Lade Daten...
20.12.2012
Schrift:
-
+

Vollformat-Kamera Sony RX1

Die Kleine mit dem großen Auge

Von
SPIEGEL ONLINE

Riesiger Sensor, lichtstarkes Objektiv und das Gehäuse klein genug für die Manteltasche: Die Sony RX1 ist ein außergewöhnlicher Fotoapparat, ein Luxusobjekt für Detailfetischisten. Unser Test zeigt, wie gut die erste digitale Vollformat-Kompaktkamera bei Tag und Nacht fotografiert.

Alles eine Frage der Perspektive: Sonys neuer Fotoapparat RX1 ist die derzeit wohl teuerste (3100 Euro) Kompaktkamera mit fest eingebautem Objektiv. Das klingt nicht so spannend. Man kann aber auch formulieren: Die RX1 ist die bisher leichteste und kleinste digitale Vollformatkamera - weniger als 500 Gramm wiegt sie und dürfte in die meisten Jackentaschen passen. Bislang waren solche Profikameras etwa dreimal so groß und schwer - und mit einem vergleichbaren Objektiv oft viel teurer.

So gesehen ist die handflächengroße RX1 eine erstaunliche technische Leistung: Der Bildsensor ist fast genauso groß wie die belichtete Fläche einer Aufnahme auf Kleinbildfilm - nämlich 35,8 x 23,8 Millimeter, das entspricht einer Fläche von 8,52 Quadratzentimetern. Zum Vergleich: Viele normale digitale Spiegelreflexkameras haben Sensoren mit etwa 3,3 Quadratzentimetern Fläche. Eine Kompaktkamera mit einem derartigen Sensor hat bislang kein Hersteller gebaut.

Bildqualität, Bedienung, Gewicht - wie gut ist die RX1?

Das gefällt: helles Objektiv, wenig Rauschen, leichte Kamera

Bildqualität: Die Aufnahmen der RX1 sind außergewöhnlich detailreich und rauscharm, selbst bei hohen ISO-Empfindlichkeiten von 1600 bis 3200. Die klare Abbildung auch feinster Details ist auch dem 35-mm-Objektiv der RX1 zu verdanken, das gut auf den großen Sensor abgestimmt ist. Dass viele Details auch bei höheren ISO-Empfindlichkeiten noch zu erkennen sind, liegt am großen Sensor. Je größer die Fläche, desto mehr Licht erreicht jede Fotodiode, das Signal muss nicht verstärkt werden, es entstehen weniger Störungen, die in Aufnahmen als Bildrauschen auffallen. Wenn die Bildverarbeitung einer Digitalkamera diese Störungen unterdrückt, gehen auch Bilddetails verloren - bei der RX1 ist davon kaum etwas zu sehen. Selbst bei ISO 3200 sind in 100-Prozent-Ansicht Details gut zu erkennen, es ist nur wenig Rauschen erkennbar.

SPIEGEL ONLINE

ISO-Reihe: Vier Aufnahmen mit der RX1 von ISO 100 bis 3200 (unten)

Gewicht und Größe: Die RX1 wiegt 482 Gramm und passt in eine (geräumige) Jackentasche. So schwer sind sonst die kleineren Objektive für Vollformat-Spiegelreflexkameras. Für Aufnahmen mit einer Qualität, wie sie die RX1 bietet, musste man bislang erheblich schwerere Kameras und Objektive mit sich herumtragen (oder Exoten wie die Sigma DP2 Merrill oder Leica M9).

Objektiv: Mit einer Blendenöffnung von f/2 ist das Objektiv sehr lichtstark - durch die derart große Blende fällt viel Licht auf den Sensor. Für Vollformat-Spiegelreflexkameras wie die Sony A99 und die Nikon D600 gibt es noch lichtstärkere Festbrennweiten (f/1,4) - allerdings wiegen diese Objektive allein etwa ein halbes Kilo. Für die Größe und das Gewicht ist das Objektiv der RX1 erstaunlich, auch, was die Schärfe angeht. Ein Gewinde nimmt zusätzlich beispielsweise Grau- und Polarisationsfilter auf.

Handhabung: Die Kombination von Menüs und Bedienelementen am Gehäuse ist gut gelungen. Auch bei komplett manueller Bedienung ist die Kamera schnell eingestellt. Belichtungskorrektur, Aufnahme- und Fokusmodi lassen sich mit speziellen Rädchen direkt einstellen, die Blendenöffnung verändert man am Blendenring, manuell fokussieren kann man auch am Objektiv. Der Bildschirm hat eine derart hohe Auflösung, dass man sich beim Fokussieren auf die vergrößerte Darstellung verlassen kann. Bei schwierigen Motiven kann man die Kantenanhebung dazuschalten - dann umrandet die Software Konturen in den scharf gestellten Bildbereichen. Das ist hilfreich, denn der scharf gestellte Bildbereich ist bei der RX1 bisweilen sehr schmal. Das liegt an der Kombination aus großem Sensor und einer sehr weit geöffneten Blende.

Nicht so gut: Autofokus, Ausstattung

Autofokus: Der große Sensor macht die RX1 zur idealen Kamera für Nachtaufnahmen - doch funktioniert der Autofokus bei wenig Licht nicht so gut wie sonst. Die RX1 stellte bei unseren Beispielaufnahmen zwar zuverlässig scharf, nur eben nach etwas längerem Suchen. Das ist kein Mangel, wenn man statische Motive vor sich hat. Wenn man bei wenig Licht schnell auslösen will, sind wahrscheinlich eine kleine Blendenöffnung, vorab manuell eingestellter Fokus und eine hohe ISO-Empfindlichkeit besser geeignet als der Autofokus.

Bedienungsdetails: Einige Gestaltungselemente bei der der RX1 sind schwer nachzuvollziehen. Ein Drehrad für die Verschlusszeit fehlt zum Beispiel, dabei würde es die Bedienung erheblich beschleunigen. Der Makromodus wird über einen Umschaltring am Objektiv aktiviert, das ist unnötige Mühe. Man kann nur zwischen zwei Distanzen wählen - da wäre ein Makro-Schalter an der Rückseite leichter zu bedienen.

Ausstattung: Angesichts von gut 3000 Euro Neupreis ist es merkwürdig, dass Sony kein separates Ladegerät für Akkus beilegt, den Akku kann man nur in der Kamera aufladen. Einen optischen und digitalen Sucher muss man ebenso dazukaufen.

Vorteile, Nachteile, Fazit

außerordentlich hohe Bildqualität

gut für Nachtaufnahmen ohne Blitz

leicht und kompakt

auch in manuellem Modus und Halb-Automatik schnell zu bedienen

teuer

Autofokus sucht bei Dunkelheit länger

Objektiv nicht wechselbar

Die RX1 ist ein außergewöhnlicher Fotoapparat: So leicht und kompakt war bisher keine digitale Vollformatkamera. Im Vergleich mit Spiegelreflex-Vollformatkameras ist die RX1 nicht besonders teuer, die Nikon D600 kostet mit einem vergleichbaren Objektiv fast ebenso viel. Allerdings kann man bei den Spiegelreflexkameras die Objektive auch nach Jahren noch an neuen Vollformat-Gehäusen nutzen und natürlich zwischen mehreren Objektiven wählen.

Lohnt sich die RX1? Ähnlich detailreiche Aufnahmen macht die kompakte Sigma DP2 Merrill, allerdings nur bei Tageslicht. Die DP2M kostet viel weniger als die RX1 - gut 800 Euro. Die RX1 fokussiert bei Tageslicht schneller und macht auch mit hohen ISO-Empfindlichkeiten außergewöhnliche klare und detailreiche Aufnahmen, die DP2M hingegen sollte man nicht über ISO 400 nutzen.

Fotostrecke

Sigma DP2 Merrill: So fotografiert der Kamera-Exot
Wenn man eine kompakte Universal-Kamera sucht und nicht aufs Geld schauen muss, ist die RX1 die richtige Wahl. Für die große Mehrheit der Käufer sind nicht ganz so rauscharme APS-C-Kameras wie die Fujifilm X100 oder Sonys NEX-5N preiswerte Alternativen.

Fotostrecke

Fujifilm X100: Retro-Optik, riesiger Bildsensor
Das sagen die anderen: Steve Huff ist begeistert von der "geringen Größe, dem großartigen Objektiv, dem umwerfenden Vollformatsensor, dem guten Autofokus". Er sieht die RX1 als Konkurrenz für Leica. Pocket-lint.com nennt die RX1 ein "Meisterwerk" mit ein, zwei kleinen Macken. Digital Photography Review lobt den Bildsensor der Vollformat-Spiegelreflex Sony A99 (es derselbe wie in der RX1): Aufnahmen im Raw-Format der D600 gehören im Hinblick auf den Detailreichtum "zum Besten, das man bislang bei einem 24-Megapixel-Sensor gesehen hat".

Der Autor auf Facebook

Vollformat-Kameras: Sony RX1 / Leica M9 / Nikon D600 /

Kamera Sony RX1 Sony A99 Nikon D600 Canon 5D Mark III Leica M9
günstigster Preis (Gehäuse / mit Objektiv) 3090 2789 / 3987 1567 / 2996 2793 / 4032 4908 / 7203
Maße Gehäuse (cm) 11,3 x 6,5 x 6,9 14,7 x 11,12 x 7,84 11,3 x 14,1 x 8,2 15,2 x 11,6 x 7,6 13,9 x 8 x 3,7
Volumen (Gehäuse-Maße), cm³ 506,805 1290 1306,5 1340 411,44
Objektiv 35 mm / f/2 SAL-35F14G AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,4G Canon EF 35mm f/1,4 L USM Summicron-M 35mm f/2
Naheinstell-Grenze 24 cm 30 cm 30 cm 30 cm 70 cm
günstigster Preis Objektiv fest verbaut 1198 1429 1239 2295
Gewicht (Gehäuse mit Ojektiv ca. in Gramm) 482 1322 1450 1530 840
Auflösung (Megapixel) 24,7 24,3 24,3 22,3 18,5
Sensor-Größe (cm²) 8,56 8,52 8,62 8,64 8,56
Megapixel pro cm² 2,89 2,84 2,82 2,58 2,16
Display (Diagonale, Zoll / cm) 3 3 / 7,6 cm 3,2 / 8 cm 3,2 / 8 cm 2,5
Display Auflösung (Pixel / Subpixel) 409.600 / 1.228.800 409.600 / 1.228.800 307.000 / 921.000 346.666 /1.040.000 76.666 / 230.000
Besonder-
heiten
- - - - Messsucher
Dateiformat RAW (Sony)/JPG RAW/JPG RAW/JPG RAW/JPG RAW/JPG

* günstigste Preis im deutschen Online-Handel (laut geizhals.at, Stand 19.12.2012

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 30 Beiträge
1. genügt APS-C nicht?
Konrad Lischka SPIEGEL ONLINE 20.12.2012
3000 Euro für eine Vollformatkamera wie die Sony RX1 und Nikon D600 - denkt jemand enrnsthaft darüber nach? Reicht die Bildqualität günstigerer Kameras mit kleineren Sensoren (Fujifilm X-E1...) nicht in den allermeisten [...]
3000 Euro für eine Vollformatkamera wie die Sony RX1 und Nikon D600 - denkt jemand enrnsthaft darüber nach? Reicht die Bildqualität günstigerer Kameras mit kleineren Sensoren (Fujifilm X-E1...) nicht in den allermeisten Fällen völlig aus?
2.
Plasmabruzzler 20.12.2012
*Den meisten* würde wahrscheinlich auch eine noch kleinere Kamera ausreichen, aber es gibt eben welche (die nicht zu den meisten gehören), die eben etwas "mehr" möchten und/oder es sich leisten können. Mir [...]
Zitat von Konrad Lischka SPIEGEL ONLINE3000 Euro für eine Vollformatkamera wie die Sony RX1 und Nikon D600 - denkt jemand enrnsthaft darüber nach? Reicht die Bildqualität günstigerer Kameras mit kleineren Sensoren (Fujifilm X-E1...) nicht in den allermeisten Fällen völlig aus?
*Den meisten* würde wahrscheinlich auch eine noch kleinere Kamera ausreichen, aber es gibt eben welche (die nicht zu den meisten gehören), die eben etwas "mehr" möchten und/oder es sich leisten können. Mir reicht z. B. meine Canon EOS 450D. Obwohl es schon Nachfolgemodelle gibt und es noch teurere Modelle gibt, sehe ich nicht ein, noch einmal Geld für eine DSLR zu investieren, außer meine Kamera würde kaputt gehen.
3. Vergleichen macht unglücklich
marblau 20.12.2012
Sagte schon Paul Watzlawick, und er hatte recht. Die Kamera ist toll, und wer eine andere bevorzugt, auch gut. Frohe Weihnachten!
Sagte schon Paul Watzlawick, und er hatte recht. Die Kamera ist toll, und wer eine andere bevorzugt, auch gut. Frohe Weihnachten!
4.
GoBenn 20.12.2012
Die Nikon D600 kostet keine 3000,- Euro (Straßenpreis bei ca. 1800,-), das ist eher die D800. Vollformat bietet ja noch mehr Vorteile als Auflösung, Stichwort selektive Tiefenschärfe. Ich denke, Sony hätte in Richtung der [...]
Zitat von Konrad Lischka SPIEGEL ONLINE3000 Euro für eine Vollformatkamera wie die Sony RX1 und Nikon D600 - denkt jemand enrnsthaft darüber nach? Reicht die Bildqualität günstigerer Kameras mit kleineren Sensoren (Fujifilm X-E1...) nicht in den allermeisten Fällen völlig aus?
Die Nikon D600 kostet keine 3000,- Euro (Straßenpreis bei ca. 1800,-), das ist eher die D800. Vollformat bietet ja noch mehr Vorteile als Auflösung, Stichwort selektive Tiefenschärfe. Ich denke, Sony hätte in Richtung der Fuji X-Pro1 gehen und Vollformat mit Wechselobjektiven anbieten sollen. So scheint mir (auch ohne Vollformat) die Fuji die interessantere Wahl.
5. Das K.O. Kriterium für mich
Ruler 20.12.2012
ist das feste Objektiv. Wäre es wechselbar und ein Sucher integriert, wäre die RX1 meine Kamera. So bin ich mit der kleinen Schwester NEX-6 sehr zufrieden.
ist das feste Objektiv. Wäre es wechselbar und ein Sucher integriert, wäre die RX1 meine Kamera. So bin ich mit der kleinen Schwester NEX-6 sehr zufrieden.

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

Fotostrecke

Fotostrecke

Fototechnik-Fachbegriffe

Konrad Lischka

Klicken Sie auf die einzelnen Begriffe, um die Definitionen zu lesen
Brennweite
Die Brennweite gibt eine Entfernung innerhalb des Objektivs einer Kamera an. Genauer: Die Brennweite ist der in Millimetern angegebene Abstand zwischen der Mittelachse der Linse und der Stelle, wo das einfallende Licht auf Sensor oder Film trifft. Relevant ist das für die Bildgestaltung so: Je höher die Brennweite, desto näher wird das abgebildete Objekt herangezoomt.

Die Brennweite verändert auch die Bildwinkel der Aufnahme. Hier spielen aber auch die verschiedenen Aufnahmeformate (sprich: Wie groß ist das auf den Sensor der Kamera einfallende Bild?) eine Rolle. Deshalb geben Hersteller meistens die sogenannte kleinbildäquivalente Brennweite (Equiv.135) an.

Kleinbildbrennweiten werden mit Werten wie zum Beispiel 24-60 mm bei digitalen Kompaktkameras angeben. Wenn ein solches Objekt den Bereich zwischen 17 und 35 mm umfasst (siehe Foto: links 35 mm, rechts 28 mm), sind Weitwinkelaufnahmen möglich (hilfreich, um zum Beispiel Menschengruppen oder Bauwerke aus nicht allzu großer Entfernung aufzunehmen), ab 50 mm ist man schon im leichten Telebereich.
Blendenöffnung
Für eine Kamera ist die Blende, was die Iris für das Auge ist: Diese Öffnung hat eine veränderbare Größe, und je größer sie ist, desto mehr Licht fällt ein. Bei kompakten Digitalkameras kann die Blende manchmal, bei Spiegelreflexkameras meistens auf Wunsch manuell eingestellt werden. Angegeben wird sie dabei mit der sogenannten Blendenzahl (wie um Beispiel 8, 5,6 oder 2,8).

Je größer die Blendenzahl (oft angegeben mit f/Blendenzahl), umso kleiner ist die Blendenöffnung. Konkret: Bei der Blendenzahl 4 ist die Blendenöffnung doppelt so groß wie bei der nächst höheren Blendenzahl 5,6. Die Blendenzahlen beruhen auf einer mathematischen Formel, nach der sich die sogenannte Blendenreihe berechnet. Hier verkleinert sich von Stufe zu Stufe die Blendenöffnung (0,5 / 0,7 / 1 / 1,4 / 2,8 / 4 usw.

Mehr Licht durch eine große Blendenöffnung ermöglicht eine kürzere Verschlusszeit. Eine möglichst kurze Verschlusszeit ist nötig, um sich schnell bewegende Objekte möglichst scharf aufzunehmen. Wer zum Beispiel einzelne Szenen eines Basketballspiels einer nicht allzu hell beleuchteten Sporthalle aufnehmen will, kann eine kleinere Blendenzahl (also eine größere Blendenöffnung) wählen und dafür die Verschlusszeit verkürzen. Als Richtwert gilt dabei: Ein Stufe abwärts in der Blendenreihe erlaubt eine gleichzeitige Halbierung der Belichtungszeit.

Gleichzeitig beeinflusst die Größe der Blendenöffnung die sogenannte Schärfentiefe. Grundregel: Je kleiner die Blendenzahl (und je größer somit die Blendenöffnung), desto geringer die Schärfentiefe. Geringe Schärfentiefe bedeutet: Das Motiv im Vordergrund ist scharf, der Hintergrund ist unscharf. Große Schärfentiefe bedeutet, dass die Partien im Vorder- und Hintergrund scharf auf dem Bild erscheinen.
Verschluss-/ Belichtungszeit
Wie lange die Blende geöffnet ist, wie lange also Licht auf den Sensor der Kamera fällt, gibt die Belichtungszeit an. Je länger diese Verschlusszeit ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor.

Diese Verschlusszeit wird meistens in Sekundenbruchteilen angegeben. 1/1000 ist zum Beispiel eine tausendstel Sekunde. Bei Kompaktkameras kann die Verschlusszeit manchmal, bei Spiegelreflexkameras immer auch manuell eingestellt werden. Angeben wird sie in Zeitstufen (wie 0,5"; 1/4; 1/8; 1/15; 1/30; 1/60; 1/125 usw.). Je größer die Zeitstufe, umso länger ist der Verschluss geöffnet.

Bei einer kurzen Verschlusszeit erscheinen auf dem Bild sich schnell bewegende Objekte scharf, bei längeren Verschlusszeiten wirken sie verwischt, das ist die sogenannte Bewegungsunschärfe. Verwendet man bei solchen Aufnahmen mit längeren Belichtungszeiten kein Stativ oder zumindest eine feste Unterlage für die Kamera, verwackeln die Aufnahmen oft durch die Bewegung der Hand. Ruht die Kamera auf einer festen Unterlage, kann man mit längeren Belichtungszeiten zum Beispiel Autos auf Fotos verwischt erscheinen lassen, während alle statischen Objekte in der Umgebung scharf erscheinen.

Bei sehr kurzen Belichtungszeiten ist eine starke Beleuchtung oder eine entsprechend große Blendenöffnung nötig, um ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Grundregel: Stellt man eine Zeitstufe größer ein, kann man eine Blendenzahl weniger einstellen.
Schärfentiefe
Schärfentiefe meint den Bereich in einer bestimmten Entfernung der Kamera, der auf dem Foto als scharf erscheint - je größten dieser Entfernungsbereich ist, umso größer ist die Schärfentiefe.

Konkret: Geringe Schärfentiefe bedeutet, dass das Motiv im Vordergrund scharf, der Hintergrund aber unscharf ist. Große Schärfentiefe bedeutet: Die Partien im Vorder- und Hintergrund erscheinen auf dem Bild scharf. Die Schärfentiefe eines Bildes hängt unter anderem von der Größe der Blendenöffnung ab, aber auch von der Brennweite des Objektivs und dem Bildformat beziehungsweise der Sensorgröße.
Sensorgröße
Die Größe des Fotosensors einer Digitalkamera beeinflusst neben anderen Faktoren die Qualität der Fotos. Angegeben wird die Größe oft in Standardgrößen wie 1/2,3 Zoll oder 1/1,7 Zoll. Diese Größen sind von einem Format für TV-Kameras aus den fünfziger Jahren übernommen, haben keinen direkten Zusammenhang mit der Oberfläche des Sensors.

Einige Beispiele für Sensorgrößen:

- 1/2,3", z.B. Pentax Q: 0,28 cm²
- 1/1,7", z.B. Canon G12, Canon S100: 0,43 cm²
- 2/3", z.B. Fujifilm X10:0,58 cm²
- 1", z.B. Nikon J1, Sony RX100: 1,16 cm²
- 4/3", z.B. Panasonic GF3: 2,25 cm²
- Canon G1X: 2,62 cm²
- Canon APS-C, z.B. 7D: 3,32 cm²
- Nikon DX, z.B. Nikon D90: 3,72 cm²
- Sony APS-C, z.B. Nex-5n: 3,81 cm²
- Kleinbild-Vollformat, z.B. Canon 5D Mark II, Nikon D700, Sony A900: 8,64 cm²
- Mittelformat, z.B. Pentax 645D: 17,28 cm²

Ein Problem bei der Sensorgröße entsteht, wenn auf der gleichen Fläche immer mehr Fotodioden untergebracht werden. Sprich: Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung (gemessen in Megapixel) wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Fotodioden auf einer kleineren Oberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jede einzelne der Fotodioden, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen, das sogenannte Bildrauschen, mit sich bringt.
Lichtempfindlichkeit / ISO-Wert
Wie lichtempfindlich Filmmaterial ist, wird unter anderem mit den sogenannten ISO-Werten angegeben. Ein Film mit ISO 200 ist doppelt so lichtempfindlich wie ein ISO-100-Film, bei ISO 400 verdoppelt sich die Lichtempfindlichkeit gegenüber ISO 200 und so weiter.

Bei Digitalkameras haben die Hersteller diese Skala übernommen, um die Empfindlichkeit anzugeben. Wenn in einem dämmrigen Umfeld die Verschlusszeit wegen Verwacklungsgefahr nicht stark genug erhöht werden kann und eine allzu große Blendenöffnung wegen des Verlusts an Schärfentiefe nicht erwünscht ist, kann die Empfindlichkeit erhöht werden, um eine ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Hebt man die ISO-Stufe um einen Schritt an, kann die Verschlusszeit zum Beispiel um einen Schritt vermindert werden.

Bei Digitalkameras verstärkt die Software das auf dem Sensor eingehende Signal. Dabei verstärkt die auch die Störungen, das sogenannte Bildrauschen nimmt zu.
Megapixel
Der Megapixel-Wert gibt die Auflösung einer Digitalkamera an, also wie viele Bildpunkte der Sensor erfasst. Ein Megapixel entspricht einer Million Bildpunkte. Aus der Pixelmenge resultiert die Rasterung beim Druck der Fotos - je höher die Auflösung, desto größer können die Fotos gedruckt werden, ohne dass die Pixel sichtbar werden.

Laut Kodak genügt für einen Ausdruck in A4-Format (20x30 cm) in guter Qualität eine Auflösung von 1920 x 1280 Pixeln (2,4 Megapixel), für optimale Qualität ist eine Auflösung von 2160 x 1440 Pixeln (3,1 Megapixel) nötig.

Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Bildpunkten auf einer kleineren Sensoroberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jeden einzelnen der Bildpunkte, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen durch das sogenannte Bildrauschen mit sich bringt.
Bildrauschen
Die Ursache für das Bildrauschen sind physikalische Effekte auf dem Bildsensor und den dort untergebrachten Fotodioden, vor allem den sogenannten Dunkelstrom. Wie stark diese Effekte im Foto sichtbar (siehe Foto mit 1600 ISO) sind, hängt von mehren Faktoren ab:

- Bei gleicher Auflösung rauschen Sensoren mit kleinerer Oberfläche stärker als größere.

- Je stärker die Lichtempfindlichkeit der Kamera eingestellt ist, umso stärker ist das Rauschen, da das vom Sensor eingehende Signal verstärkt wird - einschließlich der Störungen.

- Je wärmer der Sensor ist, umso stärker ist das Bildrauschen.

Digitalkameras nutzen diverse Software-Routinen, um das Bildrauschen schon beim Abspeichern einer Aufnahme herauszurechnen. Die Hersteller nutzen verschiedene Verfahren mit unterschiedlichen Ergebnissen. Manchmal beeinträchtigt die Rauschunterdrückung wiederum die Schärfe eines Bildes sichtbar.

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter RSS
alles zum Thema Digitalfotografie
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten