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Netzwelt

Kölner Rizin-Fall

Ermittler müssen gewaltige Datenmengen auswerten

Der Fall eines Islamisten, der an einer Rizinbombe gearbeitet haben soll, stellt die Ermittler vor Probleme. Die Handys des Verdächtigen sind voller Bilder, Chats und Videos, die sie nun begutachten müssen.

DPA

Durchsuchung in Köln-Chorweiler (Archivbild)

Von und
Samstag, 07.07.2018   08:05 Uhr

Im Fall des Kölner Islamisten Sief Allah H., der einen Anschlag mit einer Rizin- Bombe geplant haben soll, sind die Ermittler nach SPIEGEL-Informationen mit enormen Datenmengen konfrontiert.

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Nach einer ersten Auswertung von zwei der drei bei dem Tunesier sichergestellten Handys gehen die Beamten von Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt derzeit von etwa 180.000 Bildern, mehr als 2000 Video- und Audiodateien sowie über 33.000 Nachrichten aus.

Allein auf einem Telefon fanden die Ermittler mehr als 9000 Chats, die nun übersetzt werden müssen, sowie diverse Anleitungen zum Bombenbau. H. hatte mehr als 11.000 Kontakte gespeichert.

Die Fahnder suchen unter anderem nach möglichen Mitwissern, die den Islamisten bei seinem mutmaßlichen Vorhaben, einen Anschlag mit einem biologischen Kampfstoff zu verüben, unterstützt haben könnten. Sief Allah H. war im Juni in Köln festgenommen worden. Beamte entdeckten bei ihm insgesamt 3150 Rizinussamen und 84,3 Milligramm des bereits hergestellten Gifts Rizin. H. soll sich bei der Herstellung des Rizins an einer Anleitung orientiert haben, die der "Islamische Staat" (IS) im Internet verbreitet.

Sief Allah H. hatte bei einem Internetversandhändler zudem mehrere Stoffe bestellt, die zur Herstellung einer Bombe geeignet gewesen wären. Auch soll der Tunesier eine Chemikalie gekauft haben, die man braucht, um aus Rizinussamen das hochgifte Rizin zu gewinnen. Rizin unterliegt als biologische Waffe dem Kriegswaffenkontrollgesetz.

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insgesamt 15 Beiträge
panamalarry 07.07.2018
1. Interessant!
Wenn man ein Ermittlerteam mit 2 Handys überfordern kann, dann kann man die Ermittlerei auch gleich lassen. Wobei: Ich dachte, da gibts so Hilfstechnologien, wird glaube ich EDV abgekürzt.
Wenn man ein Ermittlerteam mit 2 Handys überfordern kann, dann kann man die Ermittlerei auch gleich lassen. Wobei: Ich dachte, da gibts so Hilfstechnologien, wird glaube ich EDV abgekürzt.
dcobain 07.07.2018
2. zu wenig Speicher
Kann die Datenmenge stimmen? Alleine die Bilder hätten bei 1Mb pro Bild schon 176 GB an Speicher verbraucht. Da stimmt etwas nicht.
Kann die Datenmenge stimmen? Alleine die Bilder hätten bei 1Mb pro Bild schon 176 GB an Speicher verbraucht. Da stimmt etwas nicht.
phermana 07.07.2018
3. Neue Jobs
Einst haben die deutschen Sicherheitbehörden mindesten 100 Personen aus syrisch-irakischem Raum Asyl gewähren lassen (https://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-03/bnd-bamf-interventionsfaelle-befragungen). Wer waren diese [...]
Einst haben die deutschen Sicherheitbehörden mindesten 100 Personen aus syrisch-irakischem Raum Asyl gewähren lassen (https://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-03/bnd-bamf-interventionsfaelle-befragungen). Wer waren diese Leute? Wasfür ein Dienst für BRD geleistet haben? Dann müssen sie jetzt dran.
bluemetal 07.07.2018
4. Problem
Vor diesem Problem steht die Polizei seit Jahren schon bei jedem der hunderttausende von kleineren Deliken. Wenn dann alle Chats auch noch wie so oft in Fremdsprachen sind ist man aufgeschmissen. Einen wichtigen Kontext zu [...]
Vor diesem Problem steht die Polizei seit Jahren schon bei jedem der hunderttausende von kleineren Deliken. Wenn dann alle Chats auch noch wie so oft in Fremdsprachen sind ist man aufgeschmissen. Einen wichtigen Kontext zu Personen und Sachverhalten kann keine Software herstellen. Das muss jemand alles übersetzen und durchlesen und bewerten !. Und zwar innerhalb kürzester Zeit, nach 6 Monaten muss Anklage erhoben sein, sonst droht Freilassung. Man hätte mit Erfindung des Internets und Smartphones eigentlich die Zahl der Kriminalbeamten in Deutschland verdoppeln müssen um dem Herr zu werden. Hat man nicht, soll mal eben so nebenbei mit gemacht werden. Stattdessen werden in Bayern dubiose Grenzpolizeien und eine neue Kavallerie eingeführt.
yetanotherdude 07.07.2018
5.
256GB-Micro-SD-Karten existieren. Meme- oder Spruchbilder sind auch viel kleiner.
Zitat von dcobainKann die Datenmenge stimmen? Alleine die Bilder hätten bei 1Mb pro Bild schon 176 GB an Speicher verbraucht. Da stimmt etwas nicht.
256GB-Micro-SD-Karten existieren. Meme- oder Spruchbilder sind auch viel kleiner.

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