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Netzwelt

Projekt Dragonfly

Abgeordnete fordern Einblick in Googles China-Pläne

Medienberichten zufolge will Google mit einer zensierten Such-App zurück auf den chinesischen Markt. Der Plan verstimmt Menschenrechtler und US-Politiker, aber auch viele Mitarbeiter.

REUTERS

Google-Logo in Shanghai

Freitag, 14.09.2018   10:21 Uhr

US-Abgeordnete der Demokraten und der Republikaner haben von Google Auskunft über die China-Pläne des Unternehmens gefordert. Man sei besorgt über Medienberichte, laut denen Google mit einer Suchmaschinen-App auf den chinesischen Markt zurückkehren wolle, heißt es in einem Brief, der am Donnerstag von 16 Mitgliedern des Repräsentantenhauses unterzeichnet wurde.

Insbesondere solle das Unternehmen klarstellen, ob es sich Chinas Zensur fügen würde. Außerdem wird Google in dem Brief gefragt, ob es sicherstellen könne, "dass einzelne chinesische Bürger oder in China lebende Ausländer, einschließlich Amerikaner, nicht durch Google-Anwendungen überwacht oder ins Visier genommen werden".

Einer der 16 Unterzeichner des Schreibens, der Demokrat David Cicilline, schrieb auf Twitter: "Google sollte China nicht helfen, gegen die freie Meinungsäußerung und politische Meinungsverschiedenheiten vorzugehen."

Googles Suchmaschine ist in China genau wie beispielsweise Gmail bislang gesperrt, weil das Unternehmen den Zensurvorgaben des Landes nicht entsprechen wollte. Google hatte sich angesichts dieses Streits 2010 aus dem chinesischen Markt zurückgezogen, von kleineren Vorstößen wie Investments in chinesische Start-ups abgesehen.

Ärger seit August

Anfang August berichtete jedoch unter anderem die Enthüllungs-Website "The Intercept" von der Entwicklung eines Google-Suchdienstes, der chinesische Zensurvorgaben erfüllen würde. In dem Angebot, dessen Entwicklung unter dem Projektnamen "Dragonfly" (Libelle) laufe, könnten demnach zum Beispiel bestimmte Websites und Sucheingaben blockiert sein.

Die Medienberichte führten innerhalb von Google zu Unruhe. Bis Mitte August hatten über tausend Google-Mitarbeiter einen Brief unterschrieben, der ihrem Arbeitgeber bei dem Thema mangelnde Transparenz vorwarf - mittlerweile sollen es mehr als 1700 sein. Gleich 14 Menschenrechtsorganisationen hatten nach Bekanntwerden der "Dragonfly"-Pläne gemeinsam "eine alarmierende Kapitulation von Google bei den Menschenrechten" kritisiert.

Manch ein Angestellter zog aus den Enthüllungen offenbar Konsequenzen: "Buzzfeed" will erfahren haben, dass bei Google eine Liste mit sieben Namen von Mitarbeitern kursiert, die dem Unternehmen im Zuge der Ethik-Diskussion den Rücken kehren. "The Intercept"-Autor Ryan Gallagher spricht auf Twitter von "ungefähr fünf" Mitarbeitern, die Google wegen "Dragonfly" verlassen hätten.

Einer dieser Mitarbeiter, der Senior Scientist Jack Poulson, hat seinen Abgang in Form mehrerer Presseinterviews öffentlich gemacht. "Buzzfeed" etwa sagte er, er sei erst über "The Intercept" auf die China-Pläne aufmerksam geworden. Die Neuigkeiten hätten ihn "schockiert": "Für den Fall, dass das stimmen sollte, war ich mir sofort ziemlich sicher, dass ich dort nicht weiterarbeiten konnte."

Google äußert sich nur vage

Poulson habe bis August bei Google gearbeitet, heißt es, er war seit zwei Jahren im Unternehmen. Er sagt, es habe ihn geärgert, dass Google auf das gemeinsame Schreiben der Menschenrechtsorganisationen nicht geantwortet habe.

Google selbst kommentiert die Personalie Poulson nicht, ebenso wenig hat sich der Konzern bislang zum Brief der Abgeordneten geäußert. Auch zu einem möglichen Suchangebot für China äußert sich der Konzern nur vage. So betont Google lediglich, dass zeitnah kein Start eines solchen Dienstes bevorstehe.

Man darf gespannt sein, ob sich die US-Politiker mit solchen Phrasen zufrieden geben. Am 26. September findet im US-Kongress eine Anhörung zum Thema Datenschutz statt, zu der auch ein Google-Vertreter geladen ist.

mbö/Reuters/AP

insgesamt 5 Beiträge
killing.time 14.09.2018
1. Google muss sich wie jeder andere an lokale Gesetze halten
wenn es irgendwo Geschäfte machen will. Google will in Europa Geschäfte machen, dann muss es sich an die europäische Zensur (aka 'Recht auf Vergessen', aka 'Uploadfilter') halten. Google will in China Geschäfte machen, dann [...]
wenn es irgendwo Geschäfte machen will. Google will in Europa Geschäfte machen, dann muss es sich an die europäische Zensur (aka 'Recht auf Vergessen', aka 'Uploadfilter') halten. Google will in China Geschäfte machen, dann muss es sich an die dortige Zensur halten. Sie können sich natürlich auch aus einem Markt zurück ziehen. So wie 2010 aus China oder mit Streetview aus Deutschland, um die Privatsphäre der deutschen Gartenzwerge zu schützen. Aber wem ist dadurch geholfen?
quark2@mailinator.com 14.09.2018
2.
Das mit dem logischen Denken muß wirklich schwer sein. Wenn Google in China nicht präsent ist, entsteht dort ein starker Rivale, d.h. es macht geschäftlich Sinn. Auf der anderen Seite wird eine alternative Suchmaschine [...]
Das mit dem logischen Denken muß wirklich schwer sein. Wenn Google in China nicht präsent ist, entsteht dort ein starker Rivale, d.h. es macht geschäftlich Sinn. Auf der anderen Seite wird eine alternative Suchmaschine vermutlich besser sein, als gar keine alternative Suchmaschine. D.h. wenn Google nicht nach China geht, haben die Chinesen auch nicht mehr Informationsmöglichkeiten. D.h. auch vom Politischen her ist es eher von Vorteil, wenn man präsent ist. Zumindest bindet man Überwachungskapazität des chinesischen Staates. Man kann ständig versuchen, die Wände auszubeulen. Also bleibt die Symbolik. Ich sehe unter jeder zweiten Googlesuche die Mitteilung, daß einige Suchergebnisse wegen xyz unterdrückt wurden. Was mich ärgert. Aber ich bin nicht ärgerlich auf Google, sondern auf die Gesetzgeber, die mich daran hindern, mich frei zu informieren. Ich bin sicher, daß das in China genauso ist.
Beat Adler 14.09.2018
3. Mitarbeiter von GAFA begehren auf. Es gibt also noch Hoffnung ;-)
Mitarbeiter von GAFA begehren auf. Es gibt also noch Hoffnung ;-) GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon) regiert nicht "nur" die USA, sondern die Welt. Milliarden begehen Daten-Strp-Tease bei GAFA, kehren ihr Innerstes [...]
Mitarbeiter von GAFA begehren auf. Es gibt also noch Hoffnung ;-) GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon) regiert nicht "nur" die USA, sondern die Welt. Milliarden begehen Daten-Strp-Tease bei GAFA, kehren ihr Innerstes nach Aussen, selbst hoechst Intimes! Es wird immer einfacher diese Milliarden zu beeinflussen, zu kontrollieren, zu zwingen, das zu tun, was GAFA will. Wer will noch Demokratie, eine Freiheitlich-Rechststaatliche mit Gewaltentrennung dazu mit freien Medien als Kontrollinstanz, wenn er/sie GAFA als Ersatz hat? Man/frau kombiniere die schwedische Technologie elektronische Chips in die Hand einzupflanzen mit der chinesischen Technologie der Gesichtserkennung zusammen mit dem chinesischen Sozialpunktesystem fuers Wohlverhalten, diesmal nicht "nur" gegenueber der alleinseligmachenden, kommunistischen Einheitspartei in Beijing, sondern gegenueber GAFA der Weltregierung? Das ist keine Science Fiction. Das ist Realitaet!
mariomeyer 14.09.2018
4. @quark2@mailinator.com
Sie schreiben:"Was mich ärgert. Aber ich bin nicht ärgerlich auf Google, sondern auf die Gesetzgeber, die mich daran hindern, mich frei zu informieren. Ich bin sicher, daß das in China genauso ist". Ich könnte mir [...]
Sie schreiben:"Was mich ärgert. Aber ich bin nicht ärgerlich auf Google, sondern auf die Gesetzgeber, die mich daran hindern, mich frei zu informieren. Ich bin sicher, daß das in China genauso ist". Ich könnte mir vorstellen, dass es da schon Unterschiede hinsichtlich der Motivation für "Zensur" (nennen wir das mal so) gibt. Zumindest kann ich mir nur schwer vorstellen, dass europäische Regierungen das Internet und dessen Nutzer überwachen, weil sie Angst haben, dass sich sonst die Bevölkerung gegen sie erhebt. Aber klar, ich mag mich irren. Grundsätzlich finde ich jedoch, dass man solche Quervergleiche unterlassen sollte, weil sie a. schwierig und b. oft relativierend / erklärend / entschuldigend sind, obwohl es nichts zu relativieren / erklären / entschuldigen gibt.
Igelnatz 15.09.2018
5. dankbare Kritik
und zweierlei Maß. Wenn man hier Google kritisiert - warum kritisiert man dann nicht alle, die mit China Geschäfte machen, ach warum nicht gleich alle, die mit allen anderen Ländern mit eingeschränkten Menschenrechten [...]
und zweierlei Maß. Wenn man hier Google kritisiert - warum kritisiert man dann nicht alle, die mit China Geschäfte machen, ach warum nicht gleich alle, die mit allen anderen Ländern mit eingeschränkten Menschenrechten Geschäfte machen. Das wäre doch nur konsequent. Oder nicht? Lieber auf sich selbst schauen und das was man so kauft und benutzt.

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