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Netzwelt

Missbrauch von Marktmacht

EU verhängt Rekordstrafe von 2,42 Milliarden Euro gegen Google

Benachteiligt Google bei den Suchergebnissen seine Konkurrenz? Ja, sagt die EU-Kommission - und verdonnert den Konzern wegen der Bevorzugung seines eigenen Shopping-Dienstes zu einer hohen Strafe.

REUTERS

Googles Logo in einer Konzern-Dependance

Dienstag, 27.06.2017   17:15 Uhr

Die EU-Kommission brummt Google wegen seiner Shopping-Suche eine Wettbewerbsstrafe von 2,42 Milliarden Euro auf - eine höhere Strafe hat es bislang noch nicht gegeben. Die Suchmaschine benachteilige Konkurrenten bei der Online-Produktsuche, erklärte die Brüsseler Behörde am Dienstag.

Der US-Konzern habe "seine marktbeherrschende Stellung als Suchmaschinenbetreiber missbraucht", erklärte die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager. Google habe "seinen eigenen Preisvergleichsdienst in seinen Suchergebnissen ganz oben platziert und Vergleichsdienste der Konkurrenz herabgestuft".

Die EU-Kommission verlangt, dass Google das beanstandete Verhalten innerhalb von 90 Tagen abstellt. Sonst drohen Zwangsgelder von bis zu fünf Prozent des durchschnittlichen weltweiten Tagesumsatzes seiner Muttergesellschaft Alphabet.

Es geht um die prominent angezeigten Shopping-Ergebnisse

Wer auf Google etwas sucht, kann dies nicht nur über das allgemeine Suchfeld tun, sondern zum Beispiel auch die Unterkategorien Bilder, Videos oder Maps anwählen - oder eben Googles Shopping-Dienst, wenn er etwas online einkaufen möchte. Dann bekommt der Suchende Produkte aus Online-Shops angezeigt.

Kunden, die bei Google Anzeigen gebucht haben, werden dabei besonders prominent platziert. Wer zum Beispiel in der allgemeinen Suche nach "Stiefeletten" sucht, bekommt in den allgemeinen Trefferlisten ganz oben Ergebnisse des Google-Shopping-Dienstes eingespielt - und zwar von eben jenen Anbietern, die Anzeigenkunden bei Google sind. Preisvergleichsportale werden erst weiter unten angezeigt. Die EU-Kommission und einige Preissuchmaschinen betrachten das als Bevorzugung eigener Google-Dienste.

REUTERS

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager

Über der Anzeigenleiste mit Fotos, Preisen und Links steht mittlerweile bereits sehr klein das Wort "Anzeige" und Google informiert Nutzer in einem aufklappbaren Text, dass es von den angezeigten Anbietern möglicherweise Geld bekommt. Die aktuelle EU-Wettbewerbskommissarin, die Dänin Margrethe Vestager, sieht das aber nicht als Lösung des Problems der Wettbewerbsverzerrung.

Google denkt über Einspruch nach

Google erwägt Einspruch gegen die Entscheidung, teilte der Konzern in einer ersten Stellungnahme mit. Die Firma hatte die Vorwürfe der Kommission auch in der Vergangenheit immer als falsch zurückgewiesen. Die Argumentation der Kartellwächter ignoriere etwa die wichtige Rolle des Onlinehändlers Amazon, hieß es damals. Amazon sei für viele Kunden die erste Anlaufstelle, wenn sie sich im Netz über ein Produkt informieren wollen - und nicht etwa Google. Der Konzern beschrieb die Fotoleiste mit Angebotsdetails als eine Verbesserung seiner Suchergebnisse zugunsten der Nutzer.

Die mit 1,06 Milliarden Dollar bislang höchste Strafe hatte die Brüsseler Behörde 2009 gegen den US-Chiphersteller Intel verhängt.

Das Verfahren ist nur eines von insgesamt dreien, das Google derzeit mit der EU-Kommission ausficht und in denen der Vorwurf Wettbewerbsverzerrung lautet. In einem weiteren geht es um das Smartphone-System Android von Google. 2016 nahm die Kommission erstmals auch das Google-Kerngeschäft mit Suchmaschinenwerbung ins Visier. Dabei geht es um den Teildienst "AdSense for Search", über den Betreiber von Websites Google-Suchmasken in ihre Angebot einbinden können.

gru/dpa/Reuters

insgesamt 128 Beiträge
jewill 27.06.2017
1. Handelskrieg
2.4 Milliarden Euro Strafe nur weil Google auf seiner Webseite Links auf andere eigene Webseiten hat. Ich weiß, dass es hier um Marktmacht usw. geht, aber das ist trotzdem absurd. Das Geld holen sich die Amerikaner dann von der [...]
2.4 Milliarden Euro Strafe nur weil Google auf seiner Webseite Links auf andere eigene Webseiten hat. Ich weiß, dass es hier um Marktmacht usw. geht, aber das ist trotzdem absurd. Das Geld holen sich die Amerikaner dann von der deutschen Bank und der deutschen Autoindustrie wieder zurück. Willkommen im Handelskrieg!
tpro 27.06.2017
2.
Wenn man schon nicht gegen die Datenkrake ankommt, soll sie zumindest blechen. Ein paar Milliarden mehr hätte es aber schon sein dürfen.
Wenn man schon nicht gegen die Datenkrake ankommt, soll sie zumindest blechen. Ein paar Milliarden mehr hätte es aber schon sein dürfen.
marialeidenberg 27.06.2017
3. Portokasse.
Nicht mehr.
Nicht mehr.
marcnu, 27.06.2017
4. Das wird aus der Portokasse bezahlt.
Man lässt es bewusst darauf ankommen, am Ende rechnet sich diese Strategie trotzdem.
Man lässt es bewusst darauf ankommen, am Ende rechnet sich diese Strategie trotzdem.
mainzelmann62 27.06.2017
5. ... da kann man gespannt sein
...google wird alle instanzen ausschöpfen, ob die summe wirklich gezahlt wird ist fraglich
...google wird alle instanzen ausschöpfen, ob die summe wirklich gezahlt wird ist fraglich

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