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18.11.2012
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Angespielt

"Need for Speed: Most Wanted"

Von
Electronic Arts

Das Studio, das für die Unfallspiel-Reihe "Burnout" veranwortlich war, macht jetzt "Need for Speed". Der letzte Teil der Serie war ein Flop, macht "Most Wanted" es besser? Ja, bis auf einen Wermutstropfen: das elende Gummiband.

Mein Ford Mustang ist in den Gegenverkehr geraten, hat sich mit einem Kleinlaster angelegt und verloren. Dabei hatte ich doch gerade drei Plätze gut gemacht. Immerhin: Der Unfall sah spektakulär aus. Jetzt dürfte ich wieder Letzter sein. Und das mit großem Abstand. Doch meine Gegenspieler warten, bis mein Mustang wieder mit allen vier Rädern auf der Straße steht, ich Gas geben kann und das Rennen schließlich doch noch gewinne. Das Gummiband hat wieder zugeschlagen. Diesmal zu meinen Gunsten.

Das Gummiband ist essentieller Bestandteil eines "Need for Speed"-Autorennspiels. Es beschreibt einen Mechanismus, der dafür sorgen soll, dass Rennen spannend bleiben, niemand zu weit davon zieht und niemand total abgehängt wird. Wie an einem Gummiband hängen die Autos zusammen. Fällt jemand zurück oder prescht vor, zieht er die Gegner mit. Das Feld bleibt enger zusammen, als es nach den Gesetzen der Physik möglich wäre. Manchmal ist das Gummiband sehr dehnbar, manchmal ist es sehr straff, manchmal nervt es. Bei "Need for Speed: Most Wanted" nervt es.

"Need for Speed: Most Wanted" ist eine Art Remake eines alten "Need for Speed"-Teils. Bis auf den Namen und den Schauplatz hat es allerdings wenig mit dem alten Spiel gemein. Verwirrend? Egal, Hauptsache, es steht "Need for Speed" auf dem Cover. Die seit 1994 laufende Reihe hat inzwischen unzählige Teile für nahezu alle Spieleplattformen hervorgebracht. Schon vor zwei Jahren hat " Need for Speed" die Marke von 100 Millionen verkauften Spielen überschritten und ist damit eine der erfolgreichsten Spielemarken überhaupt. Was nicht zwangsläufig heißt, dass jeder Teil ein gutes Spiel ist. Gerade in den letzten Jahren waren einige Ausfälle zu verzeichnen. "Need for Speed: The Run" zum Beispiel, das ein Roadmovie sein wollte, aber mit mauem Gameplay und einer faden Story scheiterte. Zum Glück aber gibt es immer wieder Highlights.

Auto-Crashs sind visuell perfekt umgesetzt

"Need for Speed: Hot Pursuit" von 2010 gehört dazu, "Most Wanted" auch. Selbst wenn es einige Macken hat. Beide Spiele sind von Criterion entwickelt worden, einem englischen Studio, das vor allem für seine "Burnout"-Reihe bekannt geworden ist. Spiele, in denen es darum ging, seine Autos möglichst formvollendet zu Schrott zu fahren und spektakuläre Unfälle zu verursachen. Einige Elemente aus dieser Reihe finden sich in "Most Wanted" wieder. Die Zeitlupe vor allem, in der die Spielekamera direkt auf das Unfallgeschehen hält. Und die das Spiel von 200 km/h auf null herunterbremst und damit die perfekte visuelle Umsetzung eines Crashs ist. Weil es genau den Moment zelebriert, in dem man jäh aus dem Geschwindigkeitsrausch herausgerissen wird. Man spürt es fast körperlich.

Zwischen Hafenanlagen und Bergstrecken finden Rennen statt, auf Highways und alten Bahnstrecken. Im Dunkeln flackern die Blaulichter der verfolgenden Polizei gefährlich, selbst bei Tag sprühen die Funken noch deutlich, wenn man es mal wieder nicht geschafft hat, einem Nagelband auszuweichen, und auf den Felgen weiterrast. Eigentlich also könnte alles gut sein bei "Need for Speed: Most Wanted".

Wenn da nicht das Gummiband wäre. Das sorgt bei Rennen für haarsträubende Szenen. Vor allem in Kombination mit dem immer vorhandenen Verkehr. Habe ich mich weit abgesetzt, schalten die Gegner den Nachbrenner ein und erreichen annähernd Flugzeuggeschwindigkeiten, um mich kurz vor der Ziellinie wieder zu attackieren. Fieserweise schickt das Spiel jetzt einen querenden Lastwagen, dem die Gegner mit unglaublichen Haken ausweichen. Ich aber nicht. Was bleibt, ist der letzte Platz. So etwas passiert nicht nur einmal, sondern oft. Zu oft. Weshalb ich inzwischen am liebsten durch die Gegend fahre, die in der Landschaft versteckten Autos suche und mir ab und an Verfolgungsjagden mit der Polizei liefere. Das macht nämlich richtig Spaß.

"Need for Speed: Most Wanted" von Electronic Arts, u.a. für PC, Playstation 3 und Xbox 360, ab 40 Euro; USK: Ab 12 Jahren

Das sagen die anderen: Überwiegend positiv sind die Kritiker gestimmt. Eine vielseitige Spielewelt und gutes Fahrgefühl werden gelobt. Zudem gibt es unzählige Multiplayer-Rennen und ein ausgefeiltes Ranglisten- und Freunde-System, das für langen Spaß sorgen soll.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
1. Geniales Spiel
Andree Bremen 18.11.2012
Das Spiel macht unglaublich Spaß und ich finde es schade, dass der Testbericht hauptsächlich vom Gummiband erzählt... das ist halt Geschmackssache. Sehr tolles NFS. Ein würdiger Nachfolger
Das Spiel macht unglaublich Spaß und ich finde es schade, dass der Testbericht hauptsächlich vom Gummiband erzählt... das ist halt Geschmackssache. Sehr tolles NFS. Ein würdiger Nachfolger
2.
NeZ 18.11.2012
Diese Gummiband-KI hat mich schon bei Hot Pursuit gestört. Dadurch hat man keine Kenntnis über die eigene Leistung. Den Gegnern wegfahren ist kaum möglich, andererseits hat man sie zu schnell eingeholt. Bitte, liebe [...]
Diese Gummiband-KI hat mich schon bei Hot Pursuit gestört. Dadurch hat man keine Kenntnis über die eigene Leistung. Den Gegnern wegfahren ist kaum möglich, andererseits hat man sie zu schnell eingeholt. Bitte, liebe Entwickler: Belohnt mich, wenn ich gut fahre und zeigt mir meine Grenzen, wenn ich schlecht fahre. Dauernde Konkurrenz im Nacken ist zwar spektakulär, aber dann ist es egal ob die Rennen 5 oder 15 Minuten dauern, da sie immer erst auf den letzten Kilometern entschieden werden.
3. Tolle Grafik
n01 18.11.2012
Ich hatte früher Need for Speed "Porsche" gespielt. Die Grafik hat sich ja wahnsinnig verbessert. Das die Gegner haarsträubende Manöver ausführten, ohne von der Straße zu fliegen, hat mich damals schon geärgert. [...]
Ich hatte früher Need for Speed "Porsche" gespielt. Die Grafik hat sich ja wahnsinnig verbessert. Das die Gegner haarsträubende Manöver ausführten, ohne von der Straße zu fliegen, hat mich damals schon geärgert. Oder, wenn sie mal rausflogen, standen sie dann urplötzlich wieder auf der Straße. Natürlich genau vor mir, so dass ich wieder rausflog. Um danach, wenn ich wieder urplötzlich auf der Straße stand, von einem Nachfolgendem wieder gerammt zu werden. Aber hat schon Spaß gemacht. Vielleicht sollte ich mir wieder ein Spiel leisten. Das Gummibandprinzip ist für Anfänger ( wie mich) wohl ganz gut, aber wenn man einen Vorsprung herausgefahren hat, wieder nicht so gut.
4. So isses ...
morpholyte 18.11.2012
Infantil wie ich mit meinen 46-Jahren bin, habe ich mein Force-Feedback-Lenkrad rausgekramt und schon einige Stunden gespielt. Sehr lustiges Spiel. Die älteren unter uns, wie ich es bin, kennen sicher die ersten zwei Teile [...]
Zitat von sysopElectronic Arts Das Studio, das für die Unfallporno-Reihe "Burnout" veranwortlich war, macht jetzt "Need for Speed". Der letzte Teil der Serie war ein Flop, macht "Most Wanted" es besser? Ja, bis auf einen Wermutstropfen: das elende Gummiband. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/need-for-speed-most-wanted-rezensiert-von-carsten-goerig-a-866228.html
Infantil wie ich mit meinen 46-Jahren bin, habe ich mein Force-Feedback-Lenkrad rausgekramt und schon einige Stunden gespielt. Sehr lustiges Spiel. Die älteren unter uns, wie ich es bin, kennen sicher die ersten zwei Teile von NFS und waren schon damals begeistert. Wie dem auch sei. Was ich wirklich vermisse ist eine echte Cockpitansicht, wie es sie früher gab. Ist mir unerklärlich wieso diese nicht vorhanden ist. In F1 20xx gibt es sie ja auch und da kommt dann echtes Feeling auf. Dürfte doch kein Problem sein, sowas einzubauen !!
5. Wo gehts lang?
tobicus 18.11.2012
Eigentlich nicht schlechtes Spiel. Mich hat aber genervt, das es keine ordentlichen Wegweiser gibt, denn nur der Radar ist auf einem großem Monitor wenig übersichtlich. Und das Gummiband ist wirklich eine schlechte Idee. Man [...]
Eigentlich nicht schlechtes Spiel. Mich hat aber genervt, das es keine ordentlichen Wegweiser gibt, denn nur der Radar ist auf einem großem Monitor wenig übersichtlich. Und das Gummiband ist wirklich eine schlechte Idee. Man spielt eigentlich nur gegen sich selbst. Also mir hat das Original und Hot Pursuit 2010 deutlich mehr Spass gemacht.

Zum Autor

  • Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele. Für Angespielt bei SPIEGEL ONLINE probiert er die wichtigsten Titel aus - immer genau eine Stunde lang.

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