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28.12.2012
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LED-Kunst auf dem 29C3

Der Hacker mit dem Nähkästchen

Von
Axel Heimken

Hardware-Hacker Fitzsimons: Mode und Software

Nadel, Faden und Spezialgarn hat Robert Fitzsimons mit zum Hackerkongress 29C3 nach Hamburg gebracht. Der irische Bastler gibt einen kleinen Nähkurs - für blinkende Klamotten.

Hamburg - Robert Fitzsimons nestelt an einem Stück Stoff, drückt auf einen kleinen Schalter, und der Stoff leuchtet. Er selbst hat mit Spezialgarn ein LED-Lämpchen daran festgenäht, eine Batterie und einen kleinen Schalter: Fitzsimons arbeitet an elektronischer Mode.

Der 35-Jährige aus Dublin sitzt vor einem Tisch im sogenannten Hackcenter des Chaos Communication Congress. Darauf liegen Stoffproben und ein T-Shirt, auf dem LEDs sternförmig aufgenäht sind und in der Mitte ein Mikrocontroller. "Damit kann man steuern, wie die Lämpchen leuchten, welche Muster sie zeigen", sagt er. Das Hemd sei allerdings nur ein Prototyp, ein Ansichtsexemplar.

"Es ist nicht ratsam, meine selbstgebastelte Kleidung direkt auf der Haut zu tragen", sagt er, "denn erstens wäre das nicht besonders bequem, und zweitens könnte der Schweiß die Elektronik durcheinanderbringen." Ganz davon abgesehen müsste man das empfindliche Kleidungsstück dann zu oft waschen - und zwar mit der Hand. Fitzsimons hat es nur mitgebracht, um es herumzuzeigen. Er gibt auf dem Kongress einen Workshop für Leute, die sich selbst Blinkkleidung nähen möchten.

Software-Entwickler mit Nadel und Faden

Fitzsimons ist ein Bastler. Zu Hause in Dublin hat er einen Hackerspace gegründet, einen Treffpunkt für technikaffine Gleichgesinnte. Der Ort heißt Tog, ein gälisches Wort für bauen, basteln, herstellen. Dort kann der Software-Entwickler seinem Hobby nachgehen, frickeln und löten, mit LED-Lämpchen basteln. Eines Tages nähte sich eine Frau aus dem Hackerspace ein leuchtendes Top voller LEDs und schrieb darüber in ihrem Blog. "Das hat mich fasziniert", sagt Fitzsimons, "aber als es fertig war, leuchtete es nur schwach." Da begann er, selbst mit leuchtenden Dioden und Mikrocontrollern auf Kleidung zu experimentieren. Schließlich konnte er der Bekannten sagen: "Ich kann dir helfen, damit dein Top heller leuchtet."

Fotostrecke

29C3 in Hamburg: Hacken, Basteln, Spielen
"Meine Mutter ist Modedesignerin, das Material hatten wir also im Haus", erzählt er. Als der Sohn, von Beruf Software-Entwickler, plötzlich nach Nadel und Faden fragte, habe sie das nicht einmal überrascht. "Ich mache ständig irgendwelches Zeug. Vor ein paar Jahren hatte ich einen Phase, in der ich die ganze Zeit gebacken habe", sagt er und lacht. Das Wohnzimmer der Familie sehe mittlerweile mehr aus wie eine Werkstatt.

Leuchtende Ärmel für den Straßenverkehr

Ein Bastler war Fitzsimons nämlich schon immer: Schon als Kind hat er Spielzeug auseinander- und wieder zusammengebaut, um zu verstehen, wie es funktioniert. Seitdem tüftelt er an so ziemlich allem, was ihm in die Finger kommt - und jetzt ist es eben Kleidung. Nähen kann er schon, seit er ein Kind ist. "Mich interessiert allerdings eher der elektronische Teil", sagt er, "ich selbst ziehe mich jetzt nicht besonders modisch an, eher T-Shirts und Shorts. Aber ich könnte ja mit einem Designer zusammenarbeiten. Vielleicht kann ich ja meine Mutter überzeugen."

Auf dem Jahreskongress des Chaos Computer Clubs überzeugt er erst einmal andere: Er zeigt erste Schritte zum Blink-Outfit und gibt Tipps, erklärt, wo es leitendes Garn zu kaufen gibt und worauf man beim Nähen achten muss.

Auch wenn es das alles schon gibt, so findet Fitzsimons es doch schöner, selbst ein kleines Kunstwerk zu schaffen. "Eine selbstgebastelte Geburtstagskarte ist doch auch viel schöner als eine gekaufte", sagt er. Wer selber näht, könne die blinkenden Accessoires außerdem immer der aktuellen Mode anpassen und auch dem eigenen Lebensstil: "Ich fahre zum Beispiel viel Fahrrad. Ich würde mir gern eine Jacke basteln, deren Ärmel aufleuchten, wenn ich zum Abbiegen einen Arm ausstrecke."

Forum

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insgesamt 1 Beitrag
1. Gääähhn! Das gibt es schon seit 2007!
nocheinervonvielen 28.12.2012
Das Herz dieser "LED-Kunst" ist ein LilyPad, das es bereits seit 2007 gibt (http://en.wikipedia.org/wiki/Arduino#Arduino_board_models). Sonst gibt's nichts vom 29C3 zu berichten? Leuchtende/blinkende Kleidung ist auf [...]
Das Herz dieser "LED-Kunst" ist ein LilyPad, das es bereits seit 2007 gibt (http://en.wikipedia.org/wiki/Arduino#Arduino_board_models). Sonst gibt's nichts vom 29C3 zu berichten? Leuchtende/blinkende Kleidung ist auf jeden Fall ein "alter Hut".

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