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Netzwelt

Google Pixel 3 XL im Test

Gut fürs Ego

Tolle Selfies macht Googles Pixel 3 XL ja. Kleinigkeiten verhindern aber, dass es zum Smartphone-Highlight des Jahres wird.

SPIEGEL ONLINE
Von
Montag, 15.10.2018   18:18 Uhr

In den Handel kommt es zwar erst am 2. November, aber Google hat mir schon jetzt das Pixel 3 XL zum Testen zur Verfügung gestellt.

Um es vorweg zu sagen: Ich hatte noch nicht ansatzweise genug Zeit, alle Funktionen und Optionen auszuprobieren, daher habe ich mich auf die wichtigsten konzentriert.

Das Design

Es gibt schönere Smartphones als dieses. Nichts am Pixel 3 XL sieht spannend aus, die Farbe "Not Pink" finde ich sogar ziemlich grässlich. Nicht Fisch, nicht Fleisch, aber irgendwas dazwischen. Alternativ gibt es das Gerät noch in Schwarz und Weiß - wie originell. Die Rückseite fühlt sich vergleichsweise unangenehm an, aber das mag Geschmackssache sein. Und die Notch - die Aussparung für die Frontkameras - ist geradezu comichaft groß. Warum auch immer, eine überzeugende Erklärung hat Google jedenfalls nicht.

Der Bildschirm

Am Vorgänger Pixel 2 hat mich eigentlich nur eines wirklich gestört: Die Qualität des Bildschirms - und ich war nicht der Einzige, dem das so ging. Mein Testgerät hatte einen heftigen Blaustich, der zur Folge hatte, dass weiße Flächen geradezu schmutzig wirkten.

Das OLED des nun von mir getesteten Pixel 3 XL hat zwar auch einen Blaustich, aber der ist akzeptabel und nur zu erkennen, wenn man einen großflächigen weißen Hintergrund einer App oder Website betrachtet. Trotzdem sieht das auf einem iPhone Xs sauberer aus, wenn man auf beiden Geräten die automatische Anpassung an das Umgebungslicht deaktiviert - und angenehmer, wenn man sie anschaltet.

Bei der Darstellung hochauflösender Fotos und Videos aber lässt Googles neues Smartphone keine Wünsche offen. Die Farben sind kräftig, aber nicht zu knallig. Die Kontraste sind scharf, und was schwarz ist, sieht auch schwarz aus. Für einen Film zum Beispiel im Flugzeug wäre das Pixel also eine Alternative zum Bordentertainment-System: kleiner, aber qualitativ so viel besser, dass es trotzdem mehr Spaß macht.

Der Akku

Google legt dem Pixel 3 ein Schnellladegerät bei, mit dem mein Testmodell innerhalb von gut eineinhalb Stunden von vier Prozent Restladung auf 100 Prozent kommt.

Wie lange der Akku durchhält, bis er aufgeladen werden muss, hängt natürlich von der individuellen Nutzung ab. Zudem sorgt Googles Software dafür, dass zuerst die jeweils wichtigsten Apps mit Strom versorgt werden. Nach drei Tagen Testbetrieb kann ich deshalb noch nichts Abschließendes über den Akku sagen. Um zumindest eine grobe Einordnung geben zu können, habe ich das vollständig geladene Pixel 3 XL bei maximaler Displayhelligkeit ein 4K-Video wiedergeben lassen. Nach acht Stunden stand die Akku-Anzeige bei vier Prozent. Das ist ein schlechterer Wert, als ich ihn vor einem Jahr mit dem Pixel 2 XL erreicht habe, allerdings war das auch ein anderes Testvideo.

Die Kameras

Nach jeweils rund 50 Aufnahmen, die ich mit dem Pixel und einem iPhone Xs gemacht habe, komme ich zu folgendem Ergebnis: Selfies mit dem Pixel sind eine Wucht. In Sachen Ausleuchtung, Schärfe und Kontrast schlägt Googles Frontkamera die des iPhone Xs klar. Ich bin sogar ein Freund der automatischen und standardmäßig aktivierten Gesichtsretusche. Erstens bin ich jetzt in dem Alter und zweitens wirkt das Ergebnis erstaunlich natürlich.

Die Hauptkamera hinterlässt bei mir hingegen einen zwiespältigen Eindruck. Manchmal macht sie bei wenig Licht klar bessere Fotos als das iPhone Xs - manchmal aber auch nicht. Porträts und Nahaufnahmen sind mir besser gelungen als mit Apples brandneuem Smartphone, Panoramen weniger gut.

Im Sonnenschein lässt die Kamera des Pixel 3 XL die Welt in kräftigen Farben leuchten. Wer es näher an der Realität mag, wird mit dem iPhone glücklicher. Andere Tester mögen unter professionelleren Bedingungen zu anderen Ergebnissen kommen, ich jedenfalls finde die Hauptkamera des Pixel 3 XL zwar sehr gut, jedoch nicht überragend. Wer gern Menschen einschließlich sich selbst fotografiert, findet im Pixel 3 aber sicherlich eines der eindrucksvollsten Kamerasysteme, das es in Smartphones gibt.

Noch nicht ausprobieren konnte ich den Modus "Nachtsicht", der aus Fotos in sehr dunkler Umgebung noch mehr als brauchbare Bilder machen soll, ganz ohne Blitz. Google wird die Funktion nämlich erst noch per Softwareupdate verteilen, auch auf Pixel-Smartphones der ersten und zweiten Generation. Und auch sonst habe ich noch nicht alle Softwaretricks angewendet, die Google zu bieten hat.

Fazit

Es ist immer müßig, die besten Android-Smartphones mit dem aktuellen iPhone zu vergleichen. Die Entscheidung der Käufer hängt stark von der Markentreue und der Vorliebe für ein Betriebssystem sowie für das jeweils umgebende Ökosystem aus Hardware, Software und Diensten ab. Deshalb sei an dieser Stelle nur gesagt, dass Google für sein Smartphone einige Hundert Euro weniger verlangt als Apple für sein bestes Stück.

849 Euro kostet das Pixel 3 mit 64 Gigabyte Speicher, 949 Euro mit 128 Gigabyte. Das größere XL kostet mit derselben Speicherbestückung 949 beziehungsweise 1049 Euro. Da fängt Apple mit dem iPhone Xs noch nicht einmal an. Andererseits ist Samsungs ebenfalls sehr gutes Galaxy S9, das bei der Markteinführung so teuer war wie das Pixel 3 jetzt, mittlerweile für unter 550 Euro zu haben, das größere S9+ für weniger als 650 Euro. Und schon am morgigen Dienstag stellt Huawei mit dem Mate 20 einen weiteren direkten Konkurrenten vor.

Fotostrecke

Google-Betriebssystem: Das ist Android 9 Pie

Gegenüber anderen Android-Herstellern wie eben Huawei haben die Pixel-Modelle den Vorteil, dass sie immer als Erste mit allen Betriebssystem- und Sicherheitsupdates versorgt werden. Puristen dürften zudem das unveränderte Android 9 alias Pie mögen, das ohne den Schnickschnack mancher Konkurrenten auskommt. Aber das reicht nicht, um das Pixel 3 zum eindeutig besten Android-Smartphone des Jahres zu machen.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
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insgesamt 19 Beiträge
furanku 15.10.2018
1. Lasst die Mobiltelfontests doch bitte gleich ganz
Auch in diesem Test geht es doch mittlerweile eher nur noch um "gefühlte Unterschiede", diese Produktklasse ist ausentwickelt und die Unterschiede marginal. Auch preislich hat sich Google Apple angenähert, die alte [...]
Auch in diesem Test geht es doch mittlerweile eher nur noch um "gefühlte Unterschiede", diese Produktklasse ist ausentwickelt und die Unterschiede marginal. Auch preislich hat sich Google Apple angenähert, die alte Nexus-Reihe konnten wenigstens noch mit gutem Preis-Leistungsverhältnis auffallen. Apple fällt auch nichts mehr ein und Samsung war noch nie wirklich innovativ, ist dafür ein bisschen billiger. Das ist die Lage seit längerem und Änderung ist nicht in Sicht.
schnittkerandre 15.10.2018
2. warum immer Äpfel mit Birnen
vergleichen? Warum gibt es keinen Vergleich mit dem S9 von Samsung? DAS wäre mal ein sinnvoller Test.
vergleichen? Warum gibt es keinen Vergleich mit dem S9 von Samsung? DAS wäre mal ein sinnvoller Test.
heikenpeiken 15.10.2018
3. Was für ein Nonsenstest
Lese ich richtig, der Verfasser und des Texte und zeitgleich Tester des Pixels nennt diesen Artikel allen Ernstes einen Test? Es beschreibt die Optik, das Display und die Kamera. Wow. Was ein Schwachsinn. Mittlerweile sind die [...]
Lese ich richtig, der Verfasser und des Texte und zeitgleich Tester des Pixels nennt diesen Artikel allen Ernstes einen Test? Es beschreibt die Optik, das Display und die Kamera. Wow. Was ein Schwachsinn. Mittlerweile sind die Hauptpunkte doch vielmehr der Umfang der Software, die Funktionalität sowie die Assistenzsysteme (Google Assistant, Siri, Bixby) und deren Fähigkeiten sowie die ordentliche Vernetzung diverser Dienste. Meine Güte, was ein Schmarrn.
furzgurk 15.10.2018
4.
Schade das man sich nicht die Zeit nimmt, die Sachen ausführlich zu testen. Die Kamera haut ihn nicht um, ist aber eines der eindrucksvollen Kamerasysteme bei Smartphones am Markt... Ja was denn nun? Oder ein Alltags test wäre [...]
Schade das man sich nicht die Zeit nimmt, die Sachen ausführlich zu testen. Die Kamera haut ihn nicht um, ist aber eines der eindrucksvollen Kamerasysteme bei Smartphones am Markt... Ja was denn nun? Oder ein Alltags test wäre was gewesen. Das war nix und gibt mir überhaupt keinen Eindruck...
Vogel VT 15.10.2018
5. Voll geil!
Jetzt gibt es also IT Expertisen von Absolventen der Sporthochschule. Das erklärt vielleicht auch das restliche journalistische Niveau beim Spiegel. Das ist natürlich nicht als Kritik gemeint. Nicht mal andeutungsweise.
Jetzt gibt es also IT Expertisen von Absolventen der Sporthochschule. Das erklärt vielleicht auch das restliche journalistische Niveau beim Spiegel. Das ist natürlich nicht als Kritik gemeint. Nicht mal andeutungsweise.

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