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Netzwelt

Smartphone-Kamera fürs Moto Z Play

Eine Hasselblad zum Aufstecken

Nach Google und LG versucht sich jetzt auch Motorola an modular erweiterbaren Smartphones. Den Erfolg könnte eine Kooperation bringen: Die schwedische Edel-Fotofirma Hasselblad liefert ein Kameramodul.

SPIEGEL ONLINE
Aus Berlin berichtet
Donnerstag, 01.09.2016   18:31 Uhr

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Die Chefs scheinen sich zu mögen. Jedenfalls macht es den Eindruck, als ich in einem kleinen Konferenzraum in einem ehemaligen Berliner Bahnhofsgebäude mit ihnen zusammensitze. Gerade haben ihre Firmen der versammelten Presse zwei bemerkenswerte Produkte vorgestellt, das superdünne Smartphone Moto Z Play und ein dazu passendes Smartphone-Kameramodul zum Aufstecken, entwickelt von Hasselblad.

Die beiden Chefs, Aymar de Lencquesaing, Vorstandsvorsitzender von Motorola und Hasselblad-Chef Perry Oosting, duzen sich, scherzen miteinander. Sie machen den Eindruck, dass sie gerne zusammenarbeiten. Die Idee kam von Motorola, der US-Konzern sucht nach Partnern, die sein Modulkonzept nutzen, um Erweiterungen für seine Smartphones zu bauen.

Dazu ausgerechnet die Highend-Firma Hasselblad anzusprechen, war sicher ein gewagter Schritt. Schließlich werden schon für eine günstige Hasselblad-Kamera hohe vierstellige Beträge fällig, ohne Objektiv, versteht sich. Profimodelle kosten den Gegenwert eines gut ausgestatteten VW Passat. Man habe den Vorschlag der Amerikaner ausgiebig diskutiert, sagt Oosting, und sei nun ausgesprochen froh, sich dafür entschieden zu haben, tatsächlich eine Smartphone-Kamera zu entwickeln.

Erstkontakt für Hasselblad

Lange habe das gedauert, aber mit dem Ergebnis sei man nun sehr zufrieden. Das Hasselblad True Zoom genannte Modul soll Ende September, Anfang Oktober für knapp 300 Euro auf den Markt kommen, kostet also nur ein Bruchteil dessen, was man sonst für eine Hasselblad zahlen muss. Für die Schweden ist das ein erstaunlicher Bruch und der Erstkontakt mit einer für das Unternehmen neuen Zielgruppe, Smartphone-Knipser statt Profifotografen und Foto-Enthusiasten.

Trotz des vergleichsweise niedrigen Preises soll das True-Zoom-Modul die Qualität bieten, für die Hasselblad berühmt ist, betont Perry Oosting immer wieder. Dieser Anspruch sei auch der Grund gewesen, weshalb man die öffentliche Präsentation mehrmals verschoben habe, erklärt er und lacht de Lencquesaing an: "Weißt du noch, im Juni?"

Zwei Tage Akkulaufzeit

Dabei enthält das Kameramodul offenbar wirklich nur Foto-Hardware. Nicht einmal ein Akku ist eingebaut, Strom bezieht es von dem Moto Z Play, auf das man es aufsteckt. Auf dessen Seitenansicht weist der Motorola-Manager stolz hin. Nur sieben Millimeter sei es dünn, ein schlankeres Smartphone werde man nicht finden. Trotz der Mini-Maße steckt ein volles Technikpaket drin: Achtkernprozessor, 32 GB erweiterbarer Speicher, 5,5 Zoll Full-HD-Display. Der Akku soll für zwei Tage Energie liefern.

Aber diese technischen Details sind eben nur Technik und nicht so kaufentscheidend, wie es die Kamera für viele Smartphone-Käufer ist. Zwar hat das Moto Z Play auch eine 16-Megapixel-Kamera, aber die guckt eben, wie es bei Smartphones üblich ist, durch ein winziges starres Objektiv in die Welt.

Zehnfach-Zoom und zwölf Megapixel

Wenn man auf das schlanke Smartphone jedoch das magnetisch gehaltene Hasselblad-Modul aufsteckt, werde daraus eine richtige Kamera, sagen die Manager. Vergleichsweise sparsame zwölf Megapixel löst die kleine Hasselblad auf. Doch die lichtempfindlichen Sensoren auf ihrem Fotochip sind größer, als die im Handy. Sie können deshalb mehr Licht erfassen und kommen besser mit dunklen Motiven klar.

Vor allem aber sieht der Fotochip die Welt durch ein großes, ausfahrbares Objektiv mit Zehnfach-Zoom. Mit einer Blende von F3,5-6,5 und einer Brennweite von 4,5-45 mm (25-250 mm 35mm äquivalent) werden hier ganz andere fotografische Möglichkeiten geboten als von herkömmlichen Handykameras. Sonderlich schwer liegt das Paket aus Handy und Aufsteckkamera dabei nicht in der Hand: 310 Gramm bringen die Geräte zusammen auf die Waage. Fraglich ist, ob man die Extra-Kamera im Alltag wirklich zusätzlich zum Smartphone herumtragen möchte.

Bei anderen hat es nicht funktioniert

Dafür, dass sich die überschaubare Investition in das Kameramodul auch langfristig lohnt, werde man schon sorgen, sagt de Lencquesaing. Auch künftige Motorola-Smartphones werden die kleinen Kontakte aufweisen, die Kameramodul und Handy verbinden. Und sie sollen dieselben Außenmaße wie das Moto-Z-Play haben, sodass alles gut zusammenpasst.

Ob Motorola mit seinem Modulkonzept mehr Glück hat als Googles Project Ara oder LG mit seinem G5, wird sich zeigen. Aus Ara ist trotz etlicher Ankündigungen bis heute kein ernst zu nehmendes Produkt geworden, das G5 verkauft sich eher schleppend. Mit der Strahlwirkung, die der Name Hasselblad hat, könnte das bei Motorola besser funktionieren.


Zusammengefasst: Motorola bietet für sein Moto Z Play ein Kameramodul zum Aufstecken von Hasselblad. Das True Zoom genannte Modul kostet mit knapp 300 Euro nur ein Bruchteil dessen, was man sonst für eine Kamera der Highend-Firma zahlen muss. Damit werde aus dem Smartphone eine richtige Kamera, heißt es von den Herstellern.

insgesamt 20 Beiträge
cybion 01.09.2016
1. Leider kein Fortschritt
Seit Jahren benutze ich das Samsung Galaxy K Zoom, mit integriertem optischem 24-240 mm Zoom und 20 Megapixel Chip. Es ist für seine Fähigkeiten verhältnismäßig handlich (knapp 200 g), schießt nach wie vor erstklassige [...]
Seit Jahren benutze ich das Samsung Galaxy K Zoom, mit integriertem optischem 24-240 mm Zoom und 20 Megapixel Chip. Es ist für seine Fähigkeiten verhältnismäßig handlich (knapp 200 g), schießt nach wie vor erstklassige Fotos (sogar bei Nacht) und sehr ansehnliche Videos. Leider hat Samsung dieses Modell seit Android 4.4 keiner Modellpflege mehr unterzogen, so dass ich bei Ankündigung des Hasselblad Mod auf eine ernsthafte Modernisierungsalternative hoffte, die sich aber nach ersten "Hands on" Tests nicht wirklich stellt. Die Kombination Handy+Aufsatz ist ca. 100 gr schwerer und bietet optisch keinerlei Vorteile gegenüber dem K-Zoom. Also wünsche ich meinem Galaxy K Zoom weiterhin ein langes Leben, werde irgendwann ein Cyanogen-Mod Betriebssystem aufspielen, auf eine Weiterentwicklung durch Samsung (Galaxy S10 Zoom???) oder echte Alternativen durch andere Hersteller hoffen und - falls dies nicht eintritt - mich an den Gedanken eines moderneren Spitzenhandys + separater Kompaktknipse mit 30x Zoom + 4k Video (Lumix etc.) gewöhnen müssen. Eigentlich schade.
dr3w 01.09.2016
2. Sieht attraktiv aus
Das Telefon hat man sowieso in der Tasche, und so ein flaches Aufsteckmodul ist leichter verstaut als eine vollwertige point-and-shoot Kamera. Allerdings spricht dagegen, dass hier ein 1/2.3 Zoll Sensor eingebaut wurde, der [...]
Das Telefon hat man sowieso in der Tasche, und so ein flaches Aufsteckmodul ist leichter verstaut als eine vollwertige point-and-shoot Kamera. Allerdings spricht dagegen, dass hier ein 1/2.3 Zoll Sensor eingebaut wurde, der Trend bei Kompaktkameras geht eher in Richung 2/3 Zoll oder 1 Zoll und 1/2.3 Zoll ist viel zu nah am Telefonsensor. Desweiteren fehlt ein Aufsteckschuh für einen externen Blitz, man sollte also einen drahtlosen Transmitter ins Modul integrieren. Hier könnte mit Zentralverschluss für kurze Belichtungszeiten in Kooperation mit einem Hersteller wie FlashQ ein wunderbares portables Fotosystem entstehen. Konzeptionell sehr Attraktiv, in der Umsetzung sind noch Schwächen vorhanden.
stefan.albrecht@virgilio. 01.09.2016
3. Ad absurdum geführt
Ich denke, dass die Idee nicht gut ist. Denn jeder weiss, dass die Kameras von Smartphones nie an Professionelle Kameras heranreichen werden und ich denke auch, dass keiner dies fordert. Vielmehr finden die meisten Menschen es [...]
Ich denke, dass die Idee nicht gut ist. Denn jeder weiss, dass die Kameras von Smartphones nie an Professionelle Kameras heranreichen werden und ich denke auch, dass keiner dies fordert. Vielmehr finden die meisten Menschen es toll (inklusive mir selbst), wenn sie mit nur einem Gerät alles ziemlich gut machen können. Und dagegen spricht die Tatsache, dass ich bei der hier vorgestellten Lösung zwei Module mit mir herumtragen muss. Die aber zusammen immer noch weit von den Fähigkeiten einer Bridge Kamera entfernt sind, weil einfach nicht genug Platz in ihnen vorhanden ist, um ähnliche Optiken zu verbauen. Für mich bleibt daher Lumia mit Carl Zeiss Optiken das beste und ich halte das Projekt von Motorola und Hasselblad für ziemlichen Quatsch, obwohl es sicher Käufer finden wird. Aber es ist in sich widersprüchlich.
westerwäller 01.09.2016
4. Glaubt nicht an Spuk und böse Geister ...
... eine Smartphone-Kamera kann nie die Leistung einer "richtigen" Kamera erbringen ... Für jede (!) Kamera gelten die elementaren Gesetze der Optik. Ein Bild wird umso besser: 1. Je größer die Linse ist ... 2. [...]
... eine Smartphone-Kamera kann nie die Leistung einer "richtigen" Kamera erbringen ... Für jede (!) Kamera gelten die elementaren Gesetze der Optik. Ein Bild wird umso besser: 1. Je größer die Linse ist ... 2. Je kleiner die Blende ist ... 3. Je größer die Bildweite (in etwa: Brennweite ...) ist ... *Jede* Smartphone-Kamera verstößt gegen *alle* dieser Forderungen ... Da kann man sich alle Megapixel schenken ...
jung&jang 01.09.2016
5. Ein Händy ist nunmal ein Telefon
eine Hasselblad ist eine Hasselblad. Schönes Marketing der Schweden, aber wer braucht sowas? Damit dieses Gespann funktioniert, gehen mind. 900? über den Tisch, um mal eben ein Foto zu knipsen, reicht auch eine Digicam für [...]
eine Hasselblad ist eine Hasselblad. Schönes Marketing der Schweden, aber wer braucht sowas? Damit dieses Gespann funktioniert, gehen mind. 900? über den Tisch, um mal eben ein Foto zu knipsen, reicht auch eine Digicam für 200? zum Telefonieren und knipsen gehts für 300?. Ob da wirklich eine Hasselblad in dem Aufsatzteil drin steckt? Aber netter Gag.

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