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09.02.2013
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Panasonic GH3

Diese Kamera hält dicht

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Eine Dusche übersteht dieser Fotoapparat mühelos, Spritzwasser und Staub können der Panasonic GH3 nichts anhaben. Die spiegellose Digitalkamera hat zudem einen schnellen Autofokus und eine ausgefeilte Bedienung. Der Test zeigt, wie gut die Bildqualität ausfällt.

Wulstiger Griff, große Drehräder, ein Höcker über dem Objektiv: Die Panasonic GH3 sieht aus wie eine kleine Spiegelreflexkamera. Allerdings fehlt diesem Fotoapparat der Spiegel, der Sucher gibt rein digital das fortwährend ausgelesene Bild des Sensors wieder. Die Sensorfläche (2,25 Quadratzentimeter) ist etwas kleiner als die von Spiegelreflexkameras (3,67 Quadratzentimeter oder mehr).

Warum also ein derart ausladendes Gehäuse? Vielleicht wegen der vielen Anschlüsse - irgendwo muss man ja die Buchsen für Mikrofon, Kopfhörer, Blitz, Fernbedienung und all das andere Zubehör unterbringen. Die GH3 steckt voller technischer Extras und die werden von einem geländegängigen Gehäuse geschützt. Ebenso wie das Olympus-Konkurrenzmodell OM-D ist die GH3 spritzwasser- und staubgeschützt.

Enorme Ausstattung, schweres Gehäuse, kleiner Sensor - was taugt die GH3 als Fotoapparat?

Das gefällt: Handhabung, Bildqualität, Ausstattung

Bedienung: Bei der Handhabung ist die GH3 gleichauf mit vielen Spiegelreflexkameras. Am Gehäuse kann man mit Drehrädchen Aufnahmemodus und Bildfolge - Belichtungsreihen, Selbstauslöser usw. - einstellen, für Weißabgleich und ISO-Empfindlichkeit gibt es spezielle Tasten, reguliert werden solche Funktionen ebenso wie Blendenöffnung und Verschlusszeit über drei Multifunktions-Drehrädchen (eins für den rechten Zeigefinger, zwei für den rechten Daumen) . Fünf Funktionstasten am Gehäuse sind programmierbar. Dank dieser Vielfalt an Bedienungselementen lässt sich die GH3 sehr schnell einstellen, selbst bei völligem Verzicht auf automatische Helfer.

Der Touchscreen der Kamera beschleunigt die Bedienung zusätzlich. Will man nur einen bestimmten der 23 Fokus-Messpunkte auswählen, ist das am Touchscreen schnell erledigt. Über ein Schnellwahlmenü gelangt man am Display per Fingertipp zu allen relevanten Einstellungen. Der Bildschirm ist trotz durchschnittlicher Auflösung gut ablesbar, anders als bei der Olympus OM-D lässt sich das Display der GH3 nicht nur hoch- und runterklappen, sondern auch zur Seite schwenken. So hat man das Sensorbild fast immer gut im Blick, auch wenn man die Kamera über dem Kopf, nah am Boden oder versetzt zum Körper hält. Mit Hilfe des Digitalsuchers ist die Kamera auch bei gleißendem Sonnenlicht bedienbar.

Bildqualität: Die Aufnahmen der GH3 zeigen bei wenig Licht klarere Details und weniger Bildrauschen als die Panasonic-Vorgängermodelle. Der Bildsensor ist kleiner als die in den Systemkameras von Sony und Fujifilm verbauten, an die Bildqualität dieser Fotoapparate kommt die GH3 nicht ganz heran. Aber die Leistung ist ein klarer Fortschritt gegenüber bisherigen Micro-FourThirds-Kameras, ähnlich wie es bei der Olympus OM-D und der E-PL5 (gleicher Sensor, kleineres Gehäuse) der Fall ist. Aufnahmen bis zu einer ISO-Empfindlichkeit von 1600 sind gut brauchbar, darüber sollte man nur verkleinerte Versionen zeigen, Rauschen und durch die kamerainterne Rauschunterdrückung verschmierte Details sind sonst klar zu erkennen.

Fotostrecke

Digitalkamera: So fotografiert die Olympus E-PL5
Der Labortest von Digitalkamera.de diagnostiziert der GH3 eine hohe Eingangsdynamik, gemeint ist der Umfang der Helligkeitsunterschiede, die die Kamera zwischen ganz dunklen und hellen Bildbereichen unterscheiden kann. Die GH3 ist in etwa gleichauf mit der OM-D. Auch beim Signal-Rauschabstand - die Anzeige dafür, wie stark das Risiko schwacher Signale ist, im Rauschen unterzugehen - sind die Kameras ebenbürtig im akzeptablen Bereich, bei ISO 1600 allerdings ist das Rauschen bei der GH3 etwas stärker als bei der OM-D.

Ausstattung: Die GH3 hat eine immense Fülle technischer Extras. Das Gehäuse ist wie das als Kit-Objektiv erhältliche Zehnfach-Zoom gegen Spritzwasser und Staub geschützt. Das hebt die GH3 von allen spiegellosen Systemkameras außer der Olympus OM-D ab. Das eingebaute W-Lan-Modul ist eine nette Idee. Wir konnten beim Test die Kamera übers Funknetz mit der kostenlosen Android-App Lumix Link steuern und auslösen.

Interessant für Fotografen im Theater oder anderen Orten, an denen Auslösegeräusche unerwünscht sind: Die GH3 kann lautlos aufnehmen, wenn man den elektronischen Verschluss aktiviert.

Der Spritzwasserschutz des Gehäuses hält dicht: Eine Dusche unter dem Wasserhahn überstand unser Testgerät ohne Schäden. Allerdings bringt ein dichtes Gehäuse im Alltag wenig, wenn man nicht auch ein spritzwassergeschütztes Objektiv hat. Das entsprechende Panasonic-Objektiv kostet mehr als 900 Euro, ein nicht so lichtstarkes Konkurrenzmodell von Olympus weniger als ein Drittel davon.

Videofunktionen: Die meisten auffälligen Ausstattungsdetails der GH3 dürfen aber vor allem professionelle Videofilmer interessieren: Die Kamera macht dank vieler Extras filmenden Fotoapparaten wie der Canon 5D Mark III Konkurrenz. So kann die GH3-Filmaufnahmen mit einem Timecode kennzeichnen (nach dem SMPTE-Standard). Man kann das Videosignal unkomprimiert per HDMI aus der Kamera weiterleiten, um die großen Videodateien auf ein externes Speichermedium statt auf eine SD-Karte zu schreiben. Das dürfte bei der Datenmenge, die bei der GH3 anfallen kann, eine gute Idee sein. Die Kamera kann Videos in Full-HD-Auflösung mit bis zu 50 Vollbildern je Sekunde bei sehr hohen Datenübertragungsraten (bis zu 72 Megabit, abhängig vom Format) speichern.

Nicht so gut: recht schwer, groß und teuer

Größe und Gewicht: Einer der Vorteile der spiegellosen Systemkameras sind die in der Regel im Vergleich zu Spiegelreflexkameras kleineren und leichteren Gehäuse. Das ist bei der GH3 nicht der Fall: Das Gehäuse ist sogar ein wenig größer als das der Spiegelreflex Nikon D5200. Die ebenfalls spritzwassergeschützte Olympus OM-D ist wesentlich leichter und kleiner. Es ist schwer nachvollziehen, dass die GH3 so groß und schwer ausfällt.

Lücken bei der Ausstattung: Gut 1600 Euro kostet die GH3, da stören kleine Details. So fehlt der Kamera das sogenannte Focus Peaking, eine enorm hilfreiche Funktion zum manuellen Scharfstellen, bei der die Konturen fokussierter Bildbereiche farblich hervorgehoben werden. Das sollte inzwischen zur Standardausstattung gehören.

Die Vorteile, die Nachteile, das Fazit

gute Handhabung

staubdicht, spritzwassergeschützt

umfassende Ausstattung

große Auswahl an Objektiven

für die Sensorgröße sehr gute Bildqualität

schwenk- und drehbarer Bildschirm

lautloser elektronischer Verschluss

hoher Preis - lohnt sich nur, wenn man alle Funktionen nutzt

so schwer und so groß wie manche Spiegelreflex-Gehäuse

Bildqualität sinkt bei ISO-Empfindlichkeit über 1600 deutlich

kein Focus Peaking

Bildstabilisator in Objektiven, nicht im Gehäuse (problematisch bei alten Objektiven)

Die Bildqualität der GH3 ist der der bisherigen Panasonic-Systemkameras überlegen - Panasonic kann wieder mit Olympus mithalten. Allerdings übertrifft die GH3 nicht Spitzenmodelle wie die Olympus OM-D oder E-PL5 - sie ist nur ähnlich gut. Als Fotoapparat allein gibt es keinen entscheidenden Grund, die GH3 diesen Olympus-Kameras vorzuziehen.

Einzigartig sind die Videofunktionen: Die Spitzenwerte bei den Datenübertragungsraten, die Anschlüsse für Mikrophon, Kopfhörer und externe Rekorder und Extras wie SMTPE-Timecode sind nur für Nutzer interessant, die aufwendige Filme mit der GH3 drehen wollen. Die übrigen Alleinstellungsmerkmale gegenüber der Olympus OM-D sind der drehbare Touchscreen und das große Gehäuse - vielleicht ein Vorzug für Fotografen mit Pranken.

Das sagen die anderen: Der Videoexperte Adam Wilt ist von den hohen Datenübertragungsraten beeindruckt und lobt neben den Videofunktionen auch den lautlosen elektronischen Verschluss der Kamera. Im Hinblick auf den Preis rät er zum genauen Vergleich mit dem Vorgängermodell GH2. Wer das ältere Modell kaufe, erhalte "90 Prozent der Kamera für 50 Prozent des Preises".

Das deutsche Fachmagazin "Colorfoto" lobt die Bild- und Videoqualität ("die Full-HD-Filme der GH3 erscheinen sichtbar schärfer als die der Vorgängerin GH2, zeigen besser durchzeichnete Schatten").

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System-Kameras: Panasonic GH3, Olympus OM-D, Nex-7 im Vergleich

Kamera Panasonic GH3 Olympus OM-D E-M5 Sony Nex-7
günstigster Preis (Gehäuse / mit Objektiv) 1175 / 2068 1085 / 1194 901,17 / 1054,90
Maße Gehäuse (cm) 13,3 x 9,3 x 8,2 12,1 x 9 x 4,2 cm 12 x 6,7 x 4,3
Volumen (Gehäusemaße), cm³ 1128,402 457,38 345,72
Gewicht (Gehäuse / mit Objektiv ca. in Gramm) 550 / 855 373 / 584 291 / 423
Objektiv Lumix G X Vario 2,8/12-35 mm ASPH. Power O.I.S Objektiv M.Zuiko digital ED 12-50mm f/3,5 – 6,3 AF E 18-55mm 3.5-5.6 OSS
Naheinstellgrenze 25 cm 20 cm 25 cm
Brennweite (kb-äquivalent) 24 - 70 mm 24 -100 mm 27 - 82,5 mm
günstigster Preis Objektiv 915 289,99 219
Auflösung (Megapixel) 16 16,1 24,3
Sensorgröße (cm²) 2,25 2,25 3,67
Megapixel pro cm² 7,11 7,15 6,63
Display (Diagonale Zoll / cm) 3 / 7,6 3 / 7,6 3
Display Auflösung (Pixel / Subpixel) 204.666 / 614.000 203.333 / 610.000 306.666 / 920.000
Besonderheiten Touchscreen neig- und schwenkbar, HDMI-Ausgang, Mikro-Eingang, Kopfhörer-Ausgang, Digital-Sucher, W-Lan, Anschluss für Fernbedienung Touchscreen neigbar, Touchscreen, Digital-Sucher Display neigbar, Touchscreen, Digital-Sucher
Dateiformat RAW/JPG, AVCHD (1920x1080) RAW/JPG, MOV H.264 (1920x1080) RAW (Sony) / JPG

* günstigster Preis bei deutschen Online-Händlern, Stand 1.2.2013

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insgesamt 29 Beiträge
1.
wakaba 09.02.2013
Sagt schon alles: " Bildqualität: Die Aufnahmen der GH3 zeigen bei wenig Licht klarere Details und weniger Bildrauschen als die Panasonic-Vorgängermodelle. Der Bildsensor ist kleiner als die in den Systemkameras von Sony [...]
Sagt schon alles: " Bildqualität: Die Aufnahmen der GH3 zeigen bei wenig Licht klarere Details und weniger Bildrauschen als die Panasonic-Vorgängermodelle. Der Bildsensor ist kleiner als die in den Systemkameras von Sony und Fujifilm verbauten, an die Bildqualität dieser Fotoapparate kommt die GH3 nicht ganz heran. Aber die Leistung ist ein klarer Fortschritt gegenüber " Knippst wie ein Handy und ist etwas besser als eine Handyknippse der letzten Generation. Mülliger Sensor, miese SW verbastelt die Bilder über die Kennlinie heraus, kleine matte, lichtschwache Plastikobjektive. Kein Sucher. Fazit: Die Nikon D3100 und 5100 können alles besser - und sind günstiger. Kompaktkameras sind tot.
2. @wakaba
tarantyno 09.02.2013
Immer das gleiche: Keine Ahnung vom mft System aber jede Menge Meinung. Unter Vollformat ist sowieso alles Mist. Können Sie sich nicht wenigstens kurz mit der Materie auseinandersetzen, bevor sie sich dazu äußern?
Immer das gleiche: Keine Ahnung vom mft System aber jede Menge Meinung. Unter Vollformat ist sowieso alles Mist. Können Sie sich nicht wenigstens kurz mit der Materie auseinandersetzen, bevor sie sich dazu äußern?
3.
mikesch0815 09.02.2013
Die GH3 hat einen Sucher, und nicht nur dies zeigt Ihr Unwissen über µFT. Allerdings gilt der EVF der GH3 als nicht besonders gut, da ist die OM-D überlegen. Andererseits liegt die GH3 schon besser in der Hand. Dennoch werd ich [...]
Die GH3 hat einen Sucher, und nicht nur dies zeigt Ihr Unwissen über µFT. Allerdings gilt der EVF der GH3 als nicht besonders gut, da ist die OM-D überlegen. Andererseits liegt die GH3 schon besser in der Hand. Dennoch werd ich meine GH2 nicht einmotten.
4. In der Summe ist das System erheblich leichter zu transportieren
tomasl 09.02.2013
mit APC/Vollformat/Mittelformat muss ich mir genau überlegen, wie ich die Ausrüstung zusammenstelle. Bei MFT nehme ich im Zweifelsfall ALLES mit - Stativ, Superweitwinkel, lichtstarke Normal und Teleobjektive - und alles passt [...]
mit APC/Vollformat/Mittelformat muss ich mir genau überlegen, wie ich die Ausrüstung zusammenstelle. Bei MFT nehme ich im Zweifelsfall ALLES mit - Stativ, Superweitwinkel, lichtstarke Normal und Teleobjektive - und alles passt in eine kompakte Fototasche, Gewicht 3 kg. Mit Canon Vollformat 10-20kg. Die MFT Bildqualität reicht mir.
5.
mulhollanddriver 09.02.2013
Wenn ich fotografieren und nicht all zu viel tragen möchte, nehme ich eine Nikon D4 und ein Nikon 24-70/2.8, damit komme ich in 90 Prozent der Fälle ans Ziel. Wenn ich noch weniger tragen möchte, nehme ich mein Telefon [...]
Zitat von tomaslmit APC/Vollformat/Mittelformat muss ich mir genau überlegen, wie ich die Ausrüstung zusammenstelle. Bei MFT nehme ich im Zweifelsfall ALLES mit - Stativ, Superweitwinkel, lichtstarke Normal und Teleobjektive - und alles passt in eine kompakte Fototasche, Gewicht 3 kg. Mit Canon Vollformat 10-20kg. Die MFT Bildqualität reicht mir.
Wenn ich fotografieren und nicht all zu viel tragen möchte, nehme ich eine Nikon D4 und ein Nikon 24-70/2.8, damit komme ich in 90 Prozent der Fälle ans Ziel. Wenn ich noch weniger tragen möchte, nehme ich mein Telefon und starte Instragram. Wenn ich vernünftige Kameratests lesen möchte, sehe ich bei dpreview nach.

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Brennweite
Die Brennweite gibt eine Entfernung innerhalb des Objektivs einer Kamera an. Genauer: Die Brennweite ist der in Millimetern angegebene Abstand zwischen der Mittelachse der Linse und der Stelle, wo das einfallende Licht auf Sensor oder Film trifft. Relevant ist das für die Bildgestaltung so: Je höher die Brennweite, desto näher wird das abgebildete Objekt herangezoomt.

Die Brennweite verändert auch die Bildwinkel der Aufnahme. Hier spielen aber auch die verschiedenen Aufnahmeformate (sprich: Wie groß ist das auf den Sensor der Kamera einfallende Bild?) eine Rolle. Deshalb geben Hersteller meistens die sogenannte kleinbildäquivalente Brennweite (Equiv.135) an.

Kleinbildbrennweiten werden mit Werten wie zum Beispiel 24-60 mm bei digitalen Kompaktkameras angeben. Wenn ein solches Objekt den Bereich zwischen 17 und 35 mm umfasst (siehe Foto: links 35 mm, rechts 28 mm), sind Weitwinkelaufnahmen möglich (hilfreich, um zum Beispiel Menschengruppen oder Bauwerke aus nicht allzu großer Entfernung aufzunehmen), ab 50 mm ist man schon im leichten Telebereich.
Blendenöffnung
Für eine Kamera ist die Blende, was die Iris für das Auge ist: Diese Öffnung hat eine veränderbare Größe, und je größer sie ist, desto mehr Licht fällt ein. Bei kompakten Digitalkameras kann die Blende manchmal, bei Spiegelreflexkameras meistens auf Wunsch manuell eingestellt werden. Angegeben wird sie dabei mit der sogenannten Blendenzahl (wie um Beispiel 8, 5,6 oder 2,8).

Je größer die Blendenzahl (oft angegeben mit f/Blendenzahl), umso kleiner ist die Blendenöffnung. Konkret: Bei der Blendenzahl 4 ist die Blendenöffnung doppelt so groß wie bei der nächst höheren Blendenzahl 5,6. Die Blendenzahlen beruhen auf einer mathematischen Formel, nach der sich die sogenannte Blendenreihe berechnet. Hier verkleinert sich von Stufe zu Stufe die Blendenöffnung (0,5 / 0,7 / 1 / 1,4 / 2,8 / 4 usw.

Mehr Licht durch eine große Blendenöffnung ermöglicht eine kürzere Verschlusszeit. Eine möglichst kurze Verschlusszeit ist nötig, um sich schnell bewegende Objekte möglichst scharf aufzunehmen. Wer zum Beispiel einzelne Szenen eines Basketballspiels einer nicht allzu hell beleuchteten Sporthalle aufnehmen will, kann eine kleinere Blendenzahl (also eine größere Blendenöffnung) wählen und dafür die Verschlusszeit verkürzen. Als Richtwert gilt dabei: Ein Stufe abwärts in der Blendenreihe erlaubt eine gleichzeitige Halbierung der Belichtungszeit.

Gleichzeitig beeinflusst die Größe der Blendenöffnung die sogenannte Schärfentiefe. Grundregel: Je kleiner die Blendenzahl (und je größer somit die Blendenöffnung), desto geringer die Schärfentiefe. Geringe Schärfentiefe bedeutet: Das Motiv im Vordergrund ist scharf, der Hintergrund ist unscharf. Große Schärfentiefe bedeutet, dass die Partien im Vorder- und Hintergrund scharf auf dem Bild erscheinen.
Verschluss-/ Belichtungszeit
Wie lange die Blende geöffnet ist, wie lange also Licht auf den Sensor der Kamera fällt, gibt die Belichtungszeit an. Je länger diese Verschlusszeit ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor.

Diese Verschlusszeit wird meistens in Sekundenbruchteilen angegeben. 1/1000 ist zum Beispiel eine tausendstel Sekunde. Bei Kompaktkameras kann die Verschlusszeit manchmal, bei Spiegelreflexkameras immer auch manuell eingestellt werden. Angeben wird sie in Zeitstufen (wie 0,5"; 1/4; 1/8; 1/15; 1/30; 1/60; 1/125 usw.). Je größer die Zeitstufe, umso länger ist der Verschluss geöffnet.

Bei einer kurzen Verschlusszeit erscheinen auf dem Bild sich schnell bewegende Objekte scharf, bei längeren Verschlusszeiten wirken sie verwischt, das ist die sogenannte Bewegungsunschärfe. Verwendet man bei solchen Aufnahmen mit längeren Belichtungszeiten kein Stativ oder zumindest eine feste Unterlage für die Kamera, verwackeln die Aufnahmen oft durch die Bewegung der Hand. Ruht die Kamera auf einer festen Unterlage, kann man mit längeren Belichtungszeiten zum Beispiel Autos auf Fotos verwischt erscheinen lassen, während alle statischen Objekte in der Umgebung scharf erscheinen.

Bei sehr kurzen Belichtungszeiten ist eine starke Beleuchtung oder eine entsprechend große Blendenöffnung nötig, um ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Grundregel: Stellt man eine Zeitstufe größer ein, kann man eine Blendenzahl weniger einstellen.
Schärfentiefe
Schärfentiefe meint den Bereich in einer bestimmten Entfernung der Kamera, der auf dem Foto als scharf erscheint - je größten dieser Entfernungsbereich ist, umso größer ist die Schärfentiefe.

Konkret: Geringe Schärfentiefe bedeutet, dass das Motiv im Vordergrund scharf, der Hintergrund aber unscharf ist. Große Schärfentiefe bedeutet: Die Partien im Vorder- und Hintergrund erscheinen auf dem Bild scharf. Die Schärfentiefe eines Bildes hängt unter anderem von der Größe der Blendenöffnung ab, aber auch von der Brennweite des Objektivs und dem Bildformat beziehungsweise der Sensorgröße.
Sensorgröße
Die Größe des Fotosensors einer Digitalkamera beeinflusst neben anderen Faktoren die Qualität der Fotos. Angegeben wird die Größe oft in Standardgrößen wie 1/2,3 Zoll oder 1/1,7 Zoll. Diese Größen sind von einem Format für TV-Kameras aus den fünfziger Jahren übernommen, haben keinen direkten Zusammenhang mit der Oberfläche des Sensors.

Einige Beispiele für Sensorgrößen:

- 1/2,3", z.B. Pentax Q: 0,28 cm²
- 1/1,7", z.B. Canon G12, Canon S100: 0,43 cm²
- 2/3", z.B. Fujifilm X10:0,58 cm²
- 1", z.B. Nikon J1, Sony RX100: 1,16 cm²
- 4/3", z.B. Panasonic GF3: 2,25 cm²
- Canon G1X: 2,62 cm²
- Canon APS-C, z.B. 7D: 3,32 cm²
- Nikon DX, z.B. Nikon D90: 3,72 cm²
- Sony APS-C, z.B. Nex-5n: 3,81 cm²
- Kleinbild-Vollformat, z.B. Canon 5D Mark II, Nikon D700, Sony A900: 8,64 cm²
- Mittelformat, z.B. Pentax 645D: 17,28 cm²

Ein Problem bei der Sensorgröße entsteht, wenn auf der gleichen Fläche immer mehr Fotodioden untergebracht werden. Sprich: Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung (gemessen in Megapixel) wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Fotodioden auf einer kleineren Oberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jede einzelne der Fotodioden, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen, das sogenannte Bildrauschen, mit sich bringt.
Lichtempfindlichkeit / ISO-Wert
Wie lichtempfindlich Filmmaterial ist, wird unter anderem mit den sogenannten ISO-Werten angegeben. Ein Film mit ISO 200 ist doppelt so lichtempfindlich wie ein ISO-100-Film, bei ISO 400 verdoppelt sich die Lichtempfindlichkeit gegenüber ISO 200 und so weiter.

Bei Digitalkameras haben die Hersteller diese Skala übernommen, um die Empfindlichkeit anzugeben. Wenn in einem dämmrigen Umfeld die Verschlusszeit wegen Verwacklungsgefahr nicht stark genug erhöht werden kann und eine allzu große Blendenöffnung wegen des Verlusts an Schärfentiefe nicht erwünscht ist, kann die Empfindlichkeit erhöht werden, um eine ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Hebt man die ISO-Stufe um einen Schritt an, kann die Verschlusszeit zum Beispiel um einen Schritt vermindert werden.

Bei Digitalkameras verstärkt die Software das auf dem Sensor eingehende Signal. Dabei verstärkt die auch die Störungen, das sogenannte Bildrauschen nimmt zu.
Megapixel
Der Megapixel-Wert gibt die Auflösung einer Digitalkamera an, also wie viele Bildpunkte der Sensor erfasst. Ein Megapixel entspricht einer Million Bildpunkte. Aus der Pixelmenge resultiert die Rasterung beim Druck der Fotos - je höher die Auflösung, desto größer können die Fotos gedruckt werden, ohne dass die Pixel sichtbar werden.

Laut Kodak genügt für einen Ausdruck in A4-Format (20x30 cm) in guter Qualität eine Auflösung von 1920 x 1280 Pixeln (2,4 Megapixel), für optimale Qualität ist eine Auflösung von 2160 x 1440 Pixeln (3,1 Megapixel) nötig.

Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Bildpunkten auf einer kleineren Sensoroberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jeden einzelnen der Bildpunkte, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen durch das sogenannte Bildrauschen mit sich bringt.
Bildrauschen
Die Ursache für das Bildrauschen sind physikalische Effekte auf dem Bildsensor und den dort untergebrachten Fotodioden, vor allem den sogenannten Dunkelstrom. Wie stark diese Effekte im Foto sichtbar (siehe Foto mit 1600 ISO) sind, hängt von mehren Faktoren ab:

- Bei gleicher Auflösung rauschen Sensoren mit kleinerer Oberfläche stärker als größere.

- Je stärker die Lichtempfindlichkeit der Kamera eingestellt ist, umso stärker ist das Rauschen, da das vom Sensor eingehende Signal verstärkt wird - einschließlich der Störungen.

- Je wärmer der Sensor ist, umso stärker ist das Bildrauschen.

Digitalkameras nutzen diverse Software-Routinen, um das Bildrauschen schon beim Abspeichern einer Aufnahme herauszurechnen. Die Hersteller nutzen verschiedene Verfahren mit unterschiedlichen Ergebnissen. Manchmal beeinträchtigt die Rauschunterdrückung wiederum die Schärfe eines Bildes sichtbar.

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