Schrift:
Ansicht Home:
Netzwelt

DJI Osmo Pocket im Test

Nie mehr verwackelte Videos

Videos drehen, als ob die Kamera durch den Raum schwebt: Das verspricht der neue, winzige DJI Osmo Pocket. Wir haben ihn getestet.

SPIEGEL ONLINE
Von
Montag, 10.12.2018   14:29 Uhr

Vor drei Jahren habe ich den ersten sogenannten Gimbal von DJI getestet. Der chinesische Drohnenhersteller hatte damals die für seine Fluggeräte entwickelte Technik zur Bildstabilisierung zu einem eigenständigen Produkt umgebaut, den Osmo. Der ist im Grunde eine an drei Achsen beweglich aufgehängte Kamera samt Handgriff und Joystick, über den sich die motorisierte Mechanik steuern, die Kamera fernlenken lässt.

Die aufwendige Mechanik dient dazu, Bewegungen des Filmenden auszugleichen, sodass die Videobilder vollkommen ruhig und frei von Verwackelungen aussehen. Mein Fazit damals: Super-Kamera, prima Videoqualität - mit 749 Euro aber leider sehr teuer und außerdem schwer und sperrig.

Mit dem neuen Modell, dem Osmo Pocket, will DJI die Kritikpunkte von damals nun entkräftet haben. Zumindest was die Größe angeht, ist das auf den ersten Blick gelungen. Der Osmo Pocket ist deutlich kleiner als der Ur-Osmo von 2015 - und auch als viele Konkurrenzprodukte.

Zum Vergleich habe ich ihn neben einen Gimbal gelegt, wie ich ihn gelegentlich verwende, um Videos für SPIEGEL ONLINE zu drehen. Der Unterschied ist frappierend: Der Osmo Pocket ist kleiner als der Griff meines Standard-Gimbals.

SPIEGEL ONLINE

Osmo Pocket (M.) im Größenvergleich mit einem Standard-Gimbal und dem iPhone Xr

Funktioniert auch ohne Smartphone

Von seinem Vorgänger unterscheidet den Osmo Pocket noch mehr: So ist er etwa autark und funktioniert auch ohne Smartphone. Dazu braucht man freilich feine Fingerchen. Denn die Steuerung erfolgt im Stand-alone-Modus über ein daumennagelgroßes Display. Ansonsten gibt es nur eine Aufnahmetaste und eine Multifunktionstaste, die auch zum Ein- und Ausschalten dient.

So kann man mit dem Pocket zwar auch ohne Smartphone filmen und fotografieren, viele seiner Möglichkeiten liegen dann aber brach. Für den vollen Funktionsumfang braucht man ein Smartphone samt DJI-App. Das kann ein iPhone oder ein Android-Handy sein. Letztere Geräte sollten aber mit einer USB-C-Buchse ausgerüstet sein. DJI liefert nämlich nur zwei Stecker mit, einen für iPhones und einen USB-C-Stecker. Wer noch ein Handy mit einer alten Micro-USB-Buchse hat, muss darauf hoffen, dass DJI in Zukunft einen dazu passenden Adapter anbietet.

So oder so: Der kleine Stecker ist die einzige Verbindung zwischen dem Smartphone und dem Osmo Pocket. Sonderlich stabil ist das nicht, das Smartphone wird immer etwas wackelig angeflanscht. Beim Filmen sollte man deshalb beide Geräte festhalten, was schade ist, weil dadurch die Bedienung der App erschwert wird.

Dabei bietet die App reichlich Funktionen. Zum Beispiel einen Panorama-Modus, in dem die Kamera sich automatisch so dreht, dass sie vier Fotos in verschiedenen Richtungen knipsen und daraus eine 180-Grad Aufnahme erstellen kann. Natürlich kann man aber auch gewöhnliche Fotos und Videos machen, wobei man die Kamera über einen virtuellen Joystick auf dem Bildschirm steuert.

Fotostrecke

Dji Osmo im Test: Diese Kamera bleibt immer ruhig

Der sogenannte Story-Modus, in dem der Osmo Pocket mehrere Filmschnipsel automatisch zu einem Clip zusammenschneidet, mit Übergängen verziert und mit Musik unterlegt, gefällt mir nicht. Die Ergebnisse wirken statisch, die Musik - die man nicht beeinflussen kann - klingt nach Industrie-Werbefilm.

Cool sind dagegen die Zeitrafferfunktionen, die sich sehr fein einstellen lassen. Bemerkenswert ist vor allem die Möglichkeit, eine animierte Videosequenz aufzuzeichnen, bei der die Kamera beispielsweise innerhalb einer Stunde einer vorgegeben Bewegungslinie folgt. Solche Zeitrafferaufnahmen sind mit normalen Kameras und Smartphones nicht möglich. Praktisch ist auch die Option, ein Objekt auf dem Bildschirm markieren zu können, dem die Kamera dann automatisch folgt, so wie im folgenden Beispielvideo dem Tannenbaum:

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die Bildqualität ist dabei meist gut bis sehr gut und auch die Bildstabilisierung arbeitet in der Regel gut, wenngleich sie, etwa beim Gehen, nicht jeden Schritt vollkommen sauber ausgleicht. Die Videoauflösung kann man zwischen Full HD und 4K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde einstellen, Fotos werden mit 12 Megapixeln aufgenommen. Bei wenig Licht sind die Ergebnisse leider nicht überzeugend, zum Fotografieren würde ich ohnehin eher ein Smartphone verwenden. Die Akkulaufzeit lag im Test bei 1,5 bis 2 Stunden.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Sehr klein

Gute Kamera

Bewegte Zeitrafferaufnahmen

Auch ohne Smartphone nutzbar

Wenig stabile Verbindung mit dem Handy

Kein Stativgewinde

Viel zu meckern gibt es beim Osmo Pocket nicht. Die mechanische Verbindung mit dem Smartphone könnte gern etwas stabiler sein, aber ansonsten ist der kleine Gimbal zum Beispiel sehr gut für den Urlaub geeignet. Ihn bekommt man nicht nur leichter in die Jackentasche als seinen Vorgänger, er passt mit seinem Listenpreis von 359 Euro auch viel besser zum Portemonnaie.

Was jetzt noch fehlt, ist ein Mini-Joystick zum Steuern der Kamera ohne Handy und ein Gewinde, mit dem sich der Gimbal auf ein Stativ schrauben lässt.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.
insgesamt 2 Beiträge
3daniel 10.12.2018
1. Täusch ich mich, oder werden hier Äpfel mit Birnen verglichen?
Der normale DIJ Gimbal stabilisiert das Smartphone und nimmt mit dem Smartphone auf und hier ist die Kamera integriert (so gut sie eben ist) und da Smartphone ist nur für die Wiedergabe da. Das sind meiner Meinung nach, zwei [...]
Der normale DIJ Gimbal stabilisiert das Smartphone und nimmt mit dem Smartphone auf und hier ist die Kamera integriert (so gut sie eben ist) und da Smartphone ist nur für die Wiedergabe da. Das sind meiner Meinung nach, zwei völlig unterschiedliche Anwendungsfälle. Ich nehme doch kein Oberklasse Smartphone und nehme dann mit der Gimbal Kamera auf. Moondog Lenses gibt es auch nicht dafür.
Knossos 10.12.2018
2.
Auch, wenn 3daniels Einwand Sinn macht, beeindruckt mich die moderne Technik grundsätzlich sehr. -Und auch deren wertige Ausführung. Von ihm geforderte Variante, könnte mich grundsätzlich auch interessieren. Persönlich [...]
Auch, wenn 3daniels Einwand Sinn macht, beeindruckt mich die moderne Technik grundsätzlich sehr. -Und auch deren wertige Ausführung. Von ihm geforderte Variante, könnte mich grundsätzlich auch interessieren. Persönlich warte ich auf einen guten Gimbal für Vollformat mit Tele, den man sich um den Hals hängt (mit allenfalls solidem Brustriemen). Länger schon existieren tolle körpermontierte Stabilisatoren für schwerere Knipsen, doch die sind etwas zu auslegend und besser zur Videoanwendung geeignet / weniger für Photographen.

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP