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21.02.2013
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Online-Aktivist

FBI-Akte über Aaron Swartz veröffentlicht

REUTERS

Internetaktivist: Schon 2008 ermittelte das FBI gegen Aaron Swartz

Einen Monat nach dem Tod des Online-Aktivisten Aaron Swartz hat ein Blogger dessen FBI-Akte angefordert und veröffentlicht. Das Dokument zeigt, warum und mit welchen seltsamen Methoden die Bundesbehörde schon 2008 gegen Swartz ermittelte - zwei Seiten fehlen allerdings.

Am 11. Januar wurde Aaron Swartz tot in seiner Wohnung in Brooklyn aufgefunden. Nun hat der Blogger Daniel Wright die FBI-Akte des Online-Aktivisten und Mitbegründers der Website Reddit im Internet veröffentlicht. Die US-Bundesbehörden machen Ermittlungsakten nach dem Tod der betreffenden Person automatisch zugänglich. Wright forderte eine Kopie an, obwohl er nicht glaubte, dass eine solche Akte überhaupt existiert. Denn seiner Meinung nach war Swartz "nicht wirklich ein Krimineller".

Doch das FBI schickte 21 Seiten. Sie zeigen: Die Behörde wurde 2008 auf Aaron Swartz aufmerksam, als er die Bezahlschranken der Justizdatenbank Pacer umging und 18 Millionen Seiten kostenpflichtiger Dokumente herunterlud. 20 Prozent des gesamten Bestands, die er anschließend gratis ins Netz stellte. Während Beobachter wie dailydot.com die Aktion nicht für illegal halten, weil Swartz bloß ein Schlupfloch genutzt habe, sprach das FBI damals von 1,5 Millionen Dollar Schaden und begann zu ermitteln.

Schwer zu observieren

Die Bundesagenten verfolgten die IP-Adressen der Downloads zu Swartz' Haus nahe Chicago zurück. Die Überwachung des Gebäudes war jedoch schwieriger als gedacht: Zu viele Bäume und Häuser seien im Weg, zu wenig andere Autos parkten auf der Straße, vermerkten die Agenten in der Akte. Das Risiko, entdeckt zu werden, sei zu groß. Die Observierung wurde abgeblasen.

Stattdessen versuchte das FBI, auf anderen Wegen etwas über den Aktivisten herauszufinden: Die Ermittler kopierte Informationen aus dem Internet. In der Akte finden sich Angaben aus Swartz' Facebook-Profil, von seinem Blog oder seiner Seite bei LinkedIn. Etwa dass er Mitglied einer Organisation namens "Langzeit-Planungskomitee für die menschliche Rasse" sei. "Ein Tipp für Straftäter", spottet ein Daily-Dot-Autor darüber: "Wenn du das FBI auf eine falsche Fährte locken willst, streue einfach ein paar Lügen in deinem Social-Media-Auftritt."

Seltsam mutet auch die Zusammenfassung eines Artikels aus der "New York Times" über Swartz an: In der öffentlichen Kopie der FBI-Akte sind zahlreich Namen und Fakten unkenntlich gemacht, die durch den Zeitungsartikel längst bekannt waren. Wirklich Belastendes fand das FBI nicht und stellte seine Ermittlungen im April 2009 ein.

Lebensgefahr für Informanten?

Bei seinem nächsten Coup hatte Swartz weniger Glück. 2010 zapfte er im Massachusetts Institute for Technology (MIT) fünf Millionen wissenschaftliche Artikel aus der digitalen Bibliothek JSTOR ab. Das MIT sah von einer Klage ab, doch die Justiz war weniger nachsichtig. Swartz wurde wegen Betrugs und Datendiebstahls angeklagt, ihm drohten bis zu 35 Jahren Haft und eine Million Dollar Geldstrafe. Doch bevor der Prozess beginnen konnte, fand Swartz' Freundin ihn im Januar tot in seiner Wohnung.

Zum Pacer-Fall habe das FBI ihm nur 21 von 23 Seiten der Ermittlungsakte geschickt, schreibt Daniel Wright, zwei Seiten seien zurückgehalten worden. Unter anderem mit der Begründung, dass andernfalls das Leben eines Menschen in Gefahr sei. Ist das ein Hinweis auf einen Informanten in Swartz' Umfeld? Diese Frage stellt sich Wright nun und schreibt: "Ich bin ehrlich gesagt immer noch verwirrt."

tib

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