Schrift:
Ansicht Home:
Netzwelt

"Doom" im Test

Dämonen hier, Höllenlöcher da. Alles abschießen.

Einer der Erfinder des ersten "Doom" hat einmal gesagt: "Eine Geschichte in einem Spiel hat so zu sein wie die in einem Pornofilm." Am neuen "Doom" hat John Carmack nicht mitgearbeitet - das Credo aber blieb.

Von
Dienstag, 17.05.2016   12:43 Uhr

Spoilerwarnung: In diesem Text wird der komplette Plot von "Doom" verraten. Aber der ist ja auch seit 1993 bekannt.

Eine Hand spannt sich, zerreißt die Kette, die sie an einen steinernen Operationstisch gekettet hält, greift sich einen daneben stehenden Zombie und zerdrückt ihm den Schädel, greift sich eine Pistole, erschießt zwei weitere Zombies. "Doom" braucht nach diesem Anfang keine weiteren Erklärungen. Es ist direkt und brutal. Genau das also, was man vom Nachfolger eines der wichtigsten Spiele der Videospielgeschichte erwartet.

Das erste "Doom" erschien 1993 und revolutionierte Videospiele: Es machte Ego-Shooter bekannt, machte Multiplayerspiele im Netzwerk populär und vor allem: Es machte Spiele gefährlich, hatte eine Wirkung wie Punkrock oder Heavy Metal. Spiele waren auf einmal etwas, das Eltern nicht mehr verstanden und das war schon immer der beste Nährboden für eine Jugendkultur. Mit seiner für damalige Verhältnisse ultrarealistischen Grafik und expliziter Gewaltdarstellung, die mit satanistischer Symbolik verziert wurde, landete es schnell auf der schwarzen Liste von Jugendschützern und selbsternannten Religionshütern - neben Heavy Metal und blutigen Comics. Also genau in der Gesellschaft, in der sich seine Macher gerne sehen wollten.

Überflüssig zu sagen, dass es in Deutschland lange auf dem Index für jugendgefährdende Medien stand und erst 2011 von der Liste gestrichen wurde. "Doom" wurde für das Schulmassaker von Littleton verantwortlich gemacht, was aber mehr mit den Vorstellungen von Moralhütern als mit dem tatsächlichen Geschehen zu tun hatte. So hat "Doom" Videospiele aus einer Nische befreit, hat gezeigt, wie Spiele cool werden können und einer neuen Generation den Weg bereitet. So unterschiedliche Spiele wie "Call of Duty" oder "GTA" wären ohne die kulturelle und auch die technische Vorarbeit von "Doom" kaum denkbar.

Screenshot aus "Doom" (1993)

Dabei hatten sich doch nur ein paar Nerds aus den USA unter dem Namen id Software zusammengetan, die mit dem absurden "Drittes Reich"-Shooter "Castle Wolfenstein" einen ersten Schritt in Richtung berüchtigter Ruhm getan hatten. Unter ihnen John Carmack, der bald zu einem der einflussreichsten Programmierer werden sollte und inzwischen für Oculus Rift VR-Technologie entwickelt, und John Romero, der wahrscheinlich erste Rockstar unter den Spieleentwicklern. Sie sorgten dafür, dass "Doom" technisch ein Meilenstein war, legten damit den Grundstein für den Boom der Ego-Shooter und bauten sich große Garagen für ihre Ferrari-Sammlungen.

Der Name "Doom" ist also eher eine Bürde, weil eine Neuauflage des Spiels niemals den gleichen Effekt haben kann. Wo das erste "Doom" in ein Vakuum hineinstieß, ist heute ein dicht besetzter Markt. Ego-Shooter sind nichts Neues, sondern ein ziemlich gesättigter Markt. Und vor allem: Sie sind in vielem sehr viel subtiler, komplexer geworden als das bei der geballten Wucht eines "Doom" der Fall war.

Umso schöner, dass sich das neue "Doom" nicht mit Feinheiten aufhält, sondern einfach direkt zuschlägt. Es atmet den Geist des Ahnen, auch wenn von dessen Entwicklern niemand mehr dabei ist, nachdem John Carmack als letzter id-Software-Gründer vor drei Jahren das Studio verlassen hat.

Immer da lang, wo jemand auf einen schießt

Schon von Beginn an macht das Spiel klar, dass es um Action geht, direkt und brutal. Die Hintergrundstory ist gewohnt simpel: Dämonen aus der Hölle brechen in eine Marsstation ein, Aufgabe des Spielers: Alle abschießen, sie bis in die Hölle verfolgen. Damit ist zwar die gesamte Geschichte verraten, aber die ist zum einen seit 1993 bekannt und zum anderen sowieso ein schlechter Witz, aus Achtzigerjahre-Heavy-Metal-Plattencovern zusammengebaut.

"Doom" bleibt damit dem Credo von John Carmack treu: "Eine Geschichte in einem Spiel hat so zu sein wie die in einem Pornofilm: Man erwartet, dass sie da ist, aber im Grunde interessiert sie nicht." Und so wird man auch hier jedesmal nervös, wenn eine Unterhaltung länger als eine halbe Minute dauert, so unspannend ist das, was da besprochen wird. Dämonen hier, Höllenlöcher da. Alles abschießen. Als ob man das nicht selbst wüsste. Der Weg erklärt sich von selbst, meistens: Immer da lang, wo jemand gerade auf einen schießt. Wenn nicht, gibt es dezent eingestreute grüne Lichter, die die Richtung anzeigen.

Das Gameplay ist schnell, flüssig und auf eine blutige Art elegant. Wer länger spielt, kommt in einen Rhythmus der Gewalt: Schießen, Nahkampf, schießen, eine Choreographie, die einen immer wieder in eine blutige Trance fallen lässt, unterbrochen nur von der Kettensäge, die im letzten Notfall anspringen muss, oder einem Nahkampfschlag, der verlorene Gesundheit auffüllen kann. Verstecken geht nicht, "Doom" zu spielen, heißt aktiv zu werden, sich zu bewegen, auszuweichen, schnell zu sein. Auf Dauer allerdings ermüdet das. Weniger des Spielprinzips wegen als wegen der Abwechslung. Die Mars-Level unterscheiden sich nicht großartig voneinander, sind in eintönigen Farben gehalten, die Gegner ähneln sich stark. Auch an die Hölle gewöhnt man sich schnell, obwohl hier die Szenerie etwas abwechslungsreicher wird.

Und so bleibt "Doom" ein Spiel, das sehr viel besser als der Vorgänger "Doom 3" ist, im Grunde aber wenig mehr als eine aufwendig produzierte Revivalshow einer alternden Punk- oder Heavy-Metal-Band ist: schön anzuschauen, hervorragend zu spielen, mit immer wieder sehr guten Momenten und nicht nur aus nostalgischen Gründen interessant. Außerdem finden sich bestimmt noch genug Leute, die man damit schockieren kann. Mission erfüllt.


"Doom" von Bethesda, für PC, Playstation 4 und Xbox One, ab 50 Euro; USK: Ab 18 Jahren

Mehr Games

insgesamt 65 Beiträge
treime 17.05.2016
1. Nachdem ich das...
...Video mit den 6 Minuten ingame gesehen hatte, mußte ich mir es doch kaufen. Man muss auch keine 60€ dafür ausgeben, wenn es sich über einen Key-Reseller besorgt. Habe zwar bisher erst nur knapp 60min gespielt, bin aber [...]
...Video mit den 6 Minuten ingame gesehen hatte, mußte ich mir es doch kaufen. Man muss auch keine 60€ dafür ausgeben, wenn es sich über einen Key-Reseller besorgt. Habe zwar bisher erst nur knapp 60min gespielt, bin aber jetzt schon begeistert. Endlich mal wieder ein "echter Shooter". Keine komischen Anzüge mit besonderen Funktionen, keine Alienwaffen, keine abstruse Story die doch keinen Inhalt hat. Schön durchballern. Und das Beste: jeder Mittelklasse PC kann damit noch richtig gute Grafik geniessen! Engine von id halt. Was will man mehr. Für ein Quake5 wünsche ich mir aber mal wieder einen Multiplayerpart wie wir ihn in Q3 hatten!
Msc 17.05.2016
2.
Ich hoffe, sie wissen, dass sie damit in aller Regel Kreditkartenbetrug unterstützen.
Zitat von treime...Video mit den 6 Minuten ingame gesehen hatte, mußte ich mir es doch kaufen. Man muss auch keine 60€ dafür ausgeben, wenn es sich über einen Key-Reseller besorgt. Habe zwar bisher erst nur knapp 60min gespielt, bin aber jetzt schon begeistert. Endlich mal wieder ein "echter Shooter". Keine komischen Anzüge mit besonderen Funktionen, keine Alienwaffen, keine abstruse Story die doch keinen Inhalt hat. Schön durchballern. Und das Beste: jeder Mittelklasse PC kann damit noch richtig gute Grafik geniessen! Engine von id halt. Was will man mehr. Für ein Quake5 wünsche ich mir aber mal wieder einen Multiplayerpart wie wir ihn in Q3 hatten!
Ich hoffe, sie wissen, dass sie damit in aller Regel Kreditkartenbetrug unterstützen.
FrankBennesch 17.05.2016
3. Habe ich mir auch geholt und ...
wie immer einfach nur geil das Teil. Ohne Schickimicki, einfach durch und ballern. Wenn es geht, gleich als Veteran.
wie immer einfach nur geil das Teil. Ohne Schickimicki, einfach durch und ballern. Wenn es geht, gleich als Veteran.
ohne_mich 17.05.2016
4. Ähm....
Für diese extrem steile These ("In aller Regel sind Key-Shops Kreditkartenbetrüger") haben Sie doch sicherlich auch Belege, oder?
Zitat von MscIch hoffe, sie wissen, dass sie damit in aller Regel Kreditkartenbetrug unterstützen.
Für diese extrem steile These ("In aller Regel sind Key-Shops Kreditkartenbetrüger") haben Sie doch sicherlich auch Belege, oder?
the_eagle 17.05.2016
5. Key Reseller und Kreditkartenbetrug
1. "In aller Regel" ist maßlos übertrieben. Es gibt natürlich Berugsfälle, diese sind aber nicht die Regel. Genauso könnte man argumentieren, dass ebay nur geklaute Ware verkauft... 2. Kreditkarten sind das [...]
Zitat von MscIch hoffe, sie wissen, dass sie damit in aller Regel Kreditkartenbetrug unterstützen.
1. "In aller Regel" ist maßlos übertrieben. Es gibt natürlich Berugsfälle, diese sind aber nicht die Regel. Genauso könnte man argumentieren, dass ebay nur geklaute Ware verkauft... 2. Kreditkarten sind das Problem nicht die Reseller und schon gar nicht deren Kunden. 3. 60 Euro zahlen nur deutsche Kunden. Die EU Version ist in 90% der restlichen EU-Länder deutlich günstiger und warum dann nicht auch dort kaufen? Davon abgesehen, geht es ihnen wohl kaum darum die Welt durch Tipps beim Konsumverhalten zu verbessern. Trotzdem danke für Ihren tollen Beitrag...

Angespielt

Zum Autor

  • Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele.

Verwandte Themen

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP