Schrift:
Ansicht Home:
Netzwelt

Snowden im SPIEGEL

"Die NSA könnte eine nützliche Rolle spielen"

Geheimdienste seien nützlich und wichtig, müssten aber reformiert werden, sagt Edward Snowden im aktuellen SPIEGEL. Vor engen Kooperationen der Dienste mit privaten Firmen warnt der Whistleblower.

DPA

NSA-Zentrale in Fort Meade, Maryland

Samstag, 09.09.2017   07:58 Uhr

Der Whistleblower Edward Snowden hält die Präsidentschaft Donald Trumps für das Ergebnis eines "Systemversagens", für das die Geheimdienste maßgeblich verantwortlich seien.

Titelbild

Mehr dazu im SPIEGEL

Heft 37/2017
Alles wird Wut!
Die Berliner Ruhe trügt - in Deutschland brodelt es

Um den weltweiten Überwachungsapparat immer weiter ausbauen zu können, hätten Behörden wie die NSA oder die CIA seit Jahren den Terrorismus und andere Bedrohungen größer gemacht als sie tatsächlich seien, sagte Snowden in einem Interview mit dem SPIEGEL. Dadurch hätten sie eine "Kultur der Angst" geschaffen. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch mit Edward Snowden im neuen SPIEGEL.)

"Sie hat uns dahin geführt, wo wir heute stehen. Wie sonst soll man Trump erklären, denn als ein Systemversagen der Vernunft?", so Snowden.

Er habe allerdings "immer noch Vertrauen, dass sich die Dienste reformieren können", sagte der 34-Jährige in seinem Moskauer Exil. "Ich habe nicht dafür gekämpft, die NSA oder die CIA niederzubrennen. Ich finde sogar, dass sie eine nützliche Rolle in der Gesellschaft spielen. Aber nur, solange sie die wirklich wichtigen Bedrohungen gegen uns bekämpfen und dafür Methoden benutzen, die uns am wenigsten schaden. Wir schießen ja auch nicht mit Kanonen auf Spatzen. Alle kapieren das, nur nicht die Geheimdienste."

In dem SPIEGEL-Gespräch warnte Snowden zugleich vor einer immer engeren Kooperation staatlicher Überwachungsbehörden mit privaten Konzernen. "Natürlich können Firmen der Regierung bei Terrorermittlungen helfen", so der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter. "Aber ich fände es gefährlich, wenn wir sagten: Hey, Google, du bist jetzt der Sheriff des Internets. Du entscheidest, wo Gesetze gebrochen werden."

Es sei ohnehin bedenklich, dass die Bosse großer Internetkonzerne immer unverhohlener politische Ambitionen geltend machten. Wenn Menschen wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg ernsthaft ins nächste US-Präsidentschaftsrennen einsteigen wollten, müsse man fragen: "Wollen wir zulassen, dass die Firma, die weltweit die größte Präsenz in den sozialen Medien hat und nun auch klare politische Ambitionen, darüber entscheidet, was eine zulässige politische Rede ist und was nicht?"

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

kno/jös

insgesamt 3 Beiträge
micromiller 09.09.2017
1. Die NSA und die anderen 10+ Dienste sind
die Garanten für die Freiheit (der USA), wenn sie von der Regierung kontrolliert werden ansonsten wohl eher gefährlich. Das Merkel und alles was interessant ist, abgehört wird, gehört zum Geschäft und dient unter Umständen [...]
die Garanten für die Freiheit (der USA), wenn sie von der Regierung kontrolliert werden ansonsten wohl eher gefährlich. Das Merkel und alles was interessant ist, abgehört wird, gehört zum Geschäft und dient unter Umständen auch unserer Sicherheit, denn Frau Merkel ist unberechenbar und handelt teilweise vollkommen losgelöst vom Parlament, so gibt es wenigstens eine Kontrolle.
Bürger Icks 09.09.2017
2. US-Bot?
Tolle Kontrolle, durch die sauberen Geheimdienste der ehemals angeblich vereinigten Staaten...
Zitat von micromillerdie Garanten für die Freiheit (der USA), wenn sie von der Regierung kontrolliert werden ansonsten wohl eher gefährlich. Das Merkel und alles was interessant ist, abgehört wird, gehört zum Geschäft und dient unter Umständen auch unserer Sicherheit, denn Frau Merkel ist unberechenbar und handelt teilweise vollkommen losgelöst vom Parlament, so gibt es wenigstens eine Kontrolle.
Tolle Kontrolle, durch die sauberen Geheimdienste der ehemals angeblich vereinigten Staaten...
cavete 09.09.2017
3. Ausgleich finden
"In dem SPIEGEL-Gespräch warnte Snowden zugleich vor einer immer engeren Kooperation staatlicher Überwachungsbehörden mit privaten Konzernen. 'Natürlich können Firmen der Regierung bei Terrorermittlungen helfen', so der [...]
"In dem SPIEGEL-Gespräch warnte Snowden zugleich vor einer immer engeren Kooperation staatlicher Überwachungsbehörden mit privaten Konzernen. 'Natürlich können Firmen der Regierung bei Terrorermittlungen helfen', so der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter. 'Aber ich fände es gefährlich, wenn wir sagten: Hey, Google, du bist jetzt der Sheriff des Internets. Du entscheidest, wo Gesetze gebrochen werden.'" Eine berechtigte Sorge. Ebensogut koennte man in dem Zusammenhang auch die Frage aufwerfen, ob es wohl obliesgatorisch ist, wenn Politiker im Rennen um die US-Praesidentdentschaf entwerder von Haus aus ueber ein grosses Vemoegen verfuegen sollten oder enorme Spendensummen einwerben muessen, um erflogreich zu sein. Und natruelich, was das fuer die Politik des Obsiegernden zur Folge hat. Moeglich, dass eine Aenderung dieser "Zugangsvoraussetzungen" auch zu einer verrenderten politischen Arbeit fuehrte - hin zu wegniger Spaltung und mehr zu einer Gemeinsamkite des Landes und seiner Bewoelkerung. Dass das dann auch Auswirkungen auf die Arbeit von Geheimdeinste haben koennte, liegt nahe, da die Nachrichtendienste stets ein Werkzeug der Regierung darstellen. Als problematisch kann man ansehen, dass Nachrichtendienste widegehend in einem nicht sanktionsbewehrten Rahmen operieren, der ihnen jedwede Handlungsfreiheit laesst, weil sie ja per se als im Intresse der nationalen Sicherheit oder oder dergleichen definiert wird. Und sich dann in aller Regel auch schwerlich jemand findden wird, der etwaige Verfehlungen sanktionieren wird. Da shined es gegebenenfalls ein stilles Einvernehmen zu geben bei pilotisch Verantwortlichen, die vielleicht mehr auf eine Begrenzung von Aktivitaeten hinwirken koennten - wenn sie nur wollten. Wenn aber die wirtschaftlichen Erfolge den selbstgesteckten Anspruechen womoeglich nicht genuegen, kann man naturelich schon in Versuchung geraten, einen entsprechenden Ausgleich auf anderer Ebne zu finden.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP