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23.02.2012
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Sony Playstation Vita im Test

Vom Aussterben bedroht

Von Carsten Görig
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Sony Computer Entertainment

Den Spielemarkt erobern längst Smartphones und Tablets, wer braucht also noch Sonys Playstation Vita? Hartgesottene Game-Fans wissen die Konsole im Kleinformat sicher zu schätzen - doch ein paar Dinge fehlen zum vollkommenen Gamer-Glück, wie unser Test zeigt.

Der erste Frust kommt kurz nach dem Einschalten. Kurz nachdem man die Verarbeitung bewundert, den Bildschirm bestaunt und sich über die gute Handhabung von Knöpfen und Sticks gefreut hat. Der Frust entsteht, wenn man spielen will und eine Fehlermeldung präsentiert bekommt. "Vor dem Start der Anwendung muss eine Speicherkarte eingesteckt werden". Ohne diese geht eigentlich nichts. Keine Spiele, keine Musik, keine Filme. Und die Speicherkarte ist nicht dabei im Paket.

Ohne Sonys proprietäre Speicherkarte ist kaum Leben auf die Playstation Vita zu bringen. Sie kostet 250 oder 300 Euro, je nach Ausstattung, die Speicherkarte noch einmal zwischen 20 (4 GB) und 50 Euro (16 GB). Die Spielepreise bewegen sich zwischen 30 und 50 Euro, je nach Umfang und Hersteller. Nach der 2005 erschienenen Playstation Portable (PSP) ist die Vita der zweite Versuch des japanischen Konzerns, im Markt der tragbaren Spielkonsolen Fuß zu fassen. Der erste hat nicht so geklappt, wie man sich das vorgestellt hatte.

Eine der Konkurrenz weit überlegene Hardware und Spiele, die so aussehen wie auf der Wohnzimmerkonsole, sollten die Überlegenheit Nintendos im Handheld-Bereich brechen - auch weil man gegen die vermeintliche Kinderkonsole DS antrat. Die war weniger leistungsfähig, hatte ein damals merkwürdiges Gimmick namens Touchscreen und Spiele, die im direkten Vergleich schlecht aussahen. Zur Überraschung von Sony und vielen Marktbeobachtern aber verlor die PSP den Kampf. Während Nintendo mit dem DS und cleveren Spielen Verkaufsrekorde aufstellte, konnte sich die PSP mit ihrem Fokus auf bekannte Titel nie wirklich durchsetzen. Daran änderten auch diverse Neuauflagen nichts. Mal wurde die Konsole dünner, mal fiel das mit einem proprietären Disk-Format ausgestattete Laufwerk weg.

Der Markt wird von Emporkömmlingen aufgerollt: Smartphones

Diesmal sind die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start noch schwerer. Sony muss nicht nur die sehr guten Verkaufszahlen von Nintendos 3DS-Konsole einholen, sondern sich zudem in einem Markt bewähren, in dem iPhone, iPad und Android-Geräte zu Spielmaschinen geworden sind, die den anderen Handhelds stetig Marktanteile abnehmen. Erzielten diese Geräte vor zwei Jahren noch 19 Prozent der Einnahmen im Handheld-Bereich, so schätzen Experten diesen inzwischen auf 58 Prozent. Von 500 Millionen Dollar stiegen die Einnahmen auf 1,8 Milliarden Dollar, während die Einnahmen von Nintendo und Sony drastisch sanken. Es ist ein gewagter Schritt, in diesem Umfeld eine Konsole auf den Markt zu bringen, die sich hauptsächlich über das Spielen definiert. Doch genau das tut die Vita.

Für Spieler ist das ein Geschenk, denn das Gerät hat alles, was eine gute Spielkonsole ausmacht. Sie kann grafisch mit den aktuellen Heimkonsolen locker mithalten, hat - wichtig für viele Spiele - zwei kleine Analogsticks und gut zu erreichende Knöpfe. Der Bildschirm zeigt nicht nur brillante Bilder, sondern ist auch ein multifunktionaler Touchscreen, auf der Rückseite ist ebenfalls ein Multitouch-Feld angebracht. Spiele können also auch über Gesten gesteuert werden, wie bei "Katamari Damacy", wo aus einem Ball mit zwei Fingern eine Rolle oder ein Rad geformt werden kann. Zwei Kameralinsen auf jeder Seite des Geräts und ein Mikrofon helfen bei der Kommunikation und die Internetanbindung ist ja nach Modell über W-Lan oder W-Lan plus 3G (UMTS) gelöst.

Wenn sie läuft, macht sie Spaß

Im Spieletest funktioniert die Konsole hervorragend. Einziges Manko: Ab und an verabschiedet sie sich aus dem Stand-by-Modus in den Tiefschlaf und kann nur noch durch einen Hardware-Reset wieder zum Laufen gebracht werden. Auch bei leerem Akku dauert es eine Weile, bis sie trotz Anschluss an die Stromversorgung wieder spielen will. Und die Ladezeiten der einzelnen Spiele oder Level sind zum Teil arg lang. Wenn sie aber läuft, macht sie Spaß: Die Urwälder und Höhlen des Abenteuerspiels "Uncharted: Golden Abyss" sehen großartig aus, die Steuerung funktioniert präzise und die Touchscreen-Elemente sind sinnvoll eingesetzt, bei "Wipeout 2048" lassen sich die schwerelosen Gleiter selbst bei hohen Geschwindigkeiten gut steuern und bei "Lumines" klingt die Musik so gut, wie das Spiel aussieht.

Weitere Funktionen der Konsole sind vor dem Verkaufsstart nicht zu testen. Der Playstation Store, in dem man die meisten Titel auch als Download kaufen kann, war noch nicht verfügbar. Die von Nintendos "Streetpass" angeschaute "Near"-Technik zum heimlichen Austausch von Spielegegenständen über eine drahtlose Verbindung wenn zwei Geräte sich zufällig auf der Straße treffen, wird erst dann relevant werden, wenn es ausreichend Geräte gibt, und Chatprogramme sind auch erst bei größerer Verbreitung der Konsole wichtig. Sonst ist ja schlicht niemand zum chatten da.

Remote Play: Wenig mehr als ein Versprechen

Auch andere angekündigte Features sind noch nicht vorhanden oder schlecht nutzbar. "Remote Play" zum Beispiel, bei dem Spiele, Filme oder Musik auf einer verbundenen Playstation 3 abgespielt, aber auf der Vita gesteuert oder angezeigt werden, krankt an Unterstützung. Keines der getesteten PS3-Spiele wollte mit der Vita kooperieren, DVD und Blu-ray-Filme sind sogar ausdrücklich vom "Remote Play" ausgenommen. Einzig Fernsehen über playTV wurde auf der Vita problemlos angezeigt. Was schade ist, denn die Vorstellung, einfach im Bett noch den letzten Level eines Spiels fertig zu spielen, erscheint reizvoll. So aber ist es wenig mehr als ein Versprechen, von dem man noch nicht genau weiß, wann und ob es eingelöst wird.

Wenig Spaß machte auch das Erneuern der Firmware, was im Zeitraum des Tests bereits zweimal stattgefunden hat und jeweils längere Downloads erforderte, weil selbst bei einer normalen Internetverbindung 95 MB Systemupdate rund 40 Minuten kosten kann. Wer eine Playstation 3 besitzt, kennt dieses Problem wahrscheinlich, denn auch hier kann es schon mal eine Stunde dauern, bis eine neue Version des Systems heruntergeladen wurde. Genau so langsam funktioniert übrigens der Spiele-Download über den Playstation Store der Playstation 3 und die darauffolgende Übertragung auf die Vita. Hoffentlich schafft es Sony hier, bald schnellere Server zur Verfügung zu stellen, um den Frust zu minimieren. Der jetzige Zustand ist untragbar - gerade für eine tragbare Konsole.

Sony hat mit der Vita Mut bewiesen und sich gegen den Trend der Zeit gestellt: Das Gerät ist eine solide verarbeitete Spielemaschine, die alles hat, was Spieler brauchen - zum Beispiel eine vernünftige Art, auch anspruchsvolle Spiele zu steuern, was bei reinen Touch-Geräten nur selten gut gelingt. Es ist ein Gerät, das hoffentlich die noch nicht eingelösten Versprechen bald mit Leben füllen kann. Schön, dass die Vita bereits zum Start ein umfangreiches Spieleangebot bietet - auch wenn das zum größten Teil aus bekannten Marken und Spielen besteht. Sie liefert nur eines nicht: Einen Grund, warum man sie unbedingt besitzen sollte, ein Alleinstellungsmerkmal, eine brillante Idee - wie sie Nintendo mit dem 3D-Bildschirm hatte.

Vita ist das Werk von Ingenieuren, die an alles gedacht haben, nur nicht daran, wie man das Gerät mit Leben füllen will. Und genau das könnte sie zur letzten ihrer Art machen. Zur letzten reinen Spielekonsole bevor Smartphones und Tablet-Computer endgültig den mobilen Spielemarkt übernehmen.


Playstation Vita von Sony: Konsole 250 Euro, 300 Euro mit 3G. Speicherkarten zwischen 20 Euro (4 GB) und 50 Euro (16 GB)

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
1. Wen interessiert denn das
KonsulOtto 23.02.2012
Sehr uninteressanter Artikel. Schade um den Platz auf der SPON Seite.
Sehr uninteressanter Artikel. Schade um den Platz auf der SPON Seite.
2.
michaelXXLF 23.02.2012
Mit diesem proprietären Mist wird sich Sony noch massiv an die Wand fahren. €350 für eine Speicherkarte mit 50GB, sind die noch ganz sauber? Kein Wunder, daß das niemand kauft! Aber auch hier: Selber schuld!
Mit diesem proprietären Mist wird sich Sony noch massiv an die Wand fahren. €350 für eine Speicherkarte mit 50GB, sind die noch ganz sauber? Kein Wunder, daß das niemand kauft! Aber auch hier: Selber schuld!
3. Wen interessiert denn das
eineskimo 23.02.2012
Sehr uninteressanter Kommentar. Schade um den Platz im SPON Forum.
Zitat von KonsulOttoSehr uninteressanter Artikel. Schade um den Platz auf der SPON Seite.
Sehr uninteressanter Kommentar. Schade um den Platz im SPON Forum.
4.
twine 23.02.2012
Wo ist denn der tolle Test? Die Meinung von so nem Redakteur interessiert mich die Bohne, der spielt bestimmt eh nur dauernd mit seinem Iphone oder Android rum und denkt das bringt Spaß, weil er so geil aussieht wenn er sein [...]
Zitat von sysopDen Spielemarkt erobern längst Smartphones und Tablets, wer braucht also noch Sonys Playstation Vita? Hartgesottene Game-Fans wissen die Konsole im Kleinformat sicher zu schätzen - doch ein paar Dinge fehlen zum vollkommenen Gamer-Glück, wie unser Test zeigt. Sony Playstation Vita im Test: Vom Aussterben bedroht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,816864,00.html)
Wo ist denn der tolle Test? Die Meinung von so nem Redakteur interessiert mich die Bohne, der spielt bestimmt eh nur dauernd mit seinem Iphone oder Android rum und denkt das bringt Spaß, weil er so geil aussieht wenn er sein geiles Iphone in der Hand hält. Das einzige Problem was die Handhelds heute haben ist, dass sie versuchen Downloads als Medium zu benutzen oder versuchen Spiele mit zuviel Restriktionen auf proprietäre Sticks zu bringen. Ich habe eine "normale" PSP und einen "normalen" Nintendo DS XL", da gibt es soviele Spiele dass man für längere Zeit garnicht auf einen neueren Handheld umsteigen muss, also kann man warten bis was Gutes auf den Markt kommt. Und Spiele auf meinem Iphone? Habe mir in meiner gesamten Iphone-Zeit in etwa 20 Spiele runtergeladen, jedes in etwa 5-10 gespielt und nun gammeln die da rum, seit etwa einem halben Jahr interessieren mich die Spiele da garnicht mehr und ich lade auch keine mehr runter, weil die alle in etwa das gleiche machen und zu eintönig sind. Außerdem kann man Jump-n-Runs und Adventures vergessen, weil man dauernd die Finger auf dem Display hat und garnicht richtig sieht was man macht und auch kein richtiges Gefühl bei einer Luft-leeren Steuerung hat. Also für mich muss es ein richtiges Joypad sein und Spiele wie auf einer PSP, Gameboy, XBox, PS, ... Selbst die WII hat mir nur kurz Spaß gebracht mit dem ganzen rumgefuchtel, zum Sport gehe ich ins Fitnessstudio (oder in eine richtige Bowlinghalle) und nicht an den Fernseher, sorry. Jedem seine Meinung.
5.
gbk666 23.02.2012
Ja, bitte mehr Artikel zum Dschungelcamp oder lustigen Filmen von Nazis auf der dunklen Seite des Mondes..so ein Artikel über eine neue Sony Handheld interessiert doch schließlich niemanden auf ner Erwachsenenseite wie SPON ;-) [...]
Zitat von KonsulOttoSehr uninteressanter Artikel. Schade um den Platz auf der SPON Seite.
Ja, bitte mehr Artikel zum Dschungelcamp oder lustigen Filmen von Nazis auf der dunklen Seite des Mondes..so ein Artikel über eine neue Sony Handheld interessiert doch schließlich niemanden auf ner Erwachsenenseite wie SPON ;-) oh warte mal..das Durchschnittsalter der Spieler heute ist 25-40...was? äh. Okay, lasst den Artikel mal lieber stehen, scheint ja doch welche zu geben die das interessiert. Danke für den Artikel, un-interessant dürfte er bei einer Artikel und Besucherbreite wie auf SPON sicher nicht sein.

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