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19.02.2013
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HTC-Smartphone One

Hübsch, aber nicht neu

Aus London berichtet
Fotos
HTC

Handy-Hersteller HTC hat sein neues Prunkstück enthüllt: das One. Das Gerät muss ein Erfolg werden, wenn der Konzern wieder vorne mitspielen will. Die Taiwaner setzen auf viel Aluminium und wenige Pixel - sonst aber auf altbekannte Rezepte.

HTC muss begeistern, unbedingt. Laut aktuellen Zahlen der Marktforscher von Gartner hat der Handy-Konzern in den vergangenen Monaten reichlich an Boden verloren. Konnten die Taiwaner sich lange noch auf dem vierten Platz hinter Samsung, Nokia und Apple behaupten, ist ihr Marktanteil im vierten Quartal 2012 so weit geschrumpft, dass sie nicht mal mehr in den Top Ten auftauchen.

Doch besonders eilig scheint man es bei HTC nicht zu haben. Erst mit 25 Minuten Verspätung betritt Firmenchef Peter Chou die Bühne im German Gymnasium, einem Veranstaltungszentrum direkt neben dem Bahnhof King's Cross in London. Man könnte meinen, für Eile gäbe es ohnehin keinen Grund, denn Geheimnisse zu wahren, ist keine der Stärken von HTC. In den Wochen und Tagen vor der Veranstaltung sickerten immer mehr Informationen und Fotos zum neuen Smartphone ins Netz. Zuerst wurde es noch als Modell M7 bezeichnet, später als HTC One.

Genau so heißt dann auch tatsächlich das Handy, dass Chou aus der Tasche zieht und stolz in die Kameras hält. Das Gerät biete eine "ganz neue Erfahrung", verspricht er und verkündet, man habe das Smartphone "neu erfunden". Von einer solchen Neuerfindung hätte man sich freilich etwas mehr erwartet, sieht das Gerät doch aus wie ein ganz gewöhnliches, wenn auch schickes Smartphone. Aus einem Block Aluminium wird es gefräst, anschließend mattiert, was ihm einen edlen Look verleiht. Das extrem harte Gorillaglas auf dem Bildschirm ist zu den Kanten hin so abgerundet, dass es im Gehäuse zu verschwinden scheint.

Ultrapixel

Technisch ist das One hochwertige Massenware. Der Bildschirm folgt mit 4,7 Zoll dem Trend zu mehr Größe, macht das One dabei aber nicht unangenehm groß. Wer sehr kleine Hände hat, wird womöglich Probleme haben, das Handy einhändig zu nutzen, doch den meisten Anwendern dürfte es durchaus gut in der Hand liegen. Die Full-HD-Auflösung, 1920 mal 1080 Pixel, ist bemerkenswert. Sie sorgt dafür, dass Schrift und Bilder fein gezeichnet werden und die Pixel so klein sind, dass man sie mit bloßem Auge nicht mehr erkennen kann. Apple hat dafür den Begriff Retina-Display geprägt.

Als sicherlich schneller Antrieb dient ein mit 1,7 GHz getakteter Quadcore-Prozessor von Qualcomm, der auf zwei Gigabyte Arbeitsspeicher zugreift. Der Massenspeicher ist wahlweise mit 32 oder 64 GB bestückt. Mobile Datendienste werden mit allen aktuellen W-Lan-, Bluetooth- und Mobilfunkstandards bereitgestellt - inklusive LTE.

Die einzige Besonderheit ist die Kamera: Statt mehr Pixel soll sie größere Pixel haben, die 300 Prozent mehr Licht einfangen als herkömmliche Handykameras und deshalb bei wenig Licht bessere Bilder machen. HTC nennt das Ultrapixel. Unter anderem soll die Kamera in der Lage sein, HDR-Videos aufzuzeichnen. Genaue Angaben darüber, wie viele Pixel sich denn nun auf dem neuen Fotochip befinden, hat HTC bisher nicht gemacht.

Ganz klar: HTC versucht damit, Nokia Konkurrenz zu machen. Die Finnen haben sowohl beim Modell 808 als auch beim Lumia 920 bemerkenswerte Kameras eingebaut, die sich wohltuend aus der Masse der Handy-Knipsen herausheben und für manchen Interessenten ein Kaufargument sind. Ob die HTC-Kamera mit diesen Vorbildern mithalten kann, werden erst unabhängige Test zeigen.

Software-Remix

Ansonsten aber will sich HTC statt mit aufregender Hardware offenbar mit Inhalten und einer modifizierten Android-Oberfläche (HTC Sense) von der Konkurrenz abheben. So gehört zur Ausstattung eine Software namens Blink Feed, die ähnlich wie Flipboard Nachrichten aus dem Web und sozialen Netzen zieht, nach Themen sortiert und optisch hübsch aufbereitet. Als Contentprovider für das One hat sich HTC mit dem Internetkonzern AOL zusammengetan, zu dessen Portfolio Angebote wie die "Huffington Post" und Engadget gehören.

Den Klang, auch ohne Kopfhörer, soll eine Technik namens HTC BoomSound verbessern. Ob das wirklich besser oder bloß lauter klingt, kann nur ein Test zeigen. Als Neuheit wird ein zweites Mikrofon angepriesen, das Umgebungsgeräusche aufnimmt und unterdrückt, damit man Telefongespräche besser versteht. Andere Hersteller bauen dieselbe Technik längst standardmäßig ein. Ebenso wenig neu ist der integrierte Infrarotsender zur Fernsteuerung von Unterhaltungselektronik. So etwas hat beispielsweise Sony vorgemacht.

Als "Zoe" bezeichnet HTC eine mitgelieferte App, die Fotos und Videos automatisch zu Videopräsentationen zusammenschneidet, mit Effekten und Hintergrundmusik versieht. Die so generierten Clips können in soziale Netzwerke hochgeladen werden. Das ist alles hübsch, aber nicht neu.

Das Smartphone neu erfunden?

Mit seiner Einleitung, man habe bei HTC das Smartphone neu erfunden, hat Peter Chou zu weit ausgeholt. Statt wirklich etwas neu zu erfinden, hat der Konzern beim neuen One vielmehr einen gelungenen Remix vorhandener Technik zusammengestellt. Einzig die Kamera ist wirklich neu. Ob sie allerdings hält, was HTC verspricht, muss sich erst zeigen. Wenn die Versprechungen zutreffen, hat HTC mit dem neuen One ein schickes Oberklassegerät im Angebot, wenn das Modell im März zu Preisen zwischen 600 und 700 Euro in den Handel kommt.

Allerdings werden bis dahin auch die Konkurrenten längst ihre neuen Modelle vorgestellt haben - und HTC damit vielleicht schon wieder abhängen.

Forum

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insgesamt 60 Beiträge
1. --------
brux 19.02.2013
Bild 6: Mit etwas über 4 Kilogramm einfach zu schwer, diesen "Handy".
Bild 6: Mit etwas über 4 Kilogramm einfach zu schwer, diesen "Handy".
2.
totalmayhem 19.02.2013
Der Herr Kremp mal wieder... "Massenware", "nix neues". Das HTC is mit modernsten Komponenten ausgestattet und ob das Ding das Zeug zur "Massenware" hat, darf bei einem Preis von 700 Jojojs start [...]
Der Herr Kremp mal wieder... "Massenware", "nix neues". Das HTC is mit modernsten Komponenten ausgestattet und ob das Ding das Zeug zur "Massenware" hat, darf bei einem Preis von 700 Jojojs start bezweifelt werden Apple mag zwar einen Begriff fuer hochaufloesende Displays gepraegt haben, aber mit ihren schaebigen 326 PPI koennen die Jungs aus Cupertino gewiss nicht gegen das HTC One (469 PPI) anstinken.
3. Na da bin ich mal gespannt
witteh 19.02.2013
Wenn die Qualität die gleiche ist, wie bei meinem HTC Sensation XL, das innnerhalb eines Jahres 6 (in Worten sechs) mal defekt war, und der Service weiterhin von Arvator gemacht wird, sehe ich schwarz für das neue Smartphone. Aber [...]
Wenn die Qualität die gleiche ist, wie bei meinem HTC Sensation XL, das innnerhalb eines Jahres 6 (in Worten sechs) mal defekt war, und der Service weiterhin von Arvator gemacht wird, sehe ich schwarz für das neue Smartphone. Aber die Zeit wird es zeigen ob HTC auch Smartphones herstellen kann, die kein Schrott sind.
4. optional
HerrKeule 19.02.2013
Schön ist es. Keine Frage. Ähnelt ein wenig dem iPhone 5. Das HTC ist allerdings ein wenig schöner. Technisch bringt es aber nicht viel neues, aber doch interessante Punkte. Chip.de gibt noch ein paar weitere Informationan an.
Schön ist es. Keine Frage. Ähnelt ein wenig dem iPhone 5. Das HTC ist allerdings ein wenig schöner. Technisch bringt es aber nicht viel neues, aber doch interessante Punkte. Chip.de gibt noch ein paar weitere Informationan an.
5. retina display?
carlbenosi 19.02.2013
die pixel-dichte vom ach-so-tolle retina display ist übrigens viel geringer als hier. und der home bildschirm ist absolut eine innovation, wie jedes echte fachmagazin bestätigt, und ein segen für alle [...]
die pixel-dichte vom ach-so-tolle retina display ist übrigens viel geringer als hier. und der home bildschirm ist absolut eine innovation, wie jedes echte fachmagazin bestätigt, und ein segen für alle "jede-5-min-handy-aus-tasche-holer".

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