Lade Daten...
30.01.2013
Schrift:
-
+

Blackberry Z10 im Test

Handy mit Nottank

Von
Foto: SPIEGEL ONLINE

Neustart mit Touchscreen: Der kriselnde Smartphone-Hersteller Research in Motion benennt sich in Blackberry um. Zwei Smartphones sollen ihn retten. Das Touchscreen-Gerät Z10 ist das erste der neuen Generation. Der Test zeigt: Es ist einfacher zu bedienen - hat aber auch einen gravierenden Mangel.

Der Blackberry Z10 ist da. Auf dieses Handy haben Blackberry-Fans lange gewartet, und von ihm hängt die Zukunft des Herstellers ab. Research in Motion (RIM) hat sich gerade in Blackberry umbenannt. Bei einer großen Pressekonferenz in New York stellte Firmenchef Thorsten Heins zwei neue Smartphones vor. Das Q10 (mit Tastatur) und das Z10, bei dem die klassische Blackberry-Tastatur fehlt. Es wird nur per Touchscreen bedient, eine neue Software soll das Tippen beschleunigen.

Eigentlich sollte das Z10 schon vor einem Jahr fertig sein. Jetzt enthüllt das Unternehmen endlich, wie das Gerät wirklich aussieht und was es kann. Wir haben eines der ersten Serienmodelle vorab getestet.

Die Hardware birgt keine Überraschungen, entspricht besseren Mittelklasse-Handys. Dem 1,5 GHz schnellen Prozessor stehen 2 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung. Für Apps, Musik, Dokumente und Filme sind 16 GB Speicher eingebaut, die per microSD-Karte um bis zu 32 GB erweitert werden können. Eine zum Anwender gerichtete Zwei-Megapixel-Kamera steht für Selbstporträts und Videochats bereit, Fotos und Videos nimmt man mit einer Acht-Megapixel-Kamera samt LED-Blitz auf.

Der 4,2 Zoll große Bildschirm zeigt 1280 x 768 Pixel an, steckt in einem schnörkellosen Metallgehäuse, dessen Rückseite von einem Plastikdeckel abgeschlossen wird. In dem steckt auch der NFC-Empfänger. Das Z10 funkt noch über einige andere Netzwerkstandards: Bluetooth 4.0, W-Lan nach IEEE 802.11 a/b/g/n, HSPA+ und LTE.

Fotostrecke

Starke Software, schwacher Akku: Das ist der Blackberry Z10
Wichtiger als die Hardware ist die Software, die Blackberry von Grund auf neu programmiert hat. Das erste Wow-Erlebnis hat man schon, wenn man mit einem Finger von unten über den Sperrbildschirm wischt, um das Gerät aus dem Ruhezustand zu wecken. Wie ein Vorhang wird der Bildschirmhintergrund sanft nach oben geschoben, er folgt dabei auch seitlichen Bewegungen des Fingers. Zudem muss man keine Taste drücken, um das Gerät zu entsperren - ein Fingerwisch reicht aus.

Ebenso einfach gelangt man zum Blackberry Hub, einer Nachrichtenzentrale, in der E-Mails, Chat-Nachrichten, SMS, verpasste Anrufe und Nachrichten aus sozialen Netzwerken gesammelt werden. Diese Sammelstelle kann man mit einer simplen Geste immer und aus jeder laufenden App heraus erreichen.

Die schnellste Tastatur

Das Highlight ist die neu entwickelte Bildschirmtastatur. Sie macht es einem leicht, die richtigen Buchstaben zu treffen, weil sie sich den Tippgewohnheiten des Anwenders anpasst. Die Software korrigiert automatisch, wenn man immer wieder das "B" trifft, obwohl man eigentlich die Leertaste drücken wollte.

Zudem hat die Software des Z10 eine gute Funktion zum Auto-Vervollständigen. Sie errät oft schon nach ein oder zwei Buchstaben, welches Wort man tippen will. So wird sehr schnelles Schreiben möglich. Das funktioniert auch mehrsprachig. Man kann also mitten im Satz vom Deutschen ins Englische wechseln und bekommt doch die richtigen Worte vorgeschlagen.

Spaß oder Arbeit? Beides!

Die Foto- und Videofunktionen des Z10 zeigen, dass Blackberry versucht, den Ruf als Manager-Werkzeug abzuschütteln. Die Foto-App enthält eine Art Serienfoto-Modus, der Gruppenbilder optimieren soll. Statt eines Fotos werden beim Auslösen mehrere nacheinander aufgenommen. Aus denen kann man sich entweder das beste aussuchen, oder sich selbst eines zusammenbasteln. Per Gesichtserkennung werden die Köpfe aller Personen markiert, so dass man vor einem fixierten Hintergrund jeweils das Porträt auswählen kann, auf dem die jeweilige Person am besten aussieht. Das Resultat ist ein Best-of-Foto, auf dem alle in die Kamera lächeln.

Weil solche Funktionen und manche Apps im Business-Umfeld keinen Platz finden, hat Blackberry schon vor einiger Zeit eine Möglichkeit geschaffen, Privates und Berufliches auf dem Gerät so strikt zu trennen, dass auch strenge IT-Administratoren damit leben können. Die Balance genannte Technik sorgt dafür, dass man einerseits sicher an die Firmen-IT angebunden ist, andererseits auf dem Firmen-Handy eigene Apps installieren kann.

Apps und Medien

Mit viel Aufwand hat Blackberry in den letzten Monaten Programmierer dazu motiviert, Apps für das neue Blackberry OS zu entwickelt. Nun stehen vom Start weg mehr als 70.000 Apps im Blackberry World genannten Onlineshop bereit. Die Auswahl kann sich sehen lassen, enthält populäre Titel wie die "Angry Birds"-Serie und Apps einiger englischsprachiger Nachrichtenseiten. Doch die Lücken sind unübersehbar. Eine Spotify-App fehlt ebenso wie eine gute Auswahl an RSS-Readern. Zudem gibt es viele Redundanzen. So findet man sicher rund hundert Uhren-Apps und dutzende Karten-Apps auf Basis von Google Maps. Eine native Google-Maps-App dagegen nicht.

Kurz vor der Einführung tauchten auch die ersten Musikangebote in der Blackberry World auf. Blackberry bedient sich dafür der Dienste des britischen Dienstleisters 7digital, der die Kataloge der vier großen Plattenfirmen (EMI, Sony BMG, Universal und Warner) bereitstellt. Einzelne Songs kosten meist 99 Cent, Alben 9,99 Euro. Ein Film- und TV-Angebot ist geplant, wird aber zunächst nur in Nordamerika und Großbritannien eingeführt.

Schwacher Akku hält nur einen halben Tag

So gelungen die Software und so potent die Hardware des Z10 ist, so schlapp ist die Akku-Leistung. Zugegeben, wir hatten nur wenige Tage Zeit, das Smartphone auszuprobieren und haben es währenddessen oft intensiv genutzt. Die Akku-Laufzeiten dabei waren enttäuschend. Morgens um sieben Uhr vom Netzteil getrennt, erreichte die Ladestandsanzeige bereits am frühen Mittag den roten Bereich. Zwischen fünf und sieben Stunden hielt der Z10 durch, länger nicht.

Unsere Rettung war, dass mit dem Testgerät ein Zweit-Akku geliefert wurde, den man als mobiles Notladegerät per USB anschließen konnte, quasi als Zusatztank. So hielt der Z10 dann doch einen ganzen Arbeitstag durch. Trotzdem: An der Ausdauer muss Blackberry noch arbeiten. Vielleicht lässt sich diese Schwäche per Software-Update ausbessern. Apple beispielsweise hat die anfangs lausige Akkulaufzeit des iPhone 3G seinerzeit auch per Update auf ein erträgliches Niveau verlängert.

Fazit: Gute Software

So wenig aufregend die technischen Daten des Z10 sind, so gelungen ist das neue Betriebssystem. Die Bedienung ist logisch, die Optik ansprechend, die neue Bildschirmtastatur großartig. Zudem sieht der Z10 recht gut aus und liegt angenehm in der Hand. Schon nach kurzer Eingewöhnungszeit hat man typische Blackberry-10-Gesten verinnerlicht und den Blackberry Hub schätzen gelernt.

Vorteile und Nachteile

Innovatives Betriebssystem

Gute Anbindung an Firmen-IT

Integration aller modernen Funkstandards

Schneller Webbrowser

Geringe Akku-Laufzeit

Eingeschränkter Speicherplatz (max. 48 GB)

Und doch sind der Z10 und das neue Blackberry-System OS 10 keine Garantie dafür, dass Blackberry zu alter Bedeutung zurückfinden wird. Auch wenn der Zeitpunkt günstig ist, da das nächste iPhone und ein neues Android erst in Monaten erscheinen dürften.

Blackberry hätte so etwas wie den Z10 schon vor Jahren erfinden müssen, als sich der Markt für Touchscreen-Smartphones gerade entwickelte. Jetzt sind die Pfründe weitgehend zwischen iOS und Android aufgeteilt, Blackberry mit 3,4 Prozent weltweitem Marktanteil weit abgeschlagen. Wer sich bisher für eine der anderen Plattformen entschieden hat, hat sich auch an das Ökosystem dieser Plattform gebunden, Geld in Apps, Musik und Filme investiert.

Diese Kunden zu einem Umstieg auf Blackberry zu bewegen wird schwer - egal, wie gut der Z10 ist.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 104 Beiträge
1. ...was wirklich wichtiges wird nicht getestet...
glass88 30.01.2013
dIe Vorhang-Auf Funktion ist das Kaufargument?!?! Und die Anzahl der Apps? Ich habe lieber 70k gute als x millionen fache gequirlte sch... Auf das was ich raus will und das bei IOS und Android auch nicht "onboard" ist [...]
dIe Vorhang-Auf Funktion ist das Kaufargument?!?! Und die Anzahl der Apps? Ich habe lieber 70k gute als x millionen fache gequirlte sch... Auf das was ich raus will und das bei IOS und Android auch nicht "onboard" ist sondern nur beim guten alten Winodws Phone funktioniert: Aus einer Email jemanden der NICHT in den lokalen Kontakten ist direkt im Firmenverzeichnis zu suchen und anzurufen... bzw. ein Vernünftiger GAL Aufruf der auch dei Telefonnummern herholt. Für ein Businessphone eine unabdingbare Funktion. Ich hoffe mal BB hat das
2. Akku
s-achte 30.01.2013
Hmmm, die Akkuleistung war ein Argument, mir das 9810 zu holen. Das variiert, je nachdem, was man macht, bzw. auch über welche Verbindungen. Wenn ich es aber überwiegend als Telefon nutze, hält es so ca 4 Tage. Bin gespannt auf [...]
Hmmm, die Akkuleistung war ein Argument, mir das 9810 zu holen. Das variiert, je nachdem, was man macht, bzw. auch über welche Verbindungen. Wenn ich es aber überwiegend als Telefon nutze, hält es so ca 4 Tage. Bin gespannt auf Langzeittests mit dem Neuen und ob der schnelle Verbrauch der Akkuleistung 'nur' mit der wahrscheinlichen Intensivnutzung des Testteams zu tun hatte ..,
3.
forenuser 30.01.2013
Wat? Tatsächlich kann ich also quasi unbegrenzt Zeugs drauf speichern, muss nur die Karte wechseln! Machen sie das mal mit ihrem Iphone. Ein typischer Kremp eben.
Zitat von sysopEingeschränkter Speicherplatz (max. 48 GB)
Wat? Tatsächlich kann ich also quasi unbegrenzt Zeugs drauf speichern, muss nur die Karte wechseln! Machen sie das mal mit ihrem Iphone. Ein typischer Kremp eben.
4. ...und schon wieder versemmelt.
Tyrion_Lannister 30.01.2013
Durchschnittliche Hardware, überschaubares App-Angebot - und der absolute K.O.-Schlag: lausige Akkulaufzeit. Während sich iPhone 5 und Galaxy S3 locker ein, zwei Tag lang nutzen lassen und das Galaxy Note 2 auch gern mal drei Tage [...]
Durchschnittliche Hardware, überschaubares App-Angebot - und der absolute K.O.-Schlag: lausige Akkulaufzeit. Während sich iPhone 5 und Galaxy S3 locker ein, zwei Tag lang nutzen lassen und das Galaxy Note 2 auch gern mal drei Tage am Stück läuft, geht das Blackberry schon mittags in die Knie. Am Privatkundenmarkt hat Blackberry sowieso keine Chance, und für berufliche Nutzung ist das Gerät gnaz einfach komplett ungeeignet. Herzlichen Glückwunsch.
5. Ökosystem, soso.
McPomNormalo 30.01.2013
Die Plattformabhängigkeiten werden wohl ein klein wenig überschätzt und offensichtlich auch nicht verstanden. Wer nennenswerte Beträge (eben welche, die abhängig machen) für Inhalte ausgibt, die ihn auf ein Mobilgeräte-OS [...]
Zitat von sysop(...)Wer sich bisher für eine der anderen Plattformen entschieden hat, hat sich auch an das Ökosystem dieser Plattform gebunden, Geld in Apps, Musik und Filme investiert (...) Angefasst: Der Blackberry Z10 im Test - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/angefasst-der-blackberry-z10-im-test-a-880411.html)
Die Plattformabhängigkeiten werden wohl ein klein wenig überschätzt und offensichtlich auch nicht verstanden. Wer nennenswerte Beträge (eben welche, die abhängig machen) für Inhalte ausgibt, die ihn auf ein Mobilgeräte-OS festlegen ist selber schuld. Eine gute Interoperabilität zwischen den verschiedenen Endgeräten und Anwendungen ist doch für die meisten auf Dauer das Wichtigste. Da kann ein Wechsel weg von den derzeitigen Marktführern bei Smartphones durchaus wieder interessant werden. Ob Blackberry da gewinnt? Wer weiß. Niemand wird untergehen, falls mal seine Plattform - ja was - zur Okonische degeneriert?

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

Aktuelle Handys im Januar 2013

Mobile Breitbandformate

UMTS
Universal Mobile Telecommunications System - wird oft als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) bezeichnet, da er deutlich höhere Datenübertragungsraten als sein Vorgänger GSM ermöglicht. Deutsche UMTS-Netze schaffen üblicherweise eine Bandbreite von 384 Kbit/s im Standardmodus. Mit der Erweiterung HSPA+ (siehe dort) sind bis zu 42 Mbit/s möglich (Stand Ende 2012). Reguläre DSL-Anschlüsse bieten heute üblicherweise 16 Mbit/s. (mehr ...)
HSPA+
High Speed Packet Access - setzt auf UMTS auf, erzielt aber deutlich höhere Übertragungsraten bei der Übertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Die praktisch erreichbare Datenrate liegt zurzeit bei 42 Mbit/s (Stand Ende 2012). Der HSPA+-Standard sieht Übertragungsraten von bis zu 168 Mbit/s vor, die bisher allerdings noch nicht erreicht werden. (mehr ...)
LTE
Long Term Evolution ist der Name, den eine Reihe von Mobilfunkunternehmen diesem Standard der vierten Mobilfunkgeneration gegeben haben. LTE ist im Grunde eine Weiterentwicklung von UMTS - braucht aber gänzlich neue Hardware, einschließlich neuer Sendestationen. Theoretisch sind per LTE Downloadraten von bis zu 300 Mbit/s per Mobilfunk möglich. Tatsächlich werden von LTE-Netzbetreibern maximal 100 Mbit/s angeboten. In Deutschland werden für LTE Frequenzbänder verwendet, die durch die Umstellung der TV-Ausstrahlung auf digitale Angebote frei geworden sind. Einer der Vorteile von LTE ist die im Vergleich zu UMTS größere Reichweite der Funkmasten. Unter anderem deshalb wird LTE in Deutschland genutzt, um ländliche Gegenden, in denen eine DSL-Verkabelung nicht wirtschaftlich wäre, mit schnellen Datendiensten zu versorgen. Ein Problem bei LTE ist, dass es regional und je nach Anbieter auf unterschiedlichen Frequenzen arbeitet. Da nicht jeder LTE-Chip alle diese Frequenzen beherrscht, können manche Endgeräte trotz grundsätzlicher LTE-Tauglichkeit nicht alle LTE-Netze nutzen. . (mehr ...)
GPRS
General Packet Radio Service - dieser Standard zerlegt Daten beim Sender in einzelne Pakete, überträgt sie gestückelt und setzt sie beim Empfänger wieder zusammen. Durch Bündelung mehrerer Übertragungskanäle ist theoretisch eine Übertragungsrate von bis zu 171,2 Kbit/s möglich. Im praktischen Betrieb sind es meist 55,6 Kbit/s - so langsam waren Modems in den Zeiten vor DSL. (mehr ...)
EDGE
Enhanced Data Rates for GSM Evolution - Technik zur Erhöhung der Übertragungsrate von Daten in GSM-Mobilfunknetzen. Durch effizientere Modulationsverfahren sollen in der Summe bis zu 384 Kbit/s erreicht werden - das ist UMTS-Geschwindigkeit. Edge wurde bisher in 75 Ländern eingeführt. (mehr ...)
WiMax
Die WiMax-Technologie umfasst mehrere Standards zu Datenübertragung auf verschiedenen Funkfrequenzen. Manche WiMax-Standards brauchen eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger, bei anderen können die Signale auch Mauern durchdringen. Bei Tests soll WiMax schon Datentransferraten von mehr als hundert Mbit/s erreicht haben. Hermann Lipfert, Experte für Drahtlosnetze beim Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT), schätzt, dass in einer regulären WiMax-Funkzelle Transferraten von 50 Mbit/s realistisch sind - unter idealen Bedingungen und bei Anwendung aller derzeit zur Verfügung stehenden technischen Tricks. Diese Bandbreite müssten sich dann wie bei UMTS alle Nutzer teilen, die in der jeweiligen Funkzelle online sind. Bislang hat WiMax aber noch keine Bedeutung (Stand Ende 2012).(mehr ...)

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter RSS
alles zum Thema Angefasst
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten