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16.01.2013
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"Lara Croft"-Stimme Nora Tschirner

Schreien, stammeln, stöhnen

Von
Square Enix

Mehr Kleidung und Charakter, weniger Oberweite: Für den neuen Teil des Actionspiels "Tomb Raider" wurde Hauptfigur Lara Croft ordentlich modernisiert. Auch die deutsche Stimme ist neu: Nora Tschirner spricht die Heldin und mit SPIEGEL ONLINE über Brüste, Katastrophen und ihre eigene Nerdhaftigkeit.

Hamburg - Nora Tschirner sieht Lara Croft auf die Brüste. "Die sind wirklich kleiner geworden", sagt sie in Richtung der lebensgroßen Puppe, die im Hamburger Büro des Spieleunternehmens Square Enix steht, "und die sehen auch nicht mehr so abstrus künstlich aus." Tatsächlich sieht die Actionfigur überhaupt ganz anders aus als man sie sonst kennt: Statt ultraknapper Shorts trägt Lara Croft eine lange Hose, die am Oberschenkel zwar gerissen, aber immerhin vorhanden ist; und statt eines bauchfreien Tops trägt sie ein normales Hemdchen mit Spaghettiträgern, wie man sie bei H&M für ein paar Euro bekommt. Und sie sieht viel jünger aus.

Das ist Absicht: Der neue Teil der Computerspielserie heißt schlicht "Tomb Raider", soll im März erscheinen und erzählt die Vorgeschichte der wohl berühmtesten weiblichen Computerspielfigur. Laut den Machern soll sie ab jetzt authentischer und natürlicher wirken - ausgerechnet Lara Croft!

Schreien, Stöhnen, Sprechen, Stammeln

Das ist in etwa die Handlung: Die 21-jährige Lara hat gerade ihr Studium der Archäologie abgeschlossen und sucht nach Abenteuern. Deshalb heuert sie an Bord eines Forschungsschiffs an, das prompt sinkt. Lara landet als Schiffbrüchige auf einer geheimnisvollen Insel, ist dort allerdings nicht allein. Sie trifft auf aggressive Gegner und viele Gefahren und muss ständig um ihr Überleben kämpfen.

Für die deutsche Fassung hat ihr die Schauspielerin Nora Tschirner ihre Stimme geliehen. Sie hat den düsteren Plot am Mikrofon begleitet, mit Schreien, Stöhnen, Sprechen und Stammeln. Acht Tage hat sie im Studio verbracht, um das Spiel einzusprechen. Die neue Lara Croft gefällt ihr: "Sie ist angezogener und hat nicht mehr Wangenknochen, bei denen man das Gefühl hat, man fügt sich eine Wunde zu, wenn man da mal aus Versehen rankommt", sagt sie und lacht. "Sondern sie hat ein nettes freundliches Gesicht, und sie rührt einen tatsächlich. Sie hat wirklich eine Tiefe als Figur."

Tschirner spielt sonst eher Tetris

Die Amazone hat es diesmal schwer: In der neuen Folge gehe es nämlich "echt heftig" und ziemlich brutal zur Sache. "Man leidet wirklich mit", sagt Tschirner. Die junge Heldin gehe in dem Spiel an ihre Grenzen, "weil sie alles zum ersten Mal macht. Das sind Szenen, die echt ans Eingemachte gehen", sagt die Schauspielerin. "Sowas musste ich natürlich auch schon mal spielen, aber in dieser Intensität und dieser Härte, mit dieser Dichte von Katastrophen, die da ständig auf sie einprasseln, ist das auch eine Premiere für mich."

Bekanntschaft gemacht mit der Figur hat die 31-Jährige ursprünglich nicht etwa durch die berühmten Spiele, sondern durch das Musikvideo zu "Männer sind Schweine" von den Ärzten. Darin prügeln sich die Musiker mit einer Computeranimation.

Später hat Tschirner die beiden Kinofilme mit Angelina Jolie gesehen und auch mal ins Spiel gespinkst, aber selbst nicht gespielt. "Das liegt an einer Krankheit, die ich habe, nämlich dass mir schlecht wird, wenn ich Ego-Shooter spiele", sagt sie und lacht. "Tomb Raider" habe sie auch lange für einen gehalten und sich nicht weiter darum bemüht. Sie spiele sonst eher "Tetris" oder das Kartenspiel "Phase 10" auf dem Handy. Jetzt aber soll sich das ändern.

"Ich neige zur Nerdhaftigkeit"

"Das wird das erste Spiel sein, das ich durchspielen werde in meinem Leben", sagt sie zum selbstbesprochenen Abenteuer, sie spiele nämlich eigentlich gern und "neige schon ein bisschen zur Nerdhaftigkeit". Über die Popkultur hat sich die Schauspielerin der Spieleszene genähert und sitzt jetzt zwischen Werbeplakaten und einer lebensgroßen "Tomb Raider"-Figur. Dort gibt sie Interviews zu einer Computerspiel-Ikone, die seit ihrer Entstehung kontrovers diskutiert wird.

Immer wieder geht es um Sexismus. Als ein erster Trailer zum neuen Spiel erschien, gab es Kritik für eine Szene mit einer Beinahe-Vergewaltigung: War das nun wichtig für die Story oder unangebrachtes Werbekalkül? Tschirner sieht sie umstrittene Szene pragmatisch: "Sie wird da bedrängt und muss sich dann - zum Teil brutal - wehren", das sei zwar als Szene heftig, aber mit der Geschichte drumherum durchaus plausibel. "Wir reden hier über eine fiktive Insel, auf der magische Sachen vor sich gehen", sagt sie, und: "Es ist eben kein Dokumentarfilm, das möchte ich hier noch mal sagen."

Das klingt ein bisschen so, als ob in die umstrittene Figur ohnehin zu viel hineininterpretiert würde. "Die hat mich jetzt vorher auch nicht interessiert wegen ihres Charakters. Ich dachte zwar 'geile Alte', aber ich wollte mit der abends keine Partie Bridge spielen", sagt Tschirner. Müsse man auch gar nicht. Es sei ihr auch im Grunde egal, dass Lara Croft einst ein comicartiges Überwesen war. "Ich sehe das nicht so eng." Sie bringt James Bond als männliches Gegenbeispiel: "Ich glaube, Daniel Craig muss jeden Tag 28 Stunden ins Fitnessstudio, damit wir uns überhaupt herablassen, ihn uns anzugucken. Der kommt ja auch nicht mit einer Wampe um die Ecke."

"Die Brüste spreche ich nicht"

Männliche Actionhelden seien dann per se cool, "aber eine coole, tolle und auch sympathische Actionrolle für Frauen gibt es selten." Deshalb habe sie sich gefreut, als das Angebot kam. Die neue Lara sei nämlich "eigentlich relativ normal". Natürlich könne es sein, dass der ein oder andere Fan sich die alte Figur zurückwünsche, die halbnackte Superheldin mit den großen Brüsten.

"Ich finde es aber toller, jetzt mir ihr zu tun zu haben", sagt sie. Die Entwickler sollten sie auf jeden Fall so lassen, wie sie jetzt ist - und nicht wieder zum Abziehbild von einst zurückkehren. Denn: "Die Brüste spreche ich nicht", sagt sie und lacht, "da müsst ihr euch eine andere holen."

Forum

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insgesamt 47 Beiträge
1. Angelina Jolie
disi123 16.01.2013
war die absolut perfekte Besetzung fuer die Rolle. Ich kenne Tomb Raider noch auf meinem AMD K2 mit Duschvideo usw. was dann daraus wurde hatte ich nicht mehr mitverfolgt. James Bond musste ja auch etliche Epochen ueber sich [...]
Zitat von sysopMehr Kleidung und Charakter, weniger Oberweite: Für den neuen Teil des Actionspiels "Tomb Raider" wurde Hauptfigur Lara Croft ordentlich modernisiert. Auch die deutsche Stimme ist neu: Nora Tschirner spricht die Heldin und mit SPIEGEL ONLINE über Brüste, Katastrophen und ihre eigene Nerdhaftigkeit. Nora Tschirner spricht Lara Croft im neuen "Tomb Raider" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/games/nora-tschirner-spricht-lara-croft-im-neuen-tomb-raider-a-877953.html)
war die absolut perfekte Besetzung fuer die Rolle. Ich kenne Tomb Raider noch auf meinem AMD K2 mit Duschvideo usw. was dann daraus wurde hatte ich nicht mehr mitverfolgt. James Bond musste ja auch etliche Epochen ueber sich ergehen lassen. Vom Moerder der Frauen in die Schusslinie zieht, ueber den 80er gefuehlvollen Timothy Dalton bis zum Action Helden Daniel Craig. Lara Croft hat sich eigentlich gut gehalten ueber die Jahre ;)
2. Die wichtigste Frage fehlt im Interview
DonCarlos 16.01.2013
Wann kommen die neuen Folgen für "Ijon Tichy Raumpilot".
Wann kommen die neuen Folgen für "Ijon Tichy Raumpilot".
3.
sponuser2013 16.01.2013
Die Ähnlichkeit ist verblüffend, wenn man das erste Bild und dann das Foto Nora Tschirners betrachtet. Ist das Zufall oder war das beabsichtigt? Also ja, sie ist süß. Glaube kaum, dass die "realistischeren" Körpermaße [...]
Die Ähnlichkeit ist verblüffend, wenn man das erste Bild und dann das Foto Nora Tschirners betrachtet. Ist das Zufall oder war das beabsichtigt? Also ja, sie ist süß. Glaube kaum, dass die "realistischeren" Körpermaße jemanden stören werden, höchstens das Gesicht. Man ist eben die typische Lara Croft gewohnt oder verbindet damit Angelina Jolie. Hätte es nicht schlecht gefunden, wenn man das Gesicht einer jungen Angelina Jolie nachempfunden hätte. Sie war wirklich die perfekte Besetzung für die Tomb Raider Filme. Aber ich werde es eh nicht spielen, außer die Bewertungen sind wirklich megamäßig.
4. Gut gecastet
sirisee 16.01.2013
Nora als Sehnsuchtsobjekt ist gut ausgewählt, auch wenn sie typmäßig noch besser in ein Prenzlauer-Berg Spiel passen würde, in dem man durch schlaues Labern viele Latte Macchiato Punkte gewinnen kann... Vielleicht gibt es das aber [...]
Nora als Sehnsuchtsobjekt ist gut ausgewählt, auch wenn sie typmäßig noch besser in ein Prenzlauer-Berg Spiel passen würde, in dem man durch schlaues Labern viele Latte Macchiato Punkte gewinnen kann... Vielleicht gibt es das aber auch bald ?
5.
inda81 16.01.2013
Das dort Ähnlichkeit besteht mit Nora Tschirner ist eher Zufall. Als Vorbild diente größtenteils die Originalsprecherin Camilla Luddington.
Zitat von sponuser2013Die Ähnlichkeit ist verblüffend, wenn man das erste Bild und dann das Foto Nora Tschirners betrachtet. Ist das Zufall oder war das beabsichtigt?
Das dort Ähnlichkeit besteht mit Nora Tschirner ist eher Zufall. Als Vorbild diente größtenteils die Originalsprecherin Camilla Luddington.

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