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Netzwelt

"PC Building Simulator"

Für 20 Euro zum Traum-PC

Prozessor übertakten, Leuchtlüfter einbauen und Kühlung verlegen: Mit dem "PC Building Simulator" kann man sich seinen Wunsch-PC zusammenstecken - zumindest virtuell. Das macht nicht nur Nerds Spaß.

The Irregular Corporation
Von
Montag, 11.02.2019   14:02 Uhr

Der Auftrag klingt eigentlich einfach: Arbeitsspeicher erweitern, mehr nicht. Doch beim Blick ins Gehäuse zeigt sich, dass der Monsterlüfter den Steckplatz blockiert. Ich kappe also die Stromleitung, montiere den Lüfter ab, ziehe den alten Ram-Riegel raus, stecke den neuen Arbeitsspeicher rein. Dann passiert es. Ich stülpe den Lüfter wieder auf den Prozessor - und vergesse die Wärmeleitpaste.

Im Spiel "PC Building Simulator" wird das als kapitaler Fehler gewertet. Ohne die Paste überhitzt der Prozessor rasch, und der Rechner verabschiedet sich mit einem Bluescreen. Mein Kunde ist sauer, beklagt sich öffentlich im Netz und watscht die magere Leistung in den Onlinebewertungen mit einem Stern ab.

Fotostrecke

Angespielt: Virtuelle Basteleien mit dem "PC Building Simulator"

Dabei ist die PC-Werkstatt, die man als Spieler übernimmt, sowieso schon am Boden. Das Geschäft läuft mies. Kunden schreiben wütende E-Mails und drohen mit dem Anwalt. Geld hat der Vorbesitzer auch nicht hinterlassen. Ganz im Gegenteil, er hat sich vor seinem Abschied noch ein paar Dollar für Benzin geborgt.

Mit einfachen Aufträgen muss man deshalb erst einmal ein wenig Geld verdienen. Festplatten austauschen, Grafikkarten in PCI-Schächte schieben und Rechner abstauben. Dabei merkt man schnell, was den Reiz am "PC Building Simulator" ausmacht: Die beeindruckende Liebe zum Detail. Die Gehäuse sind realistisch nachgebaut, die Verkabelung ist detailgetreu, und die Auswahl an Originalkomponenten wie Intel-Prozessoren, Nvidia-Grafikkarten und Seagate-Laufwerken ist riesig.

The Irregular Corporation

Hardware-Himmel: Der Spieler kann aus zahlreichen Originalbauteilen wählen

In den Kommentaren zu dem Spiel auf der Onlineplattform Steam loben die Spieler vor allem den freien Bastelmodus. In dem kann man seinen eigenen Rechner nachbauen oder seinen Traum-PC zusammenstellen. Das sorgt offenbar für viel Spaß. So schreibt ein Nutzer: "Habe ich gerade zwei Stunden damit verbracht, meinen virtuellen PC zu übertakten? Ja."

So viele Details

Das PC-Modding läuft ähnlich kleinteilig wie in der Realität. Teilweise klemmen die Bauteile so ungeschickt im Blechgehäuse, dass es fast unmöglich ist, mit dem Mauszeiger auf die richtige Stelle zu klicken, um sie zu lösen. Eine Wasserkühlung lässt sich nur umständlich verlegen, und allein um die Hauptplatine zu lösen, muss man zwölf Schrauben anklicken.

Aber vielleicht muss das auch so sein. Denn schließlich fühlt sich PC-Tuning eben genauso sperrig an, wenn man mit der Hand durchs schmerzhaft enge Gehäuse manövriert, Speichersteine auf Platinen presst und beinahe daran verzweifelt, viel zu kurze Strippen durch viel zu scharfkantige Schächte zu ziehen.

Für Neulinge wirkt diese Detailtiefe eher abschreckend. Auch wenn ein Tutorial die Anfänger behutsam ans PC-Basteln heranführt, sollte man ein gewisses Grundwissen mitbringen. Ansonsten versteht man nicht, dass nur Ram-Module mit gleichem Takt nebeneinander funktionieren. Auch wird es knifflig, wenn man im Spiel die Festplatte falsch verkabelt und der virtuelle Bastelrechner deshalb nicht mehr startet.

The Irregular Corporation

Massenabfertigung: Per E-Mail schicken Kunden ihre Tuningwünsche

Für Tüftel-Fans bietet der Karrieremodus einen unterhaltsamen Start, allerdings lässt der Spielspaß nach ein paar Tuningstunden nach. Irgendwann nutzen sich die immer wiederkehrenden Abläufe einfach ab. Auch wenn die Grafikkarten immer hübscher werden, Neonlichter im Gehäuse leuchten und bunte Kunststoffkabel das Blechgehäuse zieren: Das Belohnungssystem wirkt nach kurzer Zeit nicht mehr.

Für Hardware-Fans ist das der Zeitpunkt, in den freien Bastelmodus zu wechseln, beispielsweise, um auszuprobieren, ob eine bestimmte Kombination von Grafikkarten, Ram und Prozessor wirklich die erhoffte Leistung bringen würde. Alle anderen steigen an diesem Punkt aus.


"PC Building Simulator" von The Irregular Corporation, Steam-Download für Windows-PC, etwa 20 Euro

insgesamt 8 Beiträge
GoaSkin 11.02.2019
1. leider ein zunehmend teureres Hobby
Schade nur, dass es immer weniger Einzelkomponenten für Desktop-PCs zu kaufen gibt und die Preise deutlich höher sind, als noch vor einigen Jahren. Da viele Leute nur noch kompakte Mini-PCs und Notebooks nutzen; und Manche sogar [...]
Schade nur, dass es immer weniger Einzelkomponenten für Desktop-PCs zu kaufen gibt und die Preise deutlich höher sind, als noch vor einigen Jahren. Da viele Leute nur noch kompakte Mini-PCs und Notebooks nutzen; und Manche sogar im Zeitalter von Smartphones und Tablets einen Computer für völlig überflüssig halten, werden Motherboards, Speicherriegel, gesockelte Prozessoren und Erweiterungskarten nicht mehr in den großen Stückzahlen wie einst produziert.
felisconcolor 11.02.2019
2. Beste
Simulation ever ist immer noch Sim forrest "realtime wood farming"
Simulation ever ist immer noch Sim forrest "realtime wood farming"
spon_2502913 11.02.2019
3. Wasserkühlung??
und wie sieht es mit Einbau einer Wasserkühlung aus?? Kann bei einem Wassereinbruch nur virtuell etwas passieren, nicht so teuer wie im wahren Leben. LG GARTENGOTT
und wie sieht es mit Einbau einer Wasserkühlung aus?? Kann bei einem Wassereinbruch nur virtuell etwas passieren, nicht so teuer wie im wahren Leben. LG GARTENGOTT
camshaft_in_head 11.02.2019
4. hmmm
braucht man einen Sim für ein Gerät womit man das Spiel spielt? :D Ich habe hier ein durchsichtiges Gehäuse mit beleuchteten Teilen und freue mich jedes Mal wenn ich am Rechner sitze darüber. Dafür muss ich mir nicht extra [...]
braucht man einen Sim für ein Gerät womit man das Spiel spielt? :D Ich habe hier ein durchsichtiges Gehäuse mit beleuchteten Teilen und freue mich jedes Mal wenn ich am Rechner sitze darüber. Dafür muss ich mir nicht extra noch ein Spiel kaufen.
hopfenundmalzverloren 11.02.2019
5. Auch bei Notebooks kann man vieles machen
Ich habe hier bei uns noch drei inzwischen alte Notebooks (Acer 7750G, Acer Aspire one, Samsung unbekannten Typs). Diese Rechner habe ich in den letzten 6 Jahren mehrmals erweitert und umgebaut. Das ist zwar eine irrsinnige [...]
Zitat von GoaSkinSchade nur, dass es immer weniger Einzelkomponenten für Desktop-PCs zu kaufen gibt und die Preise deutlich höher sind, als noch vor einigen Jahren. Da viele Leute nur noch kompakte Mini-PCs und Notebooks nutzen; und Manche sogar im Zeitalter von Smartphones und Tablets einen Computer für völlig überflüssig halten, werden Motherboards, Speicherriegel, gesockelte Prozessoren und Erweiterungskarten nicht mehr in den großen Stückzahlen wie einst produziert.
Ich habe hier bei uns noch drei inzwischen alte Notebooks (Acer 7750G, Acer Aspire one, Samsung unbekannten Typs). Diese Rechner habe ich in den letzten 6 Jahren mehrmals erweitert und umgebaut. Das ist zwar eine irrsinnige Fummelei, aber mit Geduld und auch Hilfen unter YouTube kommt man damit klar. Als ehemaliger langjähriger Software-Entwickler macht mir die Hardware-Fummelei nicht wirklich Spass, aber es ist nun mal ein notwendiges Übel. Mich würde mal interessieren, ob dieses Spiel wirklich eine Hilfe für PC-Bastelanfänger ist. Früher, bis Ende der 1990er Jahre, habe ich auch einige Tower gepflegt und erweitert, bevor ich komplett auf Notebooks umgestiegen bin. Die kann man halt (fast) überall hin mitnehmen, wenn man beruflich irgendwo auf der Welt unterwegs ist, was der grösste Vorteil gegenüber stationären Rechnern ist. Inzwischen sind die Notebooks ja auch seitens der Daten völlig ausreichend (mein neues Tuxedo-Notebook mit seinen 16GB, 8 Threads und neben der 500GB-SSD und 2TB Platte) reicht für mich in Jeder Hinsicht aus (eine Gamer-Maschine benötige ich aus Desinteresse an der Thematik nicht). Wenn man Hardware nur deshalb anfasst, weil man sie nun mal benötigt, dann könnte solch ein Spiel auch die Berührungsängste herabsetzen. Ausserdem wird man ja offensichtlich, jedenfalls legt der Artikel das nahe, recht schnell auf grobe Fehler aufmerksam. Eignet sich dieses Spiel denn für Bastelanfänger oder sollte man sich mit der Hardware-Materie eher schon auskennen?

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