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Netzwelt

Neue Telekom-Mobilfunktarife

So teuer sind echte Flatrates

Für Hardcore-Mobilfunknutzer bietet die Telekom jetzt neue Tarife an, mit denen man wirklich unbegrenzt online sein kann. Der Begriff Schnäppchen wäre in diesem Zusammenhang aber unangebracht.

DPA
Aus Berlin berichtet
Freitag, 02.09.2016   14:05 Uhr

Was Mobilfunkanbieter ihren Kunden normalerweise als Flatrates anbieten, sind eigentlich keine. Während eine Flatrate unbegrenzte Nutzung verspricht, sind Handytarife immer durch ein nutzbares Datenvolumen begrenzt. Bei zwei neuen Angeboten, die die Telekom auf der Ifa vorgestellt hat, ist das anders. Mit ihnen kann man wirklich ohne Reue den ganzen Tag YouTube-Videos auf seinem Handy anschauen und Musik-Streams anhören.

Allerdings hat das sorglose Surfen seinen Preis. Im Tarif MagentaMobil XL Premium etwa zahlt man eine Grundgebühr von 199,95 pro Monat. Dass zu dieser Summe noch Extras hinzu kommen ist aber sehr unwahrscheinlich. Der Tarif enthält Flatrates fürs Telefonieren, SMS, die Nutzung von Hotspots und tatsächlich eine echte Daten-Flatrate mit unbegrenztem Volumen.

Damit hört der Luxus nicht auf. Die Datenflat ist auch in der gesamten EU, den USA, Kanada und in der Türkei nutzbar. Außerdem gehören zwei zusätzliche Sim-Karten und eine Festnetz-Nummer zum Paket.

Einen Tag lang alles machen

Für Kunden, die nicht gleich das ganz große Fass aufmachen wollen, bietet die Telekom jetzt die Option DayFlat unlimited an. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Flatrate mit unbegrenztem Volumen. Nur ist diese auf 24 Stunden begrenzt. Sie kostet 4,95 Euro und kann tageweise zu bestehenden Tarifen hinzugebucht werden. Auf einen Monat gerechnet wären das rund 150 Euro.

Mit den neuen Tarifen zeigt die Telekom, was das Unternehmen seinen Kunden für eine echte mobile Datenflatrate wirklich in Rechnung stellt - wobei es in anderen Ländern echte Flatrates deutlich günstiger gibt. Und sie demonstriert zeitgleich, dass es nichts umsonst gibt. Bis vor Kurzem konnten Kunden des Konzerns noch eine Spotify-Flatrate zu ihrem Vertrag buchen. Für 9,95 Euro pro Monat bekam man nicht nur ein Abo des Streamingdienstes, sondern konnte auch noch mobil so viel streamen wie man wollte. Dass für Spotify angefallene Datenvolumen wurde nicht auf das Inklusivvolumen des Vertrags angerechnet.

Apple Music zum Ausprobieren

Aber damit ist es vorbei. Neukunden bekommen bei Buchung der Spotify-Option nur noch das Spotify-Abo - ohne Musik-Flatrate. So kann Streaming das Datenvolumen schnell aufbrauchen. Wer gehofft hatte, der Konzern würde nun stattdessen eine echte Apple-Music-Flatrate anbieten, wird enttäuscht. Zwar kündigte die Telekom auf der Ifa eine neue Kooperation mit Apple an, aber die bedeutet nur, dass Telekom-Kunden Apples Dienst nur sechs Monate kostenlos ausprobieren können, drei Monate länger als bei Apple selbst. Musik-Streaming wird hier voll aufs Datenvolumen angerechnet.

Eine gute Nachricht gab es für Bestandskunden auf der Pressekonferenz dann aber doch noch: In allen Laufzeitverträgen gilt jetzt LTE Max. Egal was gebucht wurde, kann man also mit maximaler LTE-Geschwindigkeit bis zu 300 Mbit/s online gehen - sofern Netz und Endgerät das hergeben. Aber auch damit ist Vorsicht geboten: schnelleres Surfen kann auch mehr Surfen bedeuten. Auf diese Weise könnte ein Datenvolumen schneller zur Neige gehen als bisher.

Auf diesen Angaben basiert der Rechner

Warum taucht meine App nicht auf?
Wir haben versucht, mit dem Datenvolumen-Rechner gängige Anwendungsmöglichkeiten abzudecken. Trotzdem kann es passieren, dass unser Rechner Ihr mobiles Surfen im Internet nicht korrekt abbilden kann. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie ihr Smartphone so eingestellt haben, dass Hintergrundabfragen und –aktualisierungen auch ohne WLAN viel von ihrem mobilen Datenvolumen verbrauchen. Oder Sie haben eine datenintensive Lieblings-App, die sie oft benutzen, in unserer Übersicht aber nicht auftaucht. Für ein akkurateres Gesamtergebnis benutzen Sie in solchen Fällen unser Eingabefeld „Weitere Apps“. Dort können Sie einen frei wählbaren Datenwert selbst eingeben.
Woher kommen die Nutzerdaten?
Um den Datenverbrauch einer App zu berechnen, spielt das individuelle Nutzerverhalten eine große Rolle. Wie oft lädt man Fotos hoch, oder geht es nur ums Texte schreiben? Will man das Video in der höchsten Qualität sehen oder reicht es auch in einer komprimierten Version? Unsere Verbrauchswerte sind daher immer nur Mittelwerte, die wir zum Beispiel direkt bei den Anbietern erfragt haben.
  • Surfen (Seitenaufruf) = 0,8 MB
  • Fotos versenden (pro Stück, Standardqualität) = 1 MB
  • Facebook (1 Minute) = 1,5 MB
  • Musikstreaming per Spotify (1 Minute, normale Qualität) = 1 MB
  • Anruf per WhatsApp (1 Minute) = 0,74 MB
  • Videoanruf per Skype (1 Minute, einfachste Qualität) = 2,2 MB
  • Videostreaming per Netflix (1 Minute, niedrige Qualität) = 5 MB
  • Videostreaming per Youtube (1 Minute, niedrige Qualität) = 2 MB
insgesamt 63 Beiträge
Bürger Icks 02.09.2016
1. Unlauterer Wettbewerb?
"Was Mobilfunkanbieter ihren Kunden normalerweise als Flatrates anbieten, sind eigentlich keine." Wenn ich großmundig überall "Flatrate" draufschreibe, dann aber keine liefere, wie bei uns in Neuland, ist [...]
"Was Mobilfunkanbieter ihren Kunden normalerweise als Flatrates anbieten, sind eigentlich keine." Wenn ich großmundig überall "Flatrate" draufschreibe, dann aber keine liefere, wie bei uns in Neuland, ist das dann nicht eine Art von Betrug? Ich darf ja auch nicht ein mit Steinen gefülltes Paket über E-Bay verkaufen, indem ich es vorher als Playstation(nur mal als Beispiel) angepriesen habe. Und irgendwo ins "Kleingedruckte" schreibe, "War nur ein Prank, Bro"... oder?
gutes_essen 02.09.2016
2.
Bei der Telekom wurde schon länger das Wort "Datennutzung" benutzt.
Zitat von Bürger Icks"Was Mobilfunkanbieter ihren Kunden normalerweise als Flatrates anbieten, sind eigentlich keine." Wenn ich großmundig überall "Flatrate" draufschreibe, dann aber keine liefere, wie bei uns in Neuland, ist das dann nicht eine Art von Betrug? Ich darf ja auch nicht ein mit Steinen gefülltes Paket über E-Bay verkaufen, indem ich es vorher als Playstation(nur mal als Beispiel) angepriesen habe. Und irgendwo ins "Kleingedruckte" schreibe, "War nur ein Prank, Bro"... oder?
Bei der Telekom wurde schon länger das Wort "Datennutzung" benutzt.
torpedo-of-truth 02.09.2016
3.
Lachhaft. "Was echte Flatrates wirklich kosten"? Schaut mal ins Ausland, da gibt es schon länger echte Flatrates. Und das für einen Bruchteil dieses lächerlichen Preises von 200? im Monat.
Lachhaft. "Was echte Flatrates wirklich kosten"? Schaut mal ins Ausland, da gibt es schon länger echte Flatrates. Und das für einen Bruchteil dieses lächerlichen Preises von 200? im Monat.
hegoat 02.09.2016
4. Gnadenlos überteuert
Die Telekom war noch nie ein Musterbeispiel dafür, was bestimmte Leistungen "wirklich" kosten. Die Konkurrenz bietet alles in der Regel zum halben Preis an. Und die geht auch nicht pleite.
Die Telekom war noch nie ein Musterbeispiel dafür, was bestimmte Leistungen "wirklich" kosten. Die Konkurrenz bietet alles in der Regel zum halben Preis an. Und die geht auch nicht pleite.
taste-of-ink 02.09.2016
5.
Es braucht niemanden zu verwundern, dass in Deutschland die Preise für Highspeed-Datenvolumen über alle Anbieter verteilt so hoch sind, weil sich die Telekommunikationsunternehmen bei Vergabe der UMTS-Lizenzen wirtschaftlich zu [...]
Es braucht niemanden zu verwundern, dass in Deutschland die Preise für Highspeed-Datenvolumen über alle Anbieter verteilt so hoch sind, weil sich die Telekommunikationsunternehmen bei Vergabe der UMTS-Lizenzen wirtschaftlich zu Tode geboten haben, obwohl schon der Nachfolger (LTE) in den Startlöchern stand. Für diesen Irrsinn, der nur dem Staat wirklich genützt hat, zahlen wir immer noch.

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