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Netzwelt

Sammler-Leidenschaft

Der Konsolenkönig aus Leipzig

Für René Meyer liegt das Glück im Keller: Kistenweise hortet der Leipziger dort unten Spielkonsolen. Allein in diesem Jahr hat er schon mehr als hundert Stück gekauft. Sein Sammelwahn brachte dem Journalisten jetzt einen Eintrag im Guinness-Buch. Geld allerdings hat ihm die Sammlung noch nicht eingebracht.

ddp
Montag, 12.10.2009   16:21 Uhr

Zwischen den neuesten Konsolen auf dem Markt und der 27 Jahre alten Spielkonsole Vectrex liegen technologisch gesehen Lichtjahre. Auf dem Schreibtisch von René Meyer sind es lediglich wenige Zentimeter. Die Vectrex mit eingebautem hochformatigen Bildschirm ist das Lieblingsstück aus der mittlerweile 600 Konsolen umfassenden Sammlung des 39-jährigen Leipzigers. Seit zwei Jahren steht er damit im Guinness-Buch der Rekorde. Schon zu DDR-Zeiten entwickelte sich Meyers Interesse für Konsolen und Computer. Mit 17 Jahren programmierte er sein erstes Spiel. Doch mit dem Sammeln begann er erst nach der Wende.

Seinen Arbeitsplatz hat der Journalist für Computer und digitale Medien im Keller seines Hauses eingerichtet, in das er vor einem Jahr mit seiner Familie eingezogen ist. Hier schreibt er seine Artikel, hier betreut er seine Homepage und hier steht auch die Konsolensammlung. Derzeit zeugen noch ein paar gefüllte Kisten von seiner letzten Ausstellung auf der Kölner Gamescom im August dieses Jahres.

Für solche Ausstellungen stellt der zweifache Familienvater seinen gewohnten Tagesablauf auf den Kopf. Denn normalerweise arbeitet er nachts, geht morgens gegen 7 Uhr ins Bett und steht nachmittags wieder auf. Geld bekommt er für das Ausstellen nicht. Vielmehr treibt ihn das Feedback der Anderen an. "Es ist toll, einfach so dazusitzen und dann zuzusehen, wie die Leute sich daran erfreuen. Das ist eine richtige Befriedigung", schwärmt Meyer. Das schönste Kompliment bekam Meyer einmal von dem Spiele-Entwickler Bob Bates zu hören. "Einfach unglaublich", soll er gesagt haben. "Das ist der, von dem man sonst selbst Autogramme sammelt", sagt Meyer.

Vier Tage in der Woche sind bildschirmfrei

Der Eintrag ins Guinness-Buch hat Meyer beflügelt, fleißig weiter zu sammeln. Eine Kostbarkeit seiner Sammlung ist die Magnavox Odyssey, die erste Konsole überhaupt aus dem Jahr 1972. Ein besonderes Stück sei auch die Pong - die einzige Konsole, die in der DDR auf den Markt kam, sagt Meyer. Deshalb sei das Sammeln zur damaligen Zeit nahezu unmöglich gewesen. Anfang des Jahres hat er auf einen Schlag 100 Konsolen dazugekauft. Weitere sollen folgen. Meyer hat seine Wünsche in einer Textdatei auf seinem Computer zusammengefasst. Viele Konsolen gibt es für weniger als hundert Euro im Internet, doch einige Exemplare auf seiner Wunschliste sind um einiges teurer.

Doch Meyer hat auch ein Leben außerhalb seines Kellers. Er engagiert sich beispielsweise in einem Science-Fiction-Club, wo er erst kürzlich in den Vorstand gewählt wurde, und unternimmt viel mit seiner Familie. Sein siebenjähriger Sohn spielt gern Computer- und Konsolenspiele - natürlich nur mit Papas Einverständnis. Schließlich könne er seinem Sohn nicht das verbieten, womit der Vater sein Geld verdient. "Vier Tage in der Woche sind aber bildschirmfrei", stellt der Spieleprofi klar.

Den Wert seiner gesamten Sammlung kann er nicht beziffern. "Wenn jemand kommen und mir für die Sammlung 500.000 Euro bieten würde, dann sag ich ja", sagt Meyer. Sollte dieses verlockende Angebot ausbleiben, habe er schon einen Erben im Auge - seinen Sohn.

Stefan Schröter/ddp

Spielkonsolen: Die aktuelle Generation

Wii
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Der kleine Konkurrent kann im Gegensatz zu den Konsolen der Rivalen keine hochauflösende Grafik bieten, sondern liefert herkömmliche Fernsehauflösung. Trotzdem ist das Gerät so beliebt, dass der Hersteller bisher keine Preissenkung angekündigt hat. In den USA überholte die Wii im Juli 2008 Microsofts Xbox 360, was die Verkaufszahlen angeht. Die Konsole zeichnet sich durch einen bewegungssensitiven Controller und bewegungsorientierte Zusatzgeräte wie das "Balance Board" aus. Mit simplen Sport- und Spaß-Spielen hat sie für die Branche neue Zielgruppen erobert. 2009 führte Nintendo eine Erweiterung für den Controller namens Wii Motion Plus ein, die Bewegungen der Spieler noch präziser erfassen helfen soll. Einen ausführlichen Wii-Test finden Sie hier .
Playstation 3 und 2
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Der direkte Konkurrent von Microsofts Xbox 360 - die beiden Konsolen konkurrieren um die Hardcore-Gamer, die auch bereit sind, für hochauflösende Spielgrafik einen entsprechenden Fernseher zu kaufen. Im März 2007 kam die Konsole in Europa auf den Markt. Im Juli 2008 gab es sie entweder mit 40- oder mit 60-GB-Festplatte - im August 2009 wurde die PS3 slim vorgestellt, mit 120-GB-Festplatte und für einen niedrigeren Preis als das Vorgängermodell. Damit ist sie immer noch die teuerste unter den aktuellen Modellen. Die PS3 gibt ein hochauflösendes Videosignal über einen HDMI-Ausgang aus. Als einzige, momentan erhältliche Spielkonsole enthält sie ein Blu-ray-Laufwerk, mit dem sich auch hochauflösende Blu-ray-Discs abspielen lassen. Einen ausführlichen Test des ersten PS3-Modells finden Sie hier.

Im September 2010 kam in Deutschland die Erweiterung Playstation Move auf den Markt. Das Bewegungssteuerungs-System basiert auf der Konsolenkamera Playstation Eye und Controllern, die leuchtende Kugeln an der Spitze tragen. Die Kamera verfolgt die Bewegungen dieser Kugeln, gleichzeitig sorgen Lage- und Bewegungssensoren für ein noch genaueres Bewegungs-Abbild. Ein sogenanntes Starter-Pack enthält die Kamera und einen Move-Controller, es kostete im Herbst 2010 etwa 80 Euro. Weitere Controller sowie die mit einem Joystick ausgestatteten "Navigation Controller" müssen jeweils extra gekauft werden. Eine Ausrüstung für vier Spieler kann schnell so viel kosten wie eine ganze Konsole. Es sind jedoch auch im Preis reduzierte Bündel-Angebote erhältlich.

Sony hat als einziges der großen Unternehmen noch eine zweite Wohnzimmer-Konsole im Rennen: Die Playstation 2 verkauft sich noch immer, und es geht auch nach wie vor eine Menge Software für das Gerät weg, das in seiner Ur-Version im Jahr 2000 auf den Markt kam. In erster Linie verkaufen sich für das inzwischen geschrumpfte Gerät Partyspiele wie "SingStar" und das Quiz-Spiel "Buzz".
Xbox 360
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Microsofts High-Definition-Konsole ist von den drei aktuellen Konkurrenten am längsten auf dem Markt, nämlich seit Ende 2005. Microsoft schraubte seitdem mehrmals an Preis und Ausstattungsmerkmalen. Die 360 hat ein normales DVD-Laufwerk.

Die aktuellen Modelle geben HD-Bilder über einen HDMI-Ausgang aus. Im Juni 2010 stellte Microsoft eine neue, kleinere, nun durchgägnig schwarze Xbox 360 vor, die serienmäßig mit einem HDMI-Ausgang und einem Wifi-Modul für drahtlosen Netzzugang ausgestattet ist. Das Gerät soll zudem deutlich leiser sein als die vorangegangenen Modelle. Sie kostete in Deutschland zunächst gut 300 Euro. Eine preiswertere Version mit nur vier Gigabyte Flashspeicher, aber ohne Festplatte kostete im Herbst 2010 etwa 180 Euro. Einen ausführlichen Test der ursprünglichen Xbox 360 finden Sie hier.

Im November 2010 kam Micorosofts Bewegungssteuerungs-System Kinect auf den Markt. Es funktioniert ohne physische Controller, erfasst werden die Bewegungen der Spieler von zwei Kameras. Zudem sind in die balkenförmige Kinect-Erweiterung Mikrofone eingebaut. Das System erfasst Bewegungen des ganzen Körpers und kann außerdem auf gesprochene Anweisungen reagieren. Mit Kinect lassen sich nicht nur Spiele steuern, sondern auch die Benutzeroberfläche der Konsole bedienen, Filme starten, pausieren und stoppen und Videochats führen. Kinect kostete bei der Einführung etwa 150 Euro, inklusive eines Spiels. Diverse Bündel-Angebote mit samt einer Konsole sind ebenfalls erhältlich.
Sony PSP
REUTERS

Die Playstation Portable, auf dem Markt seit 2005, ist Sonys erster Versuch, von dem traditionell von Nintendo ("Gameboy") beherrschten Markt für mobile Spielgeräte ein Stückchen abzuzwacken. Seit 2007 gibt es eine etwas dünnere Version namens Slim and Lite. Die Mobilkonsole kann nicht nur Spiele darstellen, sondern auch Filme und Musik abspielen. Außerdem lässt sie sich per W-Lan mit dem Internet verbinden. Filmdownloads und andere Inhalte können von der PS3 auf die PSP verschoben werden, außerdem kann die Mobilkonsole über einen Internetzugang als eine Art Fernbedienung für die PS3 benutzt werden. Die PSP ist auf dem Markt für mobile Spielgeräte Zweiter hinter Nintendos DS. Im Juni 2009 wurde das neue Modell PSP go vorgestellt, das ein herausschiebbares Unterteil mit den Bedienelementen darauf aufweist und deshalb deutlich kleiner ist, dafür aber kein Laufwerk mehr für Sonys UMD-Disk-Format hat. Spiele, Bilder, Filme und Musik sollen darauf direkt heruntergeladen werden. Die 2008 eingeführte PSP 3000 mit UMD-Laufwerk soll aber weiterhin produziert werden. Einen ausführlichen Test der ursprünglichen PSP finden Sie hier .
Nintendo DS

Der Nintendo DS ist seit 2005 in einer ersten Version auf dem Markt, seit 2006 in einer schlankeren Ausgabe namens DS Lite (abgebildet). DS steht für "dual screen". Die Konsole hat einen normalen und in der unteren Hälfte einen Touch-Screen. Spiele werden über Tasten oder aber einen Stylus, mit dem der Touchscreen bearbeitet wird, gespielt. Der DS lässt sich wie die PSP über W-Lan mit dem Internet verbinden, auch Online-Spiele und Spielereien wie Bilder-Chat sind so möglich. Mit Spielen wie "Nintendogs" und "Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging" erschloss der DS neue Zielgruppen für Mobilkonsolen. Der DS ist das derzeit meistverkaufte mobile Spielgerät. Seit der Markteinführung wurden der kleinere DS Lite und zuletzt, Ende 2008 bzw. Anfang 2009 der DSi nachgeschoben. Letzterer weist als Neuerung unter anderem zwei etwas größere Bildschirme und zwei VGA-Kameras auf (eine auf der Bildschirm-Seite, eine auf der Gehäuse-Außenseite). Einen Testbericht über die erste Version des Nintendo DS finden Sie hier , einen Bericht über den aktuellen DSi finden Sie hier . Seit März 2010 gibt es den DSi XL, der einen größeren Bildschirm (4,2 Zoll) verfügt. Bei der Electronic Entertainment Expo im Juni 2010 in Los Angeles stellte Nintendo ein neues Gerät namens 3DS vor, das dreidimensionale Darstellungen auf einem der beiden Bildschirme erlaubt, ohne eine Spezialbrille erforderlich zu machen. Preis und Erscheinungstermin wurden zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht genannt.

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