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Netzwelt

Tarifoption "StreamOn"

Netzagentur fordert Telekom zum Nachbessern auf

Für die einen ist StreamOn das Ende der Netzneutralität, für andere ein attraktives Zusatzpaket. Jetzt hat sich die Bundesnetzagentur geäußert. Sie hält das Angebot für zulässig, stellt aber Forderungen an die Telekom.

StreamOn-Option der Telekom

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Montag, 09.10.2017   16:50 Uhr

Nach längerer Prüfung hat sich die Bundesnetzagentur zum Telekom-Mobilfunkangebot StreamOn geäußert. Wie jetzt bekannt wurde, hat die Bundesnetzagentur dem Mobilfunkkonzern bereits am Freitag mitgeteilt, dass dessen kostenlose Zubuchoption "StreamOn" in Details gegen die Vorschriften zur Netzneutralität und zum Roaming verstößt.

Das Grundprinzip des Tarifs, dass die Nutzung bestimmter Audio- und Videodienste wie Spotify und Netflix, unter bestimmten Umständen nicht auf das Datenvolumen des Vertrags angerechnet wird, wird von der Bundesnetzagentur nicht in Frage gestellt. "Das Zero-Rating-Angebot als solches ist nach derzeitiger Sicht der Bundesnetzagentur im Wesentlichen zulässig", schreibt die Behörde. Mit Blick aufs Zero-Rating seien lediglich noch kleinere Vertragsanpassungen nötig, heißt es auf Anfrage.

Die Einschätzung war mit Spannung erwartet worden. StreamOn hatte schon bei seiner Ankündigung im April für Aufsehen gesorgt: Manche Telekom-Kunden freuten sich über weitgehend unlimitiertes Streaming, Netzaktivisten und Bürgerrechtler waren größtenteils skeptisch, was die Folgen des Angebotes unter anderem für kleinere Anbieter angeht.

Der VZBV forderte ein Verbot

So forderte im Mai beispielsweise der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) von der Netzagentur, StreamOn zu verbieten. Das Angebot verstoße gegen das Gebot der Netzneutralität, nach dem alle Daten im Internet diskriminierungsfrei gleichbehandelt werden müssen, hieß es seinerzeit vom VZBV.

Die Aufsichtsbehörde stößt sich nun vor allem am Kleingedruckten in den Telekom-Verträgen. So wird etwa in einigen Tarifen, etwa MagentaMobil L, die Datenübertragungsrate beim Videostreaming auf DVD-Qualität reduziert. Beim Audiostreaming hingegen gibt es keine von der Telekom festgelegten Einschränkungen.

"Es darf im Netz keine Verkehrsdaten-abhängigen Verkehrsregeln geben", sagt ein Netzagentur-Sprecher auf SPIEGEL-Anfrage. Die Telekom dürfe die Streaming-Qualität zwar reduzieren oder auch nicht, sie müsse dabei aber alle Dienste gleich behandeln. Eine unterschiedliche Behandlung der Medientypen verstoße gegen das Gebot der Gleichbehandlung allen Datenverkehrs.

Ein weiterer Kritikpunkt der Netzagentur: Verbraucher könnten StreamOn im europäischen Ausland derzeit nicht so wie im Inland nutzen, also nicht vom sogenannten Roam-Like-at-Home-Prinzip profitieren. "Während im Inland das Datenvolumen der StreamOn-Dienste unbegrenzt ist, wird bei der Nutzung im EU-Ausland das durch StreamOn genutzte Datenvolumen vom Datenvolumen des Magenta-Tarifs abgezogen", bemängelte die Netzagentur.

Auch ein Vodafone-Angebot wird geprüft

Wie die Netzagentur auf Anfrage bestätigt, prüft sie derzeit auch ein Angebot der Telekom-Konkurrenz: Vodafone hatte kürzlich mit zubuchbaren Pässen unter den Namen "Chat", "Social", "Music" und "Video" ein StreamOn von der Idee her ähnliches, im Detail aber anders aufgebautes Zusatzangebot vorgestellt.

Die Telekom hat nach der Mitteilung der Netzagentur nun zwei Wochen Zeit zu reagieren und die identifizierten Mängel zu beseitigen. Nach dem Paragraf 126 Telekommunikationsgesetz kann die Bundesnetzagentur bestimmte Dienste untersagen und zur Durchsetzung auch hohe Strafgelder verhängen.

Von der Telekom heißt es in einer ersten Stellungnahme, man habe das Schreiben der Netzagentur erhalten und teile die Rechtsauffassung der Behörde nicht: "Sie wendet hier nur ihre eigene, sehr enge Interpretation des EU-Rechts an." Erfreulich sei, "dass die Bundesnetzagentur unsere Position bestätigt, wonach Zero-Rating grundsätzlich möglich ist".

Dazu betont die Telekom, sie stehe "für das offene und freie Internet": Jeder Anbieter von Musik- oder Videostreaming könne bei StreamOn "unproblematisch Partner werden und die Partner müssen uns auch nicht bezahlen".

Hinweis: Zu den StreamOn-Partnern der Telekom zählen unter anderem auch SPIEGEL TV und das Videoangebot von SPIEGEL ONLINE.

mit Material von dpa

insgesamt 9 Beiträge
Nonvaio01 09.10.2017
1. Die deutschen und Ihre Handy Tarife
in Irland. 35 Euro, all you can eat, data calls messages, Daten werden natuerlich mit LTE ubertragen, drosselungen gibt es nicht.
in Irland. 35 Euro, all you can eat, data calls messages, Daten werden natuerlich mit LTE ubertragen, drosselungen gibt es nicht.
lugi languste 09.10.2017
2.
Ganz so schlimm ist es dann auch nicht. Immerhin verlangt Vodafone Irland auf 60€ für 15GB!
Zitat von Nonvaio01in Irland. 35 Euro, all you can eat, data calls messages, Daten werden natuerlich mit LTE ubertragen, drosselungen gibt es nicht.
Ganz so schlimm ist es dann auch nicht. Immerhin verlangt Vodafone Irland auf 60€ für 15GB!
lugi languste 09.10.2017
3.
Sollte natürlich 60 Euro für 15 GB heißen.
Zitat von lugi langusteGanz so schlimm ist es dann auch nicht. Immerhin verlangt Vodafone Irland auf 60€ für 15GB!
Sollte natürlich 60 Euro für 15 GB heißen.
realist4 09.10.2017
4.
Netzagentur, Kartellamt, Datenschützer, alle mit bester Intention ;), machen die Dinge für den Verbraucher nur schlechter. Fußball muss man nur zweimal zahlen, kostenloses Streaming wird erschwert und und und. Da fragt man sich [...]
Netzagentur, Kartellamt, Datenschützer, alle mit bester Intention ;), machen die Dinge für den Verbraucher nur schlechter. Fußball muss man nur zweimal zahlen, kostenloses Streaming wird erschwert und und und. Da fragt man sich ob diese Organisationen in Wirklichkeit den Wettbewerb einschränken wollen.
hoppelmoppel79 10.10.2017
5. genau so
muss es sein! "Sie wendet hier nur ihre eigene, sehr enge Interpretation des EU-Rechts an." Arme Telekom, haben wohl die Lobbyisten versagt? Gesetze sind dazu da dass man sie einhält und nicht, um alles Mögliche [...]
muss es sein! "Sie wendet hier nur ihre eigene, sehr enge Interpretation des EU-Rechts an." Arme Telekom, haben wohl die Lobbyisten versagt? Gesetze sind dazu da dass man sie einhält und nicht, um alles Mögliche reinzuinterpretieren und dann zu tun was man will.

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