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Netzwelt

Trotz Sicherheitslücken

Bundesbehörde bringt elektronische Wahl ins Gespräch

Gerade erst fanden Hacker Schwachstellen in der Software, die zur Bundestagswahl eingesetzt wird. BSI-Chef Schönbohm kann sich dennoch für die nächste Abstimmung ein elektronisches Verfahren vorstellen.

DPA

Wahlhelfer sortieren und zählen Stimmzettel in einem Wahllokal

Dienstag, 12.09.2017   11:04 Uhr

Trotz Sicherheitslücken in der Software, die auch bei der Bundestagswahl zum Einsatz kommt: Der Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) glaubt nicht, dass Deutschland sich von der Idee einer elektronischen Wahl verabschieden müsse.

Das sagte Behördenchef Arne Schönbohm in einem Interview mit dem "Handelsblatt" (nur Online hinter der Paywall, nicht in der gekürzten Print-Version). Schönbohm verneinte die Frage, ob man die Umstellung auf die elektronische Wahl - wie es sie in anderen Ländern bereits gebe - absagen solle. "Wenn wir das Thema Digitalisierung ernst nehmen, dann dürfen wir dabei nicht einzelne Bereiche ausblenden", so Schönbohm. "Die elektronische Wahl sollte Thema in der nächsten Legislaturperiode sein."

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Sicherheit bei der Bundestagswahl

Sollten die Deutschen per Software wählen dürfen?

Unklar bleibt, wie die Aussagen des Behördenchefs in Einklang zu bringen sind mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2009. Dieses hatte Wahlcomputern eine klare Absage erteilt. Sie sind in Deutschland nicht im Einsatz zur Bundestagswahl.

Gefahr von Hackerangriffen bei der Bundestagswahl 2017

Wahlzettel aus Papier als bester Manipulationsschutz

Schönbohm betonte, natürlich müsse die Sicherheit im Vordergrund stehen. So müsse es zum Beispiel eine Zwei-Faktor-Authentifizierung geben. Im Alltag kommt diese etwa beim Onlinebanking mit zwei getrennten Geräten zum Einsatz.

In der vergangenen Woche waren schwere Sicherheitslücken in der Wahl-Software bekannt geworden, mit der die Wahlergebnisse bei der Bundestagswahl zumindest teilweise von den Kommunen und Ländern zum Bundeswahlleiter übertragen werden können. Dieser Softwareeinsatz ist erlaubt, es handelt sich um Programme, die vereinfacht gesagt beim Zusammenrechnen und Weiterleiten der Ergebnisse helfen können.

In den Analysen der Sicherheitsexperten hatten sich die Wahlzettel aus Papier als wichtigster Schutz vor dem Szenario einer möglichen Manipulation bewiesen. Die Stimmzettel können immer wieder nachgezählt und mit den digital übermittelten Ergebnissen abgeglichen werden. Wird elektronisch gewählt, fehlt dieser Manipulationsschutz.

acg/gru/dpa

insgesamt 79 Beiträge
merlin 2 12.09.2017
1. Sollen wir mal raten?
Sollen wir mal raten, wer das gegen Zahlung einer mindestens zweistelligen eher dreistelligen Millionensumme umsetzen möchte? Ich würde auf das Mautkonsortium tippen oder so "Größen" wie Siemens oder Daimler. Und [...]
Sollen wir mal raten, wer das gegen Zahlung einer mindestens zweistelligen eher dreistelligen Millionensumme umsetzen möchte? Ich würde auf das Mautkonsortium tippen oder so "Größen" wie Siemens oder Daimler. Und die Lobbyisten laufen sich jetzt schon die Füße wund. Und wenn es dann angegriffen wird, wird es eben verschwiegen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
EmKay 12.09.2017
2. Ja so sind sie
Fakten & Experten ignorieren, dass können sie. Eventuell hat man ja auch einfach "Bekannte" die dann den dicken Reibach machen wenn Aber-Millionen Maschinen verkauft werden. Zur Not kommt das Totschlag-Argument, [...]
Fakten & Experten ignorieren, dass können sie. Eventuell hat man ja auch einfach "Bekannte" die dann den dicken Reibach machen wenn Aber-Millionen Maschinen verkauft werden. Zur Not kommt das Totschlag-Argument, dass man ja den Urwald schützt, wenn man keine Zettel mehr benutzt ;-)
imo27 12.09.2017
3.
Nicht erst die LTW in NRW hat gezeigt, dass das ausgezählte Ergebnis nicht mit dem tatsächlichen Ergebnis übereinstimmen muss. Bei 61 Stimmbezirken, in denen nachgezählt werden durfte, wurden 50 Abweichungen festgestellt. [...]
Nicht erst die LTW in NRW hat gezeigt, dass das ausgezählte Ergebnis nicht mit dem tatsächlichen Ergebnis übereinstimmen muss. Bei 61 Stimmbezirken, in denen nachgezählt werden durfte, wurden 50 Abweichungen festgestellt. Aufgrund der Art der Abweichungen kann man schließen, dass "Hacker" keine Computer brauchen, sondern auch beim Wahlzettelsystem ganz erfolgreich manipulieren. Die sogenannten Sicherheitsexperten scheint es nicht zu stören. Die beste Lösung wäre ein elektronisches Kontrollsystem für die Auszählung der Wahlzettel, damit die Schummeleien bei der Auszählung erschwert werden.
jan.22301 12.09.2017
4. Sinnlose Verschwendung!
Trotz der bekannten Mängel von Wahlsoftware, trotz eines klaren Verfassungsgerichtsurteils, trotz der weltweit bekannten Gefahr der Wahlmanipulation (USA) wird in der Bundesrepublik an der Einführung von Wahlsoftware gearbeitet. [...]
Trotz der bekannten Mängel von Wahlsoftware, trotz eines klaren Verfassungsgerichtsurteils, trotz der weltweit bekannten Gefahr der Wahlmanipulation (USA) wird in der Bundesrepublik an der Einführung von Wahlsoftware gearbeitet. Das ist eine Verschwendung von Ressourcen. Und eine Mißachtung des Rechtsstaats.
varlex 12.09.2017
5. Es wird so kommen
und das ist auch gut so. Möglich machen könnte man dies über den elektronischen Personalausweis und einer TAN in der Wahlbenachrichtigung. Nach erfolgter Wahl bekommt man einen Brief mit einer 2. TAN zugeschickt und die Wahl [...]
und das ist auch gut so. Möglich machen könnte man dies über den elektronischen Personalausweis und einer TAN in der Wahlbenachrichtigung. Nach erfolgter Wahl bekommt man einen Brief mit einer 2. TAN zugeschickt und die Wahl muss bestätigt werden. (Oder über ein Gerät mit TAN-Erzeugung, wie auch immer). Das generelle Problem ist in diesem Falle eher die Anonymisierung (Geheime Wahl) und der sicher Kommunikationsweg zu entsprechenden Servern. Aber ich bin sicher, dass es kommen wird, und besser man bereitet sich jetzt schon darauf vor, als wenn man es ruckartig durchboxt.
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