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Netzwelt

Xiaomi Mi8 im Test

Günstiges Smartphone mit China-Chic

Lange waren Gadgets von Xiaomi in Deutschland nur schwer zu bekommen. Doch kurz vor Weihnachten bieten immer mehr Händler die Schnäppchen-Technik an. Wir haben das Topsmartphone der Chinesen getestet.

SPIEGEL ONLINE
Von
Mittwoch, 12.12.2018   17:52 Uhr

Unter Gadget-Fans stehen die Produkte von Xiaomi seit Langem ganz oben auf der Wunschliste. Die chinesische Firma schafft es immer wieder, Geräte zu bauen, die technisch auf der Höhe sind, sehr gut aussehen und manchmal verblüffend günstig sind.

Auf der CES 2017 habe ich bei einem Rundgang über den Messestand des Unternehmens beispielsweise eine per WLAN vernetzte Personenwaage gefunden, die 14 Dollar kostet, eine Fitnessuhr für 19 Dollar und eine TV-Set-Top-Box mit Android-Betriebssystem und 4K-Auflösung für 69 Dollar.

Das Unternehmen ist aber so divers aufgestellt, dass es auch Hobbydrohnen, Reiskocher und Fernseher anbietet. Sogar Carbon-Rennräder mit integriertem GPS-System findet man bei Xiaomi. Die sind zwar nicht billig, aber mit einem Preis von 3000 Dollar immer noch vergleichsweise günstig.

Fotostrecke

Xiaomi: Auf diese Gadgets setzt Xiaomi in China

Jetzt auch in Deutschland

Kaufen konnte man die Günstig-Gadgets in Deutschland bisher aber nur über Umwege und Firmen, die sie aus China oder Hongkong importierten. Das ändert sich jetzt zusehends. Der Mobilfunkanbieter Mobilcom Debitel beispielsweise bietet seit einigen Wochen verschiedene Smartphones von Xiaomi an.

Kurz vor Weihnachten haben nun auch die Elektroniksupermärkte Saturn und Media Markt einige Xiaomi-Produkte im Angebot, darunter eine Streamingbox mit Android und 4K-Auflösung. Um herauszufinden, ob die Produkte des chinesischen Konzerns wirklich so gut sind wie ihr Ruf, habe ich mir bei Mobilcom Debitel ein Smartphone vom Typ Mi8 besorgt und über den Testparcours geschickt.

Der Test

Der Mobilfunkanbieter verkauft das Mi8 ohne Vertrag für 449 Euro. Damit liegt es preislich in der Mittelklasse. Sein Prozessor ist dasselbe Achtkern-Modell, das in Oberklassemodellen wie dem OnePlus 6T, dem Black Shark und der US-Version des Galaxy Note 9 steckt. In Testprogrammen erreicht es auch ähnliche Leistungswerte wie diese Smartphones.

Dementsprechend liefen alle Apps, die ich auf dem Mi8 ausprobierte, flüssig ab - ganz egal, ob Textverarbeitung, Videoplayer oder Spiel. Als störend habe ich die von Xiaomi entwickelte Benutzeroberfläche MIUI 10 empfunden, die sehr bunt und verspielt daherkommt. In asiatischen Märkten kommt das gut an, ob diese Optik in Europa viele Freunde findet, wird sich zeigen.

Immerhin gibt sich Xiaomi offenbar Mühe, halbwegs mit Googles Update-Rhythmus mitzuhalten. Auf dem Testgerät war zunächst noch die veraltete Android-Version 8.1 installiert, ein Update auf Android 9 wurde kurz nach dem Ende des kurzen Tests veröffentlicht und sollte mittlerweile installierbar sein.

Genug Speicherplatz

Unser Testgerät war überdies mit 6 GB Arbeitsspeicher und 128 GB für Apps, Fotos, Musik und Filme bestückt. Für die meisten Nutzer dürfte das locker ausreichen. Muss es allerdings auch, denn Speicherkarten lassen sich nicht einsetzen. Dafür kann man zwei Sim-Karten einstecken, was zum Beispiel auf Auslandsreisen sinnvoll sein kann, oder wenn man eine private und eine Firmen-Sim-Karte im selben Handy benutzen möchte.

Großes Display, Doppelkamera

Der Bildschirm des Mi8 ist mit 6,2 Zoll nicht nur sehr groß, sondern dank Amoled-Technik auch sehr kontraststark. Die Helligkeit war im Test immer ausreichend, die Farbintensität gut. Die Auflösung liegt mit 2248 x 1080 Pixeln etwa gleichauf mit dem OnePlus 6T.

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Fingerabdrucksensor im Display: Das OnePlus 6T im Test

Es gibt zwar Smartphones, deren Bildschirme bei ähnlicher Größe eine höhere Auflösung bieten, doch diese Unterschiede sind in der Regel kaum wahrnehmbar. Erst wenn man ein solches Gerät beispielsweise in einer Datenbrille für Virtual-Reality-Spiele oder -Apps benutzt, macht es sich bemerkbar.

Auf die Akkulaufzeit wirkt sich der große Bildschirm allerdings nicht positiv aus. Im Test mit einem Video, das bei 50 Prozent Bildschirmhelligkeit in Dauerschleife wiedergegeben wurde, schaltete sich das Mi8 nach rund zehn Stunden mit leerem Akku ab. Ein eher durchschnittlicher Wert. Für einen Tag normaler Nutzung reicht das aus, viel mehr aber auch nicht.

Fotostrecke

Xiaomi: Das Mi Mix ausprobiert

Die beiden Hauptkameras haben jeweils 12 Megapixel, eine ist mit einem Weitwinkel, die andere mit einem Zweifach-Zoom bestückt. Eine Kombination, die sich schon bei anderen Geräten bewährt hat. Mit Situationen, in denen das Motiv schlecht beleuchtet ist, kommt das Kameradoppel nicht gut klar, ansonsten ist die Fotoqualität gut bis sehr gut.

Was noch?

Das Design ist schlicht und genau deshalb gelungen, es erinnert mich an das OnePlus 6T. An der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern, das Gerät macht einen robusten und hochwertigen Eindruck. Im Alltag ist mir positiv aufgefallen, das im WLAN-Kontrollfeld angegeben wird, ob man mit einem 2,4-Ghz- oder einem 5-Ghz-Netzwerk verbunden ist. Zudem gibt es die Möglichkeit, einen passwortgeschützten Speicherbereich für sensible Daten einzurichten. Zu meckern gab es nur wenig: Die Kompass-App ließ sich nicht nutzen, weil es mir auch nach mehreren Versuchen nicht gelang, den Kompass zu kalibrieren. Und ausgerechnet in der App "Sicherheit" wird man von Werbeeinblendungen gestört.

Fazit:

Vorteile und Nachteile

Günstiger Preis

Gelungenes Design

Gute Leistung

Gute Speicherausstattung

Bei Tageslicht gute Kamera

Mittelmäßige Ausdauer

Bei wenig Licht mäßige Kamera

Mit dem Mi8 bietet Xiaomi ein Smartphone an, das hinsichtlich Leistung, Bildschirm und Speicherplatz kaum Wünsche offen lässt. Die Kamera leistet sich nur bei schlechter Beleuchtung Schwächen, die Ausdauer ist mittelmäßig. Die eigentliche Stärke liegt im Preisleistungsverhältnis. Interessante Alternativen sind in diesem Preisbereich zum Beispiel das Huawei Mate 20 und das Honor 10.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.
insgesamt 55 Beiträge
aliof 12.12.2018
1. Zu dem Preis
.. erwarte ich heutzutage, .. und habe sie bereits schon vor 2 Jahren (aus Südkorea) bekommen können : eine ERSTKLASSIGE Kamera . Für alle anderen Bedürfnisse ist es ja wahrscheinlich ausreichend, und wenn man eh nicht [...]
.. erwarte ich heutzutage, .. und habe sie bereits schon vor 2 Jahren (aus Südkorea) bekommen können : eine ERSTKLASSIGE Kamera . Für alle anderen Bedürfnisse ist es ja wahrscheinlich ausreichend, und wenn man eh nicht damit fotografieren will, reicht einem ja auch die Batteriekapazität ..
vhn 12.12.2018
2. @aliof
Ich stimme zu, für 500? gehört sich eine top Kamera in einem Smartphone. Nur kommen heutzutage die besten Handykameras nicht mehr aus Südkorea. Huawei, Google und Apple haben Samsung abgehängt...
Ich stimme zu, für 500? gehört sich eine top Kamera in einem Smartphone. Nur kommen heutzutage die besten Handykameras nicht mehr aus Südkorea. Huawei, Google und Apple haben Samsung abgehängt...
anderer_meinung 12.12.2018
3. 449€ sind weder ein günstiger Preis noch Mittelklasse
449€ ist vielleicht für Menschen, die 1.000.000€ besitzen und sich zur Mittelschicht zählen, Mittelklasse. Es gibt aber auch brauchbare Smartphones für 100€. Für mich endet die Mittelklasse preislich bei 250€.
449€ ist vielleicht für Menschen, die 1.000.000€ besitzen und sich zur Mittelschicht zählen, Mittelklasse. Es gibt aber auch brauchbare Smartphones für 100€. Für mich endet die Mittelklasse preislich bei 250€.
hanem 12.12.2018
4. Günstige Produkte...
Was mir bei einem Artikel über günstige Tech-Produkte ganz klar fehlt, ist eine Reflexion darüber, wie es zu den genannten günstigen Preisen kommt; gerade bei Herstellern aus Fernost wäre das sehr relevant. Wie sieht es aus [...]
Was mir bei einem Artikel über günstige Tech-Produkte ganz klar fehlt, ist eine Reflexion darüber, wie es zu den genannten günstigen Preisen kommt; gerade bei Herstellern aus Fernost wäre das sehr relevant. Wie sieht es aus mit der Transparenz von Lieferketten, mit den Arbeitsbedingungen in den Herstellerbetrieben? Solange wir nicht breit damit anfangen, diese Punkte in Kauferwägungen mit einzubeziehen, wird sich an den teils desaströsen Produktionsbedingungen kaum etwas ändern.
Onkel Drops 12.12.2018
5. ich hatte mich schon auf das mi pad 2 gefreut...
endlich in Europa erhältlich ( mi pad 1 war Asien vorbehalten). dann kam Apple deklarierte eine Namensähnlichkeit und xiaomi brachte Modell 2 dann doch nicht nach Europa. danke liebe Richter !!! ich wollte es grade weil es kein [...]
endlich in Europa erhältlich ( mi pad 1 war Asien vorbehalten). dann kam Apple deklarierte eine Namensähnlichkeit und xiaomi brachte Modell 2 dann doch nicht nach Europa. danke liebe Richter !!! ich wollte es grade weil es kein ipad war... alles in allem sind die Handys wie Tablets (je nach Anforderungen!) eigentlich mehr als gut zu einem Toppreis ( Huawei produziert ganz andere Mengen ,was aber nicht im Preis landet!). die Ausstattung ist in der Regel bei xiaomi auch stets out of the box-all inside (Adapter, Silikonhüllen etc. sind gut beigelegt). 2fach sim ist praktisch, eigentlich sollte das mi8 dual sim oder sim+microsd unterstützen. wurde das auf nur dual sim getrimmt? wäre ja schade bei guter Hardware das wegzulassen...

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