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Antivirensoftware-Hersteller

Niederlande verbannen Kaspersky-Software aus Behörden

Angst vor Spionage: Aus diesem Grund wird die russische Antivirensoftware von Kaspersky Lab von niederländischen Behördenrechnern entfernt. Das Unternehmen reagiert prompt auf die Entscheidung.

REUTERS

Logo von Kaspersky Lab

Dienstag, 15.05.2018   16:56 Uhr

Die niederländische Regierung hat angekündigt, die Antivirensoftware des russischen IT-Konzerns Kaspersky Lab künftig nicht mehr einsetzen zu wollen. Als Begründung wurden Sicherheitsbedenken angegeben.

Eine gründliche Prüfung habe ergeben, dass es durch die Software des russischen Unternehmens das Risiko der Spionage und Sabotage gebe, sagte Justizminister Ferdinand Grapperhaus am Dienstag im niederländischen Radio.

Im vergangenen Jahr hatten auch Großbritannien und die USA den Einsatz der Software eingeschränkt. Im September 2017 hatte die US-Regierung Bundesbehörden angewiesen, künftig keine Kaspersky-Software mehr zu verwenden.

Das US-Heimatschutzministerium erklärte damals, man sei wegen Verbindungen zwischen Firmenvertretern und russischen Geheimdiensten besorgt. Es bestehe das Risiko, dass die russische Regierung Kaspersky-Produkte ausnutzen könne, um die Computersysteme von US-Behörden zu kompromittieren.

Beschluss ohne konkrete Hinweise

In einem Brief an das Parlament verweist der niederländische Justizminister nun ebenfalls auf "Risiken für die nationale Sicherheit". Nach russischer Gesetzgebung müssten "Unternehmen wie Kaspersky die russischen Geheimdienste bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen, wenn diese Dienste das fordern." Konkrete Hinweise auf einen Missbrauch der Kaspersky-Software zu solchen Zwecken gibt es nach den Worten des Ministers nicht.

Trotzdem sehe die niederländische Regierung das Verbot der Nutzung dieser Software auf Regierungscomputern als eine "geeignete Vorsichtsmaßnahme" an. Außer für Behördenrechner gilt die neue Vorschrift auch für Computer von Unternehmen und Organisationen, die unter die Allgemeinen Sicherheitsanforderungen für Verteidigungsaufträge (Algemene Beveiligingseisen Defensie Opdrachten, ABPO) fallen.

Verlagerung in die Schweiz

Kaspersky Lab hatte derartige Bedenken stets als unbegründet zurückgewiesen. Firmengründer Eugene Kaspersky wehrte sich stets mit aller Kraft gegen die Vorwürfe, die das Image und Geschäft seines Unternehmens bedrohen. Über die Entscheidung aus Den Haag sei die Firma enttäuscht, berichtet die niederländische Nachrichtenagentur ANP. "Es hat den Anschein, dass unser Unternehmen Opfer von geopolitischen Entwicklungen ist", sagte ein Sprecher demnach.

Zeitgleich zu der Entscheidung der niederländischen Regierung hat Kaspersky neue Maßnahmen angekündigt, mit denen das Unternehmen Bedenken seiner Kunden zerstreuen will. Die Daten von Kunden unter anderem aus Europa und Nordamerika sollen künftig nicht mehr in Russland gespeichert werden, sondern in der Schweiz. Bis Ende 2019 soll dafür ein neues Rechenzentrum in Zürich eingerichtet werden.

Zusätzlich werde die Produktion der Antivirensoftware des Unternehmens noch in diesem Jahr nach Zürich verlagert. Das neue Rechenzentrum will Kaspersky von unabhängigen Kontrolleuren beaufsichtigen lassen. Auf den Rechnern dort sollen auch Daten von Kunden aus Singapur, Australien, Japan und Südkorea gespeichert und verarbeitet werden. Weitere Länder würden folgen, hieß es.

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mak/dpa

insgesamt 22 Beiträge
mgerhard 15.05.2018
1. Und was, wenn Facebook und Google Ausgründungen der NSA wären??
Das sind sicherlich schwerwiegende Anschuldigungen. Aber der russische Geheimdienst wäre sicher kein russischer Geheimdienst, wenn der mit der entsprechenden Gesetzesvollmacht diese Möglichkeit nicht auch ausnutzen würde. [...]
Das sind sicherlich schwerwiegende Anschuldigungen. Aber der russische Geheimdienst wäre sicher kein russischer Geheimdienst, wenn der mit der entsprechenden Gesetzesvollmacht diese Möglichkeit nicht auch ausnutzen würde. Andererseits: wer kann geheime Geflechte nachvollziehen? Genauso könnten auch Windows und MacOS geheime Hintertüren für die US-Regierung haben? Und Facebook und Google könnten sogar direkte Ausgründungen der NSA sein - denn auf das Geschäftsmodell, alles frei Haus geliefert zu bekommen, müßte eigentlich jeder Geheimdienst kommen .... So wie es für den Endverbraucher schwierig ist zu entscheiden, wem er vertrauen kann, so ist es zunehmend auch für Regierungen schwierig, welcher ausländischen Software sie vertrauen kann.
Jan2607 15.05.2018
2.
Dass derartige Programme aus Staaten, in denen die Staatsgewalt weite Befugnisse hat, nicht sicher sind (besonders, wenn der Nutzer für die Gegenseite spielt), sollte offensichtlich sein. Das gilt nicht nur für Programme aus [...]
Dass derartige Programme aus Staaten, in denen die Staatsgewalt weite Befugnisse hat, nicht sicher sind (besonders, wenn der Nutzer für die Gegenseite spielt), sollte offensichtlich sein. Das gilt nicht nur für Programme aus Russland. Ich finde es äußerst irritierend, wie wenig Wert Regierungen auf die Sicherheit ihrer IT legen. Aber klar, um so was halbwegs sicher zu machen, müsste man ja Geld in die Hand nehmen und vielleicht mal selbst IT-Firmen auf die Beine stellen. Ich finde es aber gut, dass Kaspersky die Daten nun auslagern möchte. Inwieweit es dabei dann noch Schlupflöcher für die russische Regierung gibt, kann ich jedoch nicht beurteilen...
genugistgenug 15.05.2018
3. Weltfremde Politikerentscheidung?!
Denn jeder ITler wird doch mit ALLEN auf dem Markt zur Verfügung stehenden Programmen auf Schadprogramme testen und sich nicht nur auf eines verlassen! Und wer die Tests ansieht, kennt die Unterschiede und es geht ja auch um ein [...]
Denn jeder ITler wird doch mit ALLEN auf dem Markt zur Verfügung stehenden Programmen auf Schadprogramme testen und sich nicht nur auf eines verlassen! Und wer die Tests ansieht, kennt die Unterschiede und es geht ja auch um ein funktionierendes System, also keine Leistungsbremsen drin plus dauerhafte Update der Schutzprogramme..
matthias.ma 15.05.2018
4. Nicht nur Kaspersky
Die gleiche Situation (rechtliche Rahmenbedingungen, technische Möglichkeiten, große Gefahr der Spionage oder ggf. Sabotage) gilt auch für amerikanische Antivirensoftware.
Die gleiche Situation (rechtliche Rahmenbedingungen, technische Möglichkeiten, große Gefahr der Spionage oder ggf. Sabotage) gilt auch für amerikanische Antivirensoftware.
vitalik 15.05.2018
5.
Was meinen Sie mit: besonders, wenn der Nutzer für die Gegenseite spielt. Welche Gegenseite ist dabei gemeint? Wirtschaftsspionage findet sowohl aus Russland aber auch aus den USA und China statt. Die Gegenseite ist hierbei [...]
Zitat von Jan2607Dass derartige Programme aus Staaten, in denen die Staatsgewalt weite Befugnisse hat, nicht sicher sind (besonders, wenn der Nutzer für die Gegenseite spielt), sollte offensichtlich sein. Das gilt nicht nur für Programme aus Russland. Ich finde es äußerst irritierend, wie wenig Wert Regierungen auf die Sicherheit ihrer IT legen. Aber klar, um so was halbwegs sicher zu machen, müsste man ja Geld in die Hand nehmen und vielleicht mal selbst IT-Firmen auf die Beine stellen. Ich finde es aber gut, dass Kaspersky die Daten nun auslagern möchte. Inwieweit es dabei dann noch Schlupflöcher für die russische Regierung gibt, kann ich jedoch nicht beurteilen...
Was meinen Sie mit: besonders, wenn der Nutzer für die Gegenseite spielt. Welche Gegenseite ist dabei gemeint? Wirtschaftsspionage findet sowohl aus Russland aber auch aus den USA und China statt. Die Gegenseite ist hierbei wohl das eigene Land, aber welche Netzwerktechnologie und Betriebssystem kommt aus Deutschland/Niederlanden? Das Meiste wird in den USA entwickelt und in China zusammengebaut. In einigen Fällen ist es sogar nachgewiesen, dass man in die Geräte Lücken einbaut, die später von den Geheimdiensten ausgenutzt werden. Die letzten Vorkommnisse waren Lücken im Windows Betriebssystem und die Ausnutzung dieser Lücken durch die Trojaner. Angeblich waren die Lücken für die Nachrichtendienste implementiert worden. https://www.heise.de/security/meldung/Windows-Trojaner-nutzt-NSA-Hintertuer-um-verdeckt-Kryptowaehrungen-zu-schuerfen-3751247.html

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