Lade Daten...
09.05.2012
Schrift:
-
+

Streams aus Russland

Netz-Attacken gegen Live-Videodienste Bambuser und Ustream

Die Videodienste Bambuser und Ustream sind eigenen Angaben zufolge zum Opfer von Denial-of-Service-Attacken geworden. Beide Dienste erlauben es, Videos live ins Netz zu streamen. Ustream vermutet, die Angreifer wollen russische Oppositionelle mundtot machen.

Hamburg - Wenn die eigene Website nicht mehr erreichbar ist, bleibt im Zeitalter der Sozialen Medien ja immer noch Twitter. Am Mittwochnachmittag deutscher Zeit teilte der in den USA beheimatete Live-Streaming-Dienst Ustream.tv über seinen Twitteraccount mit: "Ustream ist derzeit aufgrund einer großangelegten DDoS-Attacke auf Kanäle der russichen Opposition bei Ustream unerreichbar."

DDoS steht für Distribuierte Denial-of-Service-Attacke - bei einem solchen Netz-Angriff werden die Server eines Angebotes so lange mit massenhaften Anfragen überlastet, bis sie den Dienst versagen. Solche Angriffe lassen sich beispielsweise mit Hilfe eines Botnets ausführen, also eines Netzwerks von durch Virenbefall korrumpierten und ferngesteuerten Rechnern.

Etwa zur gleichen Zeit meldete auch die Konkurrenzplattform Bambuser aus Schweden einen Angriff aus dem Netz: "Wir erleben gerade etwas, das wir für eine DDoS-Attacke halten, wir arbeiten rund um die Uhr daran, wieder zum Normalbetrieb zurückzukehren."

Beide Dienste erlauben das Streaming von Live-Videos direkt vom Handy ins Netz, ähnlich wie weitere Konkurrenzangebote wie Justin.tv oder Livestream. Damit kann man seinen Freundeskreis live am eigenen Gleitschirmflug teilhaben lassen, doch die Live-Dienste haben auch politische Bedeutung. Arabische Oppositionelle nutzten derartige Dienste während des Arabischen Frühlings, um Proteste und Polizeibrutalität zu dokumentieren - was erst einmal ins Netz geströmt ist, lässt sich auch mit der Beschlagnahme eines Handys nicht mehr zum Verschwinden bringen. Auch die Occupy-Bewegung verließ sich bei diversen Protestaktionen auf Live-Streaming-Angebote.

Das US-Blog GigaOm zitierte einen Bambuser-Sprecher am Mittwoch mit den Worten: "Wir sehen eine Menge ungewöhnlichen Traffic, mit großen Mengen kleiner, verteilter Anfragen, die sich von dem unterscheiden, was wir sonst erleben. Es ist jedoch sehr schwer herauszufinden, wer hinter einer derartigen verteilten Attacke steckt, und wir wollen darüber auch nicht spekulieren."

Bei Ustream ist man sich zumindest sicher, wer das eigentliche Ziel der Attacke auf das eigene Angebot ist. Das russischsprachige Internetangebot ridus.ru zitiert den Ustream-Chef Brad Hunstable mit den Worten:

"Ustream erlebt gerade eine Denial-of-Service-Attacke, die von Orten rund um die Welt ausgeht und auf einen bestimmten Kanal in Russland zielt, den Kanal eines Bürgerjournalisten. Dies ist die dritte DDoS-Attacke, die wir in den letzten Monaten erlebt haben, die sich spezifisch gegen russische Bürgerjournalisten bei Ustream richtet."

cis

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

Fotostrecke

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter RSS
alles zum Thema Computersicherheit
RSS
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten