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Netzwelt

Digitales Archiv

So erhalten Sie Ihre Daten für die Nachwelt

Heute speichert man Fotos, Videos und persönliche Dokumente meistens auf dem PC. Doch was passiert später einmal mit den Dateien? Hier erfahren Sie, wie Sie ein digitales Archiv für Ihre Erben erstellen.

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Von "c't"- André Kramer
Freitag, 14.04.2017   09:47 Uhr

Am Ende bleibt wenig von einem Leben übrig. Möbel, Geschirr und Bettwäsche des verstorbenen Menschen gehen an die flügge gewordenen Enkel oder ins Sozialkaufhaus. Erinnerungswert besitzt nur weniges wie das Fotoalbum der Italien-Rundreise 1982 oder der Gedenkteller zur Silbernen Hochzeit.

Die Suche nach Erhaltenswertem kann man seinen Nachkommen zu Lebzeiten aber ein Stück weit ersparen, indem man ein persönliches digitales Archiv anlegt. So wird man selbst zum Autor der Erinnerung: Denn wer kennt die erzählenswerten Geschichten besser als man selbst?

Der Schlüssel liegt dabei in kluger Selbstbeschränkung statt in Vollständigkeit. Das digitale Archiv sollte jedenfalls nicht unbedingt einen Ordner mit 15.000 privaten Fotos enthalten. Vielmehr geht es darum, die wichtigsten Stationen des Lebenswegs zu dokumentieren.

Klassiker sind Fotos von Ereignissen wie Taufe, Hochzeit und runden Jubiläen. Darüber hinaus sind vielleicht Ereignisse wichtig wie das Richtfest des Eigenheims, die Geburt der Kinder, der sportliche Triumph, die Taufe des Hausboots, die Reise um die Welt.

Gefunden in

Insgesamt kann so ein Archiv 200 bis 300 Fotos plus private Videofilme und Audiomitschnitte umfassen. Hinzu kommen etwa Dokumente wie das Abschlusszeugnis der Schule, das Hochschuldiplom, wichtige Briefe oder die Ergebnisse genealogischer Forschungen zum Familienstammbaum. Je älter das Archiv, desto interessanter ist es für die Nachfahren.

Welche Dateiformate in 25 Jahren noch aktuell sind, kann zwar keiner voraussagen. Gute Richtwerte sind aber ISO-Standards, quelloffene Codecs und Betrachter, weite Verbreitung sowie lange Nutzungsdauer.

So sollten Sie Fotos speichern

Bei der Wahl des Fotoformats fällt der erste Blick ins Web. Dort sind Bilder vor allem als GIF, JPEG und PNG zu finden. Seit 2006 hat PNG das ältere GIF praktisch abgelöst. Letzteres Format ist nur noch in Nischen relevant. Für JPEG gibt es seit 1992 eine Norm (ISO/IEC 10918-1) und seit dem Siegeszug des World Wide Webs besteht kein Zweifel, dass es das Foto-Austauschformat Nummer eins ist. Es überlebte bereits technisch bessere Alternativen wie JPEG2000. Was seit 25 Jahren als Standard gilt, wird wahrscheinlich auch in 25 Jahren noch verbreitet und lesbar sein.

Eine ebenso gut abgehangene Alternative ist TIF. Die neueste Spezifikation stammt ebenfalls aus dem Jahr 1992 und ist öffentlich zugänglich. Das Containerformat bietet viele Möglichkeiten. Für Zukunftssicherheit sollte man keine Kompression verwenden, auf mehrseitige TIFs verzichten und bei 8 Bit Farbtiefe pro Kanal bleiben.

Metadaten wie Ortsnamen, Zeitstempel und Namen der abgebildeten Personen sollte man im ISO-Standard XMP einbetten. Als Begleitdatei ist der XML-Dialekt im Klartext lesbar, kann aber verloren gehen. Das Kommandozeilenprogramm ExifTool setzt ein beliebiges Aufnahmedatum. Einige Programme, zum Beispiel der Betrachter XnView, gehen nicht weiter als 1970 zurück.

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Im Test stellte das ExifTool Aufnahme-, Erstellungs- und Änderungsdatum der Exif-Daten auf einen gewählten Tag im Jahr 1964. Das Datei-Erstellungsdatum landete unter Windows kurioserweise auf 2064; Missverständnisse dürften aber ausbleiben. Eingebettete Metadaten werden leicht übersehen.

Sicher gehen Sie mit aussagekräftigen Dateinamen nach dem Muster "1995-05-16_Abiturentlassung-Andre-Kramer.JPG". Folgender Befehl setzt mit dem ExifTool alle verfügbaren Datumsangaben einer Datei auf den 1. Juni 1964 um 12 Uhr: exiftool -alldates="1964:06:01 12:00:00"

So sollten Sie Dokumente speichern

Der Quasi-Standard für Office-Dokumente sind die Formate von Microsoft Office - in 20 oder 50 Jahren kann das aber anders aussehen. Wer zum Beispiel seine Diplomarbeit in den Achtzigerjahren mit Word für DOS geschrieben hat, kann diese schon heute in neueren Versionen nicht mehr öffnen.

Bestenfalls kann man versuchen, solche Dateien in LibreOffice Writer zu importieren, das immerhin einen Import-Filter für dieses Format mitbringt. Das Problem könnte in Zukunft auch die seit Office 2007 veralteten Binärformate betreffen, die durch ein Dateiformat auf XML-Basis ersetzt wurden.

Dieses "Office Open XML" (OOXML) ist von der ISO als Standardformat anerkannt und speichert alle Bestandteile eines Dokuments wie Text, Grafiken und Bilder in einer Container-Datei im ZIP-Format. Notfalls lässt sich der Text aus dem ZIP-Archiv extrahieren und mit einem einfachen Texteditor öffnen. Dazu muss man die Dateien in Word im DOCX-Format und in Excel als XLSX-Datei speichern.

Schon vor Microsofts OOXML hat die ISO das in Open- und LibreOffice verwendete OpenDocument Format (ODF) als offenen Standard zertifiziert. Auch ODF speichert alle Bestandteile des Dokuments innerhalb eines ZIP-Archivs.

Spezialfälle wie den Stammbaum aus der Genealogie-Software wird zukünftig kaum jemand im herstellereigenen Format lesen können. Solche Dokumente archiviert man am besten im Portable Document Format (PDF). Erstens lässt sich so ziemlich alles von Office- über Layout- bis hin zu CAD-Dateien ins PDF konvertieren, zweitens pflegt die ISO mit PDF/A einen Standard für die Langzeitarchivierung.

PDF ist ein Container-Format, das Text, Grafik, Bilder und anderes enthalten kann. PDF/A schränkt die Freiheiten drastisch ein. Der Standard verbietet Videos und Skripte, zwingt zum Einbetten von Schriften und erlaubt nur zukunftssichere, nicht patentbehaftete Bildkompressionsverfahren.

Die ersten Teile des Standards PDF/A-1 und PDF/A-2 sind sehr restriktiv und frieren das Dokument in seinem Ist-Zustand ein, während PDF/A-3 auch Anhänge erlaubt. Die Archivtauglichkeit dieser Anhänge wiederum wird vom Standard nicht geregelt. Für die Langzeitarchivierung wählen Sie also bevorzugt PDF/A-1 oder A-2.

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Microsoft Office, OpenOffice und PDF Creator exportieren Inhalte als PDF/A. OpenOffice und Microsoft Office erzeugen die ursprüngliche Variante PDF/A-1a (a steht für "accessible"). In OpenOffice rufen Sie dazu "Datei/Als PDF exportieren" auf, im Datei/Speichern-Dialog von Microsoft Office wählen Sie als Format PDF und unter Optionen die passenden Konvertierungseinstellungen. Berechnungsskripte in Formularen oder multimediale Elemente gehen dabei verloren.

Wer prüfen möchte, ob ein PDF den Anforderungen genügt, kann den Open-Source-PDF/A-Validierer veraPDF nutzen. Vor wenigen Wochen hat ihn die pdfa Association auf Java-Basis für Linux, Windows und macOS veröffentlicht.

So sollten Sie Audio speichern

An Tonbändern und Musikkassetten nagt der Zahn der Zeit. Um private Aufnahmen zu retten, kann man einen Kassettenrecorder mit USB-Anschluss anschaffen. Bessere Qualität liefert ein altes Tape-Deck eines Markenherstellers, das man mit den Ausgängen an ein billiges Audio-Interface anschließt (zum Beispiel Behringer UMC202HD für 66 Euro).

Zur Archivierung sollte man ein Format wählen, das die Aufnahmen verlustfrei speichert, weit verbreitet und wenn möglich Open Source ist - Finger weg von exotischen oder DRM-geschützten Formaten. Dateien im Wav-Format lassen sich unabhängig vom Betriebssystem überall abspielen. Für digitalisierte Analogaufnahmen genügt eine Wortbreite von 16 Bit bei einer Abtastrate von 44,1 kHz, da Schallplatten und Musikkassetten einen geringen Dynamikumfang haben. 24 Bit Wortbreite und 96 kHz Abtastrate sind nur für professionelle Aufnahmen nötig.

Das Wav-Format benötigt vergleichsweise viel Speicherplatz und speichert keine Meta-Tags, die Aufschluss über den Titel, Künstler und Komponisten geben. Dateien im Format FLAC hingegen sind nur etwa halb so groß. Es speichert ebenfalls verlustfrei, lässt sich mit Meta-Tags beschriften und ist Open Source. Allerdings werden FLAC-Dateien nicht von jedem Abspielgerät ohne Weiteres wiedergegeben.

Um die Wiedergabe zu vereinfachen, bietet sich eine zusätzliche Kopie als MP3 an. MP3 kann von nahezu jedem Gerät wiedergegeben werden und benötigt wenig Platz. Für professionelle Aufnahmen ist es allerdings ungeeignet, da speziell die Höhen unter der verlustbehafteten Kompression leiden. Um die Einbußen zu verringern, sollte man eine Bitrate von 256 kBit/s nicht unterschreiten. Das Open-Source-Programm Audacity exportiert WAV-Dateien. Mit dem freien MP3-Codec Lame lassen sich auch MP3-Dateien ausgeben. FLAC-Tools finden sich auf Xiph.org.

So sollten Sie Video speichern

Der auf Video dokumentierte Bühnenauftritt und der selbst gedrehte Urlaubsfilm sind oft auf VHS-Kassetten, Super-8-Filmen oder digital erhalten. Im ersten Anlauf sollte man differenzieren zwischen analogen Videokassetten und Bewegtbildern auf DVD, Blu-ray-Disc, als Datei oder auf DV-Kassette.

Analoge Aufnahmen sollten Sie zunächst digitalisieren - entweder selbst oder durch Auftrag an einen Dienstleister, der in der Regel eine Video-DVD zurückliefert. Hier reicht die Auflösung von 720 x 576 Pixeln und als Format ein MPEG-2-Datenstrom. Das Resultat entspricht der "Standard Definition" (SD) genannten Auflösung, in der auch MPEG-2-kodierte Filme auf DVD gespeichert sind. Auf Grund der weiten Verbreitung von Video-DVDs lassen sich solche Filme auch in Zukunft noch wiedergeben.

Um aus einer DVD nur einen Teil herauszuschneiden, empfiehlt sich eine preisgünstige, aber kommerzielle Software: Das erspart Schwierigkeiten mit Codecs, da viele Verfahren patentrechtlich geschützt sind. Infrage kommen etwa Video deluxe von Magix, PowerDirector von CyberLink oder Premiere Elements von Adobe. Mit diesen Programmen lässt sich das gewünschte Material importieren, schneiden und als MPEG-2-Datei exportieren.

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Aufnahmen von einer Action-Cam in 1280 x 720 (HD, 720p) oder 1920 x 1080 Pixel (1080p, Full HD) liegen in der Regel im Videoformat MPEG-4 H.264 AVC vor, auch AVC-HD genannt. In diesem sind die meisten Filme auf Blu-ray kodiert. Dieses Format werden handelsübliche Blu-ray-Player sicher noch länger als MPEG-2 wiedergeben können.

Das letzte Backup

Händler in Babylon und Uruk schrieben vor über 5000 Jahren flüchtige Rechnungsdaten in feuchten Ton. Durch Feuer wurden diese Tafeln zum ersten dauerhaft fixierten Medium. Auf Tierhäute oder Papyrus geschriebene Lyrik ging hingegen verloren.

Welches Medium die Zeiten überdauert, kann niemand vorhersagen. Vielleicht ist es das digitale Archiv, vielleicht ein Fotobuch aus Papier. Wer auf verschiedene Medien setzt, hat bessere Chancen, der Zerstörungskraft der Zeit zu trotzen.

Dieser Artikel erschien zuerst in "c't" Ausgabe 8/2017, die aktuelle Ausgabe finden Sie hier.

insgesamt 47 Beiträge
rainerwäscher 14.04.2017
1. Hoffnungslos
Diese Anleitung ist für den Durchschnittssenior schon viel zu kompliziert. Man kann davon ausgehen, dass in Zukunft die meisten Daten unbrauchbar werden, da sie niemand mehr lesen kann. Auch ist unklar, wie lange Datenträger [...]
Diese Anleitung ist für den Durchschnittssenior schon viel zu kompliziert. Man kann davon ausgehen, dass in Zukunft die meisten Daten unbrauchbar werden, da sie niemand mehr lesen kann. Auch ist unklar, wie lange Datenträger überhaupt lesbar sind. Auch Ausdrucken hilft nicht. Das heute gebräuchliche Papier zerfällt in wenigen Jahrzehnten zu Staub. Nicht umsonst setzen Profis auf Mikrofilm, eine Kerze und eine Lupe wird es immer geben.
max.fi 14.04.2017
2. In der Cloud also
Sorry Leute, das mag ja alles für Freaks und flüchtige Erinnerungen gelten. Wirkliche Schätze lasse ich von einem renommierten Labor ausdrucken und hefte sie in das gute alte Fotoalbum. Nix LAN, nix booten, nix [...]
Sorry Leute, das mag ja alles für Freaks und flüchtige Erinnerungen gelten. Wirkliche Schätze lasse ich von einem renommierten Labor ausdrucken und hefte sie in das gute alte Fotoalbum. Nix LAN, nix booten, nix Sch....Betriebssystem - aufschlagen und schauen. Den antiken Farbstich gibts mit der Zeit gratis dazu.
sachfahnder 14.04.2017
3. Digital vs. Analog
Letzteres dürfte in Form von professionell gedruckten Fotos noch immer der klare Sieger bleiben !
Letzteres dürfte in Form von professionell gedruckten Fotos noch immer der klare Sieger bleiben !
monoman 14.04.2017
4. Nie wieder Skateboard fahrende Hunde?!
Angesichts der digitalen Müllsammlung, die allgemein als Internet bezeichnet wird, finde ich es eher tröstlich, dass das alles irgendwann mal wieder verschwunden sein wird.
Angesichts der digitalen Müllsammlung, die allgemein als Internet bezeichnet wird, finde ich es eher tröstlich, dass das alles irgendwann mal wieder verschwunden sein wird.
netzbetreuer 14.04.2017
5. SOMNITY - für die wirklich wichtigen Details
Wir haben uns ebenfalls sehr lange, sehr viel Gedanken zu dem Thema gemacht und den Service SOMNITY ins leben gerufen. Hier kann zentral an einem Ort und hochverschlüsselt, alles abgelegt werden was wichtig ist. Bestimmen Sie [...]
Wir haben uns ebenfalls sehr lange, sehr viel Gedanken zu dem Thema gemacht und den Service SOMNITY ins leben gerufen. Hier kann zentral an einem Ort und hochverschlüsselt, alles abgelegt werden was wichtig ist. Bestimmen Sie selbst zu Lebzeiten, wer sich um den digitalen Nachlass kümmern soll. Nur mit den wirklich wichtigen Details, kann alles so verwaltet werden, wie Sie es sich wünschen.

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