemmende Westen genutzt. Es ist stabil, leicht, bietet ein angenehmes Anfassgefühl und ist auch noch in Maßen rutschfest. Ähnlich wie das Razr von 2011 wird das Intel-Handy von Motorola als von einer wasserabweisenden Beschichtung geschützt beworben. Die, so heißt es in der Werbung, "schützt rundum vor Feuchtigkeit - sogar die Platinen im Inneren".

Bei einem Test 2011 funktionierte das auch prima, wir konnten unser Testgerät sogar unterm Wasserhahn abspülen, ohne dass es funktionelle Einbußen erlitt. Abtrocknen reichte. Beim Razr-i scheint dieser Schutz nicht ganz so gelungen zu sein. Nach dem Wasserhahn-Test versagte es den Dienst. Derzeit warten wir ab, ob es sich von dem Feuchteschock erholt und wieder benutzbar wird. Es ist aber nun schon seit fünf Tage im Koma.

Fotostrecke

Neuauflage einer Legende: Motorola Razr 2011
Motorolas Aussage: "Kaffee verschüttet? Vom Regen überrascht worden? Kein Problem", sollte man also lieber nicht so ernst nehmen. Das Razr-i als Ganzes hingegen kann man ernst nehmen.

Der Versuch, um einen Intel-Prozessor herum ein Android-Smartphone zu bauen, ist gelungen. Der Chip ist zwar keine Rennmaschine, aber gute Mittelklasse und der Akku relativ ausdauernd. Der Bildschirm ist gut, wenn auch nicht überragend, die 8-Megapixel-Kamera eine gute Grundlage für Schnappschüsse.

relativ lange Akkulaufzeit

recht schlankes Gehäuse

Speicherplatz erweiterbar

Gut brauchbare Kamera

langsamer Prozessor

wenig Speicherplatz

alte Android-Version

Fazit

Ohne Vertrag kostet Das Razr-i rund 430 Euro. Für etwa zehn Euro mehr bekommt man bei Online-Händlern HTCs One X, das mit 32 GB Speicher und Quadcore-Prozessor besser ausgestattet ist und zudem mit Android 4.1 ausgeliefert wird. Das Razr-i kommt dagegen noch mit Android 4.0, ein Update auf Android 4.1 ist allerdings angekündigt. Ob es irgendwann auch auf das aktuelle Android 4.2 aktualisiert werden kann, ist derzeit unklar.

Für das Razr-i sprechen sein Design, die gute Ausdauer und seine trotz des großen Bildschirms schlanken Abmessungen. Es ist der Beweis, dass man auch mit Intel-Technik gute Smartphones bauen kann, aber keine herausragenden. Zumindest noch nicht.

Forum

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insgesamt 57 Beiträge
1.
jierdan 26.11.2012
Motorola glaube ich schon lange nichts mehr, selbst das dafür ausgelegte outdoorgerät defy ist elend an Kondenswasser kaputt gegangen (selbst die Feuchtigkeitkontrollpunkte sind noch intakt) und Motorola verweigert jede [...]
Motorola glaube ich schon lange nichts mehr, selbst das dafür ausgelegte outdoorgerät defy ist elend an Kondenswasser kaputt gegangen (selbst die Feuchtigkeitkontrollpunkte sind noch intakt) und Motorola verweigert jede Gewährleistung -.- nie wieder Motorola!
2. Defy
Prinz Valium 26.11.2012
kann ich nicht bestätigen. Mein Defy ist mir schon in eine Pfütze gefallen beim Geocaching. ich verwende es im Regen und bis auf die Tatsache, daß der Touchscreen durch Wassertropfen irritiert wird, habe ich keine Probleme [...]
kann ich nicht bestätigen. Mein Defy ist mir schon in eine Pfütze gefallen beim Geocaching. ich verwende es im Regen und bis auf die Tatsache, daß der Touchscreen durch Wassertropfen irritiert wird, habe ich keine Probleme damit.
3. Wahrscheinlich ist das so gewünscht
carranza 26.11.2012
Der Markt gibt einfach nichts brauchbares mehr her, sofern man etwas robustes sucht. Alles muß heutzutage billig sein, sofern es um die Produktion geht. Letztens habe ich z. B. mal den Deckel von einem S3 abgenommen und [...]
Zitat von jierdanMotorola glaube ich schon lange nichts mehr, selbst das dafür ausgelegte outdoorgerät defy ist elend an Kondenswasser kaputt gegangen (selbst die Feuchtigkeitkontrollpunkte sind noch intakt) und Motorola verweigert jede Gewährleistung -.- nie wieder Motorola!
Der Markt gibt einfach nichts brauchbares mehr her, sofern man etwas robustes sucht. Alles muß heutzutage billig sein, sofern es um die Produktion geht. Letztens habe ich z. B. mal den Deckel von einem S3 abgenommen und hatte dabei den Eindruck, dass man das nicht allzu häufig machen sollte. Das Deckelchen und die Verschlusstechnik erschien mir sowas von zerbrechlich, dass ich es nur ungern darauf ankommen lassen würde.
4.
motte.643 26.11.2012
Es tut mir leid, aber ich muss es aussprechen: Der Artikel ist ein Witz. Ein erbärmlicher Versuch, einen Hersteller bewusst zu diskreditieren um einen anderen in besserem Licht dastehen zu lassen (das geht schon beim [...]
Es tut mir leid, aber ich muss es aussprechen: Der Artikel ist ein Witz. Ein erbärmlicher Versuch, einen Hersteller bewusst zu diskreditieren um einen anderen in besserem Licht dastehen zu lassen (das geht schon beim Beitragstitel los). Langsamer Prozessor? Geringe Leistung? Gute Mittelklasse? Ich selbst habe schon jede Menge aktuelle Smartphones in der Hand gehabt (und auch ein iPhone 5 im Haushalt), und keines hat bspw. beim Browsen vollwertiger (!) Webseiten derartige Performance an den Tag gelegt wie das razr i. Natürlich schneidet es in Benchmarks schlechter gegen die Konkurrenz mit mehreren Kernen ab. Aber bis auf eben jene Benchmarks gibt es kaum Anwendungen am Markt, die von den zusätzlichen Kernen profitieren. Vor allem bei alltäglichen Anforderungen (Browsing, facebook, google maps) kommt es tatsächlich auf die MHz-Zahl an, und nicht auf Anzahl der Kerne. Ich wage zu behaupten: es wird in Zukunft deutlich mehr Geräte mit Intel-Chips geben. Geringer Speicher? Wie oft wurde an gleicher Stelle als wesentlicher Kritikpunkt angeführt, dass der Hersteller keinen microSD-Slot verbaut hat? Hier sei noch erwähnt, dass das razr vom Werk aus auch mit 64GB-Karten umgehen kann. Im Artikel kein Wort zu den wirklich sinnvollen Zusatz-Features vom Betriessystem (schnelle Erreichabrkeit wichtiger Einstellungen, SmartActions). Kein Wort zur Kamera-Performance (10-Bilder pro Sekunde, HDR-Funktion). Hat der Autor eigentlich jemals in einem seiner Artikel erwähnt, dass das iPhone z.B. keinerlei Möglichkeit bietet, ein Widget auf dem Homescreen abzulegen? Für mich ein deutlicher Vorteil der Android-Geräte. Die wirklich tolle Verarbeitungsqualität und ein angenehmes "look & feel"-Erlebnis wurde nur am Rande erwähnt. Der Preis wurde mit 430,- Euro angegeben (entweder bewusst irreführend, oder schlecht recherchiert?). Es kostet bei/seit Markteinführung 399,- Euro. Was mich auch wirklich sehr interessieren würde: wie genau sah der "Wasserhan-Test" aus? Es würde sich doch eigentlich anbieten, so etwas auf Video festzuhalten. Andere Tests bestätigen nämlich das Versprechen von Motorola. Zusammengefasst muss ich sagen, dass ich den Artikel und auch den Autor nicht (mehr) ernst nehmen kann. Selten hatte ein "Test" ein derart subjektives Gesicht.
5. Glück gehabt
tommirf 26.11.2012
...daß in der Pfütze Wasser war, oder? Wäre sie trocken gewesen, wäre das Defy wahrscheinlich zu Bruch gegangen, so wie meines, und dann hätte Motorola bestimmt auch nichts von "robust", "sturzsicher" [...]
Zitat von Prinz Valiumkann ich nicht bestätigen. Mein Defy ist mir schon in eine Pfütze gefallen beim Geocaching. ich verwende es im Regen und bis auf die Tatsache, daß der Touchscreen durch Wassertropfen irritiert wird, habe ich keine Probleme damit.
...daß in der Pfütze Wasser war, oder? Wäre sie trocken gewesen, wäre das Defy wahrscheinlich zu Bruch gegangen, so wie meines, und dann hätte Motorola bestimmt auch nichts von "robust", "sturzsicher" oder gar von "Gewährleistung" was wissen wollen. Das steht halt alles nur auf den bunten Werbeseiten. Belastbares Datenblatt? Richtig, Fehlanzeige!

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