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"God of War" im Test

Erziehung mit der Axt

In "God of War" kämpft sich Kriegsgott Kratos mit seinem Sohn durch den Norden. Das ist so brutal, so intensiv, dass es spielende Eltern zum Nachdenken über sich selbst bringt.

Sony Interactive Entertainment
Von
Montag, 16.04.2018   20:48 Uhr

Der Rückzug hat nicht geklappt: Kratos, ein griechischer Gott, hat sich nach drei turbulenten, in der griechischen Götterwelt angesiedelten Spielen im kalten Norden niedergelassen und trägt einen langen Holzfäller-Bart. Eigentlich wollte er mit Frau und Kind ein ruhiges Leben in einer Waldhütte führen.

Doch die Frau ist tot und das Kind ist eigentlich noch nicht bereit, um den letzten Wunsch der Verstorbenen zu erfüllen: ihre Asche vom höchsten Gipfel des Landes zu verstreuen. Kratos und Atreus, so der Name des Sohnes, ziehen trotzdem los - in eines der prächtigsten Playstation-4-Spiele überhaupt.

"God of War", das am 20. April erscheint, ist der nunmehr vierte Teil der Kratos-Saga und damit die Fortsetzung einer sehr erfolgreichen, aber auch ziemlich brutalen Reihe, die in Sonys Santa-Monica-Studio entsteht. Von Beginn an war "God of War" allein optisch eine Vorzeigeserie, sie machte Werbung für die jeweilige Konsolengeneration. Größer, schöner, schneller war das Motto der Spiele.

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Playstation-4-Neuheit: So sieht "God of War" aus

Viel geändert hat sich an dieser Prämisse nicht. Das neue Spiel sieht brillant aus, in dieser Generation von Konsolenspielen gibt es kaum Vergleichbares. Der Bildschirm lebt und ist voller winziger Details. Kleine Blätter und riesige Monster bewegen sich in großer Selbstverständlichkeit, nehmen alle ihren Platz in der Welt ein. Die nordischen Wälder sind üppig, in Eiswüsten weht der Schnee und die Figuren sinken tief darin ein, Blumenwiesen wogen wie bunte Meere. In Höhlen sind riesige Maschinen versteckt, die zum Leben erweckt werden sollen.

Die Grafikpracht hat ihren Preis

Und immer wieder treten riesige Gegner auf den Plan: Die nordischen Götter sind nicht gerade erfreut über den Flüchtling aus dem Süden und senden Trolle, Oger und Halbgötter aus, um ihn zu töten.

Die grafische Pracht kommt - zumindest auf meinem Testgerät, einer Playstation 4 Pro - jedoch mit einem hohen Preis. Gerade dann, wenn sich besonders viele oder große Gegner auf dem Bildschirm tummeln, dreht der Lüfter der Konsole auf und übertönt alles. Was stört, da auch ruhigere Passagen vom Dröhnen betroffen sind.

Von diesen ruhigen Momenten gibt es einige. Denn das, was das neue "God of War" besonders macht, ist das Zusammenspiel von Vater und Sohn. Als Vater wird der Gott nämlich in seinem Unwissen und seiner Unsicherheit sehr menschlich, sein Sohn ist eine sehr moderne Figur, die ihn hinterfragt, ärgert und dabei immer wieder einfach nur ein Kind ist.

Atreus ist eine echte Hilfe

Das Zusammenspiel der beiden funktioniert so gut, dass man sich als spielender Vater in manchen Dialogen wiederfindet und hofft, nicht ganz so muffig und einsilbig rüberzukommen, wie es Kratos hier die meiste Zeit tut.

Sohn Atreus ist aber nicht nur für die Geschichte, sondern auch für den Kampf wichtig. Wo Kratos mit Axt, Fäusten und Tritten vorgeht, übernimmt Atreus den Fernkampf und schießt mit Pfeilen auf Gegner. Kratos gibt ihm per Knopfdruck Befehle, alles andere regelt der Sohn selbst. Das klappt sehr gut im Vergleich zu anderen Spielen, in denen computergesteuerte Mitstreiter oft eher Hindernis als Hilfe sind.

Letztlich aber - und das ist für "God of War"-Fans wahrscheinlich eine gute Nachricht - bleibt sich die Serie treu. Auch der neueste Teil ist bombastisch und blutig, manchmal sogar abstoßend brutal. Das Spiel ist faszinierend anzuschauen, man kann die Größe und Stärke einzelner Figuren spüren - und vor allem die Macht, die in der Gewalttätigkeit liegt. Da passt die kämpferische nordische Mythologie, hier auch mit "Games of Thrones"-Anleihen ausgeschmückt, recht gut.

Bemerkenswert am neuen Spiel ist dabei, dass es einen stärker als die Vorgänger ins Grübeln bringt, was man hier eigentlich spielt. Die brutale und simple Grundhaltung von "God of War" zwischen gekränktem Stolz und Gewalt als einziger Lösung kennt man zwar auch aus anderen Spielen. Hier erscheint sie jedoch besonders fragwürdig, weil es um das Verhältnis zwischen Vater und Sohn geht, also um Erziehung, um das Vermitteln von Werten. Da wirkt es umso verstörender, dass diese Werte hier einem überkommen geglaubten Menschen- und Männerbild entsprechen.


"God of War" von Sony, für Playstation 4, ca. 60 Euro; USK: Ab 18 Jahren

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insgesamt 8 Beiträge
stefan1904 17.04.2018
1. Überkommen geglaubtes Menschen- und Männerbild?
Kratos und sein Sohn sind Götter, keine Menschen. Außerdem behandelt das Spiel die nordische Mythologie, die nun mal zu einer anderen Zeit entstanden ist. Es würde keinen Sinn ergeben, wenn sich die beiden wie Vater und [...]
Kratos und sein Sohn sind Götter, keine Menschen. Außerdem behandelt das Spiel die nordische Mythologie, die nun mal zu einer anderen Zeit entstanden ist. Es würde keinen Sinn ergeben, wenn sich die beiden wie Vater und Sohn im 21. Jahrhundert in Deutschland unterhalten würden.
phoenix68 17.04.2018
2. Die wahre Herausforderung
waere, Konflikte gewaltfrei zu loesen.
waere, Konflikte gewaltfrei zu loesen.
benmartin70 17.04.2018
3.
Klar, aber als Computerspiel macht Verhandlung und Diplomatie wenig Sinn. Brettspiele gibt es mit entsprechenden Mechanismen, dabei macht man sich aber selten Freunde wenn es um Konflikte und Diplomatie geht :-)
Zitat von phoenix68waere, Konflikte gewaltfrei zu loesen.
Klar, aber als Computerspiel macht Verhandlung und Diplomatie wenig Sinn. Brettspiele gibt es mit entsprechenden Mechanismen, dabei macht man sich aber selten Freunde wenn es um Konflikte und Diplomatie geht :-)
horst_kkk 17.04.2018
4. überkommenes menschen und männerbild?
dies trifft vielleicht für den autor zu. aber lassen Sie sich gesagt sein, dass es tatsächlich männer gibt die spass und freude an filmen a la 300 und Spielen wie God of War haben und sich dabei als Mann auch angesprochen [...]
dies trifft vielleicht für den autor zu. aber lassen Sie sich gesagt sein, dass es tatsächlich männer gibt die spass und freude an filmen a la 300 und Spielen wie God of War haben und sich dabei als Mann auch angesprochen fühlen. Diese Haltung ist aber sowieso nur mal wieder typisch deutsch. Ob Männer in USA, Brasilien, Chile oder Australien etc. Ihrem Bild des neuen Mannes zustimmen würden? Es ist zu bezweifeln. Der deutsche , weinerlich-menschelnde Gutmensch ist zum Glück nur ein nationales Phänomen
polza_mancini 17.04.2018
5. Überkommenes Männerbild?
Im Ernst? Das ist ein Actionspiel....für Konsole...mit Göttern...wer Kratos mit lila Latzhose im Stuhlkreis sehen will, sollte wohl allgemein von Computerspielen die Finger lassen...oder kommen Artikel mittlerweile ohne [...]
Im Ernst? Das ist ein Actionspiel....für Konsole...mit Göttern...wer Kratos mit lila Latzhose im Stuhlkreis sehen will, sollte wohl allgemein von Computerspielen die Finger lassen...oder kommen Artikel mittlerweile ohne PC-Gender-Relevanz-Prüfung nicht mehr durch?

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