15.03.2012
BitTorrent-Plattform
Schwedischer Staatsanwalt ermittelt gegen Pirate Bay
The Pirate Bay: Im Vereinigten Königreich möglicherweise bald nicht mehr erreichbar
Hamburg - In einem Blog-Beitrag hatten die Pirate-Bay-Betreiber schon vergangene Woche erklärt, ihnen sei zugetragen worden, dass "der schwedische Bezirksstaatsanwalt Fredrik Ingblad schon im Jahr 2010 neue Ermittlungen gegen The Pirate Bay eingeleitet hat".
Nun bestätigt das schwedische Fachmagazin "PC För Alla" diesen Sachverhalt. Das Magazin zitiert einen Sprecher des schwedischen Webhosters Binero mit den Worten: "Wir können bestätigen, dass Ermittlungen gegen The Pirate Bay im Gange sind." Bineros Marketing-Chef Erik Arnberg erklärte, man habe "einen Brief mit Fragen erhalten". Zwei Pirate-Bay-Domains mit der schwedischen Domain-Endung .se sind bei Binero registriert. Arnberg erklärte jedoch auch, bislang habe man nicht die erforderlichen Gerichtsbeschlüsse erhalten, um die gewünschten Auskünfte zu erteilen und werde das bis zum Erhalt dieser Dokumente auch nicht tun.
Der erste juristische Schlag gegen The Pirate Bay liegt mittlerweile schon über fünf Jahre zurück. Im Jahr 2006 versuchten schwedische Behörden, die Seite loszuwerden, Server wurden beschlagnahmt und gegen mehrere der Betreiber wurde Anklage erhoben. Drei Männer wurden schließlich zu Haft- und Geldstrafen verurteilt: Peter Sunde, auch als Brokep bekannt, bekam eine achtmonatige, Fredrik Neij, auch als TiAMO bekannt, eine zehnmonatige und der Geschäftsmann Carl Lundström eine viermonatige Gefängnisstrafe. Lundström soll zu den Finanziers der Seite gehören - ein brisanter Punkt, weil Lundström auch rechtsextreme Gruppierungen in Skandinavien gefördert haben soll. Alle drei müssen einen Anteil der insgesamt umgerechnet etwa 5,2 Millionen Euro betragenden Schadensersatzsumme tragen.
"Niemand weiß wirklich, wo genau die Server stehen"
Die Torrent-Seite selbst jedoch blieb weiterhin fast ununterbrochen online, zog mal auf neue Server um, mal auf eine andere Domain. Das Angebot sei "auf eine ganz besondere Weise aufgestellt, um sicherzustellen, dass es weiterläuft", so die Betreiber im Haus-Blog. "Das bedeutet, dass niemand wirklich weiß, wo genau die Server stehen."
Erst vor einigen Wochen änderten die Betreiber die Hauspolitik, was die dort angebotenen Informationen angeht: Nun werden nicht mehr Torrent-Dateien vorgehalten, die es ermöglichen, Verbindungen zwischen den Rechnern all jener Nutzer herzustellen, die eine bestimmte Datei herunterladen oder zur Verfügung stellen wollen. Seit Ende Februar bietet The Pirate Bay stattdessen sogenannte Magnet-Links, die zur Folge haben, dass die Nutzer auch die Torrent-Dateien selbst von den Rechnern anderer Nutzer bekommen. Das Magnet-Verfahren macht das System BitTorrent gewissermaßen noch ein wenig dezentraler. Das könnte auch den Hintergrund haben, dass es so noch schwieriger wird, The Pirate Bay selbst der Beteiligung an Urheberrechtsverletzungen zu überführen. Hilfe bei der Suche nach Torrent-Dateien bieten schließlich auch andere, selbst Suchmaschinen wie Google oder Bing.
In einem Blogpost im Zusammenhang mit den neuen Ermittlungen gaben sich die Betreiber einmal mehr kämpferisch. "Wir bleiben, wo wir sind. Wir gehen nirgendwohin. Aber wir haben eine Botschaft für Hollywood, die Ermittler und Strafverfolger: LOL (lautes Lachen)."
Das Angebot steht weiterhin an vielen Fronten unter Druck. In Großbritannien etwa könnte die Seite nach einem Gerichtsurteil unter Umständen gesperrt werden. In Finnland, Irland, Italien, der Türkei, Belgien und Dänemark sind bereits Provider-seitige Sperren gegen The Pirate Bay verfügt oder schon verhängt worden.
Unique Visitors auf Filesharing-Seiten weltweit (Januar 2012, Millionen)
cis