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Verfassungsfeindliche Symbole

Videospiele können künftig Hakenkreuze zeigen

Anders als in Spielfilmen waren Hakenkreuze und andere Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Videospielen verboten. Nun darf die Prüfstelle die Zeichen in Deutschland erlauben - unter bestimmten Umständen.

Activision

"Call of Duty: WW2": In der deutschen Version wurden die Hakenkreuze ersetzt

Donnerstag, 09.08.2018   16:34 Uhr

In Computer- und Videospielen in Deutschland können künftig Nazi-Symbole wie Hakenkreuze gezeigt werden. Die Prüfstelle Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) gab am Donnerstag eine Änderung ihrer Praxis bei der Altersfreigabe von Spielen bekannt, in denen Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet werden. Demnach darf die USK derartige Symbole im Spiel zulassen.

Denn künftig darf die Prüfstelle bei einer Prüfung die sogenannte Sozialadäquanzklausel aus dem Strafgesetzbuch mit einbeziehen. Grundsätzlich nämlich stellt Paragraph 86a des Strafgesetzbuchs die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen unter Strafe. Allerdings gibt es Ausnahmen , beispielsweise wenn die Verwendung "der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte" dient.

Diese Sozialadäquanzklausel wird bereits bei Filmen angewandt, nicht aber bei Computer- und Videospielen. In Videospielen wie "Call of Duty" oder "Wolfenstein II", in denen Nazis eine wichtige Rolle spielen, wurden NS-Symbole für den deutschen Markt deswegen abgeändert - etwa das Hakenkreuz in ein Dreieck.

Anonymisierte Uniformen und Hitler ohne Bart

Durch solche Änderungen gerät etwa "Wolfenstein II", das eigentlich als spielbarer Rachefeldzug gegen den Nationalsozialismus gedacht war, in der deutschen Version zu einer bemüht anonymen Parabel: Die Truppen tragen keine Hakenkreuz-Abzeichen, und Hitler kein Oberlippenbärtchen - er heißt hier auch "Herr Heiler" und wird als "mein Kanzler" angesprochen.

Bethesda

In "Wolfenstein: The New Colossus" - "Herr Heiler" ohne Bart

Die USK, die für die Prüfung von Spielen zuständige Einrichtung der Computerspielewirtschaft, wird jetzt ebenfalls prüfen, ob die Verwendung solcher Symbole sozialadäquat ist. Dies sei wegen einer "veränderten Rechtsauffassung der zuständigen Obersten Landesjugendbehörde" möglich.

"Durch die Änderung der Rechtsauffassung können Spiele, die das Zeitgeschehen kritisch aufarbeiten, erstmals mit einem USK-Alterskennzeichen versehen werden", erklärte USK-Geschäftsführerin Elisabeth Secker. "Dies ist bei Filmen schon lange der Fall und auch im Hinblick auf die Kunstfreiheit richtigerweise jetzt auch bei Computer- und Videospielen."

Zugleich bekräftigte die USK, am grundsätzlichen Verbot der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen habe sich nichts geändert. "Daher verlangt eine Entscheidung über eine Altersfreigabe immer die Prüfung im Einzelfall und stellt keine generelle Ausnahme dar."

juh/afp

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