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Netzwelt

"Skyrim VR" im Test

Dem Auserwählten ist übel

"Skyrim" ist das wohl populärste Rollenspiel der letzten Jahre. Playstation-Besitzer können jetzt in eine Virtual-Reality-Version des Klassikers eintauchen. Doch ist es so aufregend, wie es sich die Fans erhoffen?

SPIEGEL ONLINE
Von
Dienstag, 21.11.2017   11:13 Uhr

An ihren ersten Spaziergang durch die Stadt Weißlauf dürften sich viele Spieler mit einem wohligen Gefühl zurückerinnern. Die Atmosphäre, der von Entwickler Bethesda geschaffenen Fantasywelt, begeisterte 2011 Millionen Spieler vor dem Bildschirm. Kaum etwas klingt für Fans daher attraktiver als die Vorstellung, jetzt per Virtual-Reality-Brille selbst in die Spielwelt einzutauchen. Zumal "Skyrim" - anders als viele bisherige VR-Spiele - garantiert mehr als nur ein kurzes Abenteuer bietet. Doch was taugt die neue Version "Skyrim VR", die sich seit Freitag zunächst exklusiv über Sonys Headset Playstation VR spielen lässt?

Zum Paket gehören alle offiziellen Erweiterungen des Spiels, auch die Geschichte und die Spielwelt sind identisch mit den bisherigen PC- und Konsolenversionen. Als Auserwählter "Dragonborn" rettet der Spieler die Welt Himmelsrand vor den zurückgekehrten Drachen. Nebenbei darf er sich auf unzählige Nebenaufgaben stürzen und Gilden sowie Bruderschaften beitreten, um sein eigenes Abenteuer zu erleben.

Verschiedene Reisemöglichkeiten

In der "Skyrim"-Variante für Playstation VR stehen drei unterschiedliche Arten der Fortbewegung zur Auswahl, sofern die zusätzlich zur Brille erhältlichen Move-Controller vorhanden sind. Der Spieler kann mit ihnen unter anderem einen Platz auswählen und sich dort hin teleportieren.

Wer sich lieber frei bewegen will, nutzt dafür die Move-Taste, die größte auf dem Handcontroller. Wird sie gedrückt, geht es vorwärts. Kleinere Richtungskorrekturen übernimmt die linke Hand, ergänzend machen zwei Tasten grobe Bewegungen nach rechts oder links möglich.

Diese beiden Steuerungsvarianten sind beim ersten Ausprobieren gewöhnungsbedürftig. Die Teleportation ist keine Dauerlösung, weil damit ein wirklich präzises Manövrieren durch die Spielwelt unmöglich ist. Die Alternative funktioniert nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ganz gut. Wenn es allerdings hektisch wird und schnelle Reaktionen gefragt sind, fehlt auf dem Controller doch ein Analogstick.

Wer kein Freund der Bewegungssteuerung ist, darf sich mithilfe des klassischen Playstation-4-Controllers durch die Spielwelt bewegen. Damit lassen sich vor allem die Menüs und das Inventar deutlich sicherer bedienen. Allerdings geht so auch ein Stück Immersion verloren. Mit der Move-Steuerung wird nämlich mit echten Handbewegungen das Schwert geschwungen, Magie gewirkt oder Pfeile verschossen - und das funktioniert ziemlich gut.

Vor allem die Zauber lassen sich mit der Bewegungssteuerung präzise einsetzen. Der Kampf mit dem Schwert dagegen, entwickelt sich manchmal zum wilden Gefuchtel. Beim Versuch die eigenen Kopfhörer zu richten, passiert es schon mal, dass ein wehrloser Dorfbewohner die Waffe abbekommt.

Fotostrecke

Brillen-Bilanz: So steht es gerade um Virtual Reality

Doch nicht nur er leidet unter der Steuerung. Auf seiner Reise durch "Skyrim VR" kann dem Spieler durchaus mal übel werden. Bei meinem Test musste ich nach der ersten Stunde eine kleine Pause einlegen, mehr als zwei Stunden am Stück schaffte ich nicht ohne Nebenwirkungen. Wer panische Angst vor Riesenspinnen hat, bekommt ebenfalls Probleme. In der virtuellen Realität kommen sie sehr nah.

Für einen zweiten Tester, einen "Skyrim"-Neuling, war die Reise noch früher vorbei. Vor allem, wenn das Geschehen mit dem Controller gesteuert wird, kann einem offenbar schnell übel werden - eine schlechte Grundlage für ein Spiel, das darauf ausgerichtet ist, dass man sich stunden- oder tagelang in seiner Welt aufhält.

Die Technik zerstört die Immersion

Auch die technische Umsetzung des Spiels macht das Versinken schwer, selbst auf einer Playstation 4 Pro. Manche Texturen laden einfach nicht und sorgen für schwarze Löcher in der Welt. Andere sehen so aus, als stammen sie aus einem Spiel der späten Neunzigerjahre. Hinzu kommen Clipping-Fehler, die Figuren und Gegenstände ineinander kollidieren lassen, Charaktermodelle, die über den Boden schweben und gelegentliche Soundaussetzer.

Der Spieler wird dadurch immer wieder aus der eigentlich tollen Fantasy-Welt gerissen. Das ist tragisch, denn die Atmosphäre und der tolle Soundtrack von "Skyrim" sind auch sechs Jahre nach der Erstveröffentlichung immer noch fantastisch. Besonders das (Wieder-)Erkunden der Spielwelt macht unter der Brille Spaß.

Trotz all der Fehler bleibt der Spaziergang durch Weißlauf in der Virtual Reality beeindruckend. "Skyrim" VR zeigt, welches Potenzial bekannte und umfangreiche Spiele in der virtuellen Realität haben können. Wer Abenteuerlust und einen starken Magen mitbringt, sollte diesem Erlebnis eine Chance geben.

Die vermutlich beste VR-Fassung von Skyrim lässt sich voraussichtlich 2018 erleben. Dann soll das Spiel auch für die Computer-Brille HTC Vive erscheinen. Verbunden mit einem leistungsstarken PC dürfte die Welt in dieser Variante schicker als auf Playstation VR daherkommen.


"Skyrim VR" von Bethesda, für Playstation 4; ca 60 Euro; USK Ab 16 Jahren, getestet auf der Playstation 4 Pro

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insgesamt 15 Beiträge
kraijjj 21.11.2017
1. Hmmm
Hat wer ein Spielerzahlenvergleich zur Hand? Auch wenn Classic/BC-Zeiten schon eine Weile vorbei sind würde mich interessieren ob nicht WoW das populärste RPG der letzten 12 Jahre ist. :)
Hat wer ein Spielerzahlenvergleich zur Hand? Auch wenn Classic/BC-Zeiten schon eine Weile vorbei sind würde mich interessieren ob nicht WoW das populärste RPG der letzten 12 Jahre ist. :)
haifasuper 21.11.2017
2.
WoW ist ein MMORPG, das wesentliche dabei ist die online Anbindung. Skyrim ist eine Einzelspieler Erfahrung.
Zitat von kraijjjHat wer ein Spielerzahlenvergleich zur Hand? Auch wenn Classic/BC-Zeiten schon eine Weile vorbei sind würde mich interessieren ob nicht WoW das populärste RPG der letzten 12 Jahre ist. :)
WoW ist ein MMORPG, das wesentliche dabei ist die online Anbindung. Skyrim ist eine Einzelspieler Erfahrung.
Iron Ignatz 21.11.2017
3. besser auf den PC
Komplexe Spiele lassen sich auf dem PC besser spielen als auf Konsolen. Auch die Grafik sieht mit einer guten Grafikkarte deutlich besser aus.
Komplexe Spiele lassen sich auf dem PC besser spielen als auf Konsolen. Auch die Grafik sieht mit einer guten Grafikkarte deutlich besser aus.
Msc 21.11.2017
4.
Schlechte Steuerungsmöglichkeiten Körperliches Unwohlsein Technisch schwache Umsetzung voller Fehler -> Tolles Spiel 10/10 Dieser Artikel zeigt wie man keinen Spielbericht schreibt.
Schlechte Steuerungsmöglichkeiten Körperliches Unwohlsein Technisch schwache Umsetzung voller Fehler -> Tolles Spiel 10/10 Dieser Artikel zeigt wie man keinen Spielbericht schreibt.
martinm70 21.11.2017
5. Thema Motion Sickness
Man sollte nicht den Fehler machen die Sichtfeld Beschränkung, wenn man stufenlose Bewegung verwendet, gleich wieder zurücksetzen sondern sollte sie besser erstmal in der Mittelstellung belassen, diese Funktion ist dafür da [...]
Man sollte nicht den Fehler machen die Sichtfeld Beschränkung, wenn man stufenlose Bewegung verwendet, gleich wieder zurücksetzen sondern sollte sie besser erstmal in der Mittelstellung belassen, diese Funktion ist dafür da Motion Sickness zu verhindern. Je größer das Sichtfeld desto eher die Gefahr Motion Sickness zu bekommen. Mir gefällt das Spiel bisher sehr gut, auch wenn man dem Spiel sein Alter natürlich anmerkt.

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