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Netzwelt

Handy-Unfälle mit Wasser und Sand

"Bloß nicht pusten!"

Nicht jedes Smartphone kommt unbeschadet aus dem Sommerurlaub zurück. Im Interview gibt ein Reparatur-Profi Tipps, wie sich manches Malheur vermeiden lässt.

Getty Images

Smartphone am Meer

Ein Interview von
Dienstag, 07.08.2018   12:02 Uhr

Zur Person

SPIEGEL ONLINE: Herr Beer, Sie reparieren kaputte iPhones. Hat das Geschäft gerade Sommerpause?

Beer: Im Gegenteil. Wir haben im Sommer immer viel mehr zu tun als sonst. Im Schnitt verzeichnen wir im Sommer 40 Prozent mehr Schäden als im restlichen Jahr.

SPIEGEL ONLINE: Woran liegt das?

Beer: Wir vermuten, dass die Leute im Urlaub und im Sommer andere Kleidung tragen und das Handy verstauen, wo sie es normalerweise nie verstauen würden. Sonst steckt es vielleicht immer sicher in der Jackentasche, und dann hat man plötzlich kurze Hosen an und beim Hinsetzen fällt es aus der Tasche. Das meiste sind Sturzschäden, aber im Urlaub fallen den Leuten ihre Telefone auch öfter mal in den Sand oder ins Wasser.

SPIEGEL ONLINE: Was tun, wenn es am Strand aus der Tasche gefallen ist und alle Buchsen und Öffnungen sind voller Sandkörner?

Beer: Bloß nicht pusten! Damit drückt man die Körner oft tiefer rein und sorgt womöglich für Feuchtigkeit. Das macht alles schlimmer. Lieber Zuhause mit einem Staubsauger auf halber Kraft ein bisschen absaugen. Am besten funktioniert ein weicher Pinsel, um Staub und Sand aus den Buchsen oder dem Mikrofon zu holen. Sowas benutzen wir in der Werkstatt auch. Manchmal hilft auch ein Zahnstocher.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn es ins Wasser fällt, ist sowieso alles aus?

Beer: Kommt drauf an. Einem Kunden ist sein iPhone sechs Mal in Griechenland ins Meer gefallen. Salzwasser ist besonders schlimm, weil es beim Trocknen schneller zu einer Korrosion führen kann. Dann hat er von einem Händler vor Ort den Tipp bekommen, er solle das Handy doch zwei Tage in Alkohol einlegen - so etwas würde ich übrigens niemals raten. Er hat das aber gemacht und das Gerät anschließend trocknen lassen. Nach dem Urlaub hat er es zu uns gebracht. Ich dachte, das wird auf keinen Fall mehr was.

SPIEGEL ONLINE: Wie ging die Sache aus?

Beer: Ich wurde nach 20 Jahren Berufserfahrung wirklich überrascht: Wir haben das Gerät aufgemacht, und ein bisschen Flüssigkeit war sogar noch drin. Aber weil der Alkohol die Mineralien gelöst hatte und so eine Korrosion verhindert wurde, konnten wir die Daten tatsächlich noch retten. Der Kunde war überglücklich, weil alle Fotos noch da waren. Das Telefon hatte allerdings natürlich Totalschaden.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Tipp haben Sie, um so etwas zu vermeiden?

Beer: Am besten denkt man rechtzeitig daran, das Gerät zu sichern - also zum Beispiel in einen Plastikbeutel zu stecken, bevor man auf ein Boot steigt. Noch wichtiger ist es, regelmäßig ein Backup von den Daten vom Telefon zu machen. Am Ende sind die Daten oft von größerem Wert als das Gerät.

SPIEGEL ONLINE: Kann man an einem modernen Smartphone wie dem iPhone überhaupt noch irgendetwas selbst reparieren?

Beer: Kaum. Heute bekommt man die Geräte ja nur noch mit Spezialwerkzeug auf, nicht mal den Akku kann man selbst tauschen. Man kann sich nur im Notfall bis zur Reparatur behelfen, etwa mit Tesafilm oder durchsichtigem Paketband ein gebrochenes Display provisorisch überkleben, das funktioniert ganz gut.

SPIEGEL ONLINE: Was war der krasseste Schaden, den Sie je auf den Tisch bekommen haben?

Beer: Da ist jemand über sein eigenes Handy gefahren. Das Gerät war Matsch, aber wir hatten Glück und konnten die Daten retten. Einem anderen Kunden ist sein Gerät aus der zweiten Etage von einem Gerüst gefallen. Das sah auch schlimm aus, aber in dem Fall hat ein Displaytausch gereicht. Mit dem zerkratzten Gehäuse hatte der Kunde kein Problem.

SPIEGEL ONLINE: Man muss ja auch nicht jede Kleinigkeit sofort beheben. Welche Schäden kann man denn erst einmal so lassen?

Beer: Wenn man einen Haarriss im Display hat und der einen nicht weiter stört, muss man das Display nicht gleich austauschen lassen. Wenn die Bedienung noch einwandfrei funktioniert, kann man damit oft leben. Fällt das Gerät dann und der Riss wird größer, kann ich immer noch entscheiden. In vielen Fällen hilft schon ein Schutzglas zum Drüberziehen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Schäden sollte man sofort reparieren lassen?

Beer: Wenn das Display richtig aufgeplatzt ist und das Glas splittert, sollte man das zur eigenen Sicherheit beheben lassen. Auch bei einem aufgeblähten Akku sollte man sofort etwas unternehmen. Wenn der voll geladen ist, kann es eine richtige Explosion mit Stichflamme geben.

SPIEGEL ONLINE: Woran erkenne ich einen aufgeblähten Akku?

Beer: Das sieht man meist von außen, zum Beispiel ist am Telefon eine Biegung zu sehen oder das Display wird hochgedrückt und kommt richtig raus. Dann sollte man relativ schnell reagieren, weil erstens das Display in Mitleidenschaft gezogen werden kann und dieser Druck auch gefährlich werden kann.

SPIEGEL ONLINE: Was genau soll man dann tun?

Beer: Wenn es lädt, sofort das Netzteil abmachen und das Gerät auf keinen Fall mehr laden. Bis zur Reparatur sollte man das Telefon dann sicher lagern, zum Beispiel auf einem Steinfußboden, nicht in der Nähe von Papier, am Bett oder im Auto. Wärmequellen sind zu meiden, am besten lässt man das Gerät an einem sicheren Ort entladen. Auf keinen Fall sollte man selbst Hand anlegen, sondern gleich in die Werkstatt. Die kennen sich aus und gehen mit Schutzbrille und Handschuhen daran.

insgesamt 25 Beiträge
lilienrose 07.08.2018
1. Entfeuchter
Ich habe mein nasses Iphone, in einen Plastikbeutel ,mit handelsüblichem Entfeuchtergranulat vollständig bedeckt. Nach 7 Tagen war es wieder voll funktionsfähig und hielt noch viele Jahre.
Ich habe mein nasses Iphone, in einen Plastikbeutel ,mit handelsüblichem Entfeuchtergranulat vollständig bedeckt. Nach 7 Tagen war es wieder voll funktionsfähig und hielt noch viele Jahre.
Sandbänker 07.08.2018
2. Tidenhub
Eine Tide lang sollte so ein bei Flut verlorenes Gerät schon aushalten. Das Samsung B2100 konnte jedenfalls geduldig und unbeschadet auf die Rettung beim nächsten Niedrigwasser warten. Mein Xcover4 verkraftet zumindest den [...]
Eine Tide lang sollte so ein bei Flut verlorenes Gerät schon aushalten. Das Samsung B2100 konnte jedenfalls geduldig und unbeschadet auf die Rettung beim nächsten Niedrigwasser warten. Mein Xcover4 verkraftet zumindest den griffbereiten Transport in der Meshtasche der Schwimmweste beim Seekajakpaddeln. Alles andere würde mich auch enttäuschen.
mngvstkr 07.08.2018
3. Haha, iPhone
Hätte man mal besser einen vernünftigen Hersteller mit Geräten mit wasserdichtem Gehäuse genommen. Schon vor Jahren verfügbar. Ich weiß, hat Apple jetzt z. T. auch. Das haben sie den anderen Herstellern nachgemacht, weil [...]
Hätte man mal besser einen vernünftigen Hersteller mit Geräten mit wasserdichtem Gehäuse genommen. Schon vor Jahren verfügbar. Ich weiß, hat Apple jetzt z. T. auch. Das haben sie den anderen Herstellern nachgemacht, weil ihr überteuertes Zeug sonst noch lächerlicher dagestanden hätte.
enforca 07.08.2018
4. Süßwasserschaden
Funktioniert auch super mit Reis.
Zitat von lilienroseIch habe mein nasses Iphone, in einen Plastikbeutel ,mit handelsüblichem Entfeuchtergranulat vollständig bedeckt. Nach 7 Tagen war es wieder voll funktionsfähig und hielt noch viele Jahre.
Funktioniert auch super mit Reis.
sikasuu 07.08.2018
5. Welchen Tipp haben Sie, um so etwas zu vermeiden?
Ein Gerät mit IP > 65, MIL 81 oder wenigstens eine Wasserdichte Schutzhülle nehmen/anschaffen, wenn man das unbedingt mit an den Strand usw... nehmen will:-) Trifft auch für sämtliche optischen/elektronischen Geräte zu. [...]
Ein Gerät mit IP > 65, MIL 81 oder wenigstens eine Wasserdichte Schutzhülle nehmen/anschaffen, wenn man das unbedingt mit an den Strand usw... nehmen will:-) Trifft auch für sämtliche optischen/elektronischen Geräte zu. Foto, PLayer usw. . Wenn die nicht den Hitze oder Wassertod sterben, dann ein paar Wochen später am Sand, der wirklich ÜBERALL hinkommt! . Gut kommt auch "Kondenswasser Inside" bei großen Temperaturwechseln, das aber hauptsächlich im Winter Konsumergeräte sind heute mMn. nicht mehr für rauhen Alltagsbetrieb geeignet. Imagewert&filigranität widersprechen dem. Nicht von ungefähr nutzen Menschen die mit IT "im Feld" arbeiten müssen, teure Spezialgeräte z.B. von Panasonic, die auch mal was aushalten können ohne den "Löffel ab zu geben" !

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