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"Jurassic World Evolution" im Test

Wenn die Urzeit-Echse wieder ausbüxt

Hübsche Hollywood-Dinos, schöner Soundtrack: Die Freizeitpark-Simulation "Jurassic World Evolution" überzeugt in der Präsentation. Leider geht dem Spiel auf halber Strecke die Puste aus.

Frontier Developments
Von
Donnerstag, 14.06.2018   07:51 Uhr

Sirenen heulen auf, Panik bricht aus. Besucher stolpern in die Schutzräume. Ein Velociraptor hat den Zaun seines Geheges durchbrochen und wütet nun im Park. Helikopter steigen auf und lassen den Fleischfresser noch panischer werden. Nur mit einem gezielten Schuss aus dem Betäubungsgewehr ist der Dino noch zu stoppen.

Die Parksimulation "Jurassic World Evolution" zeigt mit solchen Action-Einlagen zu Beginn, welches Potenzial in ihr steckt - das sie aber später wieder verschenkt. Auf der ersten Insel entfaltet der Dino-Park noch seinen ganzen Urzeit-Charme - mit überzeugenden Lichteffekten, einem satten Soundtrack und beeindruckend animierten 3D-Dinos.

Hübsche Urzeit-Echsen aus Hollywood

Die Entwickler von Frontier Developments haben Erfahrung mit Erlebnisparks. Die Briten hatten bereits mit "RollerCoaster Tycoon 3", das erstmals Achterbahnen in einer 3D-Umgebung zeigte, und "Planet Coaster" gezeigt, was sie können. Bei "Jurassic World Evolution" verschieben die Entwickler den Fokus radikal. Die Laune der Parkbesucher ist hier Nebensache, es geht vor allem um die Bewohner des Urzeit-Zoos: um die Dinos.

Fotostrecke

"Jurassic World Evolution": So sieht der Dinopark-Simulator aus

Man merkt, dass sich die Programmierer die 3D-Modelle und das Gebrüll der Dinos bei den Hollywood-Kollegen der Universal Studios geborgt haben. Bei den mehr als 40 Echsen sind mit T-Rex, Brachiosaurus und Triceratops fast alle Spezies dabei, die auch aus den Filmen bekannt sind.

Der Spieler muss sich darum kümmern, dass diese Dinos sich wohlfühlen, dass genügend Fleisch im Napf liegt und ausreichend Blätter am Futtermast hängen. Da die Echsen nicht immer friedlich grasen, sondern auch mal aufeinander losgehen und im schlimmsten Fall die Parkbesucher töten, muss der Spieler nicht nur den Job als Park-Manager erfüllen. Er muss auch Ranger in ihren Helikoptern und Jeeps steuern, um Dinos zu betäuben und Zäune zu reparieren.

Ein paar Stunden nach Spielbeginn lässt die anfängliche Euphorie nach. Das liegt vor allem daran, dass es keine richtige Handlung gibt und der Spieler sich lediglich von einer Mission zur nächsten hangelt, um alle sechs Inseln im Pazifik freizuschalten. Die Aufgaben beschränken sich meist auf einfallslose Vorgaben wie "brüte einen bestimmten Dino aus", "locke mehr Besucher an" und "verhindere Stromausfälle".

Grauenvolle Dialoge bremsen die Euphorie

Noch schlimmer wird es, wenn sich die Filmcharaktere mit Motivationssprüchen einmischen. Grauenhafte Ansprachen wie "Ich habe drei Wörter für dich. Du. Auftrag. Ja." zeigen, wie wenig Mühe sich die Entwickler damit gegeben haben, den Spieler mit einer runden Geschichte durch das Spiel zu leiten.

Das ist schade. Denn technisch macht "Jurassic World Evolution" alles richtig. Die Menüs sind übersichtlich gestaltet, Zäune lassen sich elegant durch den Urwald ziehen, und die Dinos haben detailliert ausgearbeitete Vorlieben, auf die der Spieler bei der Parkgestaltung achten muss. Chaos lässt sich beispielsweise nur dann vermeiden, wenn es ein Wasserloch zum Trinken gibt, Herdentiere mit Artgenossen umherziehen und der Jagdtrieb von Fleischfressern mit Beuteziegen gestillt wird.

Das Spiel ist in weniger als 20 Stunden zu schaffen. Doch es könnte deutlich schneller gehen, wenn der Spielfortschritt nicht künstlich in die Länge gezogen würde. Die Zeit bis zum nächsten Auftrag bestimmen in der Regel die minutenlangen Ausflüge der Forscherteams auf der Suche nach Bernsteinen. Das dauert ewig und kostet etliche Klicks. Bei der ständigen Warterei wünscht man sich nichts sehnlicher als eine Vorspultaste, um endlich den T-Rex aus dem Reagenzglas zu lassen.

Unterm Strich ist "Jurassic World Evolution" ein gelungener Parksimulator mit liebevoll entwickelten Urzeitwesen - aber erheblichen Mängeln bei der Langzeitmotivation. Bis zum Schluss halten vermutlich nur echte Dino-Fans mit Spaß an der Aufzucht von Urzeitechsen durch. Die zähen Wartephasen überstehen nur hartgesottene Ranger, die herausfinden wollen, welcher Dino-Mix auf der Weide am besten passt.


"Jurassic World Evolution" von Frontier Developments, für Playstation 4, Xbox One und PC, ab 54 Euro; USK: Ab 16 Jahren

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insgesamt 2 Beiträge
jhea 14.06.2018
1. Das Spiel hätte potential
wenn man sich ein wenig mehr die mühe gemacht hätte die Schauspieler da gar nicht erst einzubauen und einem von Anfang an den Sandkastenmodus gegeben hätte, bei dem mir nach einer stunde Vorbereitung dann auch der T-Rex [...]
wenn man sich ein wenig mehr die mühe gemacht hätte die Schauspieler da gar nicht erst einzubauen und einem von Anfang an den Sandkastenmodus gegeben hätte, bei dem mir nach einer stunde Vorbereitung dann auch der T-Rex entläuft. Es ist schade, denn so sitz ich davor, schaue zu wie ich 100k / Minute verdiene und muss dann entsprechend 5 bis 10 Minuten warten, bis ich mein Vieh habe, dass dann ggf auch noch im Reagenzglas stirbt. WEnn es denn dann aus dem Glas kriecht und anfängt zu grasen, dann sieht es toll aus - keine Frage, die Grafik ist grandios. Aber ich darf keinen wirklichen Park bauen, wie eben in Rollercoaster Tycoon, sondern nur einige wenige Standardgebäude... Verschönern? fällt aus. Das ganze ist reichlich langweilig... es hätte mehr werden können und für 55 euro ist es zu teuer. für 20 oder so im Steam Sale (wahrscheinlich zu weihnachten ;D ) kann man es sich kaufen und einen langweiligen Sonntagnachmittag ein wenig aufhübschen.
Charlie Whiting 14.06.2018
2. echt ab 16?
Habe auf YouTube einen Test gesehen. Gute Grafik und interessante Aufgaben. Auch sah man, dass es keine gute Idee ist Fleisch- und Pflanzenfresser zusammen zu sperren. Aber deswegen ab 16? Die Filme waren ab 12, oder? Das [...]
Habe auf YouTube einen Test gesehen. Gute Grafik und interessante Aufgaben. Auch sah man, dass es keine gute Idee ist Fleisch- und Pflanzenfresser zusammen zu sperren. Aber deswegen ab 16? Die Filme waren ab 12, oder? Das klassische Aufbauspiel wird hier schön variiert. Ist auch spannender wenn ein Saurier ausbricht weil man nachlässig war als wenn z. B. ein Auto ohne Sprit liegenbleibt. Leider viel zu teuer. Ein Flug nach London gefällig?

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