18.08.2012
Kölner Messe
Die interessantesten Gamescom-Spiele
Von Christian Stöcker, KölnNatürlich ist das Übliche reichlich vertreten. "Call of Duty" und "Battlefield", "Fifa" und "Pro Evolution Soccer", neue "Assassin's Creed"-Spiele für Wohnzimmerkonsole und Playstation Vita, ein "Hitman", ein neues "Skylanders"-Spiel ("Giants") und zahllose Free2Play-Titel von "Warface" bis "Planetside 2".
Die Kölner Gamescom hat aber auch andere Titel zu bieten, Spiele mit neuen Ideen, einer Optik, die selbst inmitten all der Grafikpracht noch herausragt oder einer emotionalen Thematik, wie man sie bislang in Videospielen nicht kannte.
Hier fünf Highlights abseits des Mainstreams:
"Papo & Yo"
Dieser Titel ist anders als alle anderen Spiele, die es auf der Kölner Messe zu sehen gibt. "Papo & Yo" ist ein echtes Autorenspiel, eines, das womöglich einlösen kann, was die Branche seit langem verspricht: Titel, die den Spieler emotional ergreifen können. Der Entwickler, Vander Caballero, hat früher für den Riesen Electronic Arts gearbeitet, hat an typischen, oft brutalen Großprojekten wie "Army of Two" mitgewirkt.
Das Monster ist freundlich, wenn es nüchtern ist, sonst aber höchst gefährlich. "In Spielen ist es sonst immer so, dass die einen klar gut und die anderen klar böse sind", sagt Cabellero, "aber so ist die Welt nicht". Man soll das Monster im Laufe des Spieles lieben und fürchten lernen. Vorführen will Caballero die Begegnungen mit dem Biest auf der Messe lieber nicht: "Sie müssen das Spiel von Anfang bis Ende spielen und dabei diese zwiespältige emotionale Beziehung zu ihm entwickeln", sagt er.
Das Gameplay, das man vor Ort ausprobieren kann, ist jedenfalls zauberhaft: Der Junge durchstreift eine seltsame, leere Welt mit kleinen Ziegeldachhäuschen, löst Rätsel, indem er Gebäude verschiebt oder Treppen erscheinen lässt. Die emotionale Wucht, die das Spiel Caballero zufolge entfalten kann, lässt sich aus diesen Szenen nicht ablesen. Er selbst sagt aber: "Spieler, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie ich, haben beim Spielen geweint."
"Papo & Yo, für Playstation 3 (Download, 15 Euro)
"Rayman Legends" für Wii U
Nintendo ist auf der Messe nicht vertreten, wer die neue Konsole Wii U ausprobieren will, ist auf die Angebote von Drittherstellern angewiesen. Das hübscheste Spiel für die Wii U präsentiert Ubisoft: "Rayman Legends" erinnert auf den ersten Blick stark an den Vorgängertitel "Rayman Origins": Rennen und Hüpfen in einer irren, äußerst farbenfrohen 2-D-Welt.
Ungewohnt ist, dass der Spieler, der den Frosch steuert, fast immer auf den kleinen Touchscreen des Tablets blicken muss, während sich der Rest des Geschehens auf dem TV-Gerät abspielt. Dafür ist der fliegende Frosch unbesieg-, und für die übrigen Spieler auch unverzichtbar. Besonders die musikalischen Level, in denen all das Gerenne und Gehüpfe im richtigen Takt passieren muss, sorgen für gute Laune: Fachjournalisten, die beim Spielen immer wieder laut Lachen, sieht man bei der Gamescom sonst eher selten.
"Rayman Legends" für Wii U, zum Konsolenstart im Herbst verfügbar
"Dishonored"
Die Werbeplakate für den First-Person-Titel von Bethesda ("Skyrim", " Fallout") sehen furchteinflößend aus: Ein düsterer Rächer mit Totenkopfmaske, in den Händen ein langes Messer und eine Pistole. "Dishonored" lässt sich trotz der martialischen Präsentation gewaltfrei spielen: In dem bei der Messe durchzuspielenden Level ist eine von drei Frauen bei einem dekadenten, barock anmutenden Maskenball zu identifizieren und auszuschalten.
"Dishonored" für Playstation 3, Xbox 360 und PC, Oktober 2012.
"Star Wars 1313"
Noch ein "Star Wars"-Spiel? Reicht es nicht langsam? Tatsächlich hat man das Gefühl, dass George Lucas' Universum inzwischen ziemlich ausgereizt ist. "1313" aber könnte womöglich wirklich anders sein: Es spielt tief unter der Oberfläche des Stadtplaneten Coruscant, den man aus den jüngeren "Star Wars"-Filmen kennt.
Was man von dem Spiel bislang zu sehen bekommt, ist eindrucksvoll: Grafisch reicht der Titel, der auf einem Highend-PC vorgeführt wird, deutlich über das hinaus, was die Konsolen der aktuellen Generation leisten. Entsprechend wird "1313" von Activision unter der Hand auch als Next-Generation-Titel annonciert, bestätigt ist bisher aber nur eine PC-Version. Kaufen können wird man das Spiel vermutlich erst, wenn Sony und Microsoft ihre neue Konsolengeneration auf den Markt bringen.
"Rocksmith"
Ist das eigentlich noch ein Spiel? Oder schon ein Lernprogramm? "Rocksmith" tut das, was Spiele wie "Guitar Hero" nur vortäuschten: Das Spiel soll dem Benutzer das Gitarrespielen beibringen. Man kann es entweder mit einer echten E-Gitarre als Controller kaufen, die via USB an Rechner oder Konsole angeschlossen wird, oder eine beliebige E-Gitarre mit dem üblichen Klinkensteckeranschluss einsetzen.
Die Software vermittelt Gitarren-Grundlagen, aber auch komplizierte Soli, Slide- und Akkordtechnik. Eingebaut ist nicht nur ein Stimmgerät, sondern auch eine Vielzahl von digital umgesetzten Marken-Effektpedalen, so dass der Spieler sich seinen eigenen Sound ganz nach Wunsch zusammenbasteln kann - und bei Bedarf das Original-Pedal für den echten Gitarrenverstärker erwerben. Nur Aufnehmen kann man mit "Rocksmith" nichts. "Wissen Sie, 'Garage Band' fürs iPad gibt es für fünf Euro, das hätten wir auch nicht besser machen können", sagt einer der Entwickler bei der Demonstration. In den USA ist der digitale Gitarrenunterreicht für Spielkonsolen bereits verfügbar, im Herbst kommt er auch nach Europa, für Konsole und PC.
"Rocksmith" für Xbox 360, Playstation 3 und PC, ab September/Oktober 2012, ca. 70 bis 86 Euro inklusive Gitarrenkabel.