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Netzwelt

Kampf gegen Internetkriminelle

Nordrhein-Westfalen fordert neuen Straftatbestand

Wenn Kriminelle Computer oder Smartphones hacken, soll ein neuer Straftatbestand des "digitalen Hausfriedensbruchs" gelten: Das fordert der Justizminister aus Nordrhein-Westfalen. Neu ist seine Idee nicht.

DPA

Tastatur eines Laptops

Mittwoch, 09.08.2017   08:43 Uhr

Das Strafgesetzbuch sollte aus Sicht des nordrhein-westfälischen Justizministers um den Straftatbestand des "digitalen Hausfriedensbruchs" erweitert werden. Damit könnten Polizei und Justiz besser gegen kriminelle Hacker vorgehen, die Computer und Mobiltelefone mit schädlichen Programmen infizieren, sagte der CDU-Politiker Peter Biesenbach der Deutschen Presseagentur in Düsseldorf.

"Dazu reicht oft schon das Anklicken von Links in Spam-Mails oder das Öffnen infizierter Dateianhänge." Auch elektronische Geräte in Fahrzeugen und Wohnungen würden von Cyberkriminellen zunehmend missbraucht.

Bereits vor einem Jahr habe der Bundesrat eine Gesetzesinitiative in den Bundestag eingebracht. "Es ist völlig unverständlich, dass Bundesjustizminister Heiko Maas diese drängende Problematik noch immer nicht aufgegriffen hat", kritisierte Biesenbach den SPD-Politiker.

Manipulierter Smart TV habe Pärchen ausgespäht

Dabei müssten die Bürger dringend vor manipulierter "Zombie-IT" geschützt werden. "Vor Kurzem ist ein Pärchen von der Webcam seines Smart-TV heimlich beim Liebesspiel gefilmt worden", berichtete der Minister. "Der Mitschnitt tauchte anschließend auf einer Pornowebsite auf. Solche Fälle machen deutlich, dass der eigene Fernseher schnell zur Waffe gegen seinen Benutzer werden kann."

Die Gesetzesinitiative aus der Länderkammer sieht in besonders schweren Fällen des digitalen Hausfriedensbruchs bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe vor, etwa bei Gefährdung der öffentlichen Sicherheit.

gru/dpa

insgesamt 5 Beiträge
Mach999 09.08.2017
1. Aktionismus
Beide Beispiele sind bereits abgedeckt: §303b StGB (Computersabotage) und § 201a StGB (Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen).
Beide Beispiele sind bereits abgedeckt: §303b StGB (Computersabotage) und § 201a StGB (Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen).
felisconcolor 09.08.2017
2. gilt
dann auch umgekehrt der Grundsatz der Unverletzlichkeit der Wohnung für Computer und Smartphones? Wer jetzt fragt warum das denn, hat was nicht verstanden. Es ist heute juristisch einfacher in einen Computer oder ein Smartphone [...]
dann auch umgekehrt der Grundsatz der Unverletzlichkeit der Wohnung für Computer und Smartphones? Wer jetzt fragt warum das denn, hat was nicht verstanden. Es ist heute juristisch einfacher in einen Computer oder ein Smartphone einzudringen (zu durchsuchen) als eine Hausdurchsuchung durchzuführen. Da stehen ziemlich hohe Hürden vor (u.a. das Grundgesetz) Wenn jetzt Computer und Smartphones das gleiche Recht zugebilligt bekommen wäre das ein großer Schritt. Aber ich glaube das hat der werte Justizminister so gar nicht auf dem Schirm gehabt.
Senor_Wuetante 09.08.2017
3. Über die Webcam ausgespäht?
Hätten Sie dazu nähere Angaben? Vllt. sogar wider erwarten eine zitierfähige Quelle? Oder nur Hörensagen? Das würde mich ja schon interessieren. Es liest sich schon sehr wie der klischeehafte Albtraum des Techniklaien.
Hätten Sie dazu nähere Angaben? Vllt. sogar wider erwarten eine zitierfähige Quelle? Oder nur Hörensagen? Das würde mich ja schon interessieren. Es liest sich schon sehr wie der klischeehafte Albtraum des Techniklaien.
egojen 09.08.2017
4. Überflüssig. Blinder Aktionismus statt echte Probleme zu lösen.
Typisch: Ein Politiker liest in der Zeitung eine Meldung über eine ungewöhnliche, neuartige Vorgehensweise von Kriminellen. Die Reaktion ist "natürlich" sofort: Da muss ein neues Gesetz her (denn dazu sind je [...]
Typisch: Ein Politiker liest in der Zeitung eine Meldung über eine ungewöhnliche, neuartige Vorgehensweise von Kriminellen. Die Reaktion ist "natürlich" sofort: Da muss ein neues Gesetz her (denn dazu sind je Politiker da). Bester wäre es gewesen, mal mit Fachjuristen zu sprechen, bevor man gleich mit der tollen Idee an die Öffentlichkeit geht. Dann hätte man herausgefunden, dass dieses Verhalten schon lange strafbar ist. Und der Herr Landesjustizminister hätte seine Zeit etwas Sinnvollerem widmen können (etwa der Frage, wie man in NRW eine ausreichende Anzahl von Staatsanwälten bekommt, die dann Straftaten auch tatsächlich verfolgen).
Leser161 09.08.2017
5. This
Diese Gesetze reichen vollends. Politiker sollen mal lieber echte Gesetzeslücken bekämpfen. Oder dafür sorgen, dass man seine Recht auch bekommt ohne andauernd einen Anwalt bemühen zu müssen (Gibt genug Beispiele wo es [...]
Zitat von Mach999Beide Beispiele sind bereits abgedeckt: §303b StGB (Computersabotage) und § 201a StGB (Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen).
Diese Gesetze reichen vollends. Politiker sollen mal lieber echte Gesetzeslücken bekämpfen. Oder dafür sorgen, dass man seine Recht auch bekommt ohne andauernd einen Anwalt bemühen zu müssen (Gibt genug Beispiele wo es mächtige Körperschaften einfach mal drauf ankommen lassen, weil nur ein geringer Anteil dagegen klagt)

Schad- und Spähsoftware

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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

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