Schrift:
Ansicht Home:
Netzwelt

Online-Propaganda

Auch Google kämpft mit künstlicher Intelligenz gegen Terror-Inhalte

Nach Facebook geht auch Google in die Offensive: Der Konzern beschreibt in einem Zeitungsbeitrag, wie er künftig stärker gegen terroristische Inhalte auf seinen Plattformen vorgehen will.

AFP

Google-Zentrale in Irland

Montag, 19.06.2017   13:54 Uhr

Google hat angekündigt, den Kampf gegen terroristische Inhalte im Netz mit künstlicher Intelligenz zu verstärken. Der Internetkonzern werde dafür mehr Entwickler und seine modernste Technologie bei selbstlernenden Maschinen einsetzen, kündigte Google-Chefjurist Kent Walker am Sonntag an. Gleichzeitig will das Unternehmen verstärkt auf Hilfe von Experten setzen. Erst vor wenigen Tagen war Facebook mit einer ähnlichen Erklärung an die Öffentlichkeit gegangen.

Unter anderem sollen so bei der Videoplattform YouTube automatisch mehr Clips mit Terrorpropaganda aufgespürt werden. Auch die Zahl der Experten, die über als verdächtig markierte Videos entscheiden, werde stark erhöht, schrieb Walker in einem Beitrag in der "Financial Times" und im Unternehmensblog. Google setzt dabei auf "Trusted Flagger", das sind Einzelpersonen und Organisationen, denen Google vertraut, wenn sie anstößige oder rechtswidrige Inhalte anzeigen. Das können auch Strafverfolgungsbehörden sein.

In Deutschland gehören jugendschutz.net, das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Jugendschutz im Internet, sowie der Verein FSM (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter) zu den "Trusted Flaggern".

Mehr zum Thema künstliche Intelligenz

Walker betonte, Google, YouTube und andere Internetfirmen arbeiteten zwar schon seit Jahren daran, solche Inhalte zu finden und zu löschen - aber "die unbequeme Wahrheit ist, dass wir als Industrie eingestehen müssen, dass noch mehr getan werden muss. Jetzt".

Druck aus der Politik nimmt zu

Google setze bereits auf die Analyse von Videobildern, um Terrorpropaganda auch ohne Hinweise von Nutzern zu entdecken, betonte Walker. Mehr als die Hälfte der in den vergangenen sechs Monaten gelöschten Inhalte sei so gefunden worden. Entwickler des Internetkonzerns hätten eine Technologie entwickelt, die ein erneutes Hochladen bereits bekannter terroristischer Videos verhindere.

Auch Facebook gab vor wenigen Tagen bekannt, dass selbstlernende Maschinen stärker dafür eingesetzt werden, solche Inhalte gar nicht erst wieder auf die Plattform durchzulassen. Zudem werde an einem Algorithmus gearbeitet, der terroristische Propaganda durch Textanalyse erkennen solle.

Aus dem Archiv zum Thema

Internetunternehmen stehen in Europa unter wachsendem Druck aus der Politik, härter gegen Terrorinhalte vorzugehen. So erklärte die britische Premierministerin Theresa May nach dem jüngsten Attentat auf der London Bridge, Extremismus finde im Netz eine sichere Brutstätte - und die großen Internetunternehmen ließen dies zu.

In Deutschland sieht ein umstrittener Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) Strafen von bis zu 50 Millionen Euro vor, wenn Internetfirmen illegale Inhalte nicht schnell genug löschen. Für Montag ist zu dem Gesetz eine Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestags angesetzt, bei der unter anderem Organisationen und Verbände ihre Argumente einbringen können.

gru/dpa

insgesamt 5 Beiträge
vox veritas 19.06.2017
1. Einerseits, andererseits
Ich weiß nicht, was ich von der Sache halten soll. Einerseits befürworte und begrüße ich, daß diese Maßnahmen, um Terrorpropaganda, u.ä. abzuwürgen, andererseits geht die auch nicht davon weg. Der Vorteil an den Social [...]
Ich weiß nicht, was ich von der Sache halten soll. Einerseits befürworte und begrüße ich, daß diese Maßnahmen, um Terrorpropaganda, u.ä. abzuwürgen, andererseits geht die auch nicht davon weg. Der Vorteil an den Social Media Platformen ist eben, daß man ganz leicht das ganze Ausmaß des Dramas erkennt und die Sicherheitsbehörden entsprechende Informationen abgreifen können. Zukünftig werden wir dann mehr wie ein Vogel Strauß sein, getreu dem Motto" Out of sight, out of mind".
lotharbongartz 19.06.2017
2. Menschliche Intelligenz reicht voellig
Den Nutzern muss nur das "Melden" nahegelegt werden. In der virtuellen Community "moove" haben wir dieses Prinzip schon vor vielen Jahren erfolgreich angewendet. Beitraege mit hoher Beanstandungs-Quote sollten [...]
Den Nutzern muss nur das "Melden" nahegelegt werden. In der virtuellen Community "moove" haben wir dieses Prinzip schon vor vielen Jahren erfolgreich angewendet. Beitraege mit hoher Beanstandungs-Quote sollten vom Programm praeventiv geblockt und erst nach Ueberpruefung freigeschaltet werden. Beanstandungen von "Querulanten" koennen igoriert werden; andere Nutzer dagegen koennen eine hohe "Beanstandungs-Glaubwuerdigkeit" erlangen.
andysamak70 19.06.2017
3. Ihr solltet nicht immer auf den Google Hype hereinfallen
was die jetzt wieder versuchen mit einen neuen Header zu verkaufen hats schon vor 40 Jahren wesentlich praeziser unter dem Namen Relationale EDV Datenbank gegengeben. Was da auf IBM mainframes gelaufen ist davon ist Google auch [...]
was die jetzt wieder versuchen mit einen neuen Header zu verkaufen hats schon vor 40 Jahren wesentlich praeziser unter dem Namen Relationale EDV Datenbank gegengeben. Was da auf IBM mainframes gelaufen ist davon ist Google auch heute noch "lightyears" entfernt. Der Unterschied lag nur im Harwarevolumen und im Marketing.
ackermart 20.06.2017
4. (Sp)online-Propaganda?
"Auch Google kämpft mit künstlicher Intelligenz gegen Terror-Inhalt"... steht direkt neben, bzw. wie auf einander Bezug nehmend in Folge, dem Kampf von Herrn Maas gegen "Hasskriminalität in sozialen [...]
"Auch Google kämpft mit künstlicher Intelligenz gegen Terror-Inhalt"... steht direkt neben, bzw. wie auf einander Bezug nehmend in Folge, dem Kampf von Herrn Maas gegen "Hasskriminalität in sozialen Netzwerken". Die Gleichsetzung von "redlicher Hasskriminalität" und Terror-Inhalt ist da ja wohl nicht zufällig. Obgleich man doch Herrn M. in der Frage, ob gleich man dies denken darf, doch gerade die Grenzen seiner natürlichen intelligenz aufzeigte. Leute, Ihr könnt doch nicht Euren selbst mutig berichteten Inhalten kontrapropagandisieren.
theroadtoutopia 20.06.2017
5. Quantitatives Problem
Nein, das geht bei Google und Co. nicht mehr. Laut Statistiken (findet man nach kurzer Suche im Web) werden je Minute 300 Stunden Videomaterial hochgeladen. Eine derartige Datenmenge kann nicht mehr ohne maschinelle Hilfe [...]
Zitat von lotharbongartzDen Nutzern muss nur das "Melden" nahegelegt werden. In der virtuellen Community "moove" haben wir dieses Prinzip schon vor vielen Jahren erfolgreich angewendet. Beitraege mit hoher Beanstandungs-Quote sollten vom Programm praeventiv geblockt und erst nach Ueberpruefung freigeschaltet werden. Beanstandungen von "Querulanten" koennen igoriert werden; andere Nutzer dagegen koennen eine hohe "Beanstandungs-Glaubwuerdigkeit" erlangen.
Nein, das geht bei Google und Co. nicht mehr. Laut Statistiken (findet man nach kurzer Suche im Web) werden je Minute 300 Stunden Videomaterial hochgeladen. Eine derartige Datenmenge kann nicht mehr ohne maschinelle Hilfe klassifiziert werden. Man muss ja irgendwie zusehen, dass mindestens auch 300 Videostunden je Minute klassifiziert werden können, da ansonsten die unbearbeitete Datenmenge weiter zunimmt. Die dann als "verdächtig" klassifizierte Teilmenge an Videos ist dann hoffentlich so klein, dass sie wieder durch Menschen in Realtime bearbeitet werden kann. Da jedoch die Menge an gelieferten Daten stetig zunimmt bleibt die Frage offen, wann selbst das nicht mehr möglich sein wird.

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Die zehn größten Börsengänge der Welt

Rang Firma Jahr Volumen in Mrd Dollar Land
1. General Motors 2010 23,1* USA
2. AgBank 2010 22,1 China
3. AIA (Versiche- rer) 2010 22,0 Hongkong
4. ICBC (Bank) 2006 21,97 China
5. Visa (Kredit- karten) 2008 19,65 USA
6. NTT Mobile 1998 18,05 Japan
7. Enel (Energie) 1999 16,59 Italien
8. Facebook 2012 16,01** USA
9. NTT (Telekom) 1986 13,75 Japan
10. Deutsche Telekom 1996 12,49 Deutschland

* Bei Addition der Stamm- und Vorzugsaktien; ** Bei Verkaufspreis am oberen Ende der Spanne; Quelle Reuters

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP