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Netzwelt

Computermesse in Hannover

Liebe Leserin, lieber Leser,

Montag, 11.06.2018   12:34 Uhr

nach mehreren Jahren Abstinenz kehre ich diese Woche zur Cebit zurück. Mit gemischten Gefühlen. Ich bin Cebit-Gänger der ersten Stunde. Schon als Schüler ließ ich keine Gelegenheit aus, das "Centrum für Büro- und Informationstechnik" zu besuchen, das damals noch als Teil der Hannover Messe in Halle 1 passte. Damals, vor mehr als 30 Jahren, bestaunte ich dort die Neuheiten von Commodore und fasste den Entschluss, doch lieber einen Atari zu kaufen.

Über Jahrzehnte war die Messe für mich ein Fixpunkt: Morgens mit dem frühen ICE hin, abends mit dem letzten Zug zurück nach Hamburg. Für Tech-Journalisten war das Pflichtprogramm. Bill Gates präsentierte in Hannover Windows 95, Intel seine Centrino-Technologie, Siemens UMTS-Handys.

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Windows - die Chronologie: Von Windows 1 bis Windows 10

Aber das ist lange her. Längst haben die CES (Consumer Electronics Show), der MWC (Mobile World Congress) und die IFA die Cebit als Neuheitenmessen verdrängt. Die Zuschauerzahlen in Hannover gingen stetig zurück. Versuche, die Massen, die einst die Zufahrtswege verstopften, mit Konzepten wie der Sub-Messe Cebit Home oder Gaming-Hallen zurückzugewinnen, scheiterten grandios.

Mit einem vollkommen umgekrempelten Gesamtkonzept und einem neuen Termin will die Cebit nun zu alter Größe finden. Vom März wurde sie in den Juni verlegt, CES und MWC sind da längst vergessen, die IFA noch Monate entfernt. Die eigentliche Messe, jetzt Expo genannt, wird von einem Konferenzprogramm und einem Festival samt Popkonzerten flankiert. So will man wieder ein jüngeres Publikum ansprechen.

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Messen-Historie: Kanzlerin looking at Cebit-things

Doch wenn ich meine Cebit-E-Mails durchforste, macht mich das nicht sehr optimistisch. Da wird ein "State of the Nation aus der Sicht des Maschinen- und Anlagenbaus" angeboten, eine "innovative Lösung mit Microsoft Azure Stack" angepriesen und zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema "Multi-Cloud und Hybrid-Cloud in der Praxis" eingeladen. Nicht ganz die Themen also, für die sich junge Leute interessieren.

Das Interesse scheint trotzdem groß, bei wem auch immer: Der Take-off-Montag, so nennt die Messegesellschaft den ersten Cebit-Tag, an dem es nur Konferenzprogramm gibt, ist ausgebucht. Dass aber viele jüngere Besucher kommen, die das 100 Euro teure Tagesticket selbst bezahlt haben, wage ich zu bezweifeln.

DPA

Messegelände mit Riesenrad von SAP

Junge Besucher dürfte wohl eher das Abendprogramm anziehen, das bei der Cebit - voll hip - Fireside heißt. Bei Ticketpreisen von jeweils 15 Euro werden die Auftritte von Mando Diao am Dienstag und Jan Delay am Mittwoch ihren Zweck als Publikumsmagneten erfüllen und damit vielleicht tatsächlich dafür sorgen, dass die Messegesellschaft am Ende höhere Besucherzahlen als im Vorjahr präsentieren kann. Ich bin jedenfalls gespannt und fühle mich auf der Fahrt nach Hannover fast so, als wäre es meine erste Cebit.


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E3: Sony und Co. zeigen ihre Spieleneuheiten

From Software

Eine E3-Neuheit: " Sekiro: Shadows Die Twice" von From Software

Neben der Cebit findet diese Woche noch eine große Techmesse statt, die E3 in Los Angeles. Sie ist die wichtigste Videospielmesse der Welt, Firmen wie Sony und Microsoft zeigen dort ihre Highlights. Wie in den Vorjahren ist mein Kollege Markus Böhm vor Ort, um für SPIEGEL ONLINE zu berichten. Einige besonders interessante E3-Neuheiten hat er gemeinsam mit unserem Autor Matthias Kreienbrink heute auch schon in einem Artikel vorgestellt.

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Spielehits 2018: Das sind die ersten E3-Highlights

Seltsame Digitalwelt: Kreative Captchas

eine Anekdote von Patrick Beuth

Captchas sind lästig. Aktiviere ich mein Virtual Private Network auf dem Smartphone, und das mache ich praktisch immer, glaubt Google sogleich, mit mir stimme etwas nicht. Bevor ich Suchergebnisse zu sehen bekomme, muss ich Bilder mit Straßenschildern markieren oder solche, auf denen Geschäfte zu sehen sind. Gern auch zweimal. Dass es - wenn jemand schon sichergehen muss, dass ich kein Roboter bin - auch unterhaltsamer geht, habe ich nun auf der Homepage des Peng-Kollektivs gesehen. Wer sich in eine Unterstützerliste der Aktionskünstler eintragen will, bekommt vier Logos zu sehen. Beispielsweise die von Monsanto, Brot für die Welt, Oxfam und Foodwatch - zusammen mit der Bitte, jene Organisation anzukreuzen, "die unsere Nahrung genetisch manipuliert". Oder auch die Logos von Privacy International, WikiLeaks, der Electronic Frontier Foundation (EFF) und Google - und dazu die Aufforderung, jene Organisation anzuklicken, "die den Datenschutz bedroht". Das ist plakativ und nicht wenig differenziert, aber allemal unterhaltsamer als unscharfe Fotos von Vorfahrtszeichen.

App der Woche: Google Lens
getestet von Tobias Kirchner

googlelens

Die App Google Lens macht die Smartphone-Kamera ein bisschen schlauer. Es wird nur ein Foto gebraucht, um Dinge zu identifizieren. Hilfreich ist das beispielsweise, wenn man wissen möchte, vor welchem Gebäude man steht oder welche Pflanze man vor sich hat. Die Erkennung funktioniert in den meisten Fällen ziemlich schnell. Die App verknüpft sich auch mit weiteren Anwendungen. So lassen sich beispielsweise Speisekarten in einer fremden Sprache direkt übersetzen, eine Websuche starten oder Texte ins Notizbuch einfügen.

Gratis von Google, ohne In-App-Käufe: Android


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine wunderbare Woche,

Ihr Matthias Kremp

insgesamt 1 Beitrag
volkeru 16.06.2018
1. Düsteres Fazit
Ich habe mit dem Autor dieses Artikels einige Gemeinsamkeiten. Auch ich bin Besucher der ersten Stunde und seitdem eigentlich fast jedes Jahr dort gewesen. So auch dieses Jahr. In den ersten 5 Jahren um 1990 herum auch als [...]
Ich habe mit dem Autor dieses Artikels einige Gemeinsamkeiten. Auch ich bin Besucher der ersten Stunde und seitdem eigentlich fast jedes Jahr dort gewesen. So auch dieses Jahr. In den ersten 5 Jahren um 1990 herum auch als Aussteller und Standverantwortlicher. Der Niedergang der CeBIT war leider zwangsläufig. Ungenannt bleibt in dem Artikel leider, dass dieses Jahr nicht die erste 180° Kehrtwende der CeBIT stattfand. Vor rund 5 Jahren hieß das Konzept des meines Erachtens völlig deplatzieren, neuen Vorstands plötzlich "100% Business" und man wollte das private und junge Publikum so schnell wie möglich komplett loswerden. Ein kapitaler Fehler, der schon damals bei mir die Vorhersage provozierte, dass das Ende der CeBIT nahe ist. Nun war es im letzten Jahr mit 200.000 Besuchern also gekommen, dieses Ende. Danach vollzieht man jetzt eine erneute 180 Grad Kehrtwende und möchte das Publikum, das man vor 5 Jahren noch verachtete und rausgeworfen hat, wieder zurückgewinnen. Das Ergebnis: Ein neuer Negativrekord mit diesmal nur noch 120.000 Besuchern. Welcher junge Mensch kann sich denn auch ein Ticket für 100 Euro leisten??? Hinzu kommt, dass die Veranstaltung mitten in der Woche stattfindet und nicht über das Wochenende. Auch das macht sie für junge Menschen und das Privatpublikum uninteressant. Die einzige Frage, die nun noch bleibt: War dies das endgültige Ende der CeBIT oder wird man bei der Messe AG noch einige Jahre weiter versuchen, das vertrocknete Pflänzchen wieder aufzupeppeln? Nur am Rande: Die diesjährige CeBIT war für mich die abwechslungsreichste und interessante seit vielen Jahren. Der Besuch lohnte sich wirklich. Doch eventuell ist es für eine Kehrtwende nun leider schon zu spät. Gruß, Volker
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