Schrift:
Ansicht Home:
Netzwelt

Account-Verifikation

Twitter verteilt vorerst keine blauen Häkchen mehr

Twitter hat seine Verifizierungsfunktion für bekannte Persönlichkeiten vorübergehend gestoppt. Der Dienst war zuvor kritisiert worden, weil er das Profil eines US-Rechtsextremen mit einem blauen Häkchen versehen hatte.

DPA

Twitter-Logo

Freitag, 10.11.2017   12:54 Uhr

Manche Accounts auf Twitter wirken offizieller, wichtiger als andere: die mit einem blauen Häkchen, sogenannte verifizierte Accounts. "Ein Account kann verifiziert werden, wenn festgestellt wird, dass er von öffentlichem Interesse ist", erklärt Twitter dazu in einem Erklärtext. "Dies umfasst typischerweise Accounts, die von Nutzern aus den Bereichen Musik, Film, Mode, Regierung, Politik, Religion, Journalismus, Medien, Sport, Wirtschaft und anderen wichtigen Bereichen betrieben werden."

Bis auf Weiteres jedoch will Twitter keine blauen Häkchen mehr vergeben. Grund dafür ist ein Vorfall, der auf der Plattform selbst große Empörung auslöste: Twitter hatte den Account von Jason Kessler verifiziert, der zu Gesichtern der White Supremacists zählt.

Auf seiner Erklärseite stellt Twitter zwar schon länger klar: "Ein Verifizierungszeichen bedeutet nicht, dass Twitter Inhalte des Accounts billigt." Trotzdem ist das Häkchen für Kesssler durchaus eine gewisse Form der Adelung, schließlich wird damit laut Twitter-Definition nahegelegt, dass sein Account - der Account eines rechtsextremen Rassisten - von "öffentlichem Interesse" sei.

Als prominenter Kritiker der Verifizierung Kesslers fiel zum Beispiel der amerikanische Comedian Michael Ian Black auf. In einem Tweet richtete er sich direkt an den Twitter-Chef Jack Dorsey: Das blaue Häkchen für Kesslers Account würde bestätigen, dass der Kurznachrichtendienst eine Plattform für Hasskommentare ist, so Black.

"Das System ist kaputt und muss überdacht werden", schrieb Jack Dorsey noch am gleichen Tag. In einer offiziellen Mitteilung verkündete das Unternehmen außerdem, dass die Verifizierungsfunktion vorübergehend gestoppt werde. Während der Pause soll an einer Lösung gearbeitet werden.

Jason Kessler hatte unter anderem die Demonstration "Unite the Right's March" organisiert. Im August zogen dabei Nationalisten, Rassisten und Neonazis gemeinsam durch die Stadt Charlottesville. Es kam zu zahlreichen Ausschreitungen. Insgesamt starben drei Menschen, 35 wurden verletzt.

tki

Sagen Sie Ihre Meinung!

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP