25.05.2012
Angespielt
Eine Stunde mit "Ghost Recon - Future Soldier"
Von Carsten GörigExplosionen unter Palmen, Hubschrauberangriffe, Schwarz-Weiß-Bilder von Dronen und Soldaten, die sich per Faustschlag zu einem gelungenen Schuss gratulieren: Es gibt viele Gründe, "Ghost Recon - Future Soldier" schon nach dem Vorspann wieder zur Seite zu legen. Auch der Name von Tom Clancy, der das Cover des Spiels ziert, lädt nicht zum Weiterspielen ein. Schließlich bürgt der amerikanische Thrillerautor im Regelfall für stramm rechte und unkritisch nationalistische Unterhaltung. Und davon gibt es in der Welt der Videospiele mehr als genug.
Trotzdem: Eine Stunde ausprobieren, mal sehen, ob man einen Shooter wie "Call of Duty - Modern Warfare" oder "Medal of Honour" bekommt. Einen Militärshooter, wie Fans ihn zur Zeit lieben, spielen und vor allem kaufen. Schnell ist klar: "Future Soldier" ist etwas anderes. Nach einer kurzen Eingangssequenz ist man in einem Team von vier Soldaten irgendwo in Nicaragua unterwegs, bekommt unverständliche Befehle zugebrüllt, legt das Gewehr an und muss gleich mit einem Sniperschuss starten, um dann hilflos einer recht drastischen Sequenz beiwohnen zu müssen. Danach geht es nach Bolivien und in ein Flüchtlingslager in Afrika.
Ein schneller Shooter wie "Modern Warfare" ist "Future Soldier" nicht. Wer schnell durchläuft, wird nicht lange überleben. Es gilt, taktisch vorzugehen, und oft genug auch, unerkannt zu bleiben. Hier scheint man von "Splinter Cell" gelernt zu haben, einer Spieleserie, die ebenfalls unter dem Namen von Tom Clancy läuft und auch von Ubisoft auf den Markt gebracht wurde.
Schnell muss man zum Beispiel lernen, Sensor-Granaten zu werfen, die Feinde anzeigen. In Deckung zu gehen, zu schießen und Raketenbeschuss auszuweichen. Es ist nicht ganz trivial, die Belegung des Controllers zu verstehen, die auf Ladebildschirmen angezeigt wird, und man fragt sich, was ein "Unterlauf" sein und worin der Unterschied zwischen "Weiter" und "Fortfahren" bestehen soll. "Future Soldier" ist nichts für zwischendurch und wohl auch nichts für eine Stunde. Ihre wahre Größe zeigen derartige Titel oft ohnehin erst im Multiplayer-Modus - selbstverständlich kann man "Ghost Recon - Future Soldier" auch kooperativ zu mehreren spielen.
Erst mal ist man hauptsächlich verwirrt. Die Steuerung wirkt überfrachtet, die Geschichte wenig zielführend und die Männer, mit denen man die nächsten Stunden Terroristen jagen soll, sind ziemlich unsympathisch. Weshalb ich das Spiel gern zur Seite lege und mich etwas anderem zuwende. Auch wenn ich ihm damit womöglich Unrecht tue.
Was die anderen sagen:
Die Fachpresse wertet "Ghost Recon - Future Soldier" überwiegend positiv. Zwar wird oft bemängelt, dass sich das Spiel - die Fortsetzung einer alten Reihe - zu sehr an Spielen wie "Call of Duty" oder "Medal of Honor" orientiere. Doch abwechslungsreiche Missionen, eine Vielzahl von Gadgets für taktische Variationen und gute Ideen machen das Spiel zu einer echten Alternative im Bereich der Militärshooter, da sind sich die meisten Rezensenten einig.
"Ghost Recon - Future Soldier" von Ubisoft; ca. 55 Euro; für Xbox 360 und Playstation 3; PC-Version erscheint am 14. Juni; USK: Ab 18 Jahre

