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Netzwelt

TV-Neuheiten auf der CES

Dieser Fernseher rollt sich auf

Fernseher zählen zu den großen Themen der Tech-Messe CES. Dieses Jahr aber halten sich die TV-Hersteller sehr zurück. Nur eine Firma prescht voran - und lässt ihre Neuheit in einem Kasten verschwinden.

AFP

Aufrollbarer LG-Fernseher

Aus Las Vegas berichtet
Dienstag, 08.01.2019   12:34 Uhr

Mit gutem Timing hatte Samsung der Konkurrenz die Parade versaut. Am Sonntag, einen Tag bevor die anderen - und auch Samsung selbst - überhaupt mit ihren Pressekonferenzen starteten, verschickte der koreanische Konzern eine Pressemitteilung, die enorme Aufmerksamkeit bekam: Ab 2019 werden Samsung-Smart-TVs mit einer App bestückt, über die man direkten Zugriff auf seine Apple-iTunes-Bibliothek hat. Das ist neu, so etwas gab es bisher in keinem Fernseher.

Am eigentlichen Pressetag jedoch hatte ganz klar LG den aufregenderen Auftritt. Samsungs Erzkonkurrent zeigte einen Fernseher, der sich aufrollt, wenn man ihn nicht benutzt. Auf LGs Pressekonferenz war das dem Publikum einen Szenenapplaus wert. Bei genauerer Betrachtung in einer von LG extra dafür angemieteten Hotelsuite konnten wir den Fernseher mit der Modellnummer 65R9 schon genauer anschauen.

Wobei man das TV beim ersten Blick darauf gar nicht sieht. Zunächst steht nur eine große rechteckige Box im Raum. Erst nach einem Druck auf die Fernbedienung wird an der Oberseite eine Klappe zur Seite geschoben, woraufhin sich langsam der Fernseher erhebt. Das erinnert an eine elektrisch betriebene Leinwand - was sich da auseinanderrollt, ist aber ein richtiger Fernseher.

Ein Schwergewicht

Seine Rückseite sieht ein bisschen aus wie ein Lattenrollo. Vorne hingegen liefert der Rollfernseher ein Bild, wie man es von einem guten OLED-Fernseher erwarten würde, mit kräftigen Kontrasten und Farben sowie tiefdunklem Schwarz. Der Sound, den er dabei erzeugt, ist allerdings viel kräftiger als üblich, denn neben der Rollmechanik steckt in dem rechteckigen Kasten, aus dem sich der Fernseher entrollt, eine Soundbar mit 100 Watt Leistung.

Diese Konstruktion dürfte ihren Anteil daran haben, dass das Gerät laut einem LG-Manager rund 100 Kilogramm auf die Waage bringt. Einmal platziert, wird man es nicht mehr bewegen wollen.

Interessant ist noch ein Modus, in dem man den Bildschirm nur zu etwa zwei Dritteln wieder aufrollt. Das verbliebene Drittel enthält dann ein Menü, in dem man beispielsweise eine Uhr einblenden, Hintergrundbilder anzeigen oder die Musik steuern kann.

Mit weiteren technischen Details hält sich LG allerdings noch zurück. Im zweiten Halbjahr 2019 soll das aufrollbare 65-Zoll-Modell in den Handel kommen: Der September, wenn in Berlin die IFA stattfindet, könnte ein passender Zeitpunkt sein. Was das Gerät kosten wird, ist noch nicht beschlossen. Sicher scheint bislang nur, dass es nicht billig wird. Eine fünfstellige Summe dürfte realistisch sein.

Samsung blickt weit in die Zukunft

Statt auf solche recht zeitnah erscheinende Produkte fokussierte sich Samsung bei seiner Präsentation neuer TVs auf Zukunftsprojekte. Vergangenes Jahr hatte der Konzern den 146 Zoll großen "The Wall" gezeigt, einen Riesenfernseher, dessen Bildschirm aus quadratischen Kachelmodulen aufgebaut ist. In diesem Jahr wurde eine neue Version davon präsentiert, die mit 219 Zoll, also gut fünfeinhalb Metern Bilddiagonale noch einmal deutlich größer ist.

Samsungs Highlight war allerdings eine Mini-Version des "The Wall", die mit 75 Zoll eher in ein normales Wohnzimmer passt. Für Samsung ist das ein Schritt nach vorn. Auf den Kacheln des "The Wall" waren die Bildpunkte nicht fein genug, jedenfalls nicht für solche vergleichsweise kleinen Bildschirmgrößen. Für das kleinere Modell hat man die Technik nun so verfeinert, dass auf 75 Zoll eine 4K-Auflösung möglich ist. Samsung nennt diese Technik Micro-LED.

Gezeigt wurden auch einige ganz andere Bildschirme, die aus den Kacheln des 75-Zoll-Modells zusammengesetzt worden waren: Manche davon waren sehr breit, andere hochkant und sehr lang. Die Exponate sollten zeigen, wie man sich in Zukunft seinen Wunschfernseher aus Kacheln so zusammenstecken kann, wie man ihn eben haben will - unabhängig von genormten Formaten. Reizvoll ist dabei auch die Möglichkeit, einen Fernseher einfach zu vergrößern, indem man ein paar Kacheln hinzukauft.

AP

Samsung-TV mit knapp 2,5 Meter großem Bildschirm

Wie schon 2018 blieb Samsung aber klare Aussagen dazu schuldig, wann und zu welchen Preisen man seinen Fernseher auf diese Weise wird selbst basteln können. Das konkreteste Produkt auf der Bühne war deshalb ein neuer 8K-Fernseher mit knapp 2,5 Meter Bildschirmdiagonale. Solche Produkte brauche man jetzt, erklärte ein Samsung-Manager. Schließlich habe Samsung vergangenes Jahr doppelt so viele TVs im Format 75 Zoll und größer verkauft wie 2017. Ein Preis wurde aber auch für dieses Gerät nicht genannt.

Sony zeigt nichts

Noch zurückhaltender als Samsung war Sony. Die Pressekonferenz des japanischen Konzerns drehte sich primär um Sonys Filmsparte und dort um einen neuen Teil der "Spider-Man"-Filmreihe. Ausführlich wurden noch verschiedene Profi-Filmkameras abgehandelt. Ebenso wurde der Verkaufserfolg der Playstation 4 betont und das florierende Musikbusiness gelobt. Als Stargast kam Pharrell Williams auf die Bühne.

AP

Sony-Präsident Kenichiro Yoshida ( links) mit Pharrell Williams und Rob Stringer von Sony Music Entertainment

Neue Produkte hingegen gab es nur unabsichtlich zu sehen. Während eines Vortrags über Animationsfilme wurden kurz zwei neue TV-Modelle auf dem Großbildschirm gezeigt. Doch weder ging die Rednerin auf die Geräte ein, noch wurden deren Bezeichnungen oder gar technische Details genannt.

Immerhin, per Pressemitteilung klärte Sony auf, dass es sich dabei um zwei neue Geräte der Masters-Serie handelte, die mit 8K-Auflösung und einem neuen Prozessor "das letzte bisschen Bildqualität aus Stream, Blu-ray oder dem TV-Programm" herauskitzeln sollen. Dem allgemeinen Trend folgend, sind auch diese Geräte sehr groß, sie haben 85 beziehungsweise 98 Zoll Bilddiagonale. Preise nannte auch Sony nicht.

insgesamt 14 Beiträge
m82arcel 08.01.2019
1.
Nachdem mein "alter" FullHD Fernseher kürzlich kaputt gegangen ist und sich eine Reparatur nicht mehr lohnte, habe ich mir gerade einen 4k HDR Fernseher gekauft. Ich muss sagen, selbst bei entsprechenden Inhalten (4k [...]
Nachdem mein "alter" FullHD Fernseher kürzlich kaputt gegangen ist und sich eine Reparatur nicht mehr lohnte, habe ich mir gerade einen 4k HDR Fernseher gekauft. Ich muss sagen, selbst bei entsprechenden Inhalten (4k BluRay mit HDR10+ Unterstützung), ist der Unterschied nicht so groß, dass sich allein deshalb eine Neuanschaffung gelohnt hätte. Lineares Fernsehen ist von 4k ohnehin so weit entfernt, wie ich von einem Ausflug zum Mond. Ich sehe für die Masse der Haushalte daher auch mittelfristig keinen Grund, sich einen 8k Fernseher anzuschaffen. Zwar wird das künftig in den Markt gedrückt werden, indem es Anderes nicht mehr zu kaufen gibt, aber ich persönlich denke, die meisten Leute werden ihre Geräte vorerst nutzen, bis sie kaputt sind. Die aktuellen Neuerungen sind einfach nicht so ein großer Sprung wie damals der Wechsel von der Röhre zum Flachbild. Und auch bei der Größe gibt es für die meisten Leute Grenzen: 75 Zoll passen halt einfach nicht in die Wohnwand. Den Ansatz von LG finde ich ganz spannend, dürfte aber auf Jahre zu teuer sein und bietet noch mehr mögliche Sachen, die kaputt gehen können (Fernseher funktioniert, aber lässt sich nicht ausfahren, etc.). Na ja, ich habe hoffentlich erstmal wieder ein paar Jahre Zeit, bis ich einen neuen brauche.
dergenervte 08.01.2019
2. 4k 8k
4K und 8K lohnt sich erst ab einer entsprechender Bildschirmgröße. Aber dafür braucht man auch eine entsprechend große Wohnung. Wo soll man den einen Fernseher mit 2,5 Metern Bildschirmdiagonale unterbringen. Auch sind die [...]
4K und 8K lohnt sich erst ab einer entsprechender Bildschirmgröße. Aber dafür braucht man auch eine entsprechend große Wohnung. Wo soll man den einen Fernseher mit 2,5 Metern Bildschirmdiagonale unterbringen. Auch sind die Unterschiede oft nur im direktem Vergleich zu sehen. Dann muss man auch wissen, dass bei OLED Displays es zum einbrennen des Senderlogos kommen kann. Dann hat man einen teuren Fernseher mit einem Fleck im Display.
hman2 08.01.2019
3. Die spannende Frage ist doch eine ganz andere!
Wie lange mal die Lebenserwartung eins aufgrollten OLED-Fernseher schon sein? Schon nicht aufrollende OLED-Fernseher haben ja ein massives Verschleißproblem, das die Hersteller mühsam damit kaschieren, dass die Fernseher die [...]
Wie lange mal die Lebenserwartung eins aufgrollten OLED-Fernseher schon sein? Schon nicht aufrollende OLED-Fernseher haben ja ein massives Verschleißproblem, das die Hersteller mühsam damit kaschieren, dass die Fernseher die weniger stark abgenutzten Subpixel in der Nach künstlich nachaltern, damit die Matrix wenigstens halbwegs gleichmäßig verschleißt. Dazu muss man einen OLED-TV aber zwingend 24x7 mit Strom alimentieren, sonst brennen sich statische Bildinhalte schnell ein... Das ist nicht mehr nur "Betabanane" (Produkt reift beim Anwender), das ist Alphamurks.
hman2 08.01.2019
4.
Eine 8K-Matrix lohnt sich ohne 8K-Content überhaupt nicht. EIne 4K-Matrix brachte gegenüber einer mit 2K noch den Vorteil, dass hochskaliertes 720p-Material mit geradzahligen Vielfachen darstellbar war, also gleichmäßiger. [...]
Zitat von dergenervte4K und 8K lohnt sich erst ab einer entsprechender Bildschirmgröße. Aber dafür braucht man auch eine entsprechend große Wohnung. Wo soll man den einen Fernseher mit 2,5 Metern Bildschirmdiagonale unterbringen. Auch sind die Unterschiede oft nur im direktem Vergleich zu sehen. Dann muss man auch wissen, dass bei OLED Displays es zum einbrennen des Senderlogos kommen kann. Dann hat man einen teuren Fernseher mit einem Fleck im Display.
Eine 8K-Matrix lohnt sich ohne 8K-Content überhaupt nicht. EIne 4K-Matrix brachte gegenüber einer mit 2K noch den Vorteil, dass hochskaliertes 720p-Material mit geradzahligen Vielfachen darstellbar war, also gleichmäßiger. 8K bietet keinen solchen Vorteil. Wer also nicht den ganzen Tag lang eigene (!) Digitalfotos anschaut, hat nichts zum Anschauen. Und bei aktuellen Panasonic-4K-TV ist das eine Qual, da sie trotz USB 3 bis zum 4 Sekunden brauchen um ein einzelnes Bild zu laden...
xzorgx 08.01.2019
5. 4k
Bin seit 2 Monaten Besitzer eines 4K-TV und muss sagen, dass ich ihn auf keinen Fall mehr missen möchte. Es nicht die Auflösung die m. E. den Unterschied macht, sondern der mit HDR verbundene bessere Kontrast. Gerade bei dunklen [...]
Bin seit 2 Monaten Besitzer eines 4K-TV und muss sagen, dass ich ihn auf keinen Fall mehr missen möchte. Es nicht die Auflösung die m. E. den Unterschied macht, sondern der mit HDR verbundene bessere Kontrast. Gerade bei dunklen Szene sieht man sofort den Unterschied. Da aber das Angebot an Filmen usw. leider noch sehr dürftig ist, hätte ich mir jetzt noch keinen 4K-TV geholt, wenn nicht der alte HD-TV den Geist aufgegeben hätte.

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