09.01.2013
Angespielt
Hundreds - die Grenzen des Wachstums
Von Carsten GörigIch drücke auf einen grauen Kreis, er wird rot und fängt an zu wachsen. Je größer er wird, desto größer wird auch die Zahl, die in seinem Inneren steht. Wenn sie bei 100 angekommen ist, habe ich gewonnen.
Das zumindest ist der erste Level von Hundreds. Simpel und nicht sonderlich aufregend. Der zweite auch: Es sind drei Kreise. Einen lasse ich auf 67 wachsen, den nächsten auf 26 und den letzten auf sieben. So weit, so langweilig. Ich bin kurz davor, das Spiel gleich wieder zur Seite zu legen, mache das aber nicht, weil mich die klare Grafik und die entfernt an die Glitch-Electronica von Oval erinnernde Musik ansprechen.
Das ist mein Glück, denn "Hundreds" schafft es schon bald, mich zu überzeugen und zu fesseln, mich zu frustrieren und mir Glücksgefühle zu vermitteln. Dabei ändert sich am Grundprinzip nichts: Spieler müssen Kreise so anwachsen lassen, dass die Zahlen im Inneren addiert einen Wert von 100 ergeben. Dabei dürfen sich die Kreise während des Wachsens nicht berühren, sonst ist der Level vorbei.
Die Entwickler von Semi Secret Software haben schon mit dem Horizontal-Runner-Game "Canabalt" gezeigt, dass sie mit einer simplen Idee fesseln können. Bei "Hundreds" führen sie nach und nach neue Elemente ein: Sie koppeln Kreise, machen sie beweglich. Sie setzen Punkte auf das Spielfeld, die sich verschieben lassen. Sie bringen Sägeblätter ins Spiel, mit denen gewachsene Kreise zurückgesetzt werden. Sie frieren Kreise ein und vor allem: Sie verdichten das Spielfeld immer mehr.
Aus einfachem Denksport wird so ein hochkomplexes Spiel, in dem man nicht nur nachdenken, sondern auch schnell reagieren muss - das ich bisher sicher länger als eine Stunde gespielt habe und mit dem ich noch lange nicht abgeschlossen habe - auch wenn ich es immer wieder genervt zur Seite lege.
"Hundreds" von Semi Secret Software, für iOS (Android-Versionen sind geplant); 2,69 Euro bis zum 10.1.2013, danach ca. 4,50 Euro

