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11.01.2010
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China

Porno-Petzer kassieren staatliche Prämien

AFP

Sexshop in Peking: Wer den chinesischen Behörden Porno-Webseiten meldet, wird belohnt

Chinas neuer Volkssport scheint die Jagd auf Porno-Webseiten zu sein. Binnen eines Monats meldeten chinesische Netz-Nutzer den Zensurbehörden Zehntausende pornografischer Angebote. Aus gutem Grund, denn es winken Geldpreise. Gewinner wurde ein Student.

Peking - Das hat sich gelohnt: Weil er gezielt Jagd auf pornografische Seiten im Internet gemacht hat, ist ein chinesischer Student jetzt gleich mehrfach ausgezeichnet worden. Einem Bericht der staatlichen Zeitung "Peking News" vom Montag zufolge gewann der namentlich nicht genannte junge Mann aus der nördlichen Provinz Shanxi einen landesweiten Wettbewerb für Pornojäger. Als Preisgeld konnte er immerhin 10.000 Yuan (rund tausend Euro) einsacken.

Zugleich heimste der Student Geldpreise der Internet-Zensurbehörden mehrerer chinesischer Städte und Provinzen ein. Offenbar ging der junge Mann dabei professionell zu Werke, vermarktete seine Suchergebnisse gleich mehrfach. Insgesamt soll er der Regierung 32 Internetseiten mit pornografischen Inhalten gemeldet haben.

Dass der Student auf die Idee kam, Porno-Seiten aufzuspüren, war der "Peking News" zufolge kein Zufall. Dasselbe dürfte freilich auch für Millionen westlicher Teenager gelten. Der Preisgewinner gab dem Blatt gegenüber nun an, seine schulischen Leistungen hätten schwer unter dem Einfluss pornografischer Web-Seiten gelitten. Er habe eigentlich gute Noten und sicher das Zeug für eine "wirklich gute Universität" gehabt. Durch Internetpornografie sei er aber abgesackt und nur auf ein College gegangen.

Damit spielt der unbekannte Pornojäger den chinesischen Zensurbehörden den Ball direkt vors Tor. Schon seit Jahren werden pornografische Inhalte im Netz von den Behörden als Grund für härtere Zensurbestimmungen genannt. Schließlich müsse man seine Bevölkerung vor derart üblen Umtrieben schützen.

Bisher allerdings wurden diesen Zensurmaßnahmen ausschließlich von den Behörden selbst reguliert. Seit nun aber Preise für die Jagd auf pornografische Web-Seiten auslobt wurden, beteiligen sich auch staatstreue Websurfer am Aufbau entsprechender Zensurdatenbanken. Bei Chinas Bürgern jedenfalls scheint das staatliche subventionierte Pornojagdprogramm gut anzukommen: Innerhalb eines Monats wurden bereits 62.000 Websites gemeldet - was allerdings auch zeigt, wie viele Chinesen solche Seiten offenbar schon kennen.

mak/AFP

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