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Netzwelt

Facebook-Chef Zuckerberg

"Es war mein Fehler, es tut mir leid"

Die Daten von rund 87 Millionen Facebook-Nutzern wurden abgegriffen, nun wird Konzernchef Zuckerberg vom US-Kongress befragt. Schon vorher schickt der Internetmilliardär ein Schuldeingeständnis.

AFP

Facebook-Chef Mark Zuckerberg in der US-Hauptstadt Washington

Montag, 09.04.2018   19:43 Uhr

Geschätzt 87 Millionen Nutzer weltweit, etwa 2,7 Millionen Nutzer aus der EU, gut 310.000 Nutzer aus Deutschland: Das sind die aktuellen Zahlen zum Ausmaß des Facebook-Datenskandals.

Nun hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine Entschuldigung angeboten: Sein Unternehmen, das größte soziale Netzwerk der Welt, habe nicht genug getan, um Schaden abzuwenden, schrieb Zuckerberg in einer schriftlicher Aussage an den ständigen Ausschuss des Repräsentantenhauses.

"Es war mein Fehler. Es tut mir leid. Ich habe Facebook gegründet, ich leite die Firma, und ich bin verantwortlich für das, was hier passiert ist." Zugleich warnt Zuckerberg aber auch vor einem wirtschaftlichen Schaden, der Facebook durch mehr Sicherheitsvorkehrungen drohe. Die "umfangreichen Investitionen in Sicherheit dürften die Profitabilität in nächster Zukunft" beeinträchtigen.

Sie können hier Zuckerbergs ungekürztes Statement lesen (auf Englisch).

Harte Befragung angekündigt

Ab Dienstag muss sich Zuckerberg an zwei Tagen Fragen im US-Kongress dazu stellen. Zunächst ist er als Zeuge bei einer gemeinsamen Sitzung des Rechts- und des Handelsausschusses im Senat geladen (Dienstagabend mitteleuropäischer Zeit). Am Mittwoch steht eine weitere Befragung im Ausschuss für Energie und Handel des US-Abgeordnetenhauses an ( 16 Uhr mitteleuropäischer Zeit).

Für Zuckerberg könnte es unangenehm werden: Mehrere Senatoren und Abgeordnete kündigten in den vergangenen Tagen an, dass sie den Facebook-Chef hart befragen wollen. Nach Informationen der "New York Times" und des "Wall Street Journal" wurde Zuckerberg zuletzt von einem Expertenteam intensiv auf die Befragungen vorbereitet.

Bei dem Datenskandal hatte der Entwickler der Umfrage-App "This is Your Digital Life" vor über vier Jahren Informationen von Nutzern unrechtmäßig an die Analysefirma Cambridge Analytica weitergereicht. Später arbeitete unter anderem das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump mit den Daten. Dabei ging es nicht nur um private Informationen der Umfrageteilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde.

Facebook wusste seit Ende 2015 von der unerlaubten Datenweitergabe - gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass die Daten vernichtet worden seien und informierte die Nutzer nicht. Das wird erst jetzt nachgeholt.

Wer wissen möchte, ob er als Facebook-Nutzer betroffen ist,

kann dies unter diesem Link tun.

An dieser Stelle ein kleiner Leseraufruf: Wenn Sie zu den direkt Betroffenen zählen und von Facebook entsprechend informiert werden, melden Sie sich gern bei uns via spon.netzwelt@spiegel.de. Wir sind sehr daran interessiert, was Sie als direkt Betroffener über den Datenskandal denken - und ob Sie sich durch den Facebook-Hinweis ausreichend informiert fühlen. Bitte schreiben Sie in die Betreffzeile Ihrer E-Mail an uns "Leseraufruf Facebook".

Bei den Anhörungen könnte neben dem Datenschutzskandal auch die russische Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 zur Sprache kommen. Unter anderem die in Russland ansässige Gruppe Internet Research Agency hatte in großem Stil versucht, über gefälschte Facebook-Profile soziale Spannungen in den USA zu verschärfen und Stimmung für den schließlich siegreichen Kandidaten Donald Trump zu machen.

Dazu sagte Zuckerberg in dem vorab verbreiteten Statement: "Wir waren zu langsam dabei, russische Einflussnahme zu erkennen und darauf zu reagieren, und wir arbeiten ernsthaft daran, besser zu werden."

Erste Maßnahmen ergriffen

Zudem räumte Facebook vergangene Woche ein, dass es möglich war, massenhaft öffentlich zugängliche Informationen der Nutzer abzugreifen, wenn man über deren Telefonnummer oder E-Mail-Adresse verfügte. Damit hätten zum Beispiel Versender von Spam-Mails ihre Nachrichten punktgenauer auf einzelne Personen zuschneiden können.

Zuckerberg bemüht sich seit einiger Zeit, die Situation zu entschärfen. Bereits in Blogeinträgen und einer einstündigen Telefonkonferenz mit Journalisten räumte er Fehler ein und versprach künftig schärferen Datenschutz.

Zudem reduzierte Facebook den Zugriff von App-Entwicklern auf Nutzerinformationen deutlich und ergriff Maßnahmen für mehr Transparenz bei Anzeigen mit politischen Themen und Wahlwerbung. Zugleich bekamen Nutzer mehr Möglichkeiten zum Schutz ihrer Privatsphäre gemäß der EU-Datenschutzgrundverordnung.

cht/dpa/Reuters

insgesamt 16 Beiträge
ANDIEFUZZICH 09.04.2018
1. Grokodealstränen...
Soso, es tut ihm jetzt leid... Aber an der Internetpraxis wird sich sowieso nichts ändern. Selbst der Spiegelonline stellt seine Daten gegen Geld anderen zur Verfügung, soviel ist sicher. Das kann man entweder als [...]
Soso, es tut ihm jetzt leid... Aber an der Internetpraxis wird sich sowieso nichts ändern. Selbst der Spiegelonline stellt seine Daten gegen Geld anderen zur Verfügung, soviel ist sicher. Das kann man entweder als Selbstverteidigung auf dem Nachrichtenmarkt begreifen, oder aber als Kapitulation vor dem eigentlichen Feind.
DerRömer 10.04.2018
2. So etwas nennt sich wohl Kotau
Heisst so ungefähr, ich bin der schuldige, tut mir echt leid. Tja und nu, jetzt habt ihr uns erwischt, noch an ein paar Rädchen drehen, und dann geht's weiter. Diese Leute, der Führer von FB und andere Datenkraken sind mehr als [...]
Heisst so ungefähr, ich bin der schuldige, tut mir echt leid. Tja und nu, jetzt habt ihr uns erwischt, noch an ein paar Rädchen drehen, und dann geht's weiter. Diese Leute, der Führer von FB und andere Datenkraken sind mehr als amüsiert wenn dann dir die Leute sagen es ist ja nicht wichtig was andere von mir wissen. Kann ja irgendwie nicht sein das dieses Wissen unwichtig ist, wie kann man denn sonst so unanständig Reich werden. Doch wohl kaum wenn man ein soziales Netz aufbaut. Wer soviel von sich selbst hergibt ist wirklich so dumm, wie sich Zuckerberg und Co die Leute vorstellen.
Walter Sobchak 10.04.2018
3.
Alles bla bla. Das Geschäftsmodel von facebook sieht das Abgreifen von Daten vor. Und ich frage mich heute noch, wie ich meine Telefonnummer und E-Mail Adresse aus deren Systemen bekommen kann, die irgendein Idiot durch [...]
Alles bla bla. Das Geschäftsmodel von facebook sieht das Abgreifen von Daten vor. Und ich frage mich heute noch, wie ich meine Telefonnummer und E-Mail Adresse aus deren Systemen bekommen kann, die irgendein Idiot durch Preisegabe seines Adressbuches für die Facebook Apps da mit reingespühlt hat.
gartenkram 10.04.2018
4. Schlechter
Scherz? Die investitionen würden die profitabilität beeinträchtigen? Das ist ja wohl ein witz. Mr unsympathisch hat von diesen fehlenden vorkehrungen profitiert wie wohl kaum ein anderer, dann soll er doch was davon [...]
Scherz? Die investitionen würden die profitabilität beeinträchtigen? Das ist ja wohl ein witz. Mr unsympathisch hat von diesen fehlenden vorkehrungen profitiert wie wohl kaum ein anderer, dann soll er doch was davon zurückzahlen. Er versteht wohl nur den tritt mit dem geldschuhnu ich hoffe sehr, dass alle nutzer kede nur möglich option zum schutz ihrer dsten ziehen, die überhaupt nur möglich ist. Oder sich aus diesem unsäglichen monsteum verabschieden. Und zwar endgültig. Und dass die 2 mrd nitzer haben, glaube ich im leben nicht. Alle dateileichen werden mitgezählt, weil sie deaktiviert, aber nicht gelöscht wurden. Wie kann ein vernunftbegabter mensch sowas überhaupt noch nutzen?
Jota.Nu 10.04.2018
5. Es kann nicht sein, dass....
... FB per App auf dem Handy die Telefonate des Besitzers trackt und über die Gespräche und die Gesprächspartner Daten sammelt. Das bedeutet, dass FB sich Daten beschaffen kann über Menschen, die noch nicht einmal bei FB [...]
... FB per App auf dem Handy die Telefonate des Besitzers trackt und über die Gespräche und die Gesprächspartner Daten sammelt. Das bedeutet, dass FB sich Daten beschaffen kann über Menschen, die noch nicht einmal bei FB einen Account haben. Die EU muss hier hart einschreiten und die Bürgerrechte besser schützen. Es geht ja nicht um irgendwelche individuellen Peinlichkeiten von Menschen, wenn es um den Schutz der Bürgerrechte geht, sondern um die Möglichkeiten mit diesen Daten Wahlen beeinflussen zu können und Länder damit in die Hände irgendwelcher politischer Extremisten zu spielen, die dann die Bürgerrechte einschränken oder abschaffen.
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