Schrift:
Ansicht Home:
Netzwelt
Montag, 20.03.2017   16:02 Uhr

Newsletter Startmenü

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie wollen diesen Newsletter künftig regelmäßig lesen? Abonnieren Sie hier.

Jeden Montag um 16 Uhr in Ihrem Posteingang: Startmenü verrät, was die Tech-Welt bewegt. Abonnieren Sie direkt und kostenlos hier:

ich war ihr lange treu, vielleicht zu lange. Vor 31 Jahren war ich zum ersten Mal auf der Cebit. Das "Centrum für Büro- und Informationstechnik" war damals noch in der Halle 1 der Hannover Messe untergebracht. Hunderttausende kamen, die Staus bei der Anfahrt zum Messegelände waren legendär. Mich als Schüler störte das nicht, ich hatte Zeit.

Jahre später war das anders. Als Journalist musste - nein, durfte - ich schließlich beruflich zur Cebit. Gute Planung war essenziell, wenn man an den Pressetagen keine Präsentation verpassen wollte. Die Cebit war wichtig, hier wurde Revolutionäres präsentiert, etwa als Intel 2003 die Centrino-Technologie zeigte, die bis heute Grundlage vieler Notebooks ist.

Getty Images

Roboter auf der Cebit

Doch mittlerweile hat die Messe an Bedeutung verloren. Die wirklich interessanten Neuheiten werden jetzt auf Konkurrenzveranstaltungen wie der IFA, der CES und dem Mobile World Congress vorgestellt. Aus der Not hat die Messe eine Tugend gemacht und die Cebit, die heute startet, vollends zur Profiveranstaltung umgebaut.

In Hannover wird jetzt über die Digitalisierung der Industrie gesprochen, über das Arbeiten in der Cloud und über Glasfaseranschlüsse für den Mittelstand. Das sind ganz sicher wichtige Themen, die aber nur für ein Fachpublikum interessant sind. Aus dem Publikumsmagneten, der neue Technik für jedermann aufregend machte, ist ein langweiliger Branchentreff geworden. Die Fahrt nach Hannover werde ich mir in diesem Jahr deshalb sparen.

Voltra: Mehr Geld für Musiker

Für mich als Musiker in einer Band ist der neue Musikdienst Voltra da viel spannender. Musik-Streaming-Angebote wie Spotify, Deezer und Apple finde ich zwar bequem, aber nicht unproblematisch: Musiker bekommen kaum Geld dafür, Kunden können die Songs nur anhören, solange sie Abogebühren zahlen. Mit meiner Amateurband haben wir meist draufgezahlt, wenn wir unsere Songs über iTunes und Co. zum Streaming angeboten haben.

Voltra

Das Start-up Voltra setzt auf ein neues Geschäftsmodell. Stream-to-own nennen die Entwickler ihr Konzept. Beim ersten Mal kann man einem Song komplett kostenlos anhören, jedes weitere Mal wird eine geringe Gebühr fällig. Wie hoch die sein soll, verrät Voltra noch nicht, doch nach dem zehnten derartigen Aufruf gilt der Titel als gekauft und bezahlt. Auf diese Weise sollen Musiker "mehr als 100-mal mehr Geld pro Anhören als bei reinen Streamingdiensten" bekommen, verspricht die Firma.

Wenn ein Kunde einen Titel direkt kauft, sollen den Musikern gar 100 Prozent der Einnahmen zufließen. Zur Finanzierung des Angebots will man den Künstler "Pro-Funktionen" anbieten, die etwa detaillierte Statistiken und eine Künstlerseite beinhalten. Solche Extras dürften aber nur für wirklich erfolgreiche Indiebands interessant sein. Mir würde es schon reichen, wenn durch Downloads und Streams mehr Geld in die Bandkasse käme, wir brauchen dringend neue Mikrofone.

Super Mario rennt bald auch auf Android-Smartphones

REUTERS

Viel Geld erhoffte sich Nintendo mit der App "Super Mario Run" für iOS. Doch der erhoffte Geldregen blieb offenbar aus. Angeblich sind nur fünf Prozent der Nutzer bereit, die zehn Euro zu zahlen, die zur Freischaltung aller Level fällig werden.

Doch bald könnte sich selbst ein so geringer Prozentsatz zahlender Kunden lohnen. Denn am Donnerstag, so twitterte Nintendo, wird die Android-Version des Spiels veröffentlicht. Damit spricht der Konzern Hunderte Millionen potenzieller Neukunden an - Googles Betriebssystem hat weltweit schließlich einen Marktanteil von rund 80 Prozent.


Seltsame Digitalwelt - eine Anekdote: Eine Cebit im Whirlpool

Keine Ahnung, wie viele Texte ich mittlerweile über die Cebit und Cebit-Neuheiten geschrieben habe. Ich weiß aber, dass mein wohl meistgelesener Artikel aus Hannover nicht von neuen Computern oder Mikrochips handelte, sondern von einem Gummiüberzieher, mit dem man ein Handy gegen Wasser schützen sollte.

Das große Interesse an dem Thema lag 2008 aber wohl vor allem an den jungen Damen, die das Produkt bewarben und die ich in meinem Artikel vorstellte. Sie saßen den ganzen Tag in einem Whirlpool, tauchten Handys ins Wasser und verteilten kostenlose Probe-Überzieher. Das weckte Interesse, aber offenbar nur kurz. Von den wasserdichten Einweggummis habe ich nie wieder gehört.

Die App der Woche: OutLoud
getestet von Sebastian Meineck

OutLoud

Was wird das für eine Party, wenn die Gäste abstimmen dürfen, welche Musik gespielt wird? Mit der App OutLoud lässt sich das ausprobieren. Der Gastgeber eröffnet eine Playlist und verschickt Einladungen zum Mitmachen. Per eigener App können Teilnehmer dann ihre Lieblingslieder hinzufügen und andere Songs bewerten. Der beliebteste Titel wird dann als Nächstes gespielt.

OutLoud wird damit zur Jukebox mit Schwarmintelligenz. Derzeit lässt sich die App mit den Musikbibliotheken von Soundcloud, Spotify Premium und Apple Music verbinden.

Gratis von OutLoud, ohne In-App-Käufe: iOS, Android

Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche,

Matthias Kremp

insgesamt 7 Beiträge
FerrisBueller 20.03.2017
1. Verkehr
Als Hannoveraner finde ich die Entwicklung bei der CeBIT positiv. Ob da jetzt Messe ist oder nicht, merkt man praktisch gar nicht mehr. Der Verkehr auf dem Weg von und zur Arbeit ist wie immer. Bei der Hannovermesse oder der [...]
Als Hannoveraner finde ich die Entwicklung bei der CeBIT positiv. Ob da jetzt Messe ist oder nicht, merkt man praktisch gar nicht mehr. Der Verkehr auf dem Weg von und zur Arbeit ist wie immer. Bei der Hannovermesse oder der Hausfrauenmesse (weiß gerade nicht, wie die heißt) sieht das ganz anders aus. Als Informatiker finde ich das schade. Nicht weil ich unbedingt die riesigen Ankündigungen sehen müsste, sondern weil ich da früher die Chance hatte, die Dinge aus den News wirklich mal in die Hand zu nehmen. Außerdem gab es überall sehr sehr viele kleine aber spannende Sachen zu entdecken, die uns wieder auf neue Ideen brachten. Als ich aber das letzte mal vor drei Jahren auf der CeBIT war, gab es da nur noch eine riesige und dröge Counter-Wüste, wo irgendwelche Powerpoint-Folienschubbser Visitenkarten-Memory gespielt haben. Wenn es hoch kam, dann stand da mal ein einfacher 3D-Drucker, der Werbemittel druckte (egal, ob die Firma etwas mit 3D-Druck zu tun hatte oder nicht). Die einzige Halle, wo es für mich interessante Sachen gab, war gesperrt für den gemeinen Pöbel ohne Sondererlaubnis - also auch für mich. Daher nie wieder, auch bzw gerade als Fachbesucher.
kritischerleser50 20.03.2017
2. Cebit-Entwicklung
Ich denke, die Entwicklung der CEBIT ist etwas differenzierter als es der Autor des Artikels schreibt. Auch ich habe die "Halle 1" in Erinnerung, die nannte man damals CEBIT-Halle und sie war ein Bestandteil der [...]
Ich denke, die Entwicklung der CEBIT ist etwas differenzierter als es der Autor des Artikels schreibt. Auch ich habe die "Halle 1" in Erinnerung, die nannte man damals CEBIT-Halle und sie war ein Bestandteil der "normalen" Hannover Messe. Mit zunehmender Bedeutung der Informationstechnologie machte man dann eine eigene Messe "CEBIT". Und dann hatte man offensichtlich Mühe, ein passendes Konzept zu finden. Irgendwie sollte es eine Messe für Fachbesucher sein, dann aber auch wieder nicht. Ein Mischmasch. Und eines liebte man bei den Veranstaltern besonders: Den Gigantismus. Jedes Jahr war man stolz, noch mehr Aussteller, noch mehr Fläche. Unter uns Fachbesuchern wurde die Messe zunehmend unbeliebter. In diesem Trubel war es nicht mehr möglich, Fachgespräche zu führen, zwischen kreischenden Teenies, die auf der Jagd nach Spielen und Prospekten waren. Die Eltern wollten lieber Kugelschreiber und ähnliches...Große Aussteller zogen sich zurück. Dem versuchte man mit "Fachbesuchertagen" entgegen zu wirken. Aber die Fachbesucher zogen dann eher die SYSTEMS in München vor, da gings viel ruhiger und fachlicher zu. Fazit: Ich finde es richtig, den Privatanwendern andere Foren zu bieten (CEBIT-Home) und die CEBIT gesund zu schrumpfen zur Fachmesse. Es ist wie bei Supermärkten für Lebensmittel: Irgendwann erkennt man, dass der Kunde den Gigantismus nicht will - es darf eine Nummer kleiner und übersichtlicher sein. Erdbeerjoghurt von 8 Anbietern tun es auch...
Referendumm 20.03.2017
3. CeBIT und Super Mario ?
Habe ich etwa was verpasst? Die alte CeBIT mit der tollen Action ist seit rund einem Jahrzehnt tot. Und zwar mausetot. Was ist denn die CeBIT heute, das wäre mal ein Frage, die es absolut kritisch zu beantworten gilt. Noch [...]
Habe ich etwa was verpasst? Die alte CeBIT mit der tollen Action ist seit rund einem Jahrzehnt tot. Und zwar mausetot. Was ist denn die CeBIT heute, das wäre mal ein Frage, die es absolut kritisch zu beantworten gilt. Noch vor kurzem wurden mal öfters in den Hallen 17 / 18 die halbe VW-Produktionswelt aufgebaut. Überhaupt hatte man in manchen Jahren eher den Eindruck einer VW-Hausmesse anstatt einer CeBIT = Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation. Da wurde ich immer sofort dran erinnert, wer bei VW eigentlich das Sagen hat: Das Land Niedersachsen und schlussendlich die Regierung in Hannover. Heute spielt sich das irgendwo zwischen IT-Security und ein bissl Bürokommunikation sowie Farbrikautomation ab. Von mir aus können die den Laden CeBIT dichtmachen - ist inzwischen komplett überflüssig und total langweilig. Eine der schlimmsten Fachmessen ever - nur getoppt noch von stinklangweiligen Sensormessen. @FerrisBueller Heute, 16:49 - 0. Verkehr ;) da passt sogar die Nummerierung Ja, das waren teils grausame Zeiten (vor allem in den Bahnen) als die CeBIT noch rund 500.000 Besucher hatte. Aber, es waren auch sehr spannende und schöne Zeiten. CeBIT = RIP
Referendumm 20.03.2017
4.
Das ist Quark. Selbstverständlich ließen sich auch damals gute Fachgespärche führen. In den Besprechungsräumen oder -etagen z.B. kamen die Teenies überhaupt nicht rein. Selbst auf den Ständen ging das. Da suchte man [...]
Zitat von kritischerleser50Ich denke, die Entwicklung der CEBIT ist etwas differenzierter als es der Autor des Artikels schreibt. Auch ich habe die "Halle 1" in Erinnerung, die nannte man damals CEBIT-Halle und sie war ein Bestandteil der "normalen" Hannover Messe. Mit zunehmender Bedeutung der Informationstechnologie machte man dann eine eigene Messe "CEBIT". Und dann hatte man offensichtlich Mühe, ein passendes Konzept zu finden. Irgendwie sollte es eine Messe für Fachbesucher sein, dann aber auch wieder nicht. Ein Mischmasch. Und eines liebte man bei den Veranstaltern besonders: Den Gigantismus. Jedes Jahr war man stolz, noch mehr Aussteller, noch mehr Fläche. Unter uns Fachbesuchern wurde die Messe zunehmend unbeliebter. In diesem Trubel war es nicht mehr möglich, Fachgespräche zu führen, zwischen kreischenden Teenies, die auf der Jagd nach Spielen und Prospekten waren. Die Eltern wollten lieber Kugelschreiber und ähnliches...Große Aussteller zogen sich zurück. Dem versuchte man mit "Fachbesuchertagen" entgegen zu wirken. Aber die Fachbesucher zogen dann eher die SYSTEMS in München vor, da gings viel ruhiger und fachlicher zu. Fazit: Ich finde es richtig, den Privatanwendern andere Foren zu bieten (CEBIT-Home) und die CEBIT gesund zu schrumpfen zur Fachmesse. Es ist wie bei Supermärkten für Lebensmittel: Irgendwann erkennt man, dass der Kunde den Gigantismus nicht will - es darf eine Nummer kleiner und übersichtlicher sein. Erdbeerjoghurt von 8 Anbietern tun es auch...
Das ist Quark. Selbstverständlich ließen sich auch damals gute Fachgespärche führen. In den Besprechungsräumen oder -etagen z.B. kamen die Teenies überhaupt nicht rein. Selbst auf den Ständen ging das. Da suchte man sich halt abseits der Hauptwege ne ruhige Zone. Mein erstes Fachgespräch in der alten Halle 1 war aufm Dach - bei IBM. Und alle IBMler trugen die selben Anzüge; einfach irre. Tja, da war Big Blue wirklich noch Big Blue - arrogant bis zum Abwinken, die hatten damals aber auch noch was drauf. Nun ja. nette alte Zeiten.
danreinhardt 20.03.2017
5. Danke :)
Der Tipp mit Outloud war echt super :D Nun kann ich entspannt meinen Geburtstag feiern, früher war das echt immer anstrengend alle Musikwünsche unter einen Hut zu bekommen. ??
Der Tipp mit Outloud war echt super :D Nun kann ich entspannt meinen Geburtstag feiern, früher war das echt immer anstrengend alle Musikwünsche unter einen Hut zu bekommen. ??
Newsletter
Startmenü - der Netzwelt-Newsletter

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP