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Netzwelt

"Meine Talking Angela" und "Dog Run"

Verbraucherschützer mahnen Spiele-Apps für Kinder ab

Eine virtuelle Katze aufziehen? Als Hund über Hindernisse springen? Verbraucherschützer betrachten zwei Handyspiele, die harmlos daherkommen, als Kostenfallen. Sie beanstanden teure In-App-Käufe.

SPIEGEL ONLINE

Werbeseite für "Meine Talking Angela" im App-Store

Montag, 08.10.2018   15:56 Uhr

Wegen angeblicher Kostenfallen hat die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zwei Anbieter von Spiele-Apps für Kinder abgemahnt. Wie die Verbraucherschützer am Montag mitteilten, beanstanden sie die hohen Beträge von teils mehr als 100 Euro für im Spiel kaufbare Güter. Außerdem sei die Werbung dafür sehr aufdringlich. Beide Spiele hätten keine Altersbeschränkung und richteten sich vor allem an jüngere Kinder.

In der einen App namens "My Talking Angela" müssen die Spieler ein virtuelles Katzenbaby adoptieren und aufziehen. Um die Katze schneller großzuziehen oder virtuelle Accessoires zu kaufen, können die Nutzer eine In-Game-Währung in Form von Diamanten und Münzen erwerben. Für einen einzelnen Kauf können dabei bis zu 109,99 Euro fällig werden. Allein in Googles Play Store wurde die App bereits mehr als 100 Millionen Mal heruntergeladen, im Beschreibungstext ist sogar von "über 165 Millionen Downloads" die Rede.

In der anderen App namens "Dog Run" schlüpfen die Spieler in die Rolle eines Hundewelpen, der über verschiedene Hindernisse springen muss. Dabei sammelt er Münzen ein. Auch hier sind In-App-Käufe in Höhe von bis zu 100 Euro möglich.

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Fortwährende Kaufanreize

In beiden Spielen würden die Nutzer durch Pop-up-Werbung fortwährend aufgefordert, In-App-Käufe zu tätigen und für virtuelle Spielewährung mit Euro zu bezahlen, heißt es. Dabei werben die Anbieter laut Verbraucherzentrale teilweise mit Aufschriften wie "Super-Rabatt" sowie hohen Preisnachlässen und digitalen Rabatt-Countdowns. Kinder würden durch solche Appelle persönlich und unvermittelt zum Kauf bewegt, ohne das Angebot kritisch beurteilen zu können, kritisieren die Verbraucherschützer.

"Hohe Beträge bei In-App-Käufen in Spiele-Apps sind keine Seltenheit", sagte Manfred Schwarzenberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Die Anbieter nutzen die geschäftliche Unerfahrenheit und den Spieltrieb der Kinder offenbar schamlos aus", kritisierte er. Es könne nicht sein, dass in einer für Kinder gestalteten Spiele-App mit einem Klick Hundert Euro oder mehr ausgegeben werden können. "Uns werden immer wieder Fälle gemeldet, in denen Kinder schnell mehrere Tausend Euro in Spiele-Apps ausgegeben haben."

Die beiden Anbieter der Spiele sollen ihre Geschäftspraktiken nach dem Willen der Verbraucherschützer ändern und eine Unterlassungserklärung abgeben.

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mbö/AFP

insgesamt 5 Beiträge
m.m.s. 08.10.2018
1. Danke, richtig so
Wer in Spiele für Kinder, gleich welcher Art, kostenpflichtige Spielteile einbaut, der gehört abgemahnt, bestraft, oder das Spiel verboten. Hier ist eben nicht das Land der grenzenlosen Werbungsfreiheit im Kinderzimmer mit [...]
Wer in Spiele für Kinder, gleich welcher Art, kostenpflichtige Spielteile einbaut, der gehört abgemahnt, bestraft, oder das Spiel verboten. Hier ist eben nicht das Land der grenzenlosen Werbungsfreiheit im Kinderzimmer mit finanzieller und betrügerischer Elternabzocke, wie es leider in den USA eingeführt worden war. Es gelten immer noch pädagogische Prinzipien der Fürsorge für die ungestörte seelisch-geistige Entwicklung des Kindes. Da haben Marken, Mode, Gruppenzwang, und geldabhängiger Status nichts zu suchen. Die Folgen derartigen Tuns kann man ausgezeichnet in den USA studieren, braucht man aber nicht, wenn man nur etwas wenig gesunden Verstand mit Erfahrung anwendet.
geotie 08.10.2018
2.
Sind die Kleinen überhaupt geschäftstüchtig, oder ist das alles von den Eltern abgesegnet? Ist das überhaupt so erlaubt? Ich kann mir das nicht vorstellen, dass der Vater Staat da nicht gegen an geht!
Sind die Kleinen überhaupt geschäftstüchtig, oder ist das alles von den Eltern abgesegnet? Ist das überhaupt so erlaubt? Ich kann mir das nicht vorstellen, dass der Vater Staat da nicht gegen an geht!
m82arcel 08.10.2018
3.
Also ich muss vor jedem In-App-Kauf mein Passwort eingeben. Ein bisschen Verantwortung ist da auch den Eltern zuzuschreiben, wenn sie ihren Kindern ein Smartphone in die Hand geben. Zwar finde ich solche "Spiele", die [...]
Also ich muss vor jedem In-App-Kauf mein Passwort eingeben. Ein bisschen Verantwortung ist da auch den Eltern zuzuschreiben, wenn sie ihren Kindern ein Smartphone in die Hand geben. Zwar finde ich solche "Spiele", die nahezu ausschließlich dazu dienen, zu Käufen zu verleiten auch nicht gut, aber Erwachsene können das selbst entscheiden und Kinder sollten eben das Passwort dafür nicht bekommen.
m.m.s. 08.10.2018
4.
Die Telekom hatte bei meinem Kind das einfach so eingestellt, dass ohne mein oder des Kindes Wissens Geld direkt abgehoben wurde. Wir wunderten uns, dass immer kein Geld auf dem Prepaid-Handykonto war, und das Kind im Notfall auch [...]
Die Telekom hatte bei meinem Kind das einfach so eingestellt, dass ohne mein oder des Kindes Wissens Geld direkt abgehoben wurde. Wir wunderten uns, dass immer kein Geld auf dem Prepaid-Handykonto war, und das Kind im Notfall auch mehrfach nicht zu Hause anrufen konnte. Erst nach zwei Jahren fanden wir heraus, dass da ein Abo lief. Natürlich sagte die verantwortungslose Telekom, dass es den Eltern ihre Schuld sei. Seitdem habe ich keine Bereitschaft den Betrügern von der Telekom in irgendeiner Weise entgegen zu kommen, und es wird schon noch der Fall eintreten wo das schlagend wird. Sie haben nicht nur Eltern, sondern einen Elternteil vergrault, der über sein Stehen in der Wirtschaft dann seine Entscheidungen treffen wird. Ein Unternehmen, das im Kleinen keine wirtschaftlich-moralische Einstellung hat, wird das auch nicht im Großen haben. Und: es ist sicher nicht den Eltern ihre Schuld, dass diese angeblich "zu doof" sind die Einstellungen bei dem Handy so vorzunehmen, dass keine Abbuchungen vorgenommen werden können. Da muss der Gesetzgeber heran, der ein solches Geschäftsgebaren untersagen muss.
spon-facebook-10000154386 09.10.2018
5.
Wer zur Bedienung eines Handys nicht fähig ist, sollte es nicht den Kindern geben und auch nicht auf den Anbieter schimpfen. Jeder, der sich über Mobilfunk informiert hat, weiß doch, dass man immer eine Drittanbietersperre [...]
Wer zur Bedienung eines Handys nicht fähig ist, sollte es nicht den Kindern geben und auch nicht auf den Anbieter schimpfen. Jeder, der sich über Mobilfunk informiert hat, weiß doch, dass man immer eine Drittanbietersperre gegen das mobile Bezahlen setzen muss.

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