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Netzwelt

"Fortnite: Battle Royale" und "Fallout 76"

Bekannt genug für den Alleingang

Wer ein Online-Spiel auf den Markt bringt, kommt an Vertriebsplattformen wie Googles Play Store und Steam kaum vorbei. Die Macher von "Fortnite: Battle Royale" und "Fallout 76" versuchen es nun anders. Warum?

Bethesda
Von
Mittwoch, 08.08.2018   14:07 Uhr

Spielerisch haben "Fortnite: Battle Royale" und das im November erscheinende "Fallout 76" nicht allzu viel gemein - davon abgesehen, dass beides Online-Multiplayer-Spiele sind. Trotzdem machen die Games gerade mit einem ähnlichem Thema Schlagzeilen: Ihre Hersteller verzichten darauf, ihr Spiel auf einer der populärsten Vertriebsplattformen der Welt anzubieten - weil sie es können.

Beide Ankündigungen sorgen für Wirbel - vor allem, weil viele Gamer überrascht oder verärgert sind, dass sie die beiden Spiele nicht über die gewohnten Kanäle bekommen werden. Im beliebtesten Kommentar einer Diskussion auf der Onlineplattform Reddit zu "Fallout 76" beschreibt ein Nutzer die Situation als unbequem: Auch Steam sei nicht gerade ideal, so der Nutzer. Aber er wolle sich andererseits nicht extra ein Programm nur fürs Starten eines Spiels herunterladen müssen.

Die Provision sparen

Warum Epic Games und Bethesda den Nutzern derartige Umwege dennoch zumuten, ist klar: Sie sehen die Chance, mit ihren Spielen (beziehungsweise den Zusatzkäufen darin) mehr Geld zu machen, indem sie sich Zwischenhändler wie Steam sparen.

Denn Firmen wie Valve, Google und auch Apple werden an den Umsätzen beteiligt, die Spieleanbieter dank der Veröffentlichung eines Spiels auf ihrer Plattform machen. Kauft also beispielsweise ein Spieler in der bereits erschienenen iOS-Version von "Fortnite: Battle Royale", die Epic Games kostenlos in Apples App Store anbietet, mit echtem Geld digitale V-Bucks zum Erwerb eines virtuelles Kostüms, verdient jedes Mal auch Apple daran mit.

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Spieleplattform von Valve: Was ist eigentlich Steam?

Trotz der beachtlichen Provisionen trauen sich nur wenige App- oder Computerspiel-Hersteller, ihre Software ausschließlich jenseits der großen Plattformen anzubieten - bei iOS ist das sogar technisch so gut wie unmöglich.

Fehlt ein Spiel in einem der großen Stores, geht ihm vor allem Sichtbarkeit verloren, denn viele Menschen nutzen die großen Plattformen, um neue Software zu finden. Ist ein kleiner Titel unter Android nicht im Play Store oder im Bereich PC-Gaming nicht auf Steam, gibt es viele Gamer, die ihn gar nicht erst entdecken.

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Ein Poker, der aufgehen dürfte

Hersteller von Blockbustern dagegen können sich den Versuch leisten, die Großen und ihre Gebühren zu umgehen - und so zugleich selbst möglicherweise wertvolle Nutzerdaten sammeln.

So gibt es zum Beispiel das Fußballspiel "Fifa" nicht auf Steam, weil der Konzern dahinter, der US-Riese Electronic Arts (EA), die Digitalversion des Spiels lieber über die hauseigene Plattform Origin verkauft. EA kann sich das erlauben, "Fifa" ist absehbar Jahr für Jahr ein Bestseller.

Bethesda und Epic Games pokern ähnlich. Die "Fallout"-Reihe zählt zu den bekanntesten Spieleserien der Welt, die Chancen stehen gut, dass sich auch der Online-Ableger gut verkauft - egal wo. Und im Zweifel kann Bethesda das Spiel später immer noch auf Steam veröffentlichen, die Hardcore-Fans werden es längst direkt beim Hersteller erworben haben.

"Fortnite: Battle Royale" für Android dürfte sich ebenfalls auch ohne den Play Store im Rücken schnell verbreiten. Epic Games hatte auch schon die PC-Version des Spiels über seine Website angeboten, bei Steam sucht man es bis heute vergeblich.

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Achtung, falsche Apps

Doch die Abwesenheit der Blockbuster-Titel auf den großen Vertriebsplattformen lockt auch Geschäftemacher und Betrüger an: Sie versuchen, die Leerstelle auszunutzen und Nutzern auf der Suche nach dem bekannten Original andere Spiele anzudrehen. Wer im Play Store nach "Fortnite" sucht, bekommt schon jetzt zahlreiche ähnlich betitelte oder vom Logo eher ähnliche Apps präsentiert.

Im Fall von "Fortnite" für Android warnten Sicherheitsforscher auch schon mehrfach vor gefälschten Spielversionen im Netz. Kriminelle nutzten das große Interesse an der ausstehenden Mobilumsetzung, um Nutzern Schadsoftware unterzujubeln.


Hörtipp: Wie steht es derzeit um Steam? Dieser Podcast gibt Auskunft:

Tech-Podcast Netzteil: Voller Schrott - und voll mächtig: Das ist Steam

insgesamt 33 Beiträge
frenchie3 08.08.2018
1. Ein Segen für mich als Spieler
Jedes mal wenn man ein Steam- oder Ubisoftspiel aufmachen will verliert man Zeit für Aktualisierungen der Zugänge. Bei Ubisoft bringe ich auch viele Spiele erst gar nicht zum Laufen.
Jedes mal wenn man ein Steam- oder Ubisoftspiel aufmachen will verliert man Zeit für Aktualisierungen der Zugänge. Bei Ubisoft bringe ich auch viele Spiele erst gar nicht zum Laufen.
Onkel Drops 08.08.2018
2. ja genau FIFA das sich so super verkauft!
jede Spielkonsole die als bundle Version mit FIFA gekauft wird ist der Hauptgrund warum man Tonnen an FIFA DVDs blurays in der Bucht für nen Appel und nen Ei bekommt. Tetris Millionen Fach verkauft lag ja bei jedem Gameboy bei [...]
jede Spielkonsole die als bundle Version mit FIFA gekauft wird ist der Hauptgrund warum man Tonnen an FIFA DVDs blurays in der Bucht für nen Appel und nen Ei bekommt. Tetris Millionen Fach verkauft lag ja bei jedem Gameboy bei pfeifffff. beim PC das gleiche kaufe Mainboards oder Grafikkarte von Firma XYZ und gratis Games . war dann etwas auffällig wie die AMD Vega rx Grafikkarten nur als bundle erhältlich waren(erhältlich hahaha), die kryptominer haben aufgekauft wie die doofen und danach erstmal die gamecodes verkauft. der ehrliche Spieler bekam die Grafikkarten fast garnicht...
benmartin70 08.08.2018
3.
Und Sie glauben das wird bei den genannten Alternativen besser...?
Zitat von frenchie3Jedes mal wenn man ein Steam- oder Ubisoftspiel aufmachen will verliert man Zeit für Aktualisierungen der Zugänge. Bei Ubisoft bringe ich auch viele Spiele erst gar nicht zum Laufen.
Und Sie glauben das wird bei den genannten Alternativen besser...?
xc6lx45 08.08.2018
4. Die Dominanz von Play Store...
... ist ein Riesenproblem. Offensichtlich die hohe Provision. Weniger offensichtlich aber viel schlimmer die Gefahr, dass Google Open-Source Android-Varianten aussperrt und somit zum de-facto-Eigentümer von Android wird (was [...]
... ist ein Riesenproblem. Offensichtlich die hohe Provision. Weniger offensichtlich aber viel schlimmer die Gefahr, dass Google Open-Source Android-Varianten aussperrt und somit zum de-facto-Eigentümer von Android wird (was nützt mir eine unabhängig entwickelte Version, wenn ich in der Praxis 99.99 % der Apps nicht installieren kann). Ich selbst nutze übrigens LineageOs und habe keinen "Google Search Bar" auf meinem Homescreen. Den loszuwerden war gar nicht so einfach.
Zaunsfeld 08.08.2018
5.
Es geht nicht ums Geld. Die Begründung mit dem Geld ist nur vorgeschoben. Gerüchteweise bekommt Steam etwa 30% vom Kaufpreis. Dafür muss aber Steam die komplette Kaufabwicklung durchführen, die Accounts verwalten, stellt die [...]
Es geht nicht ums Geld. Die Begründung mit dem Geld ist nur vorgeschoben. Gerüchteweise bekommt Steam etwa 30% vom Kaufpreis. Dafür muss aber Steam die komplette Kaufabwicklung durchführen, die Accounts verwalten, stellt die gesamte Download- und Serverinfrastruktur, sorgt für Updates etc. Der Anbieter das Spiels muss im Grunde nur die Dateien einmal zur Verfügung stellen, ein bissl Text für den Shop tippen und ein paar Bilder und Demo-Videos hochladen. Den Rest macht Steam mit seiner gewaltigen Reichweite. Ginge es Bethesda oder Electronic Arts nur ums Geld, müssten sie das Spiel auf Steam nur einfach 30% teurer anbieten als auf ihrer eigenen Plattform, um die Steam-Provision wettzumachen. Dann könnten die Kunden sich immer noch frei entscheiden, ob sie 30% mehr zahlen und dafür ihren gewohnten Vertriebskanal benutzen wollen. Und wenn es Bethesda nur um das Geld ginge, dann müssten sie ja auch nicht ihren eigenen Launcher nutzen statt Steam. Denn dann könnten sie auch gleich komplett auf den launcher verzichten. Bethesda und Electroni Arts geht es in Wirklichkeit darum, neue eigene Bloatware auf den Rechnern der Kunden zu installieren. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass der Verzicht auf den Vertriebskanal Steam etwa 60% weniger Käufe bedeutet. Na ob es dann dann wert ist? Ich denke, sehr viele Spieler werden dann lieber erst mal auf Fallout 76 verzichten, selbst große Fans der Serie. Die Nachricht, dass Fallout 76 ein Multiplayer Online Spiel werden wird, hat schon einen großen Teil der Fan-Gemeinde schockiert. Die Tatsache, dass Fallout 76 erst mal über Steam nicht erhältlich sein wird, versetzt den Fans den nächsten Dämpfer.

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