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Netzwelt

Datenskandal

Trumps Wahlerfolg und das Facebook-Rätsel

Hat das mutmaßliche Datenleck bei Facebook Donald Trump zum Sieg verholfen? Die Opposition in Washington fordert Aufklärung. Vor allem die Rolle von Jared Kushner und Stephen Bannon ist unklar.

AP

Donald Trump

Von , Washington
Dienstag, 20.03.2018   19:49 Uhr

Zu den Lieblingsbehauptungen von Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf 2016 gehörte die vom angeblich "manipulierten politischen System". Die gesamte Wahl, die Berichterstattung der Medien, die Umfragen, alles sei ein einziger großer Schwindel, um seinen möglichen Sieg zu verhindern, erklärte Trump. Seine Anhänger johlten dann immer laut auf.

Nun hat er bekanntlich doch gewonnen, und mit den neuen Enthüllungen über den mutmaßlichen Missbrauch der Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern im Wahlkampf durch die Firma Cambridge Analytica stellt sich einmal mehr die Frage, ob nicht eigentlich vor allem einer geschummelt hat: Donald Trump.

In Washington erhöhen insbesondere die oppositionellen Demokraten den Druck auf den Präsidenten, auf Facebook und auf dessen Chef, Mark Zuckerberg. Sie verlangen Aufklärung in der Affäre, die seit dem Wochenende die Tech-Industrie und den politischen Betrieb in Aufregung versetzt.

Offene Fragen

Adam Schiff, Sprecher der Demokraten im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses kündigte an, er und sein Team wollten möglichst bald frühere Mitarbeiter von Cambridge Analytica zu dem mutmaßlichen Datenleck befragen. Auch den Whistleblower Christopher Wylie, der die jüngsten Vorwürfe in der "New York Times" öffentlich gemacht hatte. Mehrere Senatoren erklärten zugleich, Zuckerberg vorladen zu wollen. Er müsse endlich die ganze Geschichte über den Missbrauch der Plattform im Wahlkampf durch Trump und die Russen erzählen, forderte Senator Mark Warner, ein Demokrat.

Für die Aufklärer im Kongress gibt es viel zu tun. Etliche Fragen in der Affäre sind ungeklärt: Was wussten Trump und seine Vertrauten wirklich über den mutmaßlichen Missbrauch von Daten? Gibt es eine Verbindung zur der Russlandaffäre? Und: Werden Daten möglicherweise immer noch illegal genutzt?

Klar ist, dass Trump und seine Strategen bei der Wahlkampagne massiv auf den Einsatz von Werbebotschaften bei Facebook gesetzt haben. Für sie war Facebook ein zentrales Vehikel, um vor allem in jenen Staaten Wähler zu gewinnen, die am Ende Trump sehr knapp die Präsidentschaft sicherten: Wisconsin zum Beispiel, Florida und Pennsylvania.

Wichtiger als Zeitungen und TV

Wenn es stimmt, was Whistleblower Wylie behauptet, dann konnten Trumps Strategen mithilfe von Cambridge Analytica auf einen größtenteils illegal erworbenen Datenschatz von 50 Millionen Facebook-Nutzerprofilen zurückgreifen. So sollen die politischen Vorlieben und das mögliche Wahlverhalten einzelner Nutzer analysiert worden sein, um diese Amerikaner dann mit maßgeschneiderten Pro-Trump-Botschaften anzusprechen.

Es wäre kühn zu behaupten, dass Trump allein wegen seiner geschickten Facebook-Kampagne die Wahl gewonnen hat. Mit Sicherheit jedoch hat sie dabei geholfen, seine populistische Botschaft zu verbreiten. Trump konnte so Wähler mobilisieren, die für ihn vielleicht auf anderem Wege nicht ansprechbar gewesen wären. Für viele Millionen Amerikaner ist Facebook längst zur täglichen Hauptinformationsquelle geworden, hat die großen Zeitungen und TV-Stationen zum Teil bereits an Bedeutung überholt.

Der ultrarechte Wunschkandidat

Wer im Team-Trump bei den Social-Media-Aktivitäten die Strippen zog, ist bis heute nicht ganz klar und wird einer der Punkte sein, die vom Kongress untersucht werden könnten. Die Macher von Cambridge Analytica um Alexander Nix standen wohl schon länger in engem Kontakt mit Stephen Bannon, dem damaligen Chef der Webseite Breitbart News. Bannon wiederum wurde in den Jahren vor der Wahl 2016 von dem Multimilliardär Robert Mercer und dessen Tochter Rebekah gefördert. Die Mercers unterstützten mit ihrem Geld sowohl Breitbart als auch Cambridge Analytica.

Wie der Journalist Joshua Greene in dem Buch "Devils Bargain" berichtet, teilten die Mercers und Bannon zwei Leidenschaften: Sie wollten möglichst einen ultrarechten Kandidaten zum Präsidenten der Vereinigten Staaten machen. Und sie sahen voraus, dass der Einsatz von Social Media dabei eine mächtige Waffe sein könnte. Sie kannten sich bestens aus: Robert Mercer hat sein Vermögen mit der Entwicklung von Software für den Börsenhandel gemacht, Bannon wiederum war vor seiner Arbeit bei Breitbart in Hongkong im Geschäft mit Onlinespielen tätig.

Datenskandal bei Facebook: Mindestens 50 Millionen Profile betroffen

Foto: Getty Images

Jared Kushner trieb das Thema voran

Als mit Donald Trump 2015 der geeignete Präsidentschaftskandidat gefunden war, kam alsbald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner mit ins Spiel. Er ließ sich in einem großen Porträt in der Zeitschrift "Forbes" als Mastermind hinter Trumps Social-Media-Strategie feiern. Tatsächlich war er wohl einer derjenigen, die im Team Trump ab dem Frühjahr 2016 massiv auf den Einsatz von Facebook und Co. setzten. Seine Verbindungen zu Cambridge Analytica sind jedoch unklar.

Sicher ist, dass Kushner eng mit Brad Parscale verbandelt ist, der einst Webseiten für Trumps Firmenimperium entwickelte. Parscale und Kushner organisierten ab dem Sommer 2016 in einem Bürohaus in San Antonio, Texas, mit einem einhundertköpfigen Team den gesamten Social-Media-Auftritt der Trump-Kampagne.

Gab es einen Datenaustausch mit den Russen?

Dabei war wohl auch Cambridge Analytica mit an Bord. In dem großen Kushner-Porträt in "Forbes" von 2016 wird die Rolle der Firma ausdrücklich gewürdigt. Als "Targeting Partner" habe sie geholfen, herauszufinden, welche Trump-Themen für die Wähler am wichtigsten seien, heißt es da. Bald hätte die Daten aus dem Social-Media-Team fast jede Entscheidung des Wahlkampfteams beeinflusst: Wohin Trump reist, welche Werbung geschaltet wird, welche Themen er in seinen Reden erwähnen soll.

Das Schöne für das Team-Trump: Wie sich inzwischen ziemlich präzise durch die Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller herausgestellt hat, nutzte zur gleichen Zeit auch eine russische Troll-Farm in Sankt Petersburg Facebook und andere Social-Media-Kanäle, um den Kandidaten Trump zu unterstützen und Hillary Clinton madig zu machen. Laut den Ermittlern sollen die Russen zudem gezielt Anzeigen bei Facebook gebucht haben. Ob es womöglich einen verborgenen Austausch von Nutzerdaten zwischen dem Trump-Team und den Russen gab, gehört zu den Punkten, die Mueller untersuchen könnte.

Die Vorbereitungen für die nächste Wahl laufen schon

Vom Trumps Leuten werden solche Verbindungen naturgemäß als Verschwörungstheorien zurückgewiesen. Auch von dem mutmaßlichen Datenleck bei Facebook will niemand etwas gewusst haben. Die Beteiligten dementieren die Vorwürfe entweder oder schweigen gleich ganz.

Sie haben womöglich auch allen Grund zur Zurückhaltung: Denn Trump, Kushner und Co. haben längst mit den Vorbereitungen für die nächste Wahlkampagne begonnen. Der Präsident will 2020 wiedergewählt werden. Social-Media-Aktivitäten werden dabei wieder eine Schlüsselrolle einnehmen. Brad Parscale, der Tech-Mann, wurde gerade zum Wahlkampfchef ernannt.

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insgesamt 81 Beiträge
alfredo24 20.03.2018
1. Ein nie endender Wahlkampf in den USA.
Jetzt reiten die Demokraten immer noch auf dem Wahlkampf herum. Die Demokraten wollen einfach die demokratische Wahl nicht anerkennen. Ich befürchte schon, es wird immer wieder versucht, Trump zu stürzen, bis die nächsten [...]
Jetzt reiten die Demokraten immer noch auf dem Wahlkampf herum. Die Demokraten wollen einfach die demokratische Wahl nicht anerkennen. Ich befürchte schon, es wird immer wieder versucht, Trump zu stürzen, bis die nächsten Wahlen für Trumps Amt ansteht. Trumps Opposition und deren Helfer haben offenbar kein anderes Problem.
at.engel 20.03.2018
2.
"Hat das mutmaßliche Datenleck bei Facebook Donald Trump zum Sieg verholfen? Die Frage beinhaltet - so gestellt - mehrere Aspekte, die nicht direkt zusammenhängen. Erstens geht es hier eher um "Missbrauch" von an [...]
"Hat das mutmaßliche Datenleck bei Facebook Donald Trump zum Sieg verholfen? Die Frage beinhaltet - so gestellt - mehrere Aspekte, die nicht direkt zusammenhängen. Erstens geht es hier eher um "Missbrauch" von an sich legal erworbenen Daten. Das hat mit einem "Datenleck" erst einmal gar nichs zu tun. Die Frage ist vielmehr, inwieweit Facebook überhaupt in der Lage ist, zu kontrollieren, was mit seinen Daten geschieht. Und das stellt das komplette Geschäftsmodell infrage. Und die andere Frage ist, wie Trump letztendlich gesiegt hat. Und das lässt sich nicht auf "social networks" oder die "Russen" reduzieren. Hier muss man schon auch die Fehler der Demokraten und auch ihrer Kandidatin bzw. überhaupt ihrer Wahl zu Kandidatin in Betracht ziehen. Die Leute, die Trump gewählt haben, hätten sicher nicht Clinton gewählt. Die Frage ist schon, warum bestimmte Wähler nicht zur Wahl gegangen sind. Und da muss man die Gründe schon bei den Demokraten suchen.
dr.faridi 20.03.2018
3.
Beitragenanalysefirma Cambridge Analytica, die 50 Millionen Facebook-Profile ohne das Wissen der Nutzer ausgewertet haben soll, hat den Geschäftsführer Alexander Nix suspendiert. Wie das Unternehmen mitteilte, werde er mit [...]
Beitragenanalysefirma Cambridge Analytica, die 50 Millionen Facebook-Profile ohne das Wissen der Nutzer ausgewertet haben soll, hat den Geschäftsführer Alexander Nix suspendiert. Wie das Unternehmen mitteilte, werde er mit sofortiger Wirkung während einer "vollumfänglichen, unabhängigen Ermittlung" von seinen Aufgaben entbunden. Cambridge Analytica war am Dienstag weiter unter Druck geraten, nachdem herauskam, dass Nix vor versteckter Kamera mit Erpressungsversuchen von Wahlkandidaten geprahlt hatte. Nix hatte mehrfach mit einem Undercover-Reporter des britischen Senders Channel 4 getroffen, der sich als potenzieller Kunde aus Sri Lanka ausgab. Er hatte von heiklen Methoden berichtet, um belastendes Material konkurrierender Politiker zu beschaffen. Es ging um einen heimlich gefilmten Bestechungsversuch und darum, dass "ein paar Mädchen zum Haus des Kandidaten" geschickt werden könnten (Hier erfahren Sie mehr über die Arbeitsweisen von Cambridge Analytica). Cambridge Analytica wurde bekannt als die Firma, deren Datenauswertung Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben soll. Der Vorstand distanzierte sich von Nix' Äußerungen und teilte mit, dass sie "nicht die Werte und Arbeitsweise des Unternehmen repräsentieren". Seine Suspendierung spiegele die Ernsthaftigkeit wider, mit der die Firma diese Zuwiderhandlung behandele.
libertarian2012 20.03.2018
4.
Es bleibt wie immer abzuwarten, was da im Detail vorgefallen ist. Aber bis auf weiteres halte ich es fuer nicht legitim von einem "Datenleck" zu sprechen - insbesondere nicht auf Seiten von Facebook. Und dann stellt [...]
Es bleibt wie immer abzuwarten, was da im Detail vorgefallen ist. Aber bis auf weiteres halte ich es fuer nicht legitim von einem "Datenleck" zu sprechen - insbesondere nicht auf Seiten von Facebook. Und dann stellt sich die Frage, ob auch ein derart grosses Fass aufgemacht wuerde, wenn eine Beraterfirma diese (wahrscheinlich oeffentlich zugaenglichen Daten) fuer den Wahlkampf der Democrats benutzt haette - wovon man uebrigens ausgehen muss. Wer weiss, wie Wahlkampfberatungsfirmen arbeiten, weiss, dass die ihre Dienste jedem zur Verfuegung stellen, der dafuer bezahlt. Was immer es hier an Auswertungen ueber die Waehler gab, wird man mit Sicherheit in der ein oder anderen Form auch auf Hillary Clintons Server im Badezimmer finden. Ansonsten freue ich mich, dass Politiker und Parteien sich zunehmend dafuer interessieren, was der Waehler so denkt. Frueher hat man die Leute in der Fussgaengerzone zugequatscht, heute guckt man eben auch im Netz, wie die Leute so ticken und welche Themen den Leuten wichtig sind.
sibbi78 20.03.2018
5. Endlich verständlich:
Wie kann man nur erwarten, dass ein Mensch wie Donald Trump, der voll und ganz damit beschäftigt ist ständig neu aufkommende "fake news" allein aus dem Wahlkampf zu widerlegen, auch noch Zeit zum Regieren hat? Genau, [...]
Wie kann man nur erwarten, dass ein Mensch wie Donald Trump, der voll und ganz damit beschäftigt ist ständig neu aufkommende "fake news" allein aus dem Wahlkampf zu widerlegen, auch noch Zeit zum Regieren hat? Genau, da bleibt nichts mehr groß an Restzeit - die ist eh' schon fürs Telefonieren mit Freunden und fernsehgucken verplant. God bless America!
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8. Facebook 2012 16,01** USA
9. NTT (Telekom) 1986 13,75 Japan
10. Deutsche Telekom 1996 12,49 Deutschland

* Bei Addition der Stamm- und Vorzugsaktien; ** Bei Verkaufspreis am oberen Ende der Spanne; Quelle Reuters

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