17.08.2012
Angespielt
Eine Stunde mit "Darksiders II"
Von Carsten GörigDas Gewebe ist also gebrochen. Krieg ist für den Untergang der Menschheit verantwortlich und Tod reitet auf Verderben, um Krieg zu retten. Tod ist nämlich der Bruder von Krieg und möchte nicht, dass seine Familienehre mit ein paar Millionen Toten beschmutzt wird, weshalb er in das Reich der Erschaffer zieht, um dort den Baum des Lebens zu suchen. Oder so ähnlich.
Manchmal ist es nicht so einfach, den Geschichten von Spielen zu folgen. Vor allem dann nicht, wenn die Texter von ihrem eigenen Pathos so überwältigt werden, dass sie nur noch verschwurbelt herumreden und ihren Inhalt vergessen. Dass die Dialoge Wort für Wort aus dem Englischen übersetzt zu sein scheinen, macht es nicht verständlicher. Ich bin auf jeden Fall ratlos und bald nicht mehr interessiert.
"Darksiders II" hinterlässt mich zwiegespalten. So wie es schon beim Vorgänger war: Auf der einen Seite möchte ich das Spiel mögen. Es übernimmt das Spielprinzip der "Zelda"-Spiele, und das ist ja bekanntermaßen toll. Nach und nach öffnet man mit Hilfsmitteln neue Wege durch die Welt. Es kitzelt meinen Entdeckertrieb, lässt mich die Landschaft durchstreifen. Immer auf der Suche nach neuen Dingen, die ich finden kann. Es stellt mich vor Rätsel und hat eine elegante Steuerung, die sich andere Entwickler gerne einmal genauer anschauen können.
Doch kann das alles nicht über eins hinwegtäuschen: Die Welt und ihre Charaktere sind einfach stumpf und langweilig. Krieg und Tod und Verderben wirken wie Plastikfiguren, die man in der Ramschabteilung von Spielwarenläden kaufen kann. Eindimensionale Wesen, die stumpf ihre Sätze runterbeten und mich in keinem Moment ansprechen. Wie die C-Riege der Superhelden-Comics. Dicke Muskeln, kleiner Kopf, noch kleineres Hirn. Hohler Pathos - womit ich wieder beim Anfang wäre.
Nein, falls sich das noch jemand ernsthaft fragen sollte: "Darksiders II" und ich werden nicht mehr zusammenkommen. Was nicht heißt, dass es ein schlechtes Spiel ist. Im Gegenteil. Es hat nur keinen Charme.
Das sagen die anderen: Die ersten Kritiken sind überwiegend positiv. Gelobt wird die große Welt, das Gefühl, ein großes Abenteuer zu bestehen und das Spielprinzip. Kritik wird vor allem an der technischen Umsetzung geübt. Wenn zu viel auf dem Bildschirm los ist, macht sich das an ruckeligen Bildern bemerkbar. Ein gutes Spiel, so sagen die meisten, das solide seine Vorbilder zitiert, aber nur selten deren Charme erreicht.
"Darksiders II" von THQ, für PC, Xbox 360 und Playstation 3; ab 45 Euro; USK: Ab 16 Jahren

